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Arica

1953 erhielt die Stadt eine Freihandelszone. Bis in die 1970er Jahre wurde die Ansiedlung verarbeitender Industrie – insbesondere der Automobilindustrie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Geografie
  2. 2. Geschichte
  3. 3. Sehenswürdigkeiten
  4. 4. Wirtschaft und Verkehr
  5. 5. Sport und Bildung

Überblick und Geografie

Arica ist eine Stadt im äußersten Norden Chiles in der Región de Arica y Parinacota, Provinz Arica. Sie liegt am Pazifik, nur wenige Kilometer von der peruanischen Grenze entfernt, und ist die nördlichste Stadt Chiles. Die Entfernung zur Hauptstadt Santiago beträgt 2051 km. Die Stadt liegt an der Mündung der Flüsse Río Lluta und Río San José de Azapa und hat 241.653 Einwohner (Stand 2024) auf 4799 km². Sie wird im Volksmund „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt. In Arica herrscht Wüstenklima: Die mittlere Temperatur liegt bei knapp 19 °C, es regnet praktisch nie (im Jahresdurchschnitt nur 1,5 mm Niederschlag). Wasser aus den Anden ermöglicht trotzdem grüne Parkanlagen und Landwirtschaft in den Flusstälern. Bolivien erhebt Anspruch auf die Stadt als Teil seines Departamento Litoral; historisch verlor Peru Arica im Salpeterkrieg.

Geschichte

Um 8000 bis 2000 v. Chr. lebte das Volk der Chinchorros im Tal von Arica. Ab 1450 drangen die Inka nach Nordchile vor. 1536 erreichte Diego de Almagro als Erster das Gebiet, und am 25. April 1541 gründete Lucas Martínez Vegazo die Stadt. Ende des 17. Jahrhunderts griffen englische Piraten an: Am 5. November 1680 Bartholomew Sharp mit 140 Mann (Abwehr durch die Spanier mit starken Verlusten) und am 9. Februar 1681 John Watling mit 92 Mann, der dabei starb. Ein Tsunami zerstörte Arica am 13. August 1868 schwer, rund 300 Bewohner starben; ein Erdbeben am 9. Mai 1877 forderte fünf Tote. Nach den Unabhängigkeitskriegen gehörte Arica zu Peru. Durch reiche Salpetervorkommen in der Atacama-Wüste entstand der Salpeterkrieg zwischen Peru, Bolivien und Chile. Am 7. Juni 1880 eroberten chilenische Truppen nach schweren Kämpfen Arica und die peruanische Festung auf dem Morro, dem Felsen über dem Hafen. Durch den Vertrag von Ancón wurde Arica 1883 endgültig chilenisch, blieb aber zusammen mit Tacna (60 km nördlich) bis 1929 umstritten.

Sehenswürdigkeiten

Das Zollgebäude (Aduana) wurde von Gustave Eiffel entworfen, ebenso die 1875 erbaute Catedral de San Marcos an der Plaza Colón, eine Stahlkonstruktion. Vom 260 m hohen Morro de Arica hat man Aussicht über die Stadt; oben steht eine zum Pazifik blickende Christusstatue und ein Armeemuseum zur Eroberung von 1880. Von dort sieht man die Halbinsel Isla del Alacrán mit dem Yachthafen. Das Museo Arqueológico San Miguel de Azapa zeigt vor allem die Chinchorro-Kultur; nearby liegt ein Friedhof, der als ältester der Welt bezeichnet wird (Bestattungen schon in der Chinchorro-Zeit, zusätzlich Kolonialgräber). Ausflugsziele: das oliven- und gemüsegeprägte Valle de Azapa mit dem Dörfchen Ausipar, das Valle de Lluta mit Geoglyphen und Petroglyphen, die Andenstadt Putre, der Nationalpark Lauca und Inka-Siedlungen. Etwa 25 km südlich nahe der Panamericana stehen die Wüsten-Skulpturen „Tutelares“ von Juan Díaz Fleming, die die Stammesherkunft der Andenbevölkerung und kosmische Beziehungen zu Sonne und Mond symbolisieren.

Wirtschaft und Verkehr

Das Valle de Azapa erlaubt mit seinem Bewässerungssystem ganzjährigen Anbau von Obst und Gemüse, besonders Oliven; die Produkte werden im Terminal Agropecuario vermarktet. Arica ist ein wichtiger Hafen für chilenische Erze und erhielt 1953 eine Freihandelszone. Bis in die 1970er Jahre wurde Industrieansiedlung (v. a. Automobilindustrie) staatlich gefördert; die marktorientierte Wirtschaftspolitik unter Pinochet bedeutete der Industrie das Aus (1962–1967 wurden hier Volvo-Modelle montiert). Heute fördern Regierungen den Standort über die „Ley de Arica“ mit Steuervorteilen. Tourismus, vor allem an den Stränden, ist eine wichtige Einkommensquelle, besonders für wohlhabende Bolivianer. Verkehr: Arica liegt an der Panamericana und hat einen Flughafen nördlich der Stadt. Zwei Eisenbahnen enden hier: die Strecke Tacna–Arica (seit 1856, wieder im Personenverkehr seit 2016) und die Strecke Arica–La Paz (seit Mai 2021 wieder durchgehend in Betrieb, im unteren Abschnitt ein Touristenzug ab Bahnhof Chinchorro). Die Strecken haben keine Gleisverbindung (unterschiedliche Spurweiten), und es gibt keine inner-chilenische Bahnverbindung nach Süden.

Sport und Bildung

1901 gründete die peruanische Volksgruppe den ersten Fußballverein, The Arica Football Club; bald folgten erste Meisterschaften gegen Tacna. Zur Fußball-WM 1962 wurde das Carlos-Dittborn-Stadion gebaut, in dem die Spiele der WM-Gruppe A stattfanden und Chile sein Viertelfinale gegen die Sowjetunion gewann. Heute spielt dort CD San Marcos de Arica. Der Pazifikstrand bietet je nach Jahreszeit Wellen zum Surfen; 2007 fand in Arica ein Wettkampf der Foster’s ASP World Tour statt (ASP heißt heute WSL). Zu den Bildungseinrichtungen gehört die Universidad de Tarapacá de Arica. Arica hat Städtepartnerschaften mit Montevideo (Uruguay, seit 2009) und Eilat (Israel). Bekannte Persönlichkeiten sind u. a. der peruanische Politiker Guillermo Billinghurst (1851–1915), der französische Pianist Pierre Barbizet (1922–1990), der Sänger Américo (* 1977) sowie die Ärztin und Politikerin Izkia Siches (* 1986); mehrere Fußballspieler stammen ebenfalls aus Arica.

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