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Anton-Philipp-Reclam-Schule

Als eines von zwei Gymnasien in Sachsen bietet das „Reclam“ seit 1993 eine vertiefte sprachliche (bilinguale) Ausbildung in Französisch an. Daneben führt die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bildungsgänge
  2. 2. Deutsch-französische bilinguale Ausbildung
  3. 3. Förderung, Arbeitsgemeinschaften und internationale Kontakte
  4. 4. Entwicklung der Schule
  5. 5. Ausstattung und Schulgelände

Aufgabe und Bildungsgänge

Die Anton-Philipp-Reclam-Schule ist ein allgemeinbildendes Gymnasium im Leipziger Stadtbezirk Mitte, Tarostraße 4. Träger ist die Stadt Leipzig; die Schulnummer lautet 876. Der achtjährige Bildungsgang führt nach der gymnasialen Oberstufe und dem sächsischen Zentralabitur zur allgemeinen Hochschulreife. Im Schuljahr 2024/25 besuchen 1030 Schülerinnen und Schüler die Schule, die 110 Lehrkräfte hat; geleitet wird sie von Annett Kramer.

Besonders kennzeichnend ist die vorgezogene zweite Fremdsprache: Bereits ab Klasse 5 werden Englisch und Französisch parallel gelernt. Neben dem bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang gibt es ein reguläres sprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil. Im bilingualen und im regulären sprachlichen Profil ist ab Klasse 8 Spanisch oder Italienisch als dritte Fremdsprache verpflichtend. Ab Jahrgangsstufe 9 wird eine Arbeitsgemeinschaft Latein angeboten, die bei Besuch bis zur Oberstufe auf die Latinumsprüfung vorbereiten kann.

In der Oberstufe umfasst das Leistungskursangebot Mathematik, Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Geschichte, Biologie und Physik. Durch eine Vereinbarung mit dem Leipziger Humboldt-Gymnasium können auch Chemie oder Kunst als Leistungskurs belegt werden; diese Angebote finden meist jahrgangsweise abwechselnd an beiden Schulen statt.

Deutsch-französische bilinguale Ausbildung

Seit 1993 gehört das Reclam-Gymnasium zu den zwei sächsischen Schulen mit vertiefter bilingualer deutsch-französischer Ausbildung. Der achtjährige Bildungsgang setzt neben der Bildungsempfehlung für das Gymnasium eine schriftliche und mündliche Aufnahmeprüfung voraus. Dabei wird die allgemeine Sprachbeherrschung der Bewerberinnen und Bewerber geprüft.

Ab Klasse 5 lernen die Schülerinnen und Schüler Englisch und Französisch; Französisch wird mit fünf Wochenstunden intensiviert. Ab Klasse 7 wird Geografie auf Französisch unterrichtet, ab Klasse 9 Geschichte. Im Mittelpunkt steht jeweils das Sachfach: Äußerungen auf Deutsch bleiben möglich, doch die Lernenden sollen zunehmend Französisch verwenden. Unterrichtsmaterialien und schriftliche Arbeiten sind auf Französisch.

In der Oberstufe ist ein Französisch-Leistungskurs vorgesehen. Die vertieft sprachliche Ausbildung verlangt drei Leistungskurse: Französisch, Mathematik oder Deutsch sowie Italienisch oder Spanisch oder Chemie, Physik oder Biologie. Der dritte Leistungskurs wird auf Leistungskursniveau unterrichtet, bei entsprechender Wahl aber als Prüfungsfach auf Grundkursniveau geprüft. Dafür wird ein Zertifikat der vertieften sprachlichen Ausbildung ausgestellt. Seit dem Schuljahr 2009/2010 kann neben dem sächsischen Abitur bei erfolgreichem Abschluss aller bilingualen Fächer und Prüfungen auch das französische Baccalauréat erworben werden.

Zum Bildungsgang gehören Austausche mit Partnerschulen, unter anderem in Lyon, Straßburg, Paris, Pully und Drusenheim, eine französische Theatergruppe, Praktikumsangebote sowie Studienfahrten nach Frankreich. Arbeitsgemeinschaften bereiten auf die international anerkannten DELF/DALF-Diplome vor. Beim Prix des lycéens allemands lesen und diskutieren Schülerinnen und Schüler aktuelle Jugendbücher im französischen Original und vertreten ihren Favoriten auf Bundesebene. Seit 2011 ist die Schule Teil des Deutsch-Französischen Bildungszentrums Leipzig, des „Franz“-Campus.

Förderung, Arbeitsgemeinschaften und internationale Kontakte

Die Schule verbindet leistungsorientiertes Lernen mit umfassender Allgemeinbildung, gegenseitiger Unterstützung und außerunterrichtlichem Engagement. Es gibt etwa 30 Arbeitsgemeinschaften, beispielsweise in Sport, Chor, Theater, Keramik, Naturwissenschaften, Robotik, Informatik, Latein, Schach, Kochen und Meditation. Schülerinnen und Schüler können sich auf internationale Sprachzertifikate wie DELF und Cambridge FCE vorbereiten und an Wettbewerben wie Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Jugend forscht, Informatik-Biber, Mathematik- und Physikolympiaden sowie Jugend trainiert für Olympia teilnehmen. Weitere Angebote sind unter anderem Lesenacht, Tag der Fremdsprachen, Projektwoche, Literaturabend und Schulfest.

Ein differenziertes Fördersystem richtet sich sowohl an leistungsschwächere als auch an leistungsstarke Lernende. Dazu gehören Förderstunden besonders in Deutsch und Mathematik, vertiefende Arbeitsgemeinschaften, Betreuung von Wettbewerbsarbeiten und besonderen Lernleistungen (BELL), Vorbereitung auf externe Sprachprüfungen sowie Vorschläge für Begabtenstiftungen.

Die Schule pflegt elf Auslandskontakte zu Partnerschulen in Frankreich, Italien, den USA, der Slowakei, Israel und der Schweiz. Bi- und trinationale Projektaustausche verbinden Sprachpraxis und kulturelles Kennenlernen mit fachlicher Arbeit in multinationalen Teams. Ein Beispiel ist das seit 1994 bestehende Sokrates-Projekt: Schülerinnen und Schüler des naturwissenschaftlichen Zweigs arbeiten mit niederländischen und italienischen Partnern an naturwissenschaftlichen und ökologischen Untersuchungen; Arbeitssprache ist Englisch.

Entwicklung der Schule

Die Schule wurde am 5. Mai 1834 mit 25 Schülern in der Moritzbastei als erste Realschule Sachsens gegründet. Wegen wachsender Nachfrage zog sie am 11. Oktober 1873 in die Sidonienstraße, heute Paul-Gruner-Straße, um. 1884 wurde sie zu einem neunjährigen Gymnasium. Nach einem weiteren Umzug in ein Gebäude zwischen Floßplatz und heutiger Karl-Liebknecht-Straße erhielt die damalige Oberrealschule 1907 den Namen Petri-Schule. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört.

Nach 1945 durften auch Mädchen die Schule besuchen. Ab 1949 wurden nur die Klassenstufen 9 bis 12 mit naturwissenschaftlicher und sprachlicher Orientierung unterrichtet. 1959 erhielt die Schule den Namen „Georgi Dimitroff“; ab 1965 war sie eine Erweiterte Oberschule mit neusprachlichem Unterricht, auch in Spanisch und Italienisch. Sechs Jahre später erfolgte der Umzug in die Tarostraße.

Anfang 1992 wurde nach einer Wahl der Name Anton Philipp Reclam offiziell verliehen. Mit der Wiedereinrichtung der Gymnasien in Sachsen 1992 wurden die 2. Kinder- und Jugendsportschule Leipzig und die Anton-Philipp-Reclam-Schule unter diesem Namen vereinigt. 1993 erhielt das Gymnasium durch den bilingualen französischen Zweig den Status eines „§4-Gymnasiums“, also eines Gymnasiums mit vertiefter Ausbildung gemäß §4 der sächsischen Schulordnung für Gymnasien. Im Herbst 2022 wurde es als erste ostdeutsche Schule in das länderübergreifende Netzwerk „Schule der Vielfalt“ aufgenommen.

Ausstattung und Schulgelände

Die beiden Schulgebäude verfügen zusammen über 46 Klassenräume sowie Fachräume; eines der Gebäude wurde 2004 vollständig saniert. Die Schule ist mit Fahrstühlen behindertengerecht ausgestattet und hat Internetzugang in allen Gebäuden. Zur Ausstattung zählen drei Informatikkabinette mit jeweils 16 Arbeitsplätzen, zwei Chemielabors, Fachräume für Physik, Biologie und Musik, ein Centre de documentation et d’information (CDI) nach französischem Vorbild und ein multimediales Tonstudio.

Die Schulbibliothek dient auch als Arbeitsraum. Sie umfasst mehr als 10.000 Bücher zur Nutzung und Ausleihe, darunter fast alle zweisprachigen Klassiker der „Reclam-Reihe“ sowie zahlreiche fremdsprachige Werke. Auf dem Gelände gibt es Ruhezonen, eine Liege- und Sitzwiese und einen Basketballplatz; Turnhalle, Schwimmhalle und Sportplatz liegen unmittelbar in der Nähe.

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