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Atacama-Wüste

Die Atacama-Wüste, kurz Atacama, erstreckt sich entlang der Pazifikküste Südamerikas zwischen dem 18. und 27. Breitengrad Süd, also in etwa zwischen den …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Klima und Folgen der Trockenheit
  3. 3. Abgrenzung und räumliche Merkmale
  4. 4. Besiedlung und politische Entwicklung
  5. 5. Wissenschaftliche Nutzung
  6. 6. Rohstoffe, Wassergewinnung und Müllproblem

Überblick und Lage

Die Atacama-Wüste ist eine Küstenwüste an der Pazifikküste Südamerikas. Sie erstreckt sich ungefähr zwischen Tacna im Süden Perus und Copiapó im Norden Chiles, vom 18. bis zum 27. Breitengrad Süd, über rund 1200 Kilometer. Sie gilt als trockenste Wüste der Erde außerhalb der Polargebiete. Ihr zentraler Bereich hat seit wenigstens 15 Millionen Jahren ein hyperarides Klima, also ein extrem trockenes Klima.

Von West nach Ost gliedert sich die Wüste in drei Längszonen: die Cordillera de la Costa, ein Küstengebirge, das Zwischental und das Andenmassiv. Typische Landschaftselemente sind Salzwüsten wie der Salar de Atacama. Menschen leben seit Jahrtausenden vor allem in den wenigen Oasen.

Klima und Folgen der Trockenheit

Die Trockenheit hat zwei Hauptursachen: Die Atacama liegt im Regenschatten der Anden. Ostwinde verlieren daher keinen Niederschlag in der Wüste. Außerdem verhindert der kalte Humboldtstrom vor der Küste die Bildung von Regenwolken und damit Steigungsregen.

Trotz der Trockenheit ist die Wüste, besonders nahe der Küste, oft kühl und neblig; sie gehört deshalb auch zu den Nebelwüsten. Der Jahresniederschlag kann im Mittel nur 0,5 mm betragen. An manchen Orten wurde über Jahrzehnte kein Regen gemessen. Im Jahresmittel fällt nur etwa ein Fünfzigstel der Regenmenge des Death Valley in den USA. Besonders im Zwischental sind die Temperaturunterschiede groß: tagsüber können 30 °C, nachts −15 °C erreicht werden.

Etwa alle sechs bis zehn Jahre kann El Niño, bei dem der Humboldtstrom zurückbleibt, heftige Niederschläge auslösen. Dann erblüht die Wüste kurzzeitig. Starkregen verursachte im Februar 2012 und schon im Vorjahr zerstörte Straßen und Erdrutsche. In Toconao und Río Grande wurden Häuser unterspült, Felder vernichtet und Bewohner wochenlang von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.

Abgrenzung und räumliche Merkmale

Die genaue Ausdehnung der Atacama-Wüste ist nicht einheitlich festgelegt. Sie wird je nach klimatischen, botanischen oder politischen Kriterien unterschiedlich abgegrenzt. Deshalb reichen Flächenangaben von 105.000 km² bis 180.000 km².

Die heutige gebräuchliche Einordnung setzt sie als Teil der größeren Peru-Chile-Wüste beziehungsweise Pazifik-Wüste voraus. Diese Küstenwüste erstreckt sich von der Nordgrenze Perus mit Ecuador bei 5° Süd bis La Serena in Zentralchile bei 29°55' Süd über mehr als 3500 km. In der weitesten klimatischen Definition reicht sie sogar von 1° Süd bei Manta in Ecuador bis 37° Süd bei Concepción. Politisch wird sie jedoch meist in Peru-Wüste und Atacama-Wüste aufgeteilt.

Als Nordgrenze der Atacama werden unter anderem Arequipa bei 16° Süd, Tacna bei 18° Süd, Arica bei 18°20" Süd oder vereinfacht die Nordgrenze Chiles genannt. Im Süden wird häufig der Río Copiapó bei etwa 27° Süd angesetzt, wo die hyperaride Klimazone endet, oder der 280 km weiter südlich gelegene Río Elqui bei La Serena bei 29°55' Süd.

Im Westen begrenzt die bis zu 2000 m hohe Küstenkordillere die Wüste. Zwischen Arica und Iquique fällt sie auf 200 km Länge teils in kilometerhohen Klippen zum Meer ab. Küstenvegetation reicht nur so weit wie der Nebel, höchstens bis 1000 m Höhe. Im Osten wird die Grenze meist in der Anden-Präkordillere bei etwa 2000 bis 3000 m Höhe beziehungsweise vereinfacht um die 2500-m-Höhenlinie gezogen; dort beginnen die Niederschläge 20 mm pro Jahr zu übersteigen und Strauchsteppen zu dominieren.

Besiedlung und politische Entwicklung

Obwohl die Atacama zu den wasserärmsten Gebieten der Welt gehört, wurde sie früh an ihren Oasen besiedelt. Dort lebten Atacameños, Aymara, Diaguitas und Chinchorros. Die Chinchorros sind insbesondere für mumifizierte Babys bekannt, die vor mehr als 7000 Jahren bestattet wurden. Im 15. Jahrhundert wurde das Gebiet Teil des Inkareiches.

1536 durchquerte Diego de Almagro als erster Europäer die Atacama. Nach dem Ende der Inka-Herrschaft stand die Wüste unter spanischer Herrschaft; während der südamerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen fiel sie an Bolivien. Die Entdeckung von Silbervorkommen in Chañarcillo im Jahr 1832 machte Chile zu einem bedeutenden Silberproduzenten.

Im Salpeterkrieg von 1879 bis 1884 setzte sich Chile mit britischer Unterstützung gegen Peru und Bolivien durch und gewann im Norden Staatsgebiet. Bolivien verlor dadurch seinen direkten Zugang zum Pazifik; dies ist bis heute ein Konfliktpunkt zwischen beiden Staaten. 1916 begann die Ausbeutung der Kupferlagerstätten bei Potrerillos.

Wissenschaftliche Nutzung

Das extrem trockene Klima begünstigt astronomische Beobachtungen. Deshalb stehen auf Bergen der Atacama mehrere große Sternwarten. La Silla und Las Campanas liegen rund 50 km südlich von Vallenar. Auf dem Cerro Paranal, 120 km südlich von Antofagasta, errichtete die Europäische Südsternwarte das Paranal-Observatorium.

Weitere Anlagen sind das Atacama Large Millimeter Array und das Atacama Pathfinder Experiment auf der Chajnantor-Hochebene. Auf dem Cerro Armazones befindet sich das ELT, eines der weltgrößten Teleskope, im Bau. Die USA nutzten die Atacama-Wüste außerdem zum Testen einiger Marssonden. Das Mineral Atacamit wurde 1801 in der Wüste entdeckt und nach ihr benannt.

Rohstoffe, Wassergewinnung und Müllproblem

Vorkommen von Lithium, Kupfer, Silber, Gold und Platin sind heute eine Wirtschaftsgrundlage Chiles. In der Atacama werden die größten Lithiumvorkommen der Welt vermutet. Küstennebel wird mit Netzen, den Atrapanieblas, an Berghängen aufgefangen und zur Wassergewinnung genutzt; dazu laufen in Chile mehrere Pilotprojekte.

Bei Alto Hospicio entstand eine auf Satellitenbildern sichtbare Müllhalde. Dort liegen nicht verwendete Importe aus Asien, Europa und den USA. Schätzungsweise 40 % der etwa 30.000 Tonnen Altkleider, die in die Freihandelszone Iquique importiert werden, werden unter dem Stichwort Fast Fashion entsorgt. Hinzu kommen Schrottautos und Reifen. Chile fehlen laut Artikel Geld und Kapazitäten, um gegen das Problem vorzugehen, das bereits bei der fehlenden Deklarierung des Mülls beginnt.

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