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Bart D. Ehrman
Bart Denton Ehrman (* 5. Oktober 1955 in Lawrence, Kansas) ist ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler und Bestsellerautor. In Forschung und Lehre …
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Überblick
Bart Denton Ehrman (* 5. Oktober 1955 in Lawrence, Kansas) ist ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler und Bestsellerautor. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich vor allem mit dem Neuen Testament, dem Frühchristentum und den Kirchenvätern. Wichtig ist er besonders durch seine Arbeiten zur Entstehung und Überlieferung biblischer Texte sowie durch seine allgemein verständlichen Bücher über Widersprüche, Varianten und unterschiedliche theologische Sichtweisen in frühen christlichen Schriften.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Ehrman wuchs evangelikal auf und war Mitglied der Episkopalkirche. Mit 15 Jahren hatte er eine Wiedergeburtserfahrung, also ein religiöses Erlebnis, das er als persönlichen Neuanfang im Glauben verstand. Von 1973 bis 1976 besuchte er das Moody Bible Institute in Chicago.
Um sich intensiver mit dem Glauben und der Bibel zu befassen, lernte er die alten Sprachen der Bibel: Hebräisch und Griechisch. 1978 erwarb er den Bachelor am Wheaton College, 1981 den Master und 1985 den Doktor am Princeton Theological Seminary. Von 1988 bis 2025 war er Professor für Religionswissenschaften an der University of North Carolina at Chapel Hill.
Wandel seiner religiösen Überzeugungen
Ehrman kam durch seine Beschäftigung mit der Bibel zu der Überzeugung, dass die Bibel nicht irrtumsfrei und nicht von Gott bis in jedes einzelne Wort hinein offenbart sei, wie er früher gedacht hatte. Stattdessen sieht er die Bibel als menschliches Buch. Damit meint er ein Werk, das Merkmale menschlicher Entstehung trägt: Diskrepanzen, Widersprüche, Irrtümer, Fehler und unterschiedliche Perspektiven verschiedener Autoren.
Nach Ehrmans Sicht wurden biblische Texte zu unterschiedlichen Zeiten, aus unterschiedlichen Gründen, für unterschiedliche Empfänger und mit unterschiedlichen Bedürfnissen geschrieben. Darum gebe es auch Hunderttausende Unterschiede und Varianten in den biblischen Texten. Er gab deshalb seine evangelikalen Ansichten auf, blieb zunächst aber noch Christ.
Ein entscheidender Grund für seinen späteren Abschied vom christlichen Glauben war der frühe Tod seines Vaters an Krebs und das Theodizeeproblem. Das Theodizeeproblem ist die Frage, wie Leid und Elend in der Welt mit dem Glauben an einen guten und allmächtigen Gott vereinbar sein können. Ehrman konnte die Lehren des Glaubens nicht mehr mit den Tatsachen des Lebens verbinden. Besonders angesichts des Leidens in der Welt konnte er nicht länger glauben, dass es einen guten und allmächtigen Gott gebe, der sich aktiv um die Welt kümmere. Seitdem bezeichnet er sich als Atheist und Agnostiker. Auf die Frage, ob er an eine höhere Macht glaube, antwortete er: „Woher soll ich das wissen?“ Auf die Frage, ob er an den Gott des Christentums glaube, antwortete er: „Nein“.
Forschung zu frühem Christentum und Textkritik
Ehrman folgt der These Walter Bauers. Nach dieser These hatten diejenigen Richtungen des Christentums, die später als häretisch bezeichnet wurden, sowohl zeitlich als auch sachlich Vorrang gegenüber der späteren Orthodoxie. „Häretisch“ bedeutet dabei von der später als richtig geltenden Lehre abweichend; „Orthodoxie“ bezeichnet die später als rechtgläubig geltende Lehre.
Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld Ehrmans ist die Textkritik des Neuen Testaments. Textkritik untersucht verschiedene Handschriften und Textvarianten, um die Überlieferung eines Textes zu verstehen. Ehrman wendet sich gegen die Auffassung, Textkritik solle ausschließlich dazu dienen, einen hypothetischen „Urtext“ der neutestamentlichen Schriften zu rekonstruieren. Stattdessen sieht er in der Vielfalt der Handschriften einen Zugang zur Theologie- und Sozialgeschichte des antiken Christentums. Die Textvarianten zeigen für ihn also nicht nur Fehler oder Abweichungen, sondern auch etwas über Glaubensvorstellungen, Konflikte und soziale Entwicklungen früher Christinnen und Christen.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Ehrmans ausgewählten Schriften gehören wissenschaftliche und allgemein verständliche Werke über das Neue Testament, frühe christliche Texte, Textkritik und das Problem des Leidens. Genannt werden unter anderem The Orthodox Corruption of Scripture – The Effect and Early Christological Controversies on the Text of the New Testament (1993), The New Testament – A Historical Introduction to the Early Christian Writings (1997 und 2015), Jesus: Apocalyptic Prophet of the New Millennium (1999), The Apostolic Fathers, Greek-English edition (2003), Lost Christianities: The Battles for Scripture and the Faiths We Never Knew (2003) und Misquoting Jesus: The Story Behind Who Changed the Bible and Why (2005).
Mehrere seiner Bücher liegen auch auf Deutsch vor oder behandeln Themen, die im Artikel besonders wichtig sind: Abgeschrieben, falsch zitiert und missverstanden: Wie die Bibel wurde, was sie ist (2008) behandelt die Entstehung und Veränderung biblischer Texte; God’s Problem: How the Bible Fails to Answer Our Most Important Question – Why We Suffer (2008) bezieht sich auf die Frage nach Leid; Jesus, Interrupted: Revealing the Hidden Contradictions in the Bible (and Why We Don’t Know About Them) (2009) erschien auf Deutsch als Jesus im Zerrspiegel: Die verborgenen Widersprüche in der Bibel und warum es sie gibt (2010). Außerdem veröffentlichte Ehrman Forgery and Counterforgery. The Use of Literary Deceit in Early Christian Polemics (2013), ein Werk über literarische Täuschung in frühchristlichen Auseinandersetzungen.