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Chorologie
In der Geographie gibt es verschiedene konkurrierende Raumkonzepte, die sich nach diesem Schema unterscheiden lassen: ... Geographie,; ein idealistisches …
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Grundidee
Chorologie, auch Synchorologie oder Arealkunde genannt, ist die Lehre vom Raum beziehungsweise von der räumlichen Verbreitung der Untersuchungsobjekte einer wissenschaftlichen Disziplin. Allgemein untersucht sie räumliche Aspekte von Erscheinungen. Sie steht damit sinngemäß zur Chronologie wie der Raum zur Zeit: Chronologie ordnet Erscheinungen zeitlich, Chorologie betrachtet ihre räumliche Lage, Ausdehnung und Verteilung.
Der Begriff wird nicht in allen Wissenschaften gleich häufig verwendet. Das liegt daran, dass viele Fächer eigene, speziellere Raumbegriffe haben. Die Physik behandelt Raum und Zeit grundsätzlich; andere Disziplinen untersuchen bestimmte Räume, etwa die Geologie die Erdkruste oder geographische Fächer den Raum der Erdoberfläche. Geläufig ist der Begriff Chorologie vor allem dort, wo die räumliche Verbreitung selbst ein wichtiges Untersuchungsproblem ist.
Raum in der Geographie
In der Geographie gibt es mehrere konkurrierende Raumkonzepte. Ein materialistisches Raumkonzept versteht Raum als absoluten Raum; es gehört zur traditionellen und chorologischen Geographie. Ein idealistisches Raumkonzept knüpft an George Berkeley und Immanuel Kant an; in der Geographie gehört dazu zum Beispiel der Handlungsraum in der Sozialgeographie nach Benno Werlen.
Daneben gibt es ein stufenweises Konzept von „Landschaft“, wie es Alfred Hettner vertritt. Außerdem nennt der Artikel eine historisch-materialistische Konzeption von Raum als räumliche Praxis nach Henri Lefebvre, die vom amerikanischen Geographen David Harvey weiterentwickelt wurde. Für Schülerinnen und Schüler ist wichtig: In der Geographie meint „Raum“ nicht nur eine Fläche auf der Karte, sondern kann je nach Theorie auch als wahrgenommener, genutzter, gesellschaftlich geprägter oder historisch entstandener Raum verstanden werden.
Biologische Verbreitung
In der Biogeographie ist Chorologie die Lehre von der geografischen Verbreitung der Organismen, einzelner Arten und systematischer Sippen. Eine Sippe ist dabei eine biologisch zusammengehörige Gruppe, zum Beispiel eine Art oder eine höhere systematische Einheit. Das Areal ist das Verbreitungsgebiet einer Art.
Die biologische Chorologie beschreibt und klassifiziert die Zusammenhänge zwischen Lebewesen und ihrem Vorkommen. Sie betrachtet sowohl den heutigen Zustand als auch frühere Verhältnisse und dokumentiert Veränderungen. Damit ist sie ein Hilfsmittel der Taxonomie, also der Einordnung und Benennung von Lebewesen, und besonders der deskriptive Teil der Ökologie, also der beschreibende Teil der Lehre von Lebewesen und ihrer Umwelt.
Wichtige Aufgaben sind die Typisierung von Arealen und die Kausalanalyse, also die Suche nach Ursachen für die Entstehung bestimmter Verbreitungsgebiete. Dabei werden zwei Fragestellungen unterschieden: historisch-genetisch fragt man, ob eine Verbreitungsgrenze eine Wandergrenze ist; aktualistisch fragt man, ob eine Verbreitungsgrenze eine Leistungsgrenze ist. Als Arbeitsmethode nennt der Artikel die Arealdiagnose. Besonders entwickelt ist die Florenanalyse, weil Pflanzen durch ihre eingeschränkte Mobilität besonders klare räumliche Zuordnungen ermöglichen. In der Ökologie hat die Chorologie daher besondere Bedeutung.
Kultur- und Sozialwissenschaften
In den Kulturwissenschaften wird Raum im Spannungsfeld zwischen geographischer Gegebenheit und kultureller oder politischer Deutung betrachtet. Das bedeutet: Ein Raum ist nicht nur ein physischer Ort, sondern kann durch Kultur, Politik und gesellschaftliche Deutungen überformt werden. Der Artikel nennt dafür den Begriff Kulturraumformung.
Auch in der Soziologie spielt Raum eine Rolle. Dort erscheint der Begriff zum Beispiel als sozialer Raum und ist Gegenstand der Stadt- und Architektursoziologie. Seit Ende der 1980er Jahre wuchs in den Kultur- und Sozialwissenschaften das Interesse an Raumphänomenen deutlich. Diese Hinwendung zu Raumthemen wird als Spatial turn bezeichnet, auf Deutsch auch „topologische Wende“ oder seltener „raumkritische Wende“.
Methode in der Archäologie
In der Archäologie bezeichnet Chorologie eine Methode, mit der eine relative Chronologie gefunden werden soll. Eine relative Chronologie ordnet Funde oder Bereiche zeitlich zueinander, ohne unbedingt genaue Jahreszahlen anzugeben. Die Methode wird auch Horizontalstratigraphie oder Belegungschronologie genannt.
Eine chorologische Analyse versucht, die systematische Belegung oder das systematische Wachstum eines Fundplatzes oder eines Gräberfeldes nachzuvollziehen. Ziel ist es, Areale herauszuarbeiten, die ungefähr gleichzeitig genutzt wurden, und ihre zeitliche Abfolge zu erkennen.
Als Beispiel nennt der Artikel Gräberfelder. Sie wachsen oft von den ältesten Bestattungen ausgehend von innen nach außen, ähnlich wie eine Zwiebel. Wenn man auf Plänen eines Gräberfeldes oder einer Siedlung ähnliche Funde, also Typen, kartiert, zeigen ihre Verbreitungsbilder die Wachstumszonen. Durch den Vergleich vieler solcher Kartierungen lassen sich diese Zonen rekonstruieren. Trotz der gelegentlichen Bezeichnung als Horizontalstratigraphie handelt es sich jedoch nicht um archäologische Stratigraphie und hat nicht deren starke Beweiskraft.