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Aussprache der englischen Sprache

Die wichtigsten Standardformen des Englischen sind Received Pronunciation (RP, Großbritannien), General American (GAm, Vereinigte Staaten von Amerika) und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlegendes und Phoneminventar
  2. 2. Konsonanten
  3. 3. Vokale
  4. 4. Stark- und Schwachtonform
  5. 5. Geschichtliche Entwicklung
  6. 6. Rechtschreibung und Aussprache, Prosodie

Grundlegendes und Phoneminventar

Die Aussprache der englischen Sprache umfasst ihre Phonetik und Phonologie. Sie ist nicht überall gleich: Die wichtigsten Standardformen sind Received Pronunciation (RP, Großbritannien), General American (GAm, USA) und General Australian (GAu, Australien). In den meisten Belangen stimmen diese Varietäten überein.

Der Lautbestand variiert: Manche Laute wie [x] oder [ʍ] kommen nicht in allen Varietäten vor, andere treten nur als Allophone (Varianten eines Phonems) auf, z. B. [ç] oder [ʔ]. Bei den Vokalen gibt es große regionale Unterschiede: Das ‚a' in ‚ask' wird u. a. als [ɑː], [æˑ], [äː], [a] oder [ɛ] gesprochen, das ‚u' in ‚cut' u. a. als [ɐ], [ɜ], [ä], [ʌ], [ə], [ɔ] oder [ʊ].

Konsonanten

Die englischen Konsonantenphoneme umfassen Nasale, Plosive, Frikative, Affrikaten, Approximanten und /l/.

Nasale: /m/ (man, dim), /n/ (name, thin) – beide werden vor labiodentalen Konsonanten als [ɱ] ausgesprochen – und /ŋ/ (bank, thing), das nicht silbeninitial auftritt.

Plosive: /p, b, t, d, k, g/. /p/, /t/ und /k/ werden silbeninitial aspiriert ([pʰ], [tʰ], [kʰ], z. B. pan, tan, cold) und silbenfinal mit Glottalverschluss ([ˀp], [ˀt], [ˀk], z. B. dip, debt, deck). /t/ und /d/ werden vor /ɹ/ oft zu [t͡ʃ] bzw. [d͡ʒ]. Der glottale Plosiv [ʔ] (uh-oh) ist in vielen Mundarten ein Allophon von /p, t, k/ am Wortende, nach unbetontem Vokal oder vor betontem Vokal (z. B. button); er steht auch vor vokalisch beginnenden Wörtern am Satzbeginn (ʔAttention!). Er gilt nicht als eigenes Phonem.

Frikative: /f, v, θ, ð, s, z, ʃ, ʒ, h/, dazu [ç] und [x] nicht in allen Varietäten. /θ/ (throw, bath) und /ð/ (that, breathe) werden von manchen Sprechern nicht standardgemäß als [f], [t̪], [h] bzw. [v], [d̪] gesprochen. /ʒ/ (vision) tritt nicht silbeninitial auf. /x/ (loch) ist nicht mehr produktiv, kommt nur im Schottischen in einheimischen Wörtern vor und wird meist als /k/ oder /h/ ausgesprochen; in Fremdwörtern (jalapeño, chutzpah, Bach) tritt es ggf. auf. /h/ (hat) steht nur silbeninitial; in vielen Dialekten wie dem Cockney fällt es ganz weg (h-dropping).

Affrikaten: /t͡ʃ/ (chew, fetch) und /d͡ʒ/ (jam, edge). Verbindungen „Plosiv + Frikativ“ wie in cats [kæt͡s] werden affrikatenartig gesprochen, sind aber keine Phoneme.

Zentrale Approximanten: /ɹ/ (run) wird je nach Mundart als [ɹ], [ɻ], [r] oder [ɾ] gesprochen. Man unterscheidet rhotische Dialekte (amerikanisches, schottisches Englisch), in denen /ɹ/ auch silbenfinal auftritt (bar [bɑ:ɹ]), und nicht-rhotische Dialekte (britisches, australisches, südafrikanisches Englisch) mit bar [bɑ:], außer als linking R oder intrusive R (the bar of [ðə bɑ:ɹ ɒv]). /j/ (year, new) steht nur silbeninitial. /ʍ/ (whine) wird von den meisten Sprechern als /w/ gesprochen (wine-whine merger). /w/ (wine, quite) steht konsonantisch nur silbeninitial.

Weitere Laute: /l/ steht mit [ɫ] in Allophonie (call, bottle). [ɾ] (das Zungenspitzen-R in better, rider) ist vor allem im amerikanischen und australischen Englisch ein Allophon von /t/ und /d/ zwischen Vokalen, wenn die folgende Silbe unbetont ist.

Vokale

Die Vokalaussprache variiert stark: Das O in ‚lot' ist im RP [ɒ], im GAm [ɑ], im GAu [ɔ]. Man unterscheidet gespannte (lange) Vokale – Langvokale, Diphthonge und Triphthonge mit größerer Muskelspannung – und ungespannte (kurze) Vokale. Nur gespannte Vokale stehen in betonten offenen Silben; nur ungespannte Vokale stehen vor dem velaren Nasal ŋ. Lang- und Kurzvokale unterscheiden sich nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ (Zungenstellung): ɑː (bath) – ʌ (but); æˑ (bad) – e (bed); ɜː (Sir) – ə (second); iː (seat) – ɪ (sit); ɔː (short) – ɒ (shot); uː (shoot) – ʊ (sugar). Die Vokallänge hängt vom Folgekonsonanten ab: Vor Lenes bzw. am Wortende sind Vokale länger als vor Fortes.

Wichtige Monophthonge der RP: /ɑː/ (cart, father; GAm [ɑ], GAu [ä:]), /æˑ/ (cat; halblang, nicht silbenfinal), /ɐ/ (cut, son; früher [ʌ], im GAm [ɜ], im GAu [ä]), /ɛ̝/ (kettle), /ə/ (about), /iː/ (key), /ɪ/ (kit), /ɜː/ (girl), /ɔ̝ː/ (caught; im GAm [ɔ], im GAu [o:]), /ɒ/ (cot; nicht silbenfinal), /uː/ (coo; wird oft diphthongisiert) und /ʊ/ (cook; nicht silbenfinal).

Wichtige Diphthonge: /eɪ/ (face, they), /aɪ/ (eye, my), /aʊ̯/ (now), /oʊ̯/ (so, phone), /ɔɪ̯/ (boy, choice), /ɪər/ (dear), /ɛər/ (fair, there), /ɔər/ (war, more), /ʊər/ (poor, tour) und /juː/ (beauty, human).

Triphthonge (im RP): hour, fire, player, lawyer, pure u. a., z. B. /aʊ̯ə/ in hour, /aɪ̯ə/ in fire, /eɪ̯ə/ in player.

In unbetonten Silben werden Vokale reduziert, meist zu /ə/ (about), daneben /ɨ/, /ɪ̵/, /ʊ̵/, /ɵ/. Es gibt auch schwache Vokale /i/ (city, radiation) und /u/ (actual). Die meisten Sprecher unterscheiden diese reduzierten Vokale nicht; sie werden normalerweise alle als ə dargestellt.

Stark- und Schwachtonform

Einige englische Wörter haben eine Schwachtonform (weak form) mit Kürzung, Abschwächung oder Schwund des Vokals, z. B. [jɘ]/[jɘr] für your oder [ðɘm]/[ðm] für them.

Bei Funktionswörtern (Artikel, Präpositionen, Hilfsverben, Konjunktionen, Pronomen) sind Schwachtonformen der Normalfall. Sie sind kein umgangssprachlicher Makel, sondern Teil der Standardsprache.

Die starke Form (strong form) wird bei Emphase, am Sprechtaktanfang und am Sprechtaktende verwendet.

Geschichtliche Entwicklung

Die Periodisierung folgt der phonetischen Entwicklung (Proto-Anglofriesisch 400–475, Altenglisch 475–900, bis Chaucer 900–1400, bis Shakespeare 1400–1600, bis 1725, danach).

Proto-Anglofriesisch (400–475): [ɑː] → [æː] (dt. Tag, engl. day); [ai] → [ɑː] (dt. Stein, engl. stone); Schwund des /n/ vor Frikativen (Gans – goose); /ɡ/ oft zu /j/ (Wege – way).

Altenglisch (475–900): Bildung von Zwielaute wie ea, eo, io; /au/ → /æa/ (dt. Traum, engl. dream); I-Mutation (Hintere Vokale werden zu vorderen, wenn /i/ oder /j/ folgt); /sk/ → /ʃ/ (Schiff – ship); /k/, /ɣ/, /ɡ/ teilweise zu /ʧ/, /j/, /ʤ/.

Bis Chaucer (900–1400): Verlängerung vor /ld/, /mb/, /nd/, /rd/, /nɡ/, /rl/, /rn/ (findan – find); Verkürzung vor zwei oder mehr Konsonanten; /ʏ/, /yː/ → /ɪ/, /iː/; alle unbetonten Vokale → /ə/; /ɣ/ → /w/ oder /j/; Verlust von /h/ in /hɾ/, /hl/, /hn/ am Wortanfang; stimmhafte Frikative werden Phoneme; /mb/ → /m/ (lamb).

Bis Shakespeare (1400–1600): Verlust der meisten Zwielaute; der Great Vowel Shift (/aː/, /ɛː/, /eː/, /ɔː/, /oː/ → /ɛː/, /eː/, /iː/, /oː/, /uː/; /iː/, /uː/ → /ai/, /au/); Verlust des /ə/ in Endsilben; verstummtes gh (taut – taught); /ɡn/ → /n/, /kn/ → /n/ am Wortanfang (knot – not); rap und wrap wurden in vielen Mundarten Homophone.

1600–1725: Spaltung von /ʊ/ in /ʊ/ (put) und /ʌ/ (cut); willkürliche Verkürzung langer Vokale in geschlossenen Silben (head, blood); Zusammenfall von ea und ee (Ausnahmen: break, steak, great); Veränderungen vor /r/; [a] → [æ] (cat); /r/ [r] → [ɹ]; /nɡ/ → /ŋ/; /tj/, /sj/, /dj/, /zj/ → /ʧ/, /ʃ/, /ʤ/, /ʒ/; Verlust des /l/ in /lk/, /lm/, /lf/ (talk, calf, calm).

Ab 1725: Verschmelzung von /ɒ/ und /ɑ/ zu /ɑ/ in Nordamerika; in Südengland /æ/ → /ɑ:/ vor /s/, /f/, /θ/ und /n/ oder /m/ + Konsonant (bath, pass, glass), im amerikanischen, schottischen und nordenglischen Englisch alle mit [æ]; [ɪ] → [i] am Wortende; [ʌ] → [ɐ] im RP; Aufteilung in rhotische (meist amerikanische) und nicht-rhotische (meist britische) Mundarten mit neuen Diphthongen wie /ɛə/, /ɪə/, /ɔə/, /ʊə/; /hw/ und /ʍ/ → /w/ (whine – wine); /t/, /d/ → [ɾ] im amerikanischen und australischen Englisch; Glottisschlag [ʔ] als Allophon in England.

Im Vergleich zum Deutschen: Das Englische hat die zweite germanische Lautverschiebung nicht mitgemacht und bewahrt z. B. [t] (water – Wasser), [p] (ape – Affe), [k] (make – machen). Englisch und Isländisch sind die einzigen lebenden germanischen Sprachen mit [θ] und [ð]; das [w] ist nur im Englischen erhalten geblieben. In anderen Fällen ist das Deutsche konservativer, z. B. germanisches [b] → engl. [f]/[v] (Dieb – thief); das germanische /x/ ist im Englischen verschwunden (Nacht – night) und nur noch im Schottischen (loch) bzw. im Schriftbild gh erhalten.

Rechtschreibung und Aussprache, Prosodie

Rechtschreibung und Aussprache: Ursprünglich war die englische Rechtschreibung regelmäßig, doch lautliche Veränderungen wie der Great Vowel Shift wurden nicht in der Schrift berücksichtigt – die heutige Schreibweise der Erbwörter entspricht der mittelalterlichen Aussprache. Nur gut 30 % des Wortschatzes sind Erbwörter; viele Fremdwörter (aus dem Französischen, Lateinischen, Altgriechischen, Skandinavischen und heute weltweit) behielten ihre ursprüngliche Schreibweise. Dadurch kann z. B. das c als [s], [k] oder [ʃ] gesprochen werden (ceiling, cradle, social), das s als [s], [z], [ʃ], [ʒ] (see, use, sure, version).

Besonders unregelmäßig sind die Vokale: Das a hat u. a. die Aussprachen [ɑː] (father), [ɔ̝ː] (false), [ə] (about), [eɪ] (blame), [æˑ] (man), [ɛ] (any). Rekordhalter ist ough mit vielen Aussprachen: [ɐf] (tough), [ɒf] (cough), [aʊ] (bough), [əʊ] (though), [ɔ̝ː] (thought), [uː] (through), [ə] (borough), [ɐp] (hiccough), [ɒk] (hough). Es gibt Bestrebungen zu einer Rechtschreibreform, die sich nicht durchsetzten; hiccup statt hiccough ist mittlerweile Standard, in den USA auch naught und donut.

Wortbetonung: Betonte Silben sind lauter, länger und höher intoniert. Es gibt keine einheitliche Wortbetonung, und die Betonung ist phonemisch, d. h. wortunterscheidend (dictate als Verb und Substantiv unterscheiden sich nur durch die Betonung). Germanische Erbwörter haben meist Stammbetonung auf der ersten Silbe (father); nichtgermanische Wörter mit mehr als drei Silben werden meist auf der drittletzten Silbe betont. Präfigierte Verben werden meist auf der zweiten Silbe, die zugehörigen Substantive auf der ersten betont (overflow). Es gibt Primär-, Sekundär- und Nebenton; bei Komposita fällt der Primärton meist auf den ersten Bestandteil (gasman [ˈgæsˌmæn]).

Rhythmus: Das Englische ist wie das Deutsch eine akzentzählende Sprache, behandelt unbetonte Silben aber anders: Sie werden qualitativ geschwächt, d. h. zu /ə/ oder /ɪ/ reduziert oder ganz verschwunden (England [ˈɪŋɡlənd] statt dt. [ˈɛŋlant]). Sprechtakte (wie drink, drinking, drinking it) dauern in natürlicher Rede etwa gleich lang – der Zeitabstand zwischen betonten Silben ist etwa gleich. Daraus folgt die Dreiakzentregel: Um Häufungen betonter Silben zu vermeiden, erhält die mittlere eigentlich betonte Silbe nur einen Nebenton (I'm very strong / I'm not very strong).

Satzbetonung: Betont werden normalerweise content words (Substantive, Adjektive, Zahlwörter, Vollverben, Adverbien); unbetont bleiben function words (Präpositionen, Hilfsverben, Konjunktionen, Pronomen), wobei je nach Sprechabsicht jedes Wort betont werden kann.

Intonation: Ein Sprechtakt besteht aus mehreren Wörtern, die inhaltlich eine Einheit bilden. Wichtige Teile sind die erste betonte Silbe (head) und die letzte betonte Silbe (nucleus, Schwerezentrum); davor liegt der pre-head, danach der tail. Der head hat den höchsten Toneinsatz; die Silben des body gleiten zum nucleus ab. Die im Deutschen häufige Sägeblattintonation (Auf und Ab) gibt es im Englischen nicht. In der RP fällt der Ton beim Aussagesatz gleichmäßig zur unteren Stimmgrenze ab; bei steigender Intonation (z. B. Entscheidungsfragen) gleitet der Ton erst bis zur unteren Stimmgrenze und steigt dann nach oben.

Intonationsmuster: Der glide-down (fallende Intonation) steht bei Aussagesätzen, Bestimmungsfragen, Befehlssätzen und Ausrufesätzen; der glide-up (steigende Intonation) bei Entscheidungsfragen und weiterweisenden Sprechtakten. Im IPA stehen ˈ für die betonte Silbe, ↘ für fallende, ↗ für steigende, ↘↗ und ↗↘ für kombinierte Intonation.

Ein fremdländischer Akzent ergibt sich insgesamt aus abweichenden Vokalen und Konsonanten, Rhythmus-, Betonungs- und Intonationsmustern.

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