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B. B. King

Er gilt als einer der „drei Kings des elektrischen Blues“, neben Albert King und Freddie King. Er beeinflusste Generationen von Rock- und Bluesmusikern. Seine …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und musikalisches Profil
  2. 2. Kindheit, Memphis und erste Erfolge
  3. 3. Tourneen, Plattenfirmen und Wandel des Publikums
  4. 4. Internationale Karriere und Lucille
  5. 5. Späte Jahre, Tod, Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Bedeutung und musikalisches Profil

B. B. King, eigentlich Riley Benjamin King (16. September 1925 in Berclair, Mississippi; † 14. Mai 2015 in Las Vegas, Nevada), war ein besonders einflussreicher Bluesgitarrist und Blues-Sänger. Er gilt neben Albert King und Freddie King als einer der „drei Kings des elektrischen Blues“ und beeinflusste mehrere Generationen von Rock- und Bluesmusikern. Seine Schallplatten wurden insgesamt mit 15 Grammys ausgezeichnet.

Das Kürzel „B. B.“ steht für „Blues Boy“. Es ist die verkürzte Form von „Beale Street Blues Boy“, Kings Pseudonym als Moderator beim Radiosender WDIA. Seine musikalische Laufbahn war eng mit dem elektrischen Blues verbunden. Er blieb dem Blues auch dann verbunden, als Rock ’n’ Roll, Pop, Soul und später ein überwiegend weißes Publikum den Musikmarkt veränderten.

Kindheit, Memphis und erste Erfolge

King wurde als Sohn des Farmpächters Albert King und Nora Ella King geboren. Nach der Trennung seiner Eltern, als er vier Jahre alt war, wuchs er bei seinen Großeltern mütterlicherseits in Kilmichael auf. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war. 1940 lebte er zwei Jahre bei seinem Vater in Lexington; danach kehrte er nach Kilmichael zurück, zog nach Indianola und kam 1946 nach Memphis.

Als Kind und Jugendlicher sang er Gospel. Zugleich hörte er Bluesmusiker wie Blind Lemon Jefferson und Lonnie Johnson sowie den Gitarristen T-Bone Walker. Zu seinen weiteren Vorbildern gehörten Charlie Christian und Django Reinhardt. In Memphis lernte er über den Bluesmusiker Bukka White, einen entfernten Verwandten seiner Mutter, und trat mit Walter Horton in Juke Joints und Parks auf. Nach einer vorübergehenden Rückkehr nach Indianola kam er Ende 1948 erneut nach Memphis. Robert Lockwood half ihm, sein Gitarrenspiel deutlich zu verbessern.

Anfang 1949 durfte King in der Radioshow von Sonny Boy Williamson II. auf KWEM singen. Im April 1949 erhielt er auf WDIA eine eigene, von Lucky Strike gesponserte 15-minütige Live-Sendung. Im folgenden Jahr moderierte er als DJ den Sepia Swing Club. Dadurch konnte er tausende Platten anhören und versuchen, sie nachzuspielen.

Seine ersten Aufnahmen entstanden 1949 für Bullet Records in Nashville. Die beiden Singles verkauften sich schlecht. 1950 nahmen ihn Jules und Saul Bihari für RPM unter Vertrag. Da Modern Records in Memphis kein eigenes Studio besaß, fanden die ersten RPM-Sessions in Sam Phillips’ neuem Studio statt. Die frühen Aufnahmen mit seiner Band waren innovativ, aber kommerziell wenig erfolgreich.

Der Durchbruch kam mit 3 O’Clock Blues, das im September 1951 aufgenommen wurde. Die Single hielt sich fünf Wochen auf Platz eins der R&B-Charts. Es folgten Tourneen mit Tiny Bradshaws Orchester und später mit der bis 1955 bestehenden Band von Bill Harvey. You Know I Love You und Please Love Me wurden 1952 beziehungsweise 1953 weitere Nummer-eins-Hits der R&B-Charts.

Am 18. und 19. August 1954 wurde in Los Angeles Everyday I Have the Blues aufgenommen. Die im Dezember 1954 veröffentlichte Single erreichte Platz 8 der R&B-Hitparade. Laut Billboard summierten sich die Verkäufe über die Jahre auf mehr als 4 Millionen Exemplare; damit gehörte das Stück zu den meistverkauften Bluessongs aller Zeiten. King wurde zu einem nationalen Star und blieb zunächst stark dem Blues verpflichtet.

Tourneen, Plattenfirmen und Wandel des Publikums

Anfang 1955 beendete King wegen geschäftlicher Differenzen die Zusammenarbeit mit Bill Harvey und Manager Morris Merritt. Er gründete die neue B. B. King Revue unter der Leitung von Millard Lee. Die Band tourte durch die Vereinigten Staaten, in große Theater wie das Apollo Theater in Harlem, aber auch in kleinere Clubs und Juke Joints des Südens. King spielte den gesamten Chitlin’ Circuit und war 1956 mit 342 Konzerten vollständig ausgebucht.

1956 gründete er in der Beale Street in Memphis das eigene Label Blues Boys Kingdom. Es produzierte unter anderem Aufnahmen von Millard Lee und Levi Seabury, scheiterte jedoch, weil King wegen seiner Musikerkarriere weder genügend Zeit noch die nötigen Kompetenzen für die Unternehmensführung hatte. Seine eigenen Aufnahmen entstanden nun meist im Modern Studio in Los Angeles mit Musikern unter der Leitung von Maxwell Davis.

Mitte der 1950er Jahre verlor der Blues durch den Aufstieg des Rock ’n’ Roll in der afroamerikanischen Gesellschaft an Popularität. Die Biharis versuchten deshalb, King zur Popmusik zu bewegen. Er nahm unter anderem Sixteen Tons und Bim Bam auf, doch Popballaden brachten nicht den früheren kommerziellen Erfolg. Ab 1958 erschienen seine Singles beim Sublabel Kent Records.

King verließ Modern Records schließlich auch wegen der Veröffentlichungspolitik. Die Biharis brachten seine Alben auf dem Billiglabel Crown Records für 99 Cent heraus; zwölf solcher LPs erschienen zwischen 1957 und 1963. Sie wurden vom Billboard Magazine weitgehend ignoriert und fanden wenig öffentliche Anerkennung. Außerdem beanspruchten die Biharis bis zu drei Viertel der Tantiemen und verwendeten bei den Komponistenangaben eigene Pseudonyme wie Jules Taub, Joe Josea oder Sam Ling. Diese Praxis des „Cut In“ und die Labelpolitik führten dazu, dass King im Januar 1962 bei ABC-Paramount unterschrieb.

1960 erreichte seine Interpretation von Sweet Sixteen noch einmal Platz 2 der R&B-Charts. Während andere Bluesmusiker durch den Folk-Musik-Boom ein neues, vor allem weißes Publikum fanden, blieb King seiner bisherigen Zuhörerschaft treu und trat weiterhin mit einer 13-köpfigen Band in afroamerikanischen Kulturzentren auf. In Europa waren seine Platten zunächst kaum erhältlich, weil die Biharis ihren Katalog nur schwer lizenzierten.

Ein Wendepunkt war Live at the Regal. Das am 21. November 1964 im Regal Theater in Chicago aufgenommene Livealbum erschien 1965 bei ABC-Paramount und wurde mit seinem lebhaften Auftritt vor afroamerikanischem Publikum ein Überraschungserfolg. Parallel veröffentlichten die Biharis Archivmaterial auf Kent, darunter Rock Me Baby, das 1964 Platz 34 der US-Popcharts erreichte. Darunter waren auch alte Aufnahmen mit nachträglichen Overdubs, was bei den Fans für Verwirrung sorgte.

Um 1966/67 veränderte sich Kings Publikum: Die afroamerikanische Jugend entfernte sich zunehmend vom Blues, während immer mehr weiße Jugendliche seine Konzerte besuchten. 1967 wurde Sidney Seidenberg sein Manager. King trat nun auch bei Rockfestivals und in Hippiezentren wie dem Fillmore West auf. Mit The Thrill Is Gone gelang ihm schließlich der bis dahin größte Hit; das Stück erreichte Platz 15 der US-Popcharts. 1969 trat King bei der US-Tournee der Rolling Stones im Vorprogramm auf. 1970 war er der erste Bluesmusiker in der Tonight Show und trat im Oktober desselben Jahres in der Ed Sullivan Show auf.

Internationale Karriere und Lucille

Nach The Thrill Is Gone nahm King 1970 Indianola Mississippi Seeds mit weißen Rockmusikern wie Carole King und Leon Russell auf. Das von Bill Szymezyk angeregte Album klang sanfter als frühere Veröffentlichungen und enthielt die Hits Chains and Things, Ask Me No Question und Hummingbird. 1971 entstand in London mit britischen Gastmusikern, darunter Alexis Korner, Peter Green und Steve Winwood, das Album In London. Dabei spielte King erstmals seit 1946 bei einem Titel wieder akustische Gitarre.

1972 trat King bei einem Konzert mit Insassen des New Yorker Gefängnisses Sing Sing auf. Er bezeichnete es später als das beste Konzert, das er jemals gegeben habe. 1973 nahm er in Philadelphia To Know You Is to Love You auf, das stark von Soul beeinflusst war; beim Titelstück wirkte Stevie Wonder mit. Vor dem Boxkampf „Rumble in the Jungle“ zwischen Muhammad Ali und George Foreman trat King im Oktober 1974 in Kinshasa, Zaire, auf.

Weitere wichtige Kooperationen waren When Love Comes to Town mit U2 für das Album Rattle and Hum und Kings Teilnahme an der Lovetown Tour 1989. 2000 produzierte er mit Eric Clapton Riding with the King. King besaß außerdem Bluesclubs unter anderem in Memphis, New Orleans und Nashville. Er tourte regelmäßig und spielte mehr als 200 Konzerte pro Jahr. Ab 2004 trat er aus Alters- und Gesundheitsgründen seltener auf; 2005 unternahm er eine „Final Farewell Tour“ durch Europa, trat aber auch 2006 in den Vereinigten Staaten und Europa sowie 2009 erneut in Europa auf.

Sein bekanntestes Gitarrenmodell nannte King „Lucille“. Der Name geht auf einen Brand in einem Musikclub in Arkansas 1949 zurück. King war in das brennende Gebäude zurückgelaufen, um seine Gitarre zu retten. Als er erfuhr, dass der Brand durch den Streit zweier Männer um eine Frau namens Lucille entstanden war, benannte er die Gitarre nach ihr, damit sie ihn an dieses Erlebnis erinnerte.

Die Gibson ES-335 ist halbresonant, besitzt jedoch keine typischen F-Löcher und verfügt über eine erweiterte Klangregelung, den Varitone-Drehschalter. Seit 1999 bewarb King außerdem die von Gibson entwickelte Little Lucille. Er soll insgesamt sechzehn Exemplare des Gitarrenmodells besessen haben; einige Gitarren sind im Delta Blues Museum in Clarksdale, Mississippi, ausgestellt.

Späte Jahre, Tod, Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Der Dokumentarfilm The Life of Riley (Großbritannien 2012, 119 Minuten) kam im Mai 2013 in deutscher Originalfassung mit Untertiteln in die deutschen Kinos. Er behandelt Kings Leben; Morgan Freeman erzählt die Geschichte. Neben King kommen Zeitzeugen und beeinflusste Musiker wie Bonnie Raitt, Eric Clapton, Buddy Guy, Bono, Carlos Santana und Mick Jagger zu Wort.

King starb am 14. Mai 2015 im Alter von 89 Jahren an den Folgen einer langen Diabetes-Krankheit, nachdem er wegen einer Dehydratation in ein Krankenhaus in Las Vegas eingeliefert worden war. Zwei Töchter äußerten danach den Verdacht, er sei von seinen Managern vergiftet worden. Ermittlungen ergaben jedoch, dass King eines natürlichen Todes gestorben war. Er wurde auf dem Gelände seines Museums in Indianola, Mississippi, beigesetzt. King war zweimal verheiratet: von 1946 bis 1952 mit Martha Lee Denton und von 1958 bis 1966 mit Sue Carol Hall. Mit verschiedenen anderen Partnerinnen hatte er 15 Kinder.

Zu seinen Auszeichnungen gehören die Aufnahme in die Blues Hall of Fame (1980) und die Rock and Roll Hall of Fame (1987), die National Medal of Arts (1990), ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame am 21. August 1990 bei 6771 Hollywood Blvd., der Kennedy-Preis (1995), der Polar Music Prize (2004) und die Presidential Medal of Freedom (2006). 2008 wurde in Indianola das B. B. King Museum and Delta Interpretive Center eröffnet; im selben Jahr wurde King in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2014 folgte die Aufnahme in die Down Beat Hall of Fame. Rolling Stone führte ihn auf Platz sechs der 100 größten Gitarristen aller Zeiten; 2003 hatte er dort Platz drei erreicht. In der Liste der 100 größten Sänger belegte er Platz 96. 2019 ehrte Google ihn mit einem musikalischen Doodle.

Seine Diskografie umfasst Studio- und Livealben, Archivveröffentlichungen, Kompilationen und Alben mit Gastmusikern. Zu den zentralen Veröffentlichungen gehören Singin’ the Blues (1957), The Blues (1958), Live at the Regal (1965), Lucille (1968), Completely Well (1969), Indianola Mississippi Seeds (1970), In London (1971), To Know You Is to Love You (1973), Blues Summit (1993), Deuces Wild (1997), Riding with the King (2000), 80 (2005) und One Kind Favor (2008). Viele frühe Alben erschienen bei Crown oder Kent und wurden später mit Bonustracks wiederveröffentlicht. Die Chartdaten zeigen besonders für spätere Alben Einträge in den US-Charts, darunter Indianola Mississippi Seeds auf Platz 26, Deuces Wild auf Platz 73 und One Kind Favor auf Platz 37.

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