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Auguste Rodin
François-Auguste-René Rodin [fʁɑ̃ˈswa oˈgyst ʁəˈne ʁɔˈdɛ̃] (* 12. November 1840 in Paris; † 17. November 1917 in Meudon) war ein französischer Bildhauer und …
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Wer war Auguste Rodin?
Auguste Rodin (vollständig: François-Auguste-René Rodin), geboren am 12. November 1840 in Paris, gestorben am 17. November 1917 in Meudon, war ein französischer Bildhauer und Zeichner. Mit ihm begann das Zeitalter der modernen Plastik und Skulptur, also der dreidimensionalen Kunst. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Der Denker, Der Kuss, Das Höllentor und Die Bürger von Calais. Er gilt als Wegbereiter der Moderne, dem neue Maßstäbe vor allem auf dem Gebiet der Plastik und Skulptur galten, der die Kunst der Nachfolger stark beeinflusste und sich dem idealisierenden Akademismus seiner Zeit widersetzte. Wichtige Sammlungen seiner Arbeiten gibt es unter anderem im Musée Rodin in Paris, im Musée Rodin in Meudon, im Rodin Museum in Philadelphia und im Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio. Die zweitgrößte Sammlung nach dem Musée Rodin befindet sich an der Stanford University; sie stammt aus dem Nachlass von B. Gerald Cantor, der 1996 starb und die größte Privatsammlung von Werken Rodins besaß. Im Museo Soumaya in Mexiko-Stadt finden sich etwa 380 Skulpturen Rodins. Wichtige Ehrungen: 1902 Ernennung zum Ehrenmitglied der Dresdner Kunstakademie, 1905 Ehrendoktorwürde der Universität Jena, 1906 assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, 1910 Großoffizier der Ehrenlegion. 1976 wurde ein Krater auf dem Merkur nach ihm benannt (Merkurkrater Rodin), 1996 der Asteroid (6258) Rodin.
Leben
Rodin stammte aus einer konservativen Beamtenfamilie; sein Vater arbeitete in der Polizeiverwaltung. Mit 13 Jahren wurde er 1853 Schüler an der École Spéciale de Dessin et de Mathématiques, der sogenannten „Petite École“, und blieb dort bis 1857. Dreimal versuchte er vergeblich, an der berühmten École nationale supérieure des beaux-arts de Paris aufgenommen zu werden, um Bildhauerei zu studieren. Seine künstlerische Karriere setzte er daher ohne weitere offizielle Ausbildung fort. Als 1862 seine Schwester starb, geriet Rodin in eine Lebenskrise und trat dem Orden Pères du Saint-Sacrement bei; schon beim Eintritt wurde er für sein künstlerisches Schaffen für alle Zeit freigestellt. Zwei Jahre später wurde er Schüler von Albert-Ernest Carrier-Belleuse, dem er 1870 nach Brüssel folgte. Die künstlerische Auseinandersetzung wuchs zu einem handfesten Streit, und Rodin trennte sich noch 1870 von ihm. Ab dieser Zeit erfuhr Rodin durch öffentliche Aufträge seine erste künstlerische Anerkennung. In den Jahren 1875/1876 unternahm er eine Studienreise nach Italien, um „das Geheimnis Michelangelos zu entschlüsseln“. 1877 kehrte er nach Paris zurück und studierte unter anderem Frankreichs gotische Kathedralen. 1879/1882 war er für die Porzellanmanufaktur Sèvres unter Vertrag. 1883 lernte er Camille Claudel kennen; sie wurde zuerst seine Schülerin, später seine Geliebte. Die Trennung erfolgte 1893. 1894 ließ sich Rodin in Meudon nieder und scharte dort einen Kreis junger Schriftsteller und Künstler um sich. Der prominente Kunstkritiker Octave Mirbeau nannte ihn „die glorreichste, die vollendetste Verkörperung der plastischen Kunst“ des Jahrhunderts. Um die Jahrhundertwende nahm Rodin an den frühen Ausstellungen der Pastel Society teil. Bei der Weltausstellung in Paris 1900 wurden im Pavillon Rodin 171 seiner Werke präsentiert. 1904 lernte er die Malerin Gwen John aus Wales kennen; sie wurde sein Modell und etwa zehn Jahre seine Geliebte. Im selben Jahr wurde er Präsident der International Society of Sculptors, Painters and Gravers und löste in dieser Position James McNeill Whistler ab. In den Jahren 1905/1906 war Rainer Maria Rilke als Privatsekretär Rodins tätig. 1907 installierte Rodin im Pariser Hôtel Biron ein weiteres Atelier, das heute als Musée Rodin zu besichtigen ist. Im Alter von 76 Jahren heiratete Rodin im Januar 1917 seine langjährige Lebensgefährtin Rose Beuret, die bereits im Februar an einer Lungenentzündung starb. Rodin starb am 17. November 1917 in Meudon und wurde am 24. November im Park des Musée Rodin de Meudon neben seiner Frau beigesetzt. Anlässlich seines 100. Todestages erschien im Februar 2017 eine 2-Euro-Gedenkmünze.
Wegbereiter der Moderne
Rodin setzte neue Maßstäbe, indem er sich dem vorherrschenden idealisierenden Akademismus widersetzte – das war die damals herrschende Kunstrichtung, die Schönheit nach festen akademischen Regeln idealisierte. Er suchte neue Darstellungsformen, verlor dabei aber die Tradition nicht aus den Augen und verstand sich und seine Kunst als „Brücke zwischen Gestern und Morgen“. Zu den wichtigsten Einflüssen zählen die Bildhauer der griechischen Antike sowie Donatello und vor allem Michelangelo. Rodins Stil wurde immer wieder neu eingeordnet: als impressionistisch (Rodin selbst sprach von der „Kunst der Buckel und Höhlungen“), als symbolistisch oder als realistisch; auch als Vorbereiter des Expressionismus und des Kubismus wurde er angesehen. Bedeutendes Stilmerkmal vieler seiner Werke ist das Non-finito (italienisch für „das Unvollendete“), also die bewusst unvollendet wirkende Skulptur. Während Michelangelos Werke meist aus Gründen wie Geldmangel oder starken Zweifeln an der Umsetzung unvollendet blieben, versuchte Rodin, dieses Fragmentarische in voller Absicht als ausdruckstragendes Stilmittel zu verwenden. Besonders modern und seiner Zeit weit voraus sind seine Assemblagen: Neu-Kombinationen von Teilen bereits bestehender Werke, durch die andere Sinnzusammenhänge erschlossen werden. Auch seine erst spät entstandenen eigenständigen Zeichnungen und Aquarelle (im Gegensatz zu den Werk-Skizzen, Studien und Kopien) verfügen mit sparsamsten Mitteln über große Ausdruckskraft. Eine Handvoll erotischer Zeichnungen, die 1906 in Weimar ausgestellt wurden, führte sogar zum Rücktritt des damaligen Direktors des großherzoglichen Museums in Weimar, Harry Graf Kessler; der Vorfall ging als „Rodinskandal“ in die Geschichte ein. Dieser Teil seines Schaffens ist weit weniger bekannt als sein bildnerisches Werk.
Der Mann mit der gebrochenen Nase
Der Mann mit der gebrochenen Nase (L’homme au nez cassé) entstand 1864 und ist eines der ersten Werke Rodins. Mit dem markanten Kopf brach er zum ersten Mal mit den glatten, erstarrten Schönheitsidealen der akademischen Salon-Kunst, also der Kunst, die im Pariser Salon gezeigt wurde. Modell stand ein Arbeiter des Pariser Pferdemarktes; die Büste erinnert zugleich an die Gesichtszüge von Rodins großem Vorbild Michelangelo. Der Büste war zunächst kein Erfolg beschieden: Sie wurde von der Jury des Pariser Salons abgelehnt. Der künstlerische und kommerzielle Erfolg Rodins ließ noch einige Jahre auf sich warten. In Deutschland kam der Durchbruch, als die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden Anfang des 20. Jahrhunderts die Büste für ihre Sammlung erwarben.
Die Bürger von Calais
1885 erhielt Rodin von der Stadt Calais den Auftrag für ein Denkmal, mit dem der sechs legendären Edelbürger der Stadt gedacht werden sollte, die bereit waren, sich 1347 während der englischen Belagerung im Hundertjährigen Krieg für das Wohl der Stadt zu opfern. Das Werk Die Bürger von Calais (Les Bourgeois de Calais) ist ein Paradebeispiel für Rodins innovative, teilweise revolutionäre Kunstauffassung. In der damaligen Denkmalskunst galt die Frage der Präsentation als zentrales Würde-Motiv: Statt des gängigen erhabenen Sockels sah Rodins Entwurf nur eine Plinthe (eine flache Sockelplatte) vor und holte damit seine Bürger auf Augenhöhe der Betrachter auf den Boden zurück. Man sprach vielfach von der „Demokratisierung“ der Plastik im Allgemeinen und der Denkmalskunst im Speziellen. Erst 1895, nach mehreren Entwürfen und zähen Auseinandersetzungen, gelangten die Figuren zur Aufstellung – zunächst jedoch nur mit Marmorsockel und an anderer Stelle. Erst 1945 wurde die Gruppe ebenerdig vor dem Rathaus in Calais platziert. Ein weiteres auffälliges Merkmal der Gruppe ist ihre Allansichtigkeit, also die Ansicht von allen Seiten, die der monumentalen Denkmaltradition der Frontalansicht widerspricht. Rodin gestaltete die Gruppenmitglieder jeweils ganz individuell und fokussierte besonders auf die Hände als bedeutendste Ausdrucksträger: Die Körperhaltung und die „sprechenden“, charaktervollen Hände verdeutlichen die unterschiedlichsten Gefühle der dem Opfertod entgegenblickenden Bürger. Keinem der einzeln benennbaren Bürger wird seine Individualität genommen, obwohl sie alle zusammen als (wenngleich recht heterogene) Schicksalsgemeinschaft erscheinen – dieser Spagat macht das Werk zu einem von Rodins unumstrittenen Hauptwerken.
Das Höllentor und weitere Werke
Das Höllentor (La porte de l’enfer) kann als Rodins eigentliches Haupt- und Lebenswerk angesehen werden. Bereits 1880 erhielt er vom französischen Staat den Auftrag, ein Bronzeportal für das neue Musée des Arts Décoratifs in Paris zu entwerfen. Der Entwurf gelangte nie zur ursprünglich fest geplanten Ausführung. Trotzdem arbeitete Rodin annähernd 37 Jahre daran, bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1917. Dabei isolierte er viele Figuren aus ihrem ursprünglichen Kontext und erhob sie zu eigenständigen Kunstwerken – das bekannteste Beispiel ist Der Denker (Le Penseur). Der erste Bronzeguss des Höllentors wurde erst postum im Jahr 1926 angefertigt. Die ursprüngliche literarische Inspiration war Dante Alighieris Göttliche Komödie; im Laufe der Be- und Überarbeitung befruchteten besonders Charles Baudelaires Die Blumen des Bösen die Darstellung der verdammten Gestalten, die den existenziellen Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit und Endgültigkeit des Todes führen. Octave Mirbeau erklärte: „Rodin hat seine Phantasie frei laufen lassen […]. Diese gewaltige lyrische Komposition umfasst mehr als 300 Figuren, von denen jede eine andere Haltung oder Empfindung verkörpert, jede in einer gewaltigen Synthese eine Form menschlicher Leidenschaft, Pein oder Verfluchung zum Ausdruck bringt.“ Weitere wichtige Werke mit Entstehungsjahren sind: Das Eherne Zeitalter (1875/1876), Der Besiegte (1877), Johannes der Täufer (1878), Schreitender Mann (1877/1878), Adam oder der große Schatten (1880), Der Denker (1880), Eva (1881), Die drei Schatten (1881), Denkmal der Bürger von Calais (1885–1889), Der Kuss (1886), Das ewige Idol (1889), Denkmal für Balzac (1897, zuvor mehrere Studien als Akt und bekleidet), La Cathédrale (1908) und Denkmal für Victor Hugo (1909, Wien, Belvedere). Von 1906 bis 1911 entstand der Hanako-Zyklus mit Masken und Büsten nach Madame Hanako (Ōta Hisa); 1907 schuf Rodin die Büste der Helene von Nostitz.