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Schulatlas

Ein Schulatlas ist als didaktisch aufbereitete, systematisch angeordnete und gebundene Sammlung von Karten (mitunter auch ergänzt durch bildliche, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Nutzung im Unterricht
  3. 3. Schulatlastypen
  4. 4. Gestaltung und Kartennutzung
  5. 5. Verlage und historische Entwicklung

Aufgabe und Bedeutung

Ein Schulatlas ist eine didaktisch aufbereitete, systematisch angeordnete und gebundene Sammlung von Karten. Er kann zusätzlich Bilder, Texte und andere grafische Darstellungen enthalten. Als Druckerzeugnis oder in digitaler Form ist er das umfassendste und vielseitigste kartografische Unterrichtsmedium für die Hand der Schülerinnen und Schüler. Er wird im Unterricht und bei Hausaufgaben eingesetzt.

Durch regional und thematisch unterschiedlich gegliederte Karten ermöglicht der Atlas die individuelle und selbstständige Arbeit aller Schüler. Territorien und verschiedene Erscheinungen einer Region können miteinander verglichen werden. Dadurch lassen sich Beziehungen zwischen natürlichen und anthropogenen, also vom Menschen verursachten oder beeinflussten, Komponenten erkennen. Die Karten dienen sowohl der Synopse, also der vergleichenden Zusammenschau, als auch der Entnahme direkter und indirekter Informationen.

Nutzung im Unterricht

Schulatlanten wurden und werden in Deutschland vor allem für den geografischen Unterricht entwickelt. Dazu gehören auch Heimatkunde- und Sachkundeunterricht. Mit deutlichem Abstand folgen Atlanten für den Geschichtsunterricht. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Geschichtsatlanten an den höheren Schulen Deutschlands unverzichtbare Lehrmittel.

Gegenwärtig gibt es einen Trend zu überfachlichen beziehungsweise fächerübergreifenden Schulatlanten. Diese erscheinen als Weltatlanten mit oder ohne Regionalteil und werden auch Integrations- oder Kombiatlanten genannt. Trotzdem bleibt die Geografie in diesem Bereich vorherrschend.

Schulatlastypen

Das geografisch orientierte analoge Schulatlantensortiment in Deutschland umfasst vor allem verschiedene Atlasgruppen:

  • Weltatlanten als Gesamt- oder Großausgabe mit etwa 200–250 Seiten, vorwiegend für die Sekundarstufen I und II;
  • Weltatlanten als Kurz- oder Grundausgabe mit etwa 100–150 Seiten, vorwiegend für die Sekundarstufe I;
  • Regionalatlanten;
  • Heimatatlanten;
  • Grundschulatlanten;
  • Elementaratlanten beziehungsweise Kartenfibeln.

Einzelne Serien und Titel können mehreren Gruppen angehören. Die meisten Grundschulatlanten sind beispielsweise zugleich Regionalatlanten, Heimatatlanten und/oder Elementaratlanten.

Die Regionalausgaben großer und kleiner Weltatlanten enthalten jeweils einen etwa 10–15 Seiten umfassenden Regionalteil des entsprechenden Heimatlandes. Weltatlanten können grundsätzlich in allen Klassenstufen von 4 bis 13 eingesetzt werden. Grundschul-, Elementar- und Heimatatlanten sind dagegen als Stufenatlanten für bestimmte Klassenstufen bestimmt und altersgemäß gestaltet.

In Elementaratlanten und Kartenfibeln steht vor allem die „Arbeit an der Karte“ im Mittelpunkt. Dazu gehören das Wesen der Karte und die Verfahrensweisen ihrer Nutzung. Auch fast alle Welt- und Stufenatlanten enthalten einen zwei bis sechs Seiten umfassenden Abschnitt mit Hinweisen oder Anleitungen zur Kartennutzung. Ein Atlas muss nicht immer im Titel als Schulatlas erkennbar sein. Beispiele sind der Heimatatlas und der Haack Weltatlas. Entscheidend ist die pädagogisch-didaktische Grundanlage. Die Titel beziehen sich häufig auf Lehr- und Rahmenpläne und werden bestimmten Schultypen wie Hauptschule, Realschule, Gesamtschule oder Gymnasium empfohlen.

Gestaltung und Kartennutzung

Atlanten für mittlere und obere Jahrgänge, besonders Weltatlanten für die Oberstufe, sind thematisch vielseitig und kombinativ gestaltet. Karten werden unter anderem mit Bildern, Grafiken, Kartodiagrammen oder Kartogrammen verbunden. Seit 2008 haben außerdem regional-thematische Differenzierungen, etwa in Form von Fallbeispielen, und der globale Anteil mit thematischen Erdübersichten deutlich zugenommen.

Eine mögliche Folge ist eine thematische und grafische Überfrachtung einzelner Atlanten oder Karten. Kartentitel können zwar sehr aussagekräftig und lexikalisch formuliert sein, zugleich aber für Schüler unübersichtlich und damit ausdrucksarm wirken. Auch die größeren Kombinationsmöglichkeiten digitaler Atlanten dürfen nicht zu einer Informationsüberhäufung führen. Die Karte soll eine übersichtliche Abbildung von Strukturen oder Prozessen in Erdräumen bleiben.

Die Atlasarbeit darf sich im Unterricht nicht verselbstständigen. Die grundlegende Kartennutzung ist nur eine von mehreren Lerntechniken. Für die Gestaltung von Schulatlanten muss daher die Nutzerorientierung maßgeblich sein.

Verlage und historische Entwicklung

In Deutschland gelten der Cornelsen Verlag, der Ernst Klett Verlag und die Westermann Gruppe als führende Verlage für Schulatlanten. Der Lehrmittelverlag Zürich gibt den Schweizer Weltatlas heraus. In Österreich veröffentlichte der Verlag Ed. Hölzel seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit Blasius Kozenn Schulatlanten für Österreich-Ungarn. Bis in die 1970er Jahre erschienen dort unter anderem der Österreichische Mittelschulatlas und der Hauptschulatlas. Heute gibt es weiterhin Hölzel-Atlanten und Neue Kozenn Atlanten vom Verlag Ed. Hölzel.

Die Anfänge der deutschen Schulatlaskartografie liegen im frühen 18. Jahrhundert. Johann Baptist Homann und Johann Hübner veröffentlichten den Kleinen Atlas Scholasticus in Nürnberg 1710, gefolgt vom Atlas Methodicus 1719. Ebenfalls in Nürnberg erschien 1717 der ATLAS PORTATILIS der grünenden Jugend zum Besten, den der Kupferstecher und Kunsthändler Johann Christoph Weigel gemeinsam mit dem Geografen Johann Gottfried Gregorii herausgab. Der beliebte, ab 1723 zweiteilige Atlas wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verlegt.

1793 brachte der Weimarer Verlag Bertuch nach einem Konzept des Professors für Geografie und Geschichte Adam Christian Gaspari den von F. L. Güssefeld entworfenen und gezeichneten Neuer methodischer Schul-Atlas heraus, vermutlich als zweiteilige Sammlung loser Kartenblätter für den Schulunterricht. Im selben Verlag erschienen später ein Historischer Schulatlas von 1820 sowie weitere Schulatlas-Titel und Auflagen.

Als erster allgemeinbildender deutscher Schulatlas gilt der 1821 beim Verlag Justus Perthes in Gotha erschienene Kleine Schul-Atlas über alle Theile der Erde nach dem neuesten Zustande nach Stieler’s Hand-Atlas. Er wurde federführend vom Geografen und Kartografen Adolf Stieler entwickelt, in vielen Auflagen veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Nach einem kleinen Schulgeschichtsatlas von 1823 folgte 1849 der von Emil von Sydow bearbeitete Schul-Atlas in Sechs und Dreissig Karten. 1888 erschien Sydow-Wagners Methodischer Schulatlas.

1853 veröffentlichte der Verlag George Westermann in Braunschweig den ersten Schulatlas des Hauses Westermann. Er wurde vom Offizier und Schulgeografen Theodor Freiherrn von Liechtenstern konzipiert und vom akademischen Kartografen Henry Lange vollendet. Aus diesem Werk entwickelte sich ab 1883, zunächst unter dem Titel Schulatlas über alle Teile der Erde. Zum geographischen Unterricht in höheren Lehranstalten, der variationsreiche Weltatlas Diercke. Bearbeitet wurde er vom Schulgeografen und Kartografen Carl Diercke, zeitweise gemeinsam mit dem Kartografen und Verleger Eduard Gaebler.

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