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Zwischen Care-Arbeit und Karriere: Droht Deutschland der Familien-Kollaps? | Am Puls

ZDFheute Nachrichten44:39 336.355 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 315 Zeilen
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  1. [Musik] Kinder, eigentlich das natürlichste der Welt und jeder von uns war ja auch mal eins, aber sie können furchtbar
  2. anstrengend sein und irgendwie passen sie heute oft gar nicht mehr in unsere Lebensplanung.
  3. Früher war klar: Kinder kriegen die Leute immer und Mutti kümmert sich. Heute ist das anders. Wir Deutschen bekommen immer später immer weniger
  4. Kinder. Das hat fatale Folgen für die Gesellschaft, denn wir werden einfach zu alt. Wer zahlt dann unsere Steuern und Renten? Wo kommen die Fachkräfte her?
  5. Eigentlich sollte die Politik also alles dran setzen, Eltern Lust auf Kinder zu machen und denen das Leben als Familie zu erleichtern.
  6. Seit Jahren gelingt es der Politik nicht, die nötigen Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Für arbeitende Frauen ist
  7. Deutschland ein Entwicklungsland und landet nur auf Platz 22 im Vergleich mit anderen Industriestaaten. Ich bin Eva Schulz, ich bin Mitte 30 und
  8. stehe selbst gerade genau vor der Frage, will ich Kinder oder nicht? Kann ich das in unserer Gesellschaft überhaupt wagen? Für diesen Film habe ich auf Instagram
  9. Eltern eine Frage gestellt. Gibt es ganz konkrete Situationen in eurem Alltag, in den ihr euch im Stich gelassen fühlt von Deutschland, von der Politik?
  10. In wenigen Stunden kam hunderte Nachrichten. Wir stecken mittendrin in der Kider Katastrophe. Wie sollen wir als Eltern
  11. arbeiten gehen? Unsere Kinder haben etwas Besseres verdient und zwar jetzt. Ich frage mich, droht Deutschland der Familienkollaps?
  12. Ich [Musik] will rausfinden, was stresst
  13. Deutschlands Familie und was bräuchte es, um ihr Leben einfacher zu machen? Meine Reise beginnt heute hier in Erfurt bei Familie Krüger.
  14. Lydia und Marcel haben drei Kinder und somit mehr als doppelt so viele wie der deutsche Durchschnitt. Der kommt nur auf 1,35.
  15. Die Krügers wohnen zur Miete unten links im Erdgeschoss. Hallo. Hey, ich bin Eva. Schön kennenzulernen. Ich auch.
  16. Was würdet ihr denn sagen? Was ist gerade der größte Stressfaktor in eurem Familienalltag? äh tatsächlich ja, der Alltag des das
  17. Arbeiten gehen äh und die Wege, also die Wege Aufarbeit, ähm Kinder abholen, bring ich komme. Ja. Und Termine
  18. organisieren. Hier ist immer viel los. Wie viel? Das haben Sie für uns mit kleinen Kameras
  19. selbst gefilmt. Los geht's um 6 Uhr morgens. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen.
  20. [Musik] Langsam Wasser. Alles ist bis auf die letzte Minute durchgetaktet.
  21. [Musik] Ende um 21 Uhr. Je nachdem wann das letzte Kind schläft. jeden Tag ohne
  22. Pause. [Musik] Der kleinste Karl hat kein eigenes Zimmer. Er schläft bei den Eltern und
  23. spielt im Wohnzimmer. Wohnraum ist wie bei so vielen knapp. Deshalb hat auch Papa Marcel kein eigenes Zimmer und sitzt an den
  24. Homeoffice Tagen hier am Schreibtisch von Tochter Anuk. Er arbeitet vollzeit bei einer Krankenkasse. Ist mein Rückzugsort zum Arbeiten, wenn
  25. hier draußen Hallli und Alarm. Ja, alle Kinder zu Hause und Ja. [Applaus] [Musik]
  26. Oh, guck guck guck. [Musik] Geld.
  27. Geld. Genau. Jetzt kriege ich nichts mehr gearbeitet. Also mit ihm nicht so. Ich schneide mal hier runter. Okay. Mama Lydia arbeitet 32 Stunden pro Woche
  28. in einer Kita. Wie ist das denn bei euch finanziell? Müsst ihr beide arbeiten und auch in dem Maß in dem ihr arbeitet?
  29. Ja. Ja, müssen wir. äh allein schon ähm um die Wohnung oder das Leben zu finanzieren. Wir bezahlen ja ganz viel Kindergarten gepührt und wir wollen ja,
  30. dass unsere Kinder eben auch Möglichkeit haben äh am Leben teilhaben zu können. Also so alltägliche Dinge und das Leben ist eben teuer geworden, muss man so
  31. sagen. Die Krügers zahlen für Kita Hort und das Essen dort knapp 700 €. Das Kindergeld
  32. für drei Kinder ist damit schon weg. Dazu Miete, Steuern und Sozialabgaben. Ohne zwei Gehälter funktioniert das nicht.
  33. Und Lydias Arbeit, die ja Erzieherin ist, ermöglicht es anderen Eltern ihren Job zu machen. Ist das dann überhaupt, wenn von euren Kindern eins krank wird
  34. und du hier bleibst, dann hat das ja wahrscheinlich so ein Dominoeffekt in der Kita, in der du arbeitest. Genau. Man hat immer Bauchschmerzen, weil man
  35. dann weiß, die Kollegen arbeiten ja auch immer am Limit und man hat schon im Hinterkopf, es fehlen aber so und so viele Kollegen, dann wegt man schon ab,
  36. oh, kriegt man das noch mal über die Bühne, einen Tag zu kommen. Das heißt, du hast ziemlich oft ein schlechtes Gewiss, wenn hier was
  37. passiert. Ein schlechtes Gewissen, obwohl Lydia und Marcel genau das machen, was der Staat gerne hätte. Viele Kinder und
  38. trotzdem viel arbeiten. Ich kann Fahrrad fahren und ich kann tauchen. Ich kann auf Bäume klettern.
  39. Ich kann lustig sein und ich kann malen. Ich kann alles lernen, was ich will. Jetzt habt ihr drei Kinder. Das ist natürlich ein großes Glück für euch,
  40. aber ja auch ein Gewinn fürs deutsche Sozialsystem. Es sind auch drei Rentenzahler und Zahlerinnen, die ihr da großzieht. Wird euch das gedankt?
  41. Nee, oder? Nee, wir danken uns, unsere Familie, unsere Freunde, also da kommt Wertschätzung entgegen, aber dass man jetzt
  42. gefühlt vom sozialen Staat oder so, nee, habe ich nicht das Gefühl. Viele denken auch, was man so aus Gesprächen hört, na ich möchte ich
  43. vielleicht noch ein zweites oder drittes kennt aufgrund der finanziellen äh ja Herausforderung, die man dann was das einfach mit sich bringt
  44. und das ist halt einfach schade. [Musik] Stopp, stopp und gucken. Auto.
  45. Nee, komm kein Auto. Komm. In Erfurt beobachte ich das Dilemma moderner Elternschaft. Jeden Tag arbeiten Marcel und Lydia im
  46. Dreischichtbetrieb. Erwerbsarbeit, Erziehungsarbeit und Hausarbeit bis zur Erschöpfung. War das früher anders? Ich reise zurück
  47. in die 90er Jahre in meine Kindheit. Hier im Münsterland bin ich aufgewachsen.
  48. [Musik] Hallo, hier bin ich in den 90ern auf die Grundschule gegangen und damals war es
  49. völlig normal, dass wir zur Mittagszeit so wie jetzt alle direkt nach Hause gegangen sind. Unsere Mütter waren ja eh da, haben Mittagessen gemacht und uns ab
  50. da betreut, außer bei meiner ehemaligen Klassenkameradin Maike. Zufällig treffe ich ihre Mutter Doris, weil sie hier
  51. heute in der Ganztagsbetreuung arbeitet. Als du hier in die Schule gekommen bist mit Maike, gab es von Anfang an diese Üm Betreuung.
  52. Und wie viele Kinder saßen da mit Meike? Damals sieben oder acht. Und wie viele sind's heute? Wir haben in der OGS so 120, aber
  53. das heißt mehr als zehn mal so viele Kinder sind heute in so einer Betreuung nach der Schule als damals. Aber ist auch wichtig, ich war froh,
  54. dass es diese Betreuung gab. Da waren wir damals ja die Rahmenmütter, die ihre Kinder in die Betreuung gaben, ne?
  55. Heute sind in Deutschland rund die Hälfte der Grundschüler in einer Ganztagsbetreuung. Schon 2029, also in 4 Jahren, hat jedes
  56. Grundschulkind einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Ein zentrales Versprechen der Bundespolitik an Eltern, aber vermutlich
  57. ein leeres, denn viele Städte und Kommunen sagen, wir werden das nicht schaffen. Es fehlt an Geld und Personal.
  58. Ich bleibe im Münsterland, reise aber aus meiner Vergangenheit in die Zukunft. In HK bin ich mit einer Gruppe junger Männer verabredet. Ich will wissen, wie
  59. ticken die, die künftig Kinder haben werden. Was denken Sie über Familie, Beruf, die Rollen von Müttern und vor allem von Vätern?
  60. [Musik] Junges Schützeverein. Hallo. Heg ein Dorf, auf das wir stolz sind. Genau.
  61. Leg ein Dorf, das un Heimat ist. Genau. Also Junggesellen Schützenverein heißt niemand von euch ist verheiratet oder wer ist verheiratet? Noch mal
  62. Handzeichen hier. Okay, dann prost neiges
  63. für alle ist klar, sie wollen Familie. Und wie viele Kinder? Dann dreht jetzt mal um.
  64. Ich habe so drei, vier Wünsche. Da war einmal Schützenkönig sein, meine Freundin heiraten, Kinder und ein Haus bauen. Wenn ich das erreicht habe, dann
  65. kann ich Haken dran hängen und und dich noch 30, 40 Jahre zurück. Genau. In mein Garten mit meiner Flasche B irgendwann, wie mein Papa das jetzt
  66. macht und dann bin ich gut zufrieden. Ja. Ja. Okay. Also, was könnt ihr euch vorstellen, wie viel Eltern seid ihr als
  67. Väter nehmen wollt? Sind es eher zwei Monate, dann werft ihr eine rote Kugel in die linke Säule oder sind es mindestens 6 Monate, dann werft ihr eine
  68. grüne Kugel in die rechte Säule. Elternzeit war das große Modernisierungsprojekt der Politik in den Nullerjahren. Aber auch fast 20
  69. Jahre später geht nicht mal die Hälfte der Väter überhaupt in Elternzeit und von denen nehmen die meisten nur zwei Monate.
  70. Hier auch klare Mehrheit für die kürzere Option. Ganz hierellen. Könnte mir das momentan schwer
  71. vorstellen 6ch Monate zu Hause zu sitzen ohne arbeiten zu gehen. Du hättest ja dann sehr viel Hausarbeit wahrscheinlich.
  72. Ja, aber ich glaube nicht, dass ich da den ganzen Tag mit verbringen würde. Ja, du liegst ja nicht mit dem Arsch auf der Couch, ne? Ich glaube, da kann man
  73. schon mehr oder weniger gleichstellen, wenn man Haushalt ein oder zwei Kinder zur Kita, wie auch immer, wegbringen muss, dann kommst du auch auf deine 7,
  74. 8, 9, 10 Stunden. Was was würden z.B. eure Arbeitgeber sagen, wenn ihr kommt und sagt, ich will sechs Monate Elternzeiten machen.
  75. Bei uns in der Firma war das so, dass maximum vier Wochen, sage ich jetzt mal, Elternzeit bei uns gab, weil sonst die Leute auch einfach fehlen bei uns.
  76. Würde gerne wissen, welcher Aussage ihr eher zustimmt. Im ersten Jahr ist ein Kind besser bei der Mutter aufgehoben. Die Aussage für die grünen Kugeln wä, es
  77. ist eigentlich egal, wer das Kind im ersten Jahr betreut, ob Mutter oder Vater. Abstimmung freigegeben
  78. schnell rein, bevor das Ding voll ist. Okay, krass. Das ist sehr eindeutig. Zwei Drittel sagen, im ersten Jahr
  79. gehört das Kind zur Mutter. Ich glaube, das ist auch so ein kleines Dorfding, sage ich jetzt mal noch. Warum
  80. weiß ich nicht. Weiß nicht, das ist einfach so drin, weil man selber von der Mutter so ein bisschen erzogen wurde und
  81. aber das heißt, ihr würdet euch das gar nicht zutrauen. Doch, zutrauen auf jeden Fall. Klar oder wird man mit Sicherheit reinwachsen
  82. als Vaterfigur? Ich glaube eine Frau oder meine Partnerin würde es doch besser managen als ich.
  83. Also ich höre so ein bisschen raus. Ihr wollt eigentlich schon alle so ähnlich machen wie eure Eltern oder?
  84. Ja, schon sehr gerne. Ja. Ja, ich glaube einfach aus der Erfahrung, die man so als Kind gesammelt hat. Ähm,
  85. also wir hatten schon eine echt coole Kindheit. Du fröhliche
  86. du selige gnaden prende Junggesellenzeit.
  87. Was kann das Leben schöneres geben? Wir wollen Junggesellen sein. Jetzt könnte man denken, Münsterland, Junggesellenverein. Logisch, dass da die
  88. jungen Männer Traditionen hochhalten, aber Studien zeigen, sie sind durchaus typisch. Über die Hälfte aller jungen Männer wollen hier zu Lande später
  89. Haupternährer ihrer Familien werden. Hausarbeit und Kindererziehung empfinden sie eher als Frauensache. Aber passen diese zukünftigen Väter zu
  90. den möglichen Müttern? Junge Frauen haben heute im Schnitt ein höheres Bildungsniveau als gleichaltrige Männer. Sind sie bereit für die Mutterrolle auf
  91. ihre Karriere zu verzichten? Es ist Zeit für ein Gespräch mit meinen Freundinnen in München, alle Mitte 30
  92. wie ich und mit einer großen Frage: Wie passen Kind und Karriere zusammen? zu haben. Gekommen sind Natalie, Unternehmerin
  93. zwei Kinder, Gründerin eines gemeinnützigen Unternehmens noch ohne Kind, dafür mit Rudi und Lena, Wohnprojektberaterin in
  94. Teilzeit. ein Kind, das zweite unterwegs. Ich habe kürzlich mit einer Bekannten gesprochen, die im Konzern arbeitet und
  95. die hat ein Team, da sind alle irgendwie Mitte 30 und keine Person spricht über Schwangerschaftswunsch, Kinderkriegen, also es ist wirklich, das
  96. ist einfach ein absolutes Tabutha. Jetzt bist du mittlerweile wieder im fünften Monat, das heißt, du hast es auch schon deinem Arbeitgeber gesagt,
  97. oder? Was war das? Mit was für Gefühl bist du da morgens ins Büro? Oh Mann, das war echt, ich hatte mir so fest vorgenommen, ich werde mich in diesem
  98. Gespräch nicht dafür entschuldigen, dass ich schwanger bin. Und ich habe es trotzdem gemacht, weil ich eben es als nicht gleichwertig
  99. empfunden habe, sozusagen Erwerbsarbeit zu leisten und Mutter zu sein. Und ich fand es wahnsinnig unfair, dass mein Partner sich damit überhaupt nicht
  100. befassen muss. Forscher haben die Kosten der Mutterschaft berechnet. Auf ihr Leben gerechnet verdienen Mütter 40% weniger als Frauen ohne Kinder. Ab drei
  101. Kindern sogar 70%. Nennt sich Motherhood Penalty. In Skandinavien ist die finanzielle Strafe Mutter zu sein nicht so hoch.
  102. Wer von euch könnte sich denn vorstellen, ein paar Jahre komplett zu Hause bleiben, sich um die Kinder kümmern, spät in die Kita und dann
  103. irgendwann noch mal anfangen zu arbeiten? Also, das ist überhaupt keine Option, dass ich Vollzeit zu Hause bleibe. Das ist halt immer noch die Zeit
  104. beruflich irgendwie durchzustarten. Ich hatte das selber ja auch, ne? Ich habe direkt weitergemacht und einfach aus Angst, okay, jetzt bin
  105. ich erstmal weg und krieg den Einstieg nicht mehr, während ja andere weiterarbeiten, insbesondere die männlichen Kollegen,
  106. die oft durchziehen, ne? Richtig. Genau. Wenn der politische Rahmen nicht stimmt, lösen das vor allem Akademikerinnen so
  107. wie ich. Sie schieben auf und werden immer später schwanger. Doch ab 35 singt die Fruchtbarkeit stark. Viele Wunschkinder kommen dann nie zur Welt.
  108. Das hat ganz neue Märkte entstehen lassen. Dr. Corin Mann bietet in ihrer Praxis in München sogenanntes Social Freezing an.
  109. Frauen lassen sich hier ihre noch jungen Eizellen entnehmen. Bis sie bereit sind für ein Kind, lagern diese Eizellen dann tiefgefroren hier.
  110. Das sind die Kühlschränke, die ich mir natürlich vorgestellt habe, wie in meiner Küche. Kotans. Genau. Und da lagern wir in
  111. flüssigenem Stickstoff die Eizellen bei -196°. Okay. Passiert keine Zeltteilung mehr. Das heißt, man kann die Jahre und
  112. letztlich auch erzählen lange eingefroren lassen. Das verändert sich nichts. Und das machen immer mehr Frauen. Die
  113. Zahl hat sich zwischen 2020 und 2023 verdoppelt. auf knapp 4000 Behandlungen im Jahr. Der Vorschlag der Praxis ist auch ich könnte herausfinden, wie es um
  114. meine Eizellen steht. Ja, das war's. Okay, eine Stunde dauert das jetzt und dann kann man anhand von meiner kleinen
  115. Blutprobe sagen, wie fruchtbar ich eigentlich bin bzw. wie viele Eier da noch sind. Bisschen komisches Gefühl auch, weil bisher weiß ich das ja gar
  116. nicht. Ist Social Freezing auch ein bisschen ein Geschäft mit der Angst? Auf jeden Fall ist es teuer, geht in die
  117. Tausende und pro Jahr kommen dann noch 3 bis 400 € dazu, quasi Miete für den Gefriertank. Die Krankenkasse zahlt das übrigens meistens nicht.
  118. [Musik] Die Ergebnisse meiner Blutprobe sind da. [Musik] Das schaut sehr gut aus. Okay, das ist
  119. unser allerwichtigster Wert, der AMH Wert. Und das ist 4,2 und der ist sehr sehr hoch. Genug Eizellen sind da. Das ist schon mal gut. Aber natürlich nimmt
  120. trotzdem die Qualität der Eizellen und die Chance auf eine später Spannerschaft nimmt ab. Ja, interessant. Ich ja interessant das jetzt so über
  121. sich zu wissen. Ich muss mal gucken, was es mit mir macht in den nächsten Tagen. Aber ich bin auch noch ein bisschen unterwegs für diesen Film. Also, wenn
  122. wir jetzt nachdenken über das große Ganze, also wie Männer und Frauen in unserer Gesellschaft zusammenleben, sendet dann diese Möglichkeit
  123. Fruchtbarkeit, Mutterschaft aufzuschieben? Ich eigentlich ein ganz falsches Signal. Gesellschaftlich sehe ich das als Riesenproblem. Ich meine,
  124. das Social Freezing im Endeffekt hilft das so ein bisschen das Problem ein bisschen nach hinten zu verlagern, fün oder 10 Jahre nach hinten zu verlagern,
  125. weil es besteht natürlich nach wie vor. Letztlich muss man hinbekommen als Gesellschaft, als Land, dass beides möglich ist, dass Frauen in jeder Phase
  126. der Ausbildung oder des Berufs möglich ist, Kinder zu bekommen, aber gleichzeitig die Karriere weiter zu verfolgen.
  127. Inzwischen gibt es Arbeitgeber, die ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen bezahlen. Der deutsche Farmakonzern merkt z.B. vor allem aber
  128. Firmen mit Sitz in den USA, nicht nur Starbucks, sondern auch Amazon, Apple, Meta oder Google. Das mag helfen, um junge ambitionierte Arbeitskräfte zu
  129. halten. Aber ist das wirklich ein Weg, den Frauen die Last der Vereinbarkeit zu nehmen? Müsste sich nicht eigentlich an
  130. ganz anderer Stelle was tun? Das Uniparkraftwerk in Gelsenkirchen Scholfen. Soweit normal. Ungewöhnlich,
  131. es gibt nicht einen Chef, sondern zwei. Lars Wiese und Thomas Preußler teilen sich den Chefjob. Lars Wiese hat vier Kinder.
  132. Ich hatte mit meiner Frau immer das Agreement, erst mache ich Karriere und kann sie hält mir den Rücken frei und irgendwann wechseln wir dann. Das haben
  133. wir jetzt eigentlich mit diesem Jobsharing Modell ermöglichen können. Das tut ihr unheimlich gut und mir aber auch, weil es eine Freude ist das
  134. anzusehen und ist eine Freude mehr für die Kinder und zu Hause zu sein. Ja, also Spielmaschine auch einräumen ma ich immer sehr gern, weil man das schön
  135. ordentlich einsortieren kön. Also wir teilen das natürlich auf. Ja. Moin.
  136. Nur 9% aller Väter arbeiten Teilzeit, aber 74% aller Mütter. Thomas Preußler und Lars Wiese machen mit dem Jobsharing ein besonderes Teilzeitmodell und
  137. arbeiten beide 60%. Sie sind Teilzeitchefs. Ihr Arbeitgeber hat das von Anfang an unterstützt.
  138. Das Modell zwei Männer im Jobsharing in so einer konservativen Domäne ist glaube ich sehr selten und ähm vielleicht braucht es umso mehr
  139. Mut, das hier zu tun. Natürlich kamen dann Fragen, wenn wir Fragen haben, an wen sollen wir uns wenden? Also äh
  140. dann haben wir wie gesagt, das ist ja eigentlich wie zu Hause. Also ihr könnt euch an Mama oder Papa wenden. Äh auf keinen Fall an beiden, um die beste
  141. Antwort zu kriegen. Es ist ein unerwartetes Vereinbarkeitsid im Kraftwerk. Eine Vision, wie Kinder, Karriere und alles drumrum doch
  142. zusammenpassen könnten. Aber eine absolute Ausnahme. Im Schnitt arbeiten Väter in Deutschland sogar mehr als Männer ohne Kinder.
  143. Ich hatte früher durchaus Respekt davor. Wie viel Zeit räume ich der Familie ein? damit ich Karriere machen kann und auch so gesehen werde, der will Karriere
  144. machen. Ähm und natürlich kam dann auch die Frage mit dem Jobsharing, kommst du jetzt in den Karton? Ach, der will ja nicht mehr arbeiten, der will nur noch
  145. Teilzeiten, macht deswegen Jobsharing. Und ich glaube, ganz viele sehen auch den Mehrwert eben noch nicht, sondern glauben, das ist nur ein Randmodell für
  146. schwangere Frauen und das ist es definitiv nicht. Ob Wunsch oder finanzieller Druck, die meisten deutschen Väter spielen noch
  147. immer in erster Linie die Rolle des Ernährers. ob das auch diesen erstaunlichen Social Media Trend der letzten Jahre befördert
  148. hat. Hey, hey, ich bin Alin. Auf meinem Profil möchte ich andere Mamas ermutigen, dass es völlig okay ist, nur
  149. Mama und Hausfrau sein zu können. Wenn du magst, lass uns diesen Weg gemeinsam gehen. Traddrives, also Frauen, die ihre traditionelle Rolle als Ehefrau und
  150. Mutter präsentieren oder vielleicht sogar inszenieren. Da wird gekocht, geputzt, die Kinder versorgt, aber das wirkt niemals stressig oder chaotisch,
  151. sondern gerade zu idyllisch oder auch einfach zu perfekt. Die Erwartungen an Mutterschaft treibt das natürlich hoch.
  152. Wenn du so neue Leute kennenlernst und die fragen dich, was machst du beruflich? Was sagst du dann? Hausfahr.
  153. [Musik] Eva lebt ganz im Süden von Deutschland mit Ehemann und vier Kindern. Die Stummas haben sich bewusst für das
  154. traditionelle Familienmodell entschieden. Bei ihnen aber ist das kein Content, sondern einfach das Leben. Eva möchte ihre Kinder so viel wie möglich
  155. selbst betreuen. Das ist ihr wichtig. Frendbetreuung bedeutet für die Kinder schon immer Stress. Auch das gehört auch irgendwie dazu für mich, dass das halt
  156. hauptsächlich die Mama da noch macht. Frauen wenden pro Tag im Schnitt 43% mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Pro Jahr sind das in Deutschland
  157. 825 Milliarden Euro unbezahlte Kehrarbeit von Müttern. Eva macht es sozusagen hauptberuflich. Dabei hat sie zwei Ausbildungen, als
  158. chirischtechnischer Assistentin und als Kinderpflegerin. Bei den ersten beiden Kindern hat sie noch Teilzeit gearbeitet. Inzwischen ist
  159. sie ganz zu Hause. [Musik] Soll ich hier auch welche abnehmen? oder? Ah, ne, die ist ja riesig.
  160. Die ist schon mal genau ist eine gute Ausbeute. Ja, jeden Tag.
  161. Wow. Hättest du neben all, die in den Garten fließt, in die Hausarbeit, in die Versorgung der Kinder, überhaupt noch
  162. Zeit für einen bezahlten Job? Eigentlich nicht. Na, also wenn man es ganz genau nimmt, ist es Vollzeitbeschäftigung und man kommt
  163. eigentlich eh gar nicht hinterher. war sie eben immer nur sehr schade von, dass das eigentlich nicht unterstützt wird oder kaum unterstützt wird, dass die
  164. Mamas eben zu Hause bleiben können. Das finde ich interessant, dass du das so beschreibst, weil ich gerade auch umgekehrt viele Frauen treffe, die
  165. sagen, anders ist es nicht möglich, nämlich wenn sie und ihr Partner beide arbeiten wollen, das zu vereinen. Ja, ich finde das sollte halt einfach auch
  166. irgendwie so bisschen Entscheidungsmöglichkeit jeder selber haben, weil ich kenne eigentlich schon viele Mamas, die würden total gerne
  167. zumindest bis die Kinder in die Schule gehen, einfach die Möglichkeit haben, dass sie öfters daheim sind oder mehr daheim sind, aber es ist finanziell für
  168. die meisten einfach überhaupt nicht möglich. Mhm.
  169. Eva kann zu Hause bleiben, weil ihr Mann als Betriebsleiter in einer Möbelfertigung in Österreich passabel verdient. Normalerweise kommt er gegen 6
  170. Uhr nach Hause. Heute hat er frei. Frei. Wie habt ihr das denn mit Elternzeit gemacht? Hast du Elternzeit genommen?
  171. Also dreimal habe ich Elternzeit genommen. In der ersten Elternzeit habe ich das Haus baut, in der zweiten Elternzeit habe ich die Außenisolierung
  172. gemacht und in dritten Elternzeit habe ich dies Pflaster gemacht. Und war das bei euch immer so, dieses Modell, oder habt ihr auch mal andere
  173. Sachen in derwgung gezogen? Es hat sich eigentlich sehr entwickelt. Mhm. Dadurch, dass ich immer schon ja mehr verdient habe wie die IFA.
  174. Ab wie viel wie viel müsstest du denn verdienen, damit es sich für euch lohnt, dass du wieder arbeiten gehst? Ich glaube, dass ich das gar nicht
  175. lohnt. Ich glaube, dass das eher Zeitvertreib ist, weil das was die im Garten macht und aus dem Garten rauswirtschaftet.
  176. Wenn man das alles in Bioqualität kauft jedes Monat, dann glaube ich, dann sind wir bei weiten über dem was die Eva irgendwie verdient und dann wird sie das
  177. auf stellen wir die Frage ob dieses Konzept wie es jetzt von der Regierung vorgelebt wird, dass man die Kinder so schnell wie
  178. möglich abschiebt in der Kita, damit die Frau wieder ins Berufsleben einsteigen kann, ob das nur die Zukunft richtig ist.
  179. Mhm. Auch wenn Markus zweifelt, der deutsche Staat fördert Lebensmodelle wie das von Familie Stummer, z.B. durch
  180. Ehegartensplitting oder dadurch, dass der Partner, der zu Hause bleibt, mit Kranken versichert ist und gibt dafür Milliarden aus.
  181. Danke, danke. Andy, wie findest denn du das, dass die Mama immer zu Hause ist? Ich find's
  182. immer gut, weil sie dann immer da ist, falls du bei Beispiel wie heute ich mir bei der Brennissel weh getan habe,
  183. aber jetzt juckt nicht mehr. Ja. Und weil sie dann auch immer Essen kocht für uns.
  184. Ja, es ist praktisch, aber es ist halt ein bisschen manchmal kacke für die Mama. Glaubst du?
  185. Ja, schon, weil sie kt dann so nicht raus, wenn sie immer d ist. Du würdest das anders machen, wenn du mal Mama wirst. Glaub so bis zum
  186. Kindergarten da die Schulter hen bleiben, aber dann da schon wieder ins Arbeitsleben so bisschen zurückkehren. Als Minijob trägt Eva ab und zu
  187. Prospekte aus. Denkst du manchmal drüber nach, was im unwahrscheinlichen Fall, dass eure Ehe
  188. zerbricht passieren würde? Na, ehrlich gesagt, habe ich doch noch nie drüber nachgedacht. Na, aber ich denke mal irgendwie was zum Arbeiten
  189. finde ich vor allem in Kinderbetreuung, das ist ja sowieso Mangel ohne Ende. Also ich könnte ohne Probleme jederzeit sofort voll arbeiten. Das wäre gar kein
  190. Thema. Ich habe heute den Eindruck gewonnen, dass Eva ihre Bedürfnisse total hinten anstellt und sich auch ganz klar dafür
  191. entschieden hat und das flüsst mir wirklich Respekt ein. Und gleichzeitig hat mich die ganze Zeit bewegt, dass Eva ja nur 5 Jahre älter ist als ich. Und
  192. sie hat die letzten 17 Jahre damit verbracht, diesen vier Kindern ein möglichst tolles Leben zu bescheren. Und meine letzten 17 Jahre habe ich damit
  193. verbracht, mir ein möglichst tolles Leben zu bescheren. Und ich glaube, das wäre auch genau der Unterschied. Wenn ich jetzt Mütter Mutter würde, dann
  194. würde mir das nicht leicht fallen auf diese Weise mich von all den Freiheiten zu verabschieden. Ich glaube, ich könnte nicht auf die gleiche Weise Mutter sein
  195. wie die Eva. Das kann. [Musik] Und dann ist dann noch was. Eine Trennung ist für Frauen in Deutschland
  196. eins der größten Armutsrisiken. Über 40% der Alleinerziehenden sind Armuts gefährdet. Das hinter Nandi ist eine von ihnen.
  197. Hallo. Hallo. Sind richtig? Ja.
  198. Vor 30 Jahren ist sie aus London nach Berlin gezogen. Hier in Neuköln hat sie bis zu ihrer Trennung mit ihrem Partner und den beiden Kindern gewohnt. Danach
  199. konnte die Autorin sich das Leben in ihrem alten Viertel nicht mehr leisten. Ein unbeliebten Ort ausgedehnt oder?
  200. Ja. Ja. Sinter, was hat sich für dich finanziell verändert, seit du alleine ziehend bist?
  201. Es gibt keine Sicherheit und es gibt auch kein Pufferzone. Für plötzlich kommt diese Rechnung. Wir sind die Leute, die weinen, wenn die
  202. Waschmaschine kaputt geht. Und ne eine Freundin von eine alleinerziehende Freundin von Mer kam und wir haben mit YouTube meine Waschmaschine repariert
  203. ohne die Jugend anzurufen und ich habe gefuh als ob ich Lotto gewonnen habe. Aber ich denke trotzdem viele Leute in Deutschland, die ich sagen ih immer oh
  204. die alleine Z das sind so Armut Swiso, aber die merken nicht die verheirateten Frauen sind nur offiziell nicht arm, weil sie in einem Haushalt sind. mit
  205. einem Mann, der nicht da ist und wenn er, ich weiß nicht, wenn er mit 40 oder 50 weggeht mit der Nanne, dann ist die Frau genauso am Risiko wie wenn sie ihn
  206. verlassen hätte. Am Ende will sie mir noch den Ort zeigen, der vor der Trennung ihr zu Hause war.
  207. Okay, das ist deine alte Adresse. Ja, ich vermisse sie. Ja, die alte Wohnung.
  208. Wo habt ihr gewohnt? Zeig mal. Nein, Hinterhaus. im Hinterhaus. Hinterhaus vierte Etage. Jetzt bin ich sehr an der Stadan.
  209. Und wie war das? War das dann leicht zumindest außerhalt eine Wohnung zu finden? Nein, ich habe richtig gekämpft und
  210. gebattelt und habe alle bei der soziale Wohnungsgesellschaft fertig gemacht. Der Mann hat zu mir am Telefon gesagt, sie sind eine sehr anstrengende Frau, weil
  211. ich habe so oft angerufü und gefragt, wann kriege ich eine Wohnung? Ich habe gedacht, er denkt, ich verstehe, warum es alleine sein muss.
  212. Und gerade als alleinierziehende, welche Rolle spielt dann eine verlässliche Kinderbetreuung? Ja, die verlässliche Kinderbetreuung ist
  213. sehr wichtig und ne alle sagen, oh, die Deutschen und die in Deutschland lebenden mussen produktive sein. Wir konnten produktiver sein, wenn das uns
  214. ermöglicht wäre. Also ich glaube wirklich, wenn die Wohnungen bezahlbar sind und die Ket auch bezahlbar und dann noch dazu das Kindergart ein bisschen
  215. erhört werden oder viel erhört werden, dann können wir uns viel Stress sparen. Vor knapp 20 Jahren wurde den Eltern in Deutschland ein großes Versprechen
  216. gemacht. Ihr müsst euch nicht mehr entscheiden. Arbeit und Familie, das geht zusammen. Der Staat garantiert jedem Kind ab einem
  217. Jahr einen Ket Platz per Gesetz. Aber auf meinen Aufruf hin haben sich bei mir dutzende Eltern gemeldet, die sagen, dieses Versprechen wird gebrochen
  218. und der Leben ist täglich, wie es ist. Heute keine Kita. Gruppen werden für einen Tag geschlossen oder die Öffnungszeiten werden eingeschränkt. So
  219. läuft es tatsächlich schon seit vielen Jahren. Kurzfristig muss ich mein Kind dann früher abholen und betreuen, obwohl das auch nicht mit meinen Arbeitszeiten
  220. konform ist. Das ist keine Betreuung, das ist Überforderung auf allen Ebenen. Für die Kinder, für die Fachkräfte und für uns
  221. Eltern. In Deutschland fehlen über 300.000 Kita Plätze, allein für Kinder unter drei. Besonders groß ist der Mangel in
  222. Westdeutschland. Ich bin unterwegs nach Salzgitter. Die Klo zwischen Arm und Reich ist hier besonders tief. Eine Betreuung für soziale Teilhabe umso
  223. wichtiger. Hier hat aber nur rund jedes dritte Kind unter Dre Kit Platz. [Musik] Wieso ist das so und was genau läuft das
  224. schief? Das will ich mir in einer Kita mal genauer anschauen. [Musik] Du bist auf dem Kopf. Ich bin in der
  225. Kindertagesstätte St. Lukas in der Regenbogengruppe. [Musik]
  226. Wenn du hier bist, was machen dann deine Eltern? Arbeiten. Arbeiten.
  227. Den ganzen Tag. Der ist weg. Was arbeiten die? Normales.
  228. Normales. Mein Papa ist bei dem Militärisen heute da. Mein Mama ist ist eine helf alte Leute
  229. putzen. Ah, was glaubst denn du, was machen deine Eltern jetzt gerade? Die arbeiten.
  230. Ja. Und was arbeiten die? Mit Autos. Mit Autos? So wie du. Hier in der Kita fehlen Arbeitskräfte
  231. für 65 Stunden, also fast zwei Vollzeitstellen. In Deutschlands Kitas fehlen insgesamt über 125 000 pädagogische Mitarbeiter. Sabrina Herbst
  232. von der Kitaitung und Monja Mehrwart vom Träger wissen bald selbst nicht mehr weiter, denn eine Lösung des Personalproblems ist nicht in Sicht.
  233. Also jahrelang hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass ich gesagt habe: "Oh Gott, ich kann nicht krank sein." Also ich glaube, es ist der deutscheste Satz,
  234. den man hören kann. Ich darf nicht krank sein. Ähm, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man sagt, okay, man muss an sich selber denken.
  235. Was bräuchte es, um Eltern den Stress zu nehmen? Eine verlässliche Betreuungszeit. Ich glaube, das brauch es, dass Eltern sich
  236. auf das, was sie, ich sag mal, buchen auch verlassen können. Und das ist, glaube ich, die Paradoxie, die wir aktuell in unserer Gesellschaft erleben,
  237. dass die Arbeitskraft benötigt wird beider Elternteile einmal, um die allgemeine Wirtschaft wieder voranzutreiben, aber auch bei Eltern
  238. sich das sonst das eigene Leben nicht mehr richtig gut leisten können. Wir gucken den jeden Tag in die Augen, die stehen bei uns im Büro und sagen,
  239. ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. M wir stehen an auf der anderen Seite und sagen, wir wissen leider auch nicht mehr, was wir machen sollen.
  240. Und während dort die Ratlosigkeit wächst, sollen hier Lösungen gefunden werden. Berlin Mitte, Familienministerium.
  241. Guten Morgen. Hallo Frau Prin. Herzlich willkommen. Danke schön.
  242. Karin Prien, CDU ist erst wenige Monate im Amt. Frau Prin, welche Schulnote geben Sie der deutschen Familienpolitik? Ich kann
  243. ja jetzt eigentlich nur für die Vergangenheit äh sprechen, weil dafür bin ich einfach noch zu kurz im Amt, aber ich würde mal so sagen im OECD
  244. Schnitt vielleicht zwei bis drei. Ja, weil die Familien, die sich bei uns zu Hunderten gemeldet haben, die würden das glaube ich niedriger bewerten. Ein
  245. Thema ist da die Betreuung, insbesondere von kleinen und Grundschulkindern. Die Einzahl der Kita Kräfte ist massiv gestiegen. Äh und trotzdem reicht es
  246. nicht, weil die Bedarfe immer weiter steigen. Ähm und insofern ist da noch viel zu tun. Der Bund fördert ja den Kita Ausbau jährlich mit 2 Milliarden.
  247. Das ist eigentlich eine Aufgabe der Länder. Aber dann ist natürlich so die Frage, hm, muss man Kitas wirklich kostenfrei stellen? Das dafür haben sich
  248. ja manche Länder entschieden. Ich glaube, wir müssen uns einfach mal ehrlich machen. Wir können nicht alles gleichermaßen äh und dann auch noch
  249. kostenfrei finanzieren. Wir scheitern auch ein bisschen an unserem eigenen hohen sehr hohen Anspruch. Das heißt, die Eltern müssen ihre Ansprüche
  250. runterdrehen. Also, ich glaube, man muss die Verlässlichkeit ganz oben als erste Priorität setzen. Um das erreichen zu
  251. können, wird man an der einen oder anderen Stelle auch Abstriche machen müssen. Ja, das heißt, Eltern müssen sich auf
  252. größere Gruppen einstellen oder vielleicht auch auf geringere Betreuungsfenster. Also jedenfalls ist die Gruppengröße der
  253. Betreuungsschlüssel und die Frage der Fachkraft ähm äh Eigenschaft ist sind sicherlich die Stellschraum an dem man drehen kann. nicht auf Dauer, aber
  254. vorübergehend wird man ähm Kompromisse machen müssen. In Deutschland wird inzwischen auch der Kinderwunsch oft immer weiter
  255. aufgeschoben und ich habe schon auch Familien getroffen, die drüber nachdenken, ob sie überhaupt ein zweites oder drittes Kind sich leisten können.
  256. ist mit nichten so, dass mehr Geld ähm in Kinder ähm Leistungen, ich meine, wir haben 150 Leistungen für Familien und Kinder in Deutschland, dass mehr
  257. Leistungen automatisch zu mehr Lust auf Kinder führt, sondern das hat schon was auch mit der inneren Einstellung ähm zu tun. Ich würde mich auf diese Debatte
  258. ähm wenn wir nicht mehr zahlen, dann gibt's auch nicht mehr Kinder äh als Start. ähm die würde ich so nicht führen.
  259. Ich bin 35, ich habe noch keine Kinder. Wenn ich so drauf gucke, dann ich ich bin nicht sicher, ob das hier so das perfekte das die perfekten Gegebenheiten
  260. sind, dass ich hier Mutter sein und meine journalistische Arbeit glücklich weitermachen kann eben, weil eben hört die Keta, die Männer, das sind Gedanken
  261. äh, die ich mir so nie gemacht habe. Ich wollte immer einen erfüllenden Beruf haben und trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen in Frage zu stellen, ähm
  262. ob ich Kinder haben will und mein Mann auch nicht. Und trotzdem war es zwischendurch so mega anstrengend, dass ich mich gefragt habe, wie kann das, wie
  263. kann ich das eigentlich schaffen und diese Müdigkeit und dieses Nächtelang nicht schlafen und so, aber das gehört halt dazu. Natürlich werde ich alles
  264. dafür tun, dass die Rahmenbedingungen sich weiter verbessern. Ähm, aber ohne dass sich der Mindset verändert und ohne dass ähm Menschen, junge Menschen bereit
  265. sind, auch ähm eine Priorität auf das Thema Familie zu setzen, ist ja eine schwere Einsicht, ne? Das Wahlfreiheit bedeutet, dass man auch auf Dinge
  266. verzichten muss. Wahlfreiheit heißt nicht, alles gleichzeitig haben zu können.
  267. Oder doch? Es gibt schließlich auch Länder, die machen es einfach besser. Frankreich z.B.
  268. [Musik] Unsere Nachbarn sind schon lange bekannt für eine Politik, die es Familien
  269. leichter macht. Zwar geht auch hier die Geburtenrate zurück, aber sie ist immer noch deutlich höher als in Deutschland. Wenn es um die Geburtenrate geht, zählt
  270. unser Nachbarland Frankreich zu den Spitzenreitern in Europa. Der große Unterschied: Französische Paare bekommen weit häufiger ein drittes
  271. oder sogar viertes Kind als deutsche. [Musik] Ich bin in In Familie Römer ist vor 15 Jahren wegen der Arbeit aus Südhessen
  272. hierhergezogen. Hallo, sie haben drei Kinder. Diebti ist Therapeutin Jens bei Renault.
  273. Jens, hallo Jens. Dritte Kinder wie Max heißen hier in Frankreich auch goldene Kinder, denn im
  274. Gegensatz zu Deutschland machen sie das Leben hier nicht sprunghaft teurer, sondern einiges sogar günstiger. Bo stark spielst du Schlagzeug?
  275. Ja. Macht das ordentlich Lärm, wenn er übt, oder? Ja.
  276. Ja. Zimmer. Ich mag gerne Legbos machen. So. Und sehr viele Eiffeltürme hast du eine
  277. kleine Sammlung. Ja. Und so mein Zimmer. Hier ist mein Bett, da schlafe ich immer.
  278. Hier höre ich immer Musik und hier mache ich auch manchmal meine Hausaufgaben. [Musik] Hier in Frankreich werden nicht Ehen
  279. steuerlich gefördert, sondern Familien, abhängig von der Zahl der Kinder. Ab dem dritten Kind zahlt eine Familie mit mittlerem Einkommen kaum noch Steuern.
  280. Dazu gibt es ab drei Kindern ein Plus bei der Rente. Und wie die Familie erst kürzlich merkte, sogar bei der Kfzteuer spart man Abkind 3 ordentlich.
  281. Ja, wir brauchten ein größeres Auto. D habe ich es angemeldet. Du musst du plötzlich
  282. bei der Anmeldung über 3000 € bezahlen. Aha. Und wir haben dann Tag später die Kollegen gesagt, ja, aber hier du hast do frei Kinder, du musst das bei der
  283. Steuer nachher beantragen und dann kriegst du das Geld zurück oder wie und ich hab's gemacht irgendwann was auf dem Konto
  284. und das ist diese und mit dieser Karte, die es ab drei Kindern gibt, gibt es sogar große Rabatte auf Bus und Bahnfahrten, Museen,
  285. Zoos. Okay, das ist die Ermäßigung. Ja, ich glaube, die Familien, die wissen einfach, dass sie mit mehr Kindern eben
  286. nicht nicht unbedingt in in in mehr Schwierigkeiten geraten. Vielleicht ist die Gesellschaft einfach mehr drauf eingestellt. Ja, und dann sagen wir,
  287. okay, noch ein Kind zusätzlich, das kriegen wir gestemmt. Ich kann mir auch vorstellen, dass das dann so in Kultur übergeht, ne, dass man
  288. als Gesellschaft natürlich viel mehr kinderreiche Familien sieht und das dann normalisiert wird. In Deutschland gibt's Frauen, die das
  289. Gefühl haben, oh Gott, wenn ich so schnell wieder arbeiten gehe, dann gelte ich als Rabenmutter oder werd schief angeguckt.
  290. Ja, absolut nicht. Die machen das alle anders. Ja, in Frankreich gibt es Ganztagsschulen für alle und zwar ab dem Alter von drei.
  291. Das garantiert der Staat. Die meisten Kinderkrippen nehmen Kinder ab drei Monaten. Vor meiner Reise hatte ich gelesen, die Betreuung sei
  292. flächendeckend und verlässlich. Kennen die Römers wirklich keine Notbetreuung und Ausfälle in der Kita? Das war nie passiert. Nur wenn der
  293. Schneefall. Ah, okay. Einmal ich muss Kind. Ja, das ist Chaos.
  294. Das ist der Chaos hier. hier. Also, der französische Staat gibt ja ordentlich Gas, ähnlich viel Gas für die gerade am Grill, wenn es um Familien
  295. geht. Warum ist es in Frankreich so wichtig? Ich glaube, es hat man einfach gesehen, dass es notwendig ist auch für die
  296. Wirtschaft und auch für die Gesellschaft allgemein. Das Nachwuchs kommt einfach. Ja, das hilft schon enorm. Hallo Kinder
  297. Maja Max schneller machen. Hast du schon was zu oder
  298. [Musik] in Frankreich ist das ja ganz anders. Da wird nicht gesplittet nach verheiratet oder nicht, sondern nach der Anzahl der
  299. Kinder. Wäre das nicht für Deutschland auch das viel bessere Modell? Also, dass wir auf Dauer das Ehegartensplitting in ein
  300. Familiensplitting weiterentwickeln müssen, das würde ich unbedingt so unterschreiben. Ja. Und was steht denn gerade noch im Wege,
  301. dass sie für solche Pläne immer politische Mehrheiten brauchen. Abendessen bei Familie Krüger in Erfurt. [Musik]
  302. Oma, warum macht es der Staat Familien wie Ihnen nicht viel leichter? Und je länger ich bei Ihnen reinlausche, frage ich
  303. mich, wie lange hält man das durch? Gute Arbeitnehmer und gute Eltern zu sein? Jeden Tag. Ich geb dir noch ein Waschlappen und dann wächte dein
  304. Gesicht. Ich lieb dich. Was hat dir heute am besten gefallen? War jetzt so diese letzte Stunde? Ist das immer die anstrengendste des Tages?
  305. Also, wenn du mich jetzt fragst, würde ich sagen, ja. Aber ich glaube, im Laufe des Tages könn ich dir mehrmals sagen, nee, das war die anstrengendste
  306. vielleicht. Ja, also mir rappelt jetzt noch in den Ohren, weil ich auch gar nicht gewohnt bin und euch dann so ruhig zu sehen und so
  307. ist schon Herausforderung, aber auch das Schönste, was es gibt. Und man weiß ja auch jetzt ist es gleich geschafft und so und wenn dann immer
  308. noch mal was kommt und immer noch was, dann äh sind die Nerven schon ziemlich dünn. Okay, dann jetzt wie so hoch. So,
  309. [Musik] ein ist klar. Seit ich selbst Kind war, haben Geschlechterrollen sich gewandelt. Das alte Modell Papa geht arbeiten und
  310. Mama bleibt zu Hause ist deshalb längst kein Standard mehr. Vereinbarkeit ist es aber auch nicht, denn das würde bedeuten, dass sich Elternsein und der
  311. Beruf problemlos verbinden lassen. Doch genau daran verzweifeln unzählige Familien tag für Tag. Die Politik müsste dafür Grundlagen schaffen. Verlässliche
  312. Betreuungen, flexible Arbeitsmodelle, mehr finanzielle Unterstützung für Familien, vor allem für die mit vielen Kindern. All das wird seit Jahren, was
  313. Jahrzehnten versprochen, aber ein entschlossener Plan fehlt. Und das trifft nicht nur die rund 12 Millionen Familien in Deutschland ganz akut,
  314. sondern auch all jene, die sich wie ich fragen, ist das hier noch ein Land, in dem man Kinder bekommen möchte? เฮ
  315. [Musik]

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