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Aton
Unter der Herrschaft des Königs (Pharao) Echnaton stieg Aton in seiner Funktion als Sonnengott zum obersten göttlichen Wesen als Weiterentwicklung des Re auf.
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Was ist Aton?
Aton (ägyptisch Jtn, „Die Sonnenscheibe“) ist eine altägyptische Gottheit, die als Sonnenscheibe verehrt wurde. Unter König (Pharao) Echnaton stieg Aton als Sonnengott zum obersten göttlichen Wesen auf, als Weiterentwicklung des Sonnengottes Re. Die bisherigen Götter verloren zunächst an Bedeutung, existierten aber in untergeordneten Rollen weiter – man nennt das Monolatrie. Später wurden einige Gottheiten rigoros vernichtet, indem Echnaton ihre Namen tilgen ließ; vor allem traf dies die thebanische Götterdreiheit Amun, Mut und Chons, insbesondere den „Götterkönig“ Amun-Re. Andere Götter wie Maat und die Kronengöttinnen Wadjet und Nechbet blieben erhalten. Da unklar ist, ob sich der Kult auf ganz Ägypten ausdehnte, wird in der Ägyptologie kontrovers diskutiert, ob die anfängliche Monolatrie zu einem Monotheismus führte.
Geschichtlicher Hintergrund
Die Sonne spielte in Ägypten von Anfang an eine zentrale Rolle. Zunächst setzte man die Sonnenscheibe mit Horus gleich. Ab der 4. Dynastie galt sie als das „Auge des Re“, ohne selbst als Gottheit zu gelten. Erst im Mittleren Reich unter König Mentuhotep II. (11. Dynastie) kam der Name Aton als Bezeichnung der Sonnenscheibe als Gottheit und Erscheinungsform des Re auf; sie wurde als „Thron des Re“ verstanden. Es folgten Beinamen wie „Re, der in seiner Scheibe ist“. In der 18. Dynastie (Neues Reich) wurde Re gelegentlich als „Re, die Sonnenscheibe“ bezeichnet. Dann kam es zu einem Wandel, der als „Neue Sonnentheologie“ bekannt wurde: Amun-Re wurde zum „Götterkönig“ erhoben, und angesichts des wachsenden wirtschaftlichen und politischen Einflusses der thebanischen Amun-Priesterschaft zeigte sich – erst versteckt, später offen – das Bestreben, diesen Gott in göttliche Alleinherrschaft und Ausschließlichkeit zu setzen.
Mythische Bedeutung und Darstellung
Aton, wie Echnaton ihn konzipierte, „ist wirklich die Sonne und nichts als die Sonne“, die durch ihre Strahlen Licht und Wärme und durch ihre Bewegung die Zeit erschafft und dadurch die Annahme anderer Götter überflüssig macht. Zunächst wurde Aton noch traditionell wie Re-Harachte als Mensch mit Falkenkopf und Sonnenscheibe dargestellt. Später erscheint er als blanke Sonnenscheibe, von der Strahlen ausgehen, die in menschliche Hände auslaufen („Strahlen-Aton“); in späten Darstellungen halten diese Hände regelmäßig Anch-Zeichen (Symbol des Lebens).
Der lehrhafte Name des Aton
Im Aton-Kult gab es einen sogenannten „lehrhaften Namen“ als programmatische Formel. Die Namen des Aton standen wie die eines ägyptischen Königs in zwei Kartuschen, was seine Eigenschaft als universeller Gott und seine Gottkönigsrolle hervorhob. Frühe Belege finden sich auf Stoffen aus dem Grab Tutanchamuns: Auf einem Stoff mit der Datierung „Jahr 3“ fehlten die Kartuschen noch, ein Stoff „Jahr 3, 2. schemu“ zeigt die älteste nachweisbare Kartuschenform, ein undatierter Stoff ohne die Form „der im Horizont jubelt“ dürfte ins 2. Regierungsjahr gehören und liefert Hinweise auf das erste Heb-sed-Fest des Königs.
Der alte lehrhafte Name (ab dem 4. Regierungsjahr) lautete übersetzt: „Es lebe der horizontische Horus (Re-Harachte), der im Lichtland (am Horizont) jubelt – in seinem Namen als Schu, der in der Sonnenscheibe (Aton) ist.“ Spätestens ab dem 8. Regierungsjahr, nachdem die traditionellen Gottheiten weitgehend abgeschafft und unterdrückt waren, korrigierte Echnaton den Namen: In beiden Kartuschen wurden Re-Harachte und Schu entfernt; nur Re blieb bestehen. Der neue lehrhafte Name (ab dem 9. Regierungsjahr) lautet übersetzt: „Es lebe Re, der horizontische Herrscher, der im Lichtland (am Horizont) jubelt – In seinem Namen als Re, der Vater, der als Sonnenscheibe (Aton) kommt.“ In dieser endgültigen Fassung stand Re wohl nicht mehr für den Sonnengott, sondern nur noch für das Prinzip der Sonne.
Theologische Konsequenzen und Wirkungen
Das umfangreichste erhaltene Zeugnis ist der „Sonnenhymnus des Echnaton“ im Grab des Eje – er wird als Glaubensbekenntnis Echnatons angesehen, eine Verfasserschaft Echnatons gilt als möglich. Der Hymnus feiert in lyrischer Form Atons schöpferische und lebenserhaltende Kraft: Seine Abwesenheit bedeutet Dunkelheit, Tod, Ohnmacht und das Erwachen des Bösen. Neu ist, dass Atons Wirken alle Länder und Menschen des damaligen Erdkreises umfasst, nicht nur Ägypten. Aton wird darin ausschließlich als Gottes-Naturerscheinung verstanden, die ihren Willen nur durch den König artikuliert. Nach weitgehendem Konsens war der Aton-Kult ein radikaler, wenn auch nicht ganz konsequenter Monotheismus – „die einfachste und klarste Religion, die jemals geformt wurde“ – und möglicherweise die erste Stiftungsreligion der Menschheitsgeschichte.
Echnaton setzte seine Religionsabsichten radikal durch: Tempel anderer Götter, besonders Amuns, wurden geschlossen, deren Vermögen den Atontempeln oder dem Königsschatz übertragen, Gottesnamen und sogar die Pluralform „Götter“ aus Darstellungen getilgt, Priester und Beamte ihrer Stellung und oft ihres Besitzes beraubt. Die traditionellen Vorstellungen von Urzeit, Weltschöpfung und vom unterweltlichen Königtum des Osiris (Duat) und dem ewigen Leben wurden geächtet; der Totenkult folgte zwar den Ritualen, war aber seines Sinns entkleidet: Das Leben nach dem Tod spielte sich in der diesseitigen Welt ab, die Bas der Toten wurden täglich von Atons Strahlen geweckt und hatten an den Tempelopfern Anteil.
Nachwirkungen und Kultstätten
Mit Echnatons Tod begann der Niedergang des Aton-Kultes. Unter den Nachfolgern Semenchkare, Tutanchamun und Eje gab es wohl halbherzige Bewahrungsversuche, die scheiterten; erst mit Haremhab setzte eine konsequente Überwindung ein, die Sethos I. und Ramses II. fortsetzten. Die Behauptung, es seien einfach die alten Zustände zurückgekehrt, ist aber falsch: Das Königtum geriet in eine tiefe Krise, da Echnaton am Ende als Lügner und Ketzer galt; auch das Prinzip der Maat („konnektive Gerechtigkeit“) geriet in ein Dilemma. Die Theologie Ägyptens erhielt neue, auf einen Henotheismus hinauslaufende Impulse, in denen monotheistische Vorstellungen latent waren. Sehr wahrscheinlich beeinflusste die Idee des Monotheismus dessen Entwicklung in anderen Weltgegenden; eine unmittelbare Wirkung auf den jüdischen Monotheismus, wie Sigmund Freud sie annahm (Mose habe der Exodus-Schar die Aton-Religion gebracht), ist möglich, aber nicht nachweisbar.
Wichtige Kultstätten waren der Per-Aton-Tempel in Karnak, die von Echnaton gegründete Stadt Achetaton („Horizont des Aton“, heute El-Amarna) sowie Hannaton an der Straße von Megiddo nach Akko (Jos 19,14).
Das Thema wurde auch literarisch aufgearbeitet, unter anderem von Pauline Gedge (Pharao), Christian Jacq (Nofretete und Echnaton), Andreas Schramek, Nagib Machfus und Siegfried Obermeier. Die bekannteste Betrachtung findet sich bei Thomas Mann im 4. Band seiner Josephs-Tetralogie. Jan Assmann widerspricht dieser Darstellung: Echnaton habe nicht den Schritt zum transzendenten Gott vollzogen, sondern die physische Erscheinung der Sonne zum alleinigen Gott erklärt und damit das Götterwesen Altägyptens entmystifiziert.
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