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Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten
Ein erstes Bündnis beider Länder wurde durch ein Abkommen im Jahr 1778 besiegelt und Frankreich spielte eine wichtige Rolle als Unterstützer der Dreizehn …
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Grundlagen und frühes Bündnis
Die Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Frankreich gilt als ältester Verbündeter der USA. Beide Länder schlossen 1778 ihr erstes Bündnis, kämpften in beiden Weltkriegen auf derselben Seite und gehören im 21. Jahrhundert gemeinsam der NATO, der OSZE und der OECD an. Ihre Beziehungen sind von enger politischer, militärischer, kultureller und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, aber auch von wiederkehrenden Konflikten über außen- und sicherheitspolitische Fragen geprägt.
Frankreich war seit dem 16. Jahrhundert mit der Kolonie Neufrankreich in Nordamerika präsent. Nach mehreren Kriegen erreichte Großbritannien im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Aus dem Wunsch nach Revanche unterstützte Frankreich die Dreizehn Kolonien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) finanziell und militärisch. Nach dem amerikanischen Sieg bei Saratoga im Oktober 1777 wurden am 6. Februar 1778 Handels- und Bündnisverträge geschlossen. Frankreich verpflichtete sich, bis zur Sicherung der amerikanischen Unabhängigkeit gegen Großbritannien zu kämpfen und die USA anschließend anzuerkennen. Seine Hilfe war besonders für den Sieg bei Yorktown entscheidend. Außerdem vermittelte Frankreich beim Frieden von Paris von 1783, in dem Großbritannien die Unabhängigkeit der USA anerkannte.
Die Unterstützung belastete jedoch die französische Staatskasse und förderte zugleich freiheitliche und liberale Bewegungen in Europa. Nach Beginn der Französischen Revolution entstanden Spannungen, weil sich die USA im Ersten Koalitionskrieg für neutral erklärten. Im nicht erklärten Quasi-Krieg griffen französische und amerikanische Seestreitkräfte in der Karibik gegenseitig Schiffe an. Der Vertrag von Mortefontaine beendete den Konflikt 1800 und damit auch das Bündnis, das praktisch nur von 1778 bis 1783 bestanden hatte.
1803 verkaufte Napoleon Bonaparte das Louisiana-Territorium für 15 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten, um seine europäischen Kriege zu finanzieren. Dieser Louisiana Purchase verdoppelte das Staatsgebiet der USA und ermöglichte ihre spätere Westexpansion ohne Krieg. 1823 richtete sich die Monroe-Doktrin gegen den Einfluss europäischer Mächte in Nordamerika.
Vom Bürgerkrieg bis zu den Weltkriegen
Im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) blieb Frankreich offiziell neutral. Napoleon III. bevorzugte jedoch die Konföderierten Staaten, weil er die USA schwächen, den Baumwollhandel sichern und französischen Einfluss in Mexiko ausbauen wollte. 1863 setzte er den österreichischen Erzherzog Maximilian I. auf den mexikanischen Thron. Dies widersprach der Monroe-Doktrin. Diplomatischer Druck und der Aufmarsch amerikanischer Soldaten an der mexikanischen Grenze bewogen Napoleon III. 1865 zum Rückzug der französischen Truppen. Die mexikanische Republik wurde wiederhergestellt und Maximilian hingerichtet. Der Sieg der Union, der französische Rückzug und der Verkauf Alaskas durch Russland stärkten die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre.
Nach der Absetzung Napoleons III. im Jahr 1870 verbesserten sich die Beziehungen. Während der deutschen Belagerung von Paris leisteten dort lebende Amerikaner unter Elihu B. Washburne medizinische, humanitäre und diplomatische Hilfe. Die 1884 von Frankreich an die USA übergebene Freiheitsstatue wurde zum dauerhaften Symbol der Freundschaft. Von 1870 bis 1918 verband beide Staaten außerdem, dass Frankreich die einzige große Republik in einem überwiegend monarchischen Europa war. In der Ersten Marokkokrise von 1906 unterstützte Präsident Theodore Roosevelt Frankreich.
Im Ersten Weltkrieg blieben die USA zunächst fast drei Jahre neutral und traten im April 1917 aufseiten der Triple Entente in den Krieg ein. Sie unterstützten Frankreich mit Krediten, Lebensmitteln und Rohstoffen. 1918 kamen mehr als zwei Millionen amerikanische Kampftruppen unter General John J. Pershing nach Europa. Sie verschafften den Alliierten einen entscheidenden Vorteil. Nach dem Krieg bestanden Meinungsverschiedenheiten über Deutschland: Frankreich wollte dessen Zerstückelung und einen Pufferstaat im Rheinland, während Präsident Woodrow Wilson dies als Gefahr für den künftigen Frieden ablehnte. Der Dawes-Plan sollte später die gegenseitigen Schuldenprobleme ordnen: Amerikanische Banken liehen Deutschland Geld für Reparationszahlungen an Frankreich, das damit amerikanische Kriegskredite bedienen sollte. Das System brach während der Weltwirtschaftskrise zusammen.
Nach Adolf Hitlers Machtübernahme rückten Frankreich und die USA wieder enger zusammen. Schon vor dem deutschen Westfeldzug lieferten die USA Waffen an Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten sie mit den Forces françaises libres, den freien französischen Streitkräften, zusammen und brachen 1942 die Beziehungen zum Vichy-Regime ab. Die amerikanischen Streitkräfte spielten bei der alliierten Landung in der Normandie am D-Day 1944 und bei der Befreiung Frankreichs eine wichtige Rolle.
Bündnis, Eigenständigkeit und aktuelle Konflikte
Nach 1945 wurden beide Staaten Verbündete in der NATO. Durch den Marshallplan erhielt Frankreich 2,3 Milliarden US-Dollar ohne Rückzahlungsverpflichtung; sämtliche amerikanischen Zuschüsse und Kredite an Frankreich beliefen sich von 1946 bis 1953 auf 4,9 Milliarden US-Dollar. Obwohl die USA Frankreichs Versuche kritisierten, die Kolonialherrschaft in Afrika und Südostasien wiederherzustellen, halfen sie der französischen Regierung gegen den kommunistischen Aufstand in Französisch-Indochina.
In der Sueskrise von 1956 griffen Frankreich, Großbritannien und Israel Ägypten an, nachdem dieses den Sueskanal verstaatlicht hatte. US-Präsident Dwight D. Eisenhower zwang sie zum Rückzug. Frankreich distanzierte sich danach stärker von den USA. Präsident Charles de Gaulle verfolgte eine strategische Autonomie, also größere außen- und militärpolitische Selbstständigkeit. Es kam zum Streit über Frankreichs atomare Bewaffnung, die Eisenhower als Schwächung der NATO ansah. 1966 zog de Gaulle die französischen Streitkräfte aus der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück; daraufhin verließen amerikanische Truppen Frankreich. Der Vietnamkrieg wurde in Frankreich kritisch betrachtet und löste auch innerhalb der 68er-Bewegung Proteste aus.
Nach de Gaulles Abgang 1969 verbesserten sich die Beziehungen etwas, blieben aber wechselhaft. In den 1980er Jahren arbeiteten beide Länder in einigen internationalen Fragen zusammen, stritten jedoch unter anderem über die US-Operation El Dorado Canyon, die deutsche Wiedervereinigung und eine Erdgasleitung aus der Sowjetunion. Frankreich unterstützte 1991 im Zweiten Golfkrieg die Operation Daguet gegen den Irak. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entstand 2002 in Paris die Alliance Base, ein gemeinsames Geheimdienstzentrum für den Krieg gegen den Terror. Frankreich lehnte jedoch eine Teilnahme an der Koalition gegen Saddam Hussein im Irakkrieg ab. Dies führte in den USA zu Boykottaufrufen gegen französische Produkte.
Unter Nicolas Sarkozy wurden die Beziehungen ab 2007 wieder freundlicher; 2009 kehrte Frankreich in das integrierte NATO-Kommando zurück. Bei der französischen Operation Serval in Mali ab 2013 leisteten die USA logistische Hilfe. François Hollande absolvierte am 10. Februar 2014 den ersten Staatsbesuch eines französischen Regierungschefs in den USA seit fast zwei Jahrzehnten.
Unter Donald Trump belasteten Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und der Europäischen Union das Verhältnis. Emmanuel Macron kritisierte Trump mehrfach, bezeichnete die NATO 2019 als „hirntot“ und forderte strategische Autonomie für Europa. Das 2021 geschlossene AUKUS-Abkommen der USA mit Großbritannien und Australien löste eine weitere Krise aus. Frankreich berief mit Philippe Étienne erstmals seinen Botschafter aus den USA zurück. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 standen beide Staaten wieder auf derselben Seite: Sie verhängten Sanktionen gegen Russland und unterstützten die Ukraine diplomatisch, wirtschaftlich und politisch.
Kultureller Austausch und gegenseitige Vorbehalte
Der jahrhundertelange kulturelle Austausch ist besonders im US-Bundesstaat Louisiana sichtbar, wo sich bis ins 21. Jahrhundert eine eigenständige Cajun- und Kreolenkultur mit starken französischen Einflüssen erhalten hat. Im frühen 20. Jahrhundert lebten zahlreiche amerikanische Schriftsteller der sogenannten Lost Generation in Paris. William Faulkner, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway wurden vom französischen Leben geprägt; Hemingway verarbeitete diese Erfahrungen in seinen postum veröffentlichten Erinnerungen „Paris – Ein Fest fürs Leben“. Auch amerikanische Künstler wie Josephine Baker waren in Frankreich erfolgreich.
Paris nahm in den 1920er Jahren amerikanische Jazzmusik und besonders afroamerikanische Künstler offen auf. Anders als in großen Teilen der damaligen USA bestanden in Frankreich keine Gesetze zur Rassendiskriminierung. Gleichzeitig entstand in den 1920er Jahren Antiamerikanismus. Französische Traditionalisten betrachteten Hollywood und die von den USA verkörperte Moderne als Gefahr für traditionelle Werte, Bräuche und Volksliteratur. Ähnliche Sorgen zeigten sich 1992 bei der Eröffnung des 4 Milliarden Dollar teuren Disneyland Paris. Manche Franzosen sehen kulturelle Globalisierung und Amerikanisierung weiterhin als Bedrohung für Frankreichs starke eigene Kulturtradition. Antiamerikanische Argumente beziehen sich unter anderem auf Protestantismus, Materialismus und eine angebliche Kulturlosigkeit. Solche Vorstellungen sind in Frankreich jedoch nicht zwangsläufig weiter verbreitet als in anderen europäischen Ländern.
Handel und Investitionen
Frankreich und die USA sind enge Wirtschafts- und Handelspartner. Die Vereinigten Staaten sind der größte ausländische Investor in Frankreich; zugleich sind sie für französische Unternehmen das wichtigste Ziel ausländischer Direktinvestitionen, also langfristiger Unternehmensbeteiligungen und Investitionen im Ausland.
Bis 2017 hatten französische Unternehmen mehr als 300 Milliarden US-Dollar in den USA investiert. Amerikanische Unternehmen hatten im Gegenzug knapp 90 Milliarden US-Dollar in Frankreich angelegt. Das gemeinsame Handelsvolumen betrug 2020 knapp 70 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 27,3 Milliarden US-Dollar auf amerikanische Exporte nach Frankreich. Der Handel mit Frankreich machte knapp zwei Prozent des gesamten amerikanischen Außenhandelsvolumens aus.