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Bedeutung (Sprachphilosophie)

Denotation und Konnotation. Die Unterscheidung von Denotation und Konnotation geht auf John Stuart Mill zurück. In seinem „System der Logik“ unterschied er …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und zentrale Fragen
  2. 2. Wichtige Unterscheidungen
  3. 3. Historische Grundlagen
  4. 4. Analytische Sprachphilosophie und Wahrheit
  5. 5. Gebrauch, Sprechakte und Kommunikation
  6. 6. Neuere und kritische Ansätze

Grundidee und zentrale Fragen

Bedeutung ist ein Grundbegriff der Sprachphilosophie und Linguistik; wichtig ist er auch in Informatik, KI-Forschung und Kognitionswissenschaft. Gemeint sein kann das Wissen über die übliche Verwendung eines Wortes oder Ausdrucks in einer Sprachgemeinschaft und in einem Kontext, das, was jemand aufgrund eines Zeichens versteht, oder nach der Referenztheorie das Objekt, das mit einem Wort bezeichnet wird. In der lexikalischen Bedeutungstheorie wird Bedeutung durch eine Liste von Eigenschaften beschrieben, die ein Begriff umfasst.

Die Sprachphilosophie konzentriert sich besonders auf Definition, Übersetzung, impliziten Sinn einer Mitteilung und Implikationen. Für die Bestimmung von Bedeutung sind drei Ebenen wichtig: Syntax, also Wort- und Satzstruktur; Semantik, also der Inhalt eines Ausdrucks; und Pragmatik, also der Verwendungszusammenhang einer Äußerung.

Eine allgemein anerkannte Explikation von Bedeutung gibt es nicht. Manche Theorien verstehen Bedeutung als besonderen Gegenstand, etwa als Referenzgegenstand, Vorstellung oder abstrakte Intension. Andere verstehen Bedeutung als Gebrauch, etwa als regelgeleiteten Gebrauch in einem Sprachspiel oder als kommunikative Absicht. Willard Van Orman Quine hält Bedeutung für einen nicht eindeutig definierbaren Begriff. Bei Sätzen konkurrieren ebenfalls verschiedene Antworten: Bedeutung kann in Wahrheitsbedingungen, Verifikationsbedingungen oder im Gebrauch liegen.

Wichtige Unterscheidungen

Sprachliche Zeichen können unterschiedliche Arten haben. Singuläre Termini beziehen sich auf einen bestimmten Gegenstand, zum Beispiel Eigennamen oder Kennzeichnungen. Prädikate schreiben einem Gegenstand eine Eigenschaft zu. Als kleinste bedeutungstragende Einheit eines Sprachsystems gilt das lexikalische Morphem, also der Wortstamm. Zeichen mit derselben Bedeutung heißen Synonyme.

Kategorematische Ausdrücke sind unmittelbar mit einer Bedeutung verbunden. Synkategorematische Ausdrücke haben für sich allein keine vollständige Bedeutung, sondern nur im Zusammenhang, zum Beispiel „alle“, „etwas“, „auch“, Junktoren wie „und/oder“ oder deiktische Ausdrücke wie „du“, „hier“, „dann“.

Denotation bezeichnet nach John Stuart Mill die Hauptbedeutung eines allgemeinen Begriffs, also den Begriffsumfang; Konnotation bezeichnet mitgemeinte Nebenbedeutungen oder Attribute. Intension meint nach Rudolf Carnap den Begriffsinhalt, also die gedachten Eigenschaften; Extension meint den Umfang, also alle Gegenstände, auf die der Begriff zutrifft.

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Objektsprache und Metasprache. In „Duisburg liegt im Ruhrgebiet“ wird „Duisburg“ objektsprachlich verwendet, weil es die Stadt bezeichnet. In „Duisburg hat zwei Silben“ wird metasprachlich über das Wort gesprochen. Für die Sprachwissenschaft ist außerdem die Einteilung in Syntax, Semantik und Pragmatik bedeutsam: Syntax betrifft Beziehungen zwischen Zeichen, Semantik die Beziehung zu bezeichneten Gegenständen, Pragmatik die Bedeutung im jeweiligen Kontext.

Eine weitere Unterscheidung betrifft sprachliche Bedeutung, Sprecherbedeutung und Interpretation durch den Empfänger. Erfolgreiche Kommunikation setzt voraus, dass die gemeinte Bedeutung verstanden wird. Paul Grice unterschied natürliche Bedeutung, etwa „Flecken bedeuten Masern“, von nicht-natürlicher Bedeutung, etwa dreimaliges Klingeln im Bus als absichtliches Zeichen dafür, dass der Bus voll ist.

Historische Grundlagen

Schon Platon fragte im Dialog Kratylos, ob Wörter von Natur aus die richtige Bedeutung haben oder ob Bedeutung auf Vereinbarung beruht. Kratylos vertritt die natürliche Richtigkeit der Namen, Hermogenes die konventionelle Vereinbarung. Sokrates weist darauf hin, dass man die Wirklichkeit bereits kennen muss, um die Richtigkeit eines Begriffs zu beurteilen. Dieses Spannungsfeld zwischen Ikonizität, also natürlicher Ähnlichkeit, und Arbitrarität, also willkürlicher Setzung durch Konvention, bleibt auch in der modernen Sprachwissenschaft wichtig.

Aristoteles vertrat in De interpretatione eine konventionalistische Auffassung. Sprachliche Ausdrücke verweisen für ihn auf Vorstellungen oder Begriffe und nicht unmittelbar auf Gegenstände. Ein Name ist ein „Laut, der konventionell etwas bedeutet“. Wahrheit oder Falschheit entsteht erst im Satz, weil erst dort Vorstellungen verbunden oder getrennt werden.

In der Stoa wurde nach Sextus Empiricus zwischen dem Bedeutenden, dem Bedeuteten und dem Ding unterschieden. Der sprachliche Laut ist das Bedeutende, das Bedeutete ist das im Verstand Erfasste, und das Ding ist das außerhalb des Bewusstseins Bestehende. Das Bedeutete, das Lekton, gilt dabei als unkörperlich und als Träger von Wahrheit und Falschheit.

John Locke verstand Bedeutung als Vorstellung, die ein Sprecher mit einem Zeichen verbindet. Wörter sind willkürliche Zeichen, können aber nicht sinnvoll für völlig unbekannte Dinge stehen. Bedeutung ist daher an Ideen gebunden, die der Sprecher besitzt oder aufgrund eigener Ideen bei anderen vermutet.

Kant bestimmte Bedeutung von der Logik der Begriffe her. Empirische Begriffe entstehen durch Komparation, Reflexion und Abstraktion. Begriffe bleiben ohne Anschauung leer: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Ein Begriff erhält Bedeutung, wenn er in einem Urteil auf Gegenstände der Anschauung bezogen wird. Dies geschieht durch ein Schema, ein Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff ein Bild zu verschaffen.

Analytische Sprachphilosophie und Wahrheit

Um 1900 wurde Bedeutung zu einem ausdrücklichen Thema der Philosophie. Gottlob Frege gilt als Begründer der modernen Sprachphilosophie. In Über Sinn und Bedeutung (1892) unterscheidet er Sinn und Bedeutung: Die Bedeutung eines Eigennamens ist der bezeichnete Gegenstand, der Sinn ist die Art des Gegebenseins. Beim Beispiel Morgenstern und Abendstern ist die Bedeutung in beiden Fällen der Planet Venus, der Sinn aber verschieden. Frege formulierte außerdem wichtige Prinzipien: Psychologisches und Logisches sind zu trennen; nach der Bedeutung von Wörtern ist im Satzzusammenhang zu fragen; Begriff und Gegenstand sind zu unterscheiden. Ein ganzer Satz drückt einen Gedanken aus, und seine Bedeutung hängt mit Wahrheitswerten zusammen.

Bertrand Russell entwickelte die Theorie der Kennzeichnung. Er unterschied Eigennamen und Kennzeichnungen wie „der gegenwärtige König von Frankreich“. Solche Sätze enthalten nach Russell Existenzbedingung, Einzigkeitsbedingung und Prädikation. Ist eine dieser Bedingungen falsch, ist der Satz falsch. Damit wollte Russell auch Sätze über scheinbar nicht existierende Gegenstände analysieren.

Der frühe Ludwig Wittgenstein vertrat im Tractatus logico-philosophicus eine Abbildtheorie: Sprache bildet Wirklichkeit logisch ab. Sinnvolle Sätze geben Bedingungen an, unter denen sie wahr oder falsch sind. Wörter haben keine eigenständige Bedeutung außerhalb des Satzes: „Nur der Satz hat einen Sinn; nur im Zusammenhang des Satzes hat der Name Bedeutung.“

Rudolf Carnap führte das Projekt einer Idealsprache fort. Aussagen sind für ihn nur sinnvoll, wenn sie empirisch überprüfbar sind. Er unterscheidet Intension und Extension von Namen, Prädikaten und Sätzen und wollte eine Wissenschaftssprache als Kalkül konstruieren. Peter F. Strawson kritisierte solche idealsprachlichen Ansätze und betonte Präsuppositionen, also unausgesprochene Voraussetzungen einer Äußerung. Beim Satz „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl“ ist die Existenz eines gegenwärtigen Königs vorausgesetzt; ohne diese Voraussetzung ist die Aussage nach Strawson nicht einfach falsch, sondern im Gebrauch nicht sinnvoll wahrheitsfähig.

Gebrauch, Sprechakte und Kommunikation

Charles S. Peirce verband Bedeutung mit seiner pragmatischen Maxime: Die Bedeutung eines Begriffs liegt in den denkbaren praktischen Wirkungen, die wir dem Gegenstand zuschreiben. Bedeutung ist daher auf mögliche Handlungen, Überzeugungen und künftige Anwendung gerichtet. Zeichen und Begriffe verändern sich im Gebrauch und in der Erfahrung.

Der späte Wittgenstein wandte sich in den Philosophischen Untersuchungen gegen seine frühere Abbildtheorie. Sprache ist für ihn ein flexibles Instrument, dessen Bedeutung in unterschiedlichen Sprachspielen entsteht. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ Sprachspiele sind Tätigkeiten und Lebensformen, etwa Befehlen, Beschreiben, Berichten, Bitten, Danken oder Grüßen. Regeln sind dabei wichtig, aber sie wirken innerhalb sozialer Praxis und sind nicht als starres formales System zu verstehen.

John L. Austin entwickelte die Sprechakttheorie. Er kritisierte, dass klassische Theorien nur Sätze betrachten, die wahr oder falsch sein können. Viele Äußerungen sind Handlungen. Austin unterschied den lokutionären Akt, also die Satzäußerung mit ihrer wörtlichen Bedeutung, den illokutionären Akt, also die Handlung oder Rolle der Äußerung, und den perlokutionären Akt, also ihre Wirkung. Ein Satz wie „Er braucht ein Skalpell“ kann nicht nur etwas beschreiben, sondern jemanden auffordern, ein Skalpell zu reichen.

John Searle entwickelte Austin weiter. Er unterschied Äußerungsakt, propositionalen Akt und illokutionären Akt. Derselbe propositionale Gehalt kann unterschiedliche Rollen haben, etwa Feststellung oder Frage. Bedeutung hängt bei ihm von Regeln, Konventionen und Intentionen ab. Jürgen Habermas nutzte Sprechakte für seine Universalpragmatik. Er unterschied Konstativa mit dem Geltungsmaßstab Wahrheit, Expressiva mit dem Maßstab Wahrhaftigkeit und Regulativa mit dem Maßstab Richtigkeit. Allen gemeinsam ist der Anspruch der Verständlichkeit.

Neuere und kritische Ansätze

Behavioristische Theorien erklären Bedeutung über beobachtbares Verhalten. Charles W. Morris beschrieb Zeichen mit Zeichenträger, Interpretant und Designat und verstand Sprachverstehen als Befolgen syntaktischer, semantischer und pragmatischer Gebrauchsregeln einer sozialen Gruppe. Quine verband Behaviorismus mit Skeptizismus. Seine Reizbedeutung beschreibt Dispositionen, einem Satz aufgrund eines Reizes zuzustimmen oder ihn abzulehnen. Am Beispiel „Gavagei“ zeigte er, dass Übersetzung unbestimmt bleibt: Es ist unklar, ob das Wort ein Kaninchen, Kaninchenteile oder etwas anderes bezeichnet. Sprache ist für ihn ein holistisches Netz von Sätzen.

Paul Grice erklärte nicht-natürliche Bedeutung über Sprecherabsichten und führte die Implikatur ein, also Bedeutung, die nicht direkt in der Satzsemantik liegt, sondern aus Kontext und Zwecken folgt. Seine Konversationsmaximen betreffen Qualität, Quantität, Relation und Modalität. David Lewis verband Bedeutung mit Konventionen und Koordinationsspielen zwischen Sprecher und Hörer.

Donald Davidson entwickelte eine Interpretationstheorie, die Bedeutung über Wahrheitsbedingungen erklärt: Ein Satz wird verstanden, wenn man weiß, unter welchen Bedingungen er wahr ist. Er verwendet das Prinzip der wohlwollenden Interpretation, nach dem man Sprecher so interpretiert, dass ihre Äußerungen möglichst verständlich und wahrheitsfähig werden. Michael Dummett kritisierte dies und vertrat einen anti-realistischen Ansatz: Nicht Wahrheit, sondern Verifikation ist zentral für Verstehen. John McDowell verwies wieder stärker auf Wittgenstein: Bedeutung entsteht in gemeinsamer Praxis und lässt sich nicht vollständig auf eine Theorie reduzieren.

Externalistische Theorien betonen, dass Bedeutung nicht nur im Kopf liegt. Saul Kripke versteht Namen als starre Designatoren, die durch einen Taufakt und eine Kausalkette mit ihrem Gegenstand verbunden sind. David Kaplan analysierte Indexikale wie „ich“, „hier“ und „jetzt“, deren Referenz vom Kontext abhängt. Hilary Putnam formulierte mit dem Gedankenexperiment der Zwillingserde die These „meaning just ain’t in the head“: Wenn „Wasser“ auf der Erde H2O und auf der Zwillingserde XYZ bezeichnet, meinen gleiche Sprecher innerlich scheinbar dasselbe, aber die Bedeutung unterscheidet sich durch äußere Umstände. Robert Stalnaker entwickelte eine zweidimensionale Perspektive, die externe und interne Aspekte verbindet.

Robert Brandom versteht Bedeutung inferentiell: Ein Ausdruck bedeutet etwas durch seine Rolle in Begründungen, Folgerungen und Ausschlüssen. Behauptungen enthalten Festlegungen, Berechtigungen und Berechtigungsausschlüsse. In postmodernen Ansätzen wird feste Bedeutung kritisch hinterfragt. Lyotard betont Sprachspiele, Konflikte und das nicht Ausgedrückte. Derrida lehnt eine feste Einheit von Wort und Sinn ab: Bedeutung bleibt im Zeichenprozess verschoben, kontextabhängig und nie endgültig fixierbar; seine Methode dafür heißt Dekonstruktion.

Lernvideos zu Bedeutung (Sprachphilosophie)

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