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Ausländische Direktinvestition
... Land Grabbing, Entwaldung und Bodendegradation nach sich ziehen, wenn Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden nicht ausreichende Vorkehrungen treffen.
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Was sind ausländische Direktinvestitionen?
Ausländische Direktinvestitionen (englisch foreign direct investment, kurz FDI bzw. ADI) sind Investitionen eines Direktinvestors in im Ausland befindliches Anlagevermögen eines Unternehmens oder Projekts mit dem Ziel, Einfluss und Kontrolle über diese Investition zu bewahren. Gegensatz ist die Portfolioinvestition, bei der der Investor keine Kontrolle anstrebt.
Direktinvestitionen gehören zur Außenwirtschaft und können entstehen durch den Erwerb von direkten Eigentumsrechten in Form von Zweigwerken, Auslandsniederlassungen, Kapitalbeteiligungen, Grundstücken und Gebäuden sowie durch Reinvestition von Gewinnen früherer Investitionen. Aus Sicht des Investors stellen sie einen Kapitalexport dar.
Als Direktinvestoren kommen alle Wirtschaftssubjekte in Betracht: Unternehmen, Privatpersonen oder der Staat mit seinen Untergliederungen. Es muss weder 100 % der Investition übernommen werden noch eine bestimmte Finanzierungsart (Eigen- oder Fremdfinanzierung) vorliegen. Nach IWF und OECD liegt ein wesentlicher Einfluss bereits vor, wenn der Investor mindestens 10 % des stimmberechtigten Kapitals hält; ein gesellschaftsrechtlich maßgeblicher Einfluss ist erst ab einer Sperrminorität von mindestens 25 % möglich.
Bei Direktinvestitionen fließen nicht nur Kapital, sondern auch Wissen (Wissenstransfer) und Technologien (Technologietransfer). Sie sind Teil des internationalen Kapitalverkehrs und damit der Globalisierung.
Merkmale: Fluss-, Bestands- und Einkommenskomponente
Direktinvestitionen weisen drei Komponenten auf:
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Flussbasierte Sichtweise: Am weitesten verbreitet; sie entspricht der Rolle der Direktinvestitionen in der Zahlungsbilanz, wo sie Teil der Kapitalverkehrsbilanz sind. Die Kapitalflüsse umfassen Transaktionen zum Aufbau der Investitionsbeziehung (Erwerb von Aktien oder Anteilen an ausländischen Unternehmen, Transfer von Kapital zur Unternehmensgründung) sowie Folgetransaktionen wie Kapitalerhöhungen, unternehmensinterne Kredite von der Mutter- an die Tochtergesellschaft und im Ausland reinvestierte Erträge.
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Bestandsbasierte Sichtweise: Betrachtet die Kapitalbestände in Direktinvestitionsunternehmen zu einem Zeitpunkt; entspricht der Rolle im Auslandsvermögen. Der Bestand umfasst das anteilige Beteiligungskapital und Kreditbeziehungen zwischen Investor und Unternehmen. Aus der Veränderung des Bestands kann nicht direkt auf die Flüsse geschlossen werden, da auch Wechselkursveränderungen oder neue Bewertungsgrundsätze (z. B. Anpassung an internationale Rechnungslegungsstandards) den Bestand ändern.
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Einkommensbasierte Sichtweise: Betrachtet die vom Direktinvestor erzielten Einkommen und deren Verteilung; entspricht der Rolle in der Ertragsbilanz als Komponente der Kapitaleinkommen. Die Einkommen bestehen aus reinvestierten Erträgen sowie transferierten Dividenden oder sonstigen Kapitalerträgen.
Arten von Direktinvestitionen
Direktinvestitionen können nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden:
Nach Wirkung auf die Zielwirtschaft:
- Substitutive Direktinvestitionen verdrängen im Ausland heimische Unternehmen.
- Komplementäre (additive) Direktinvestitionen erfolgen zusätzlich zum nationalen Investitionsvolumen des Ziellandes.
Nach Verbindung zur Muttergesellschaft:
- Horizontale Direktinvestition: Im Ausland werden dieselben Produkte hergestellt wie im Inland (Beispiel: Volkswagen do Brasil).
- Vertikale Direktinvestition: Im Ausland werden Produkte hergestellt, die im Inland als Vorleistungsgut bei der Muttergesellschaft weiterverarbeitet werden; dabei unterscheidet man vorwärts und rückwärts gerichtete vertikale Direktinvestitionen.
Nach Investitionsgut:
- Materielle Direktinvestitionen betreffen das Sachanlagevermögen (z. B. technische Anlagen, Maschinen, Produktionsanlagen).
- Immaterielle Direktinvestitionen beziehen sich auf das Finanzanlagevermögen (z. B. Lizenzen, Patente, andere Schutzrechte); auch der Know-how-Transfer zählt dazu.
Motive für Direktinvestitionen
Bruce Kogut veröffentlichte 1985 eine Übersicht der Vorteile, die Großunternehmen durch Direktinvestitionen erzielen können:
- Produktionsverlagerung: Senkung der direkten Produktionskosten oder Erzielung von Skaleneffekten.
- Steuervermeidung: Nutzung von Besteuerungsunterschieden zwischen Ländern (Niedrigsteuerland/Hochsteuerland, Steueroase).
- Finanzmärkte: leichter Zugang zu Finanzmärkten durch verbesserte Liquidität oder Fremdfinanzierung.
- Informations-Arbitrage: Nutzung von Wissens- und Erfahrungsdifferenzen in Produktion, Marketing oder Organisation als Wettbewerbsvorteil.
- Globale Koordination: Zentralisierung von Tätigkeiten dort, wo die Rahmenbedingungen optimal sind.
- Reduktion des politischen Risikos: In politisch stabilen Regionen sind hohe Investitionen sicherer als in instabilen (Risiko von Staatsinterventionismus wie Enteignung).
Wachsende Konkurrenz auf den Heimatmärkten treibt Unternehmen zu diesen Vorteilen; dauerhafte Vorteile sind damit aber kaum erreichbar, da Konkurrenten dieselben Wege gehen.
Bei der Standortwahl können Hemmnisse die Investition einschränken oder verhindern: politische Risiken (z. B. Handeln der ausländischen Regierung), wirtschaftliche Risiken (Wechselkurs-, Absatz-, Arbeitsmarkt-, Lager-, Zahlungsrisiko), soziale Risiken (z. B. Sprachschwierigkeiten) und sonstige Risiken (z. B. klimatische Bedingungen).
Bei geringen Hemmnissen und investitionsfreundlichem Umfeld dominieren markt- und kostenorientierte Motive: marktorientiert sind Erschließung neuer Märkte, Nutzung des Standorts als Exportbasis und Sicherung bestehender Märkte; kostenorientiert sind Lohnkostenvorteile (bedeutendstes Motiv dieser Kategorie), Steuervorteile, Einkaufs- und Beschaffungsvorteile (besonders bei rohstoffreichen Ländern) sowie staatliche Investitionsanreize.
Theorien und ökonomische Betrachtung
Eklektisches Paradigma von Dunning: John H. Dunnings Theorie gilt als umfassendste Direktinvestitionstheorie, weil sie verschiedene Ansätze in einem Modell zusammenfasst (daher „eklektisch“). Sie beruht auf drei Haupttheorien: monopolistische Konkurrenz, Standorttheorie und Internalisierungstheorie. Danach müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Eigentumsvorteile (ownership advantages): exklusiver Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten auf dem ausländischen Markt, z. B. Managementqualität, Grad der vertikalen Integration oder Organisationssynergien.
- Standortvorteile (location advantages): Nutzen aus Unterschieden zwischen Heimat- und Gastland, etwa niedrigere Lohn- oder Faktorkosten.
- Internalisierungsvorteile (internalization advantages): Das Unternehmen nutzt seine Wettbewerbsvorteile selbst, statt sie z. B. als Lizenz an ansässige Firmen zu verkaufen. Nach den Anfangsbuchstaben heißt das Modell auch OLI-Paradigma.
Mikroökonomische Betrachtung: Direkte Auslandsinvestitionen zielen auf die direkte Kontrolle der erworbenen Produktionsmittel, indirekte (Portfolioinvestitionen) nur auf die Beteiligung an laufenden Profiten. Probleme können für den Investor (Sicherheit der Anlage, Recht zur Gewinnübermittlung ins Heimatland) und für Gastländer entstehen (Förderung von Korruption, Nichteinhaltung internationaler Umwelt- und Arbeitsschutzstandards, Extremfall: Sweatshops). Regelungsversuche gab es bei der UNCTAD (keine Einigung mit den Industrieländern), Ende der 1990er Jahre beim OECD-Entwurf eines Multilateralen Abkommens über Investitionen (MAI, u. a. von Frankreich abgelehnt) und nun bei der WTO. Nutzen und Regelung von Auslandsinvestitionen werden im Zusammenhang mit der Globalisierungs- und Neoliberalismusdebatte kontrovers diskutiert; die MAI-Debatte gilt manchen als Entstehungspunkt der Globalisierungskritik.
Makroökonomische Betrachtung: Die Summe der Auslandsinvestitionen (Nettoauslandsinvestition) ist definitionsgemäß identisch mit dem Kapitalexport; einfließende Investitionen bilden den Kapitalimport, zusammen bilden beide die Kapitalbilanz. Aus Sicht des Inlands unterscheidet man aktive Direktinvestitionen (im Ausland) und passive Direktinvestitionen (ausländische Direktinvestitionen im Inland).
Auswirkungen, Globalisierung, Standards und Investitionsschutz
Auswirkungen: Man unterscheidet Primäreffekte (Art der Finanzierung: „Greenfield Investments“ auf der grünen Wiese sowie Mergers & Acquisitions, also Fusionen und Übernahmen ausländischer Unternehmen) und Sekundäreffekte (Folgen der Investitionsart). Durch ausländische Direktinvestitionen wird ein Unternehmen transnational (TNK – Transnationale Konzerne), gemessen an drei Stufen: Anteil des ausländischen Aktiva am Gesamtaktiva, Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz und Anteil der Mitarbeiter im Ausland an der Gesamtmitarbeiterzahl. Relevante Bereiche sind Beschäftigungs- und Einkommenseffekte, Multiplikatoreffekte, Handels- und Zahlungsbilanz, Infrastruktur und Wettbewerbseffekte.
Positive Wirkungen: Greenfield Investments können die Investitionen in Entwicklungsländern deutlich erhöhen („crowding in“); neue Arbeitsplätze, gesteigerte Produktion und Einkommen, verbesserte Lebensstandards durch Infrastrukturinvestitionen sowie Diversifizierung der Produktionsstruktur durch Management- und Technologietransfer.
Negative Wirkungen: „Crowding out“ bezeichnet den Rückgang der Investitionen nach dem Einstieg von TNK. Investitionen in bereits rentable Sektoren können einheimische Unternehmen durch neue Konkurrenz verdrängen; sinkende Gewinne, Umsiedlung, Entlassungen und sinkende Einkommen können folgen. Investitionen in natürliche Ressourcen bieten Wachstumschancen, können aber ohne ausreichende Vorkehrungen von Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden negative ökonomische, soziale und ökologische Folgen haben (Zwangsumsiedlung, fehlender Arbeitsschutz, Land Grabbing, Entwaldung, Bodendegradation).
Direktinvestitionen und Globalisierung: Sie gelten als wichtiger Globalisierungsindikator, da sie direkte, stabile und langfristige Verflechtungen abbilden und weltweit vergleichbare Daten vorliegen. Die am häufigsten verwendete Kennzahl sind Direktinvestitionen in Prozent des nominalen Bruttoinlandprodukts (BIP), berechnet für Zuflüsse, Bestände oder Einkommen; für längerfristige Betrachtungen eignet sich besonders der Kapitalbestand in Prozent des BIP. Weitere Gründe für Auslandsinvestitionen: Erschließung neuer Absatzmärkte, günstigere Produktionsstandorte (Niedriglohnland, Outsourcing), Vermeidung von Wechselkursrisiken durch Produktionsverlagerung in die Absatzländer (Natural Hedging) und Diversifizierung des Anlageportfolios.
Internationale Standards: Grundlegendes Handbuch ist das Zahlungsbilanzhandbuch des IWF, ergänzt durch ein OECD-Handbuch („Benchmark“). Beide liegen den Daten der meisten Länder zugrunde; bei der Umsetzung bestehen laut OECD und IWF noch teilweise beträchtliche, wenn auch kleinere Unterschiede als früher.
Investitionsschutz und Risikoabsicherung: Investitionen unterliegen dem Recht des Gastlandes; Direktinvestitionen sind zusätzlich völkergewohnheitsrechtlich geschützt. Enteignungen gelten heute allgemein als völkerrechtswidrig. Historisch stand die Calvo-Doktrin (nur Gleichbehandlung mit Inländern, kein diplomatisches Schutzrecht) der Hull-Formel gegenüber (Pflicht zu unverzüglicher, adäquater und effektiver Entschädigung). Heute gibt es viele bi- und multilaterale Investitionsschutzabkommen, Schutz durch regionale Wirtschaftsabkommen (EU, NAFTA, ASEAN, Mercosur) und Übereinkommen im Rahmen von OECD und WTO. Die meisten Abkommen bieten vier zentrale Garantien: Schutz vor Diskriminierung, Schutz vor kompensationsloser Enteignung, Schutz vor unbilliger und ungerechter Behandlung sowie Garantie des freien Kapitalverkehrs. Staatliche Risikoabsicherung ist daher teilweise nicht mehr zulässig, wenn sie als versteckte Exportförderung gilt (Verhinderung eines Wettlaufs der Exportsubventionen). Zudem sind Direktinvestitionen gegen subtilere Eigentumsstörungen geschützt, z. B. nachträgliche unverhältnismäßige und diskriminierende behördliche Auflagen unter dem Vorwand des Umweltschutzes – insbesondere bei Schutz nach ICSID (Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten).