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Auftakt
Als Auftakt (früher auch Aufschlag oder Arsis) bezeichnet man in der Musik den unvollständigen Takt am Anfang eines Musikstückes, der dem ersten …
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Definition und Grundlagen
Als Auftakt bezeichnet man in der Musik den unvollständigen Takt am Anfang eines Musikstückes, der dem ersten vollständigen Takt vorangestellt ist. Früher nannte man ihn auch Aufschlag oder Arsis. Seit dem 19. Jahrhundert verwendet die Musiktheorie den Begriff für den Beginn eines Musikstückes, das nicht mit einem vollständigen Takt beginnt. In Liedern verläuft der Rhythmus in der Regel synchron mit den textlichen Betonungen: Die Melodik folgt meist dem Sprachfluss des Textes, sodass eine Text-Ton-Beziehung entsteht.
Metrischer Auftakt und Beispiele
Metrisch auftaktig bedeutet, dass ein Lied nicht mit der Zählzeit 1, sondern mit einer schwächeren Zählzeit beginnt. Viele deutsche Volkslieder beginnen auftaktig, weil ihr Text mit unbetonten Partikeln wie Artikeln, Pronomen oder Präpositionen anfängt. Beispiel: „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“ – „Im“ ist der Auftakt, da es eine unbetonte Präposition ist, und erst die erste Silbe des Substantivs „Märzen“ wird betont. Weitere Beispiele sind: Am Brunnen vor dem Tore, Aus grauer Städte Mauern, Das Wandern ist des Müllers Lust, Der Mond ist aufgegangen, Ich ging durch einen grasgrünen Wald, Im Frühtau zu Berge. Auch aus anderen Sprachen gibt es Beispiele: Pera stous, pera kambous (Griechenland), Alas, my love, you do me wrong (Greensleeves, England) und Petit papa noël (Frankreich).
Auftakt in Rhythmustheorie und Taktgestaltung
Für Jérôme-Joseph de Momigny war der Auftakt ein bevorzugtes Element der Phrasierung, sodass er ihn betonte. Hugo Riemanns System der musikalischen Rhythmik und Metrik (Leipzig, 1903) basiert auf drei voneinander abhängigen Prinzipien: der Agogik (Tempoveränderung), der Auftaktigkeit und der Achttaktigkeit. Auftaktigkeit bedeutet hier, dass Musik generell von leicht nach schwer, vom upbeat zum downbeat und von Frage zu Antwort fortschreitet. Kritisiert wird Riemanns Theorie, weil sie überwiegend von auftaktigen Modellen ausgeht und abtaktige ignoriert. Bei Liedern und kleineren, überschaubaren Instrumentalstücken wird der Schlusstakt um die Länge des Auftaktes gekürzt, sodass Auftakt und Schlusstakt zusammen einen vollen Takt ergeben. Dies gilt insbesondere, wenn mehrere Strophen mit einem durchgehenden Puls gesungen werden. Durchbrochen wird dieses Schema gerade im Bereich des Volksliedes, wenn sich aus der Textstruktur eine unregelmäßige musikalische Formung ergibt. Im 19. Jahrhundert entstand zudem durch die stilistische Lösung von den klassischen Formen eine Befreiung von diesem Prinzip.
Generalauftakt
Der Begriff Generalauftakt stammt von Hugo Riemann. Es ist ein Auftakt höherer Ordnung, der nicht Bestandteil des folgenden Motivs ist, sondern als Überleitung zu einem neuen Gedanken oder zur Wiederholung eines bereits vorher aufgetretenen Themas dient. Riemann nennt ihn einen „Auftakt, der nicht zum nächsten Taktmotiv gehört, sondern zum erneuten Vortrage des Hauptgedankens überleitet.“ Die Bedeutung des Generalauftakts erkannte bereits Jérôme-Joseph de Momigny, der ihn „lien“ (Band) nannte. Mathis Lussy, der Momignys Ideen 1873 wieder aufgriff, nannte die Überleitungstöne notes de soudure („Naht“). In Hugo Riemanns Phrasierungsausgaben ist der Generalauftakt durch einen vorwärts überlaufenden Bogen gekennzeichnet.
Weitere Bedeutungen
Nach einem älteren Gebrauch ist der Auftakt (auch Aufstreich, frz. levée, it. levata) der unbetonte (leichte, „schlechte“) Taktteil, die Arsis, im Gegensatz zum betonten (schweren, „guten“) Taktteil, der Thesis, der als Abtakt (auch Niedertakt, Niederstreich, frz. frappée, it. battuta) bezeichnet wird. Diese Begrifflichkeit hat ihren Ursprung im tactus, der Auf- und Abbewegung der Hand oder des Fußes beim Singen. Das Wort Auftakt wurde später auf den Phrasenbeginn im Auftakt übertragen. Im übertragenen Sinne bezeichnet Auftakt auch die Eröffnung einer Veranstaltung, zum Beispiel: Den Auftakt zum diesjährigen Oktoberfest bildete der traditionelle Bier-Anstich.