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Altgriechische Flexion

Dieser Artikel fasst die Veränderungsbereiche der altgriechischen Sprache kurz zusammen, stellt die Verwendungen einzelner Zeiten und Modi kurz gegenüber, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der Flexion
  2. 2. Aspekt, Zeiten und Modi
  3. 3. Typische Verbformen und εἰμί
  4. 4. Artikel sowie erste und zweite Deklination
  5. 5. Dritte Deklination

Grundprinzip der Flexion

Die altgriechische Sprache besitzt eine ausgeprägte Flexion, also die Veränderung von Wortformen. Sie ist wichtig, weil grammatische Beziehungen vor allem durch Endungen sichtbar werden.

Bei der Konjugation werden Verben verändert. Bestimmte Verbformen unterscheiden 1., 2. und 3. Person, Singular, Dual und Plural, die Modi Indikativ, Konjunktiv, Optativ und Imperativ, die Tempora Präsens, Imperfekt, Futur, (starker) Aorist, Perfekt und Plusquamperfekt sowie Aktiv, Medium und Passiv. Der seltene Dual wird hier meist nicht berücksichtigt. Unbestimmte Formen wie der Infinitiv sind ganz oder teilweise von dieser Konjugation ausgeschlossen.

Bei der Deklination werden Nomina, also Substantive, Adjektive und ähnliche Wörter, nach Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Vokativ, nach Singular, Dual und Plural sowie nach Maskulinum, Femininum und Neutrum verändert. Wörter, die sich aufeinander beziehen, müssen in Kasus, Numerus und Genus übereinstimmen; diese Übereinstimmung heißt Kongruenz.

Aspekt, Zeiten und Modi

Für die griechische Verbalflexion ist der Aspekt wichtiger als die bloße Zeitstufe Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft. Er zeigt, unter welchem zeitlichen Fokus eine Handlung betrachtet wird. Nur im Indikativ haben Aorist und Präsens tatsächlich temporale Bedeutung; in allen anderen Modi stehen sie vor allem für ihren Aspekt.

Der durative Aspekt wird durch den Präsensstamm ausgedrückt und betont Dauer und Ausdehnung einer Handlung, ohne Anfang oder Ende hervorzuheben. Der punktuelle Aspekt des Aoriststamms betrachtet einen einzelnen Punkt der Handlung: beliebig beziehungsweise zusammenfassend (komplexiv), ihren Anfang (ingressiv) oder ihr Ende (effektiv). Der resultative Aspekt des Perfektstamms richtet den Blick auf das gegenwärtige Ergebnis einer Handlung.

Das Präsens wird mit primären Personalendungen an den Präsensstamm gebildet und bezeichnet eine Handlung beim Sprechen oder eine regelmäßige Handlung. Das Imperfekt hat Präsensstamm, Augment und sekundäre Personalendungen. Das Augment ist bei konsonantischem Anlaut ἐ-, bei vokalischem Anlaut eine Vokaldehnung, etwa ἀ- zu ἠ-. Es kennzeichnet Vergangenheit; der durative Aspekt kann Wiederholung (iterativ), längere Dauer oder wiederholtes vergebliches Versuchen (konativ) ausdrücken. Das Futur entsteht aus Präsensstamm, -σ- und primären Personalendungen und bezeichnet Zukünftiges.

Der Aorist bezeichnet im Indikativ eine einmalige vergangene Handlung, etwa als Ganzes, als Beginn oder als Abschluss. So bedeutet ἐβασίλευε von βασιλεύειν „er war König“, während ἐβασίλευσε „er wurde König“ heißt. Das Perfekt bezeichnet eine abgeschlossene Handlung der Vergangenheit mit einem gegenwärtigen Resultat; das Plusquamperfekt eine schon in der Vergangenheit abgeschlossene Handlung, deren Resultat fortwirkte.

Der Indikativ drückt allgemein eine geschehene Handlung aus. Der Konjunktiv steht für Wunsch, Willen oder Erwartung. Der Optativ bezeichnet Wunsch oder Möglichkeit (Potentialis). Der Imperativ drückt einen Befehl aus.

Typische Verbformen und εἰμί

Am Verb θύειν „opfern“ zeigen sich die Zeitformen: Ἀνὴρ θύει βοῦν bedeutet „Ein Mann opfert einen Stier.“ Ἀνὴρ ἔθυε βοῦν kann heißen, dass er wiederholt opferte, längere Zeit mit dem Opfer beschäftigt war oder mehrfach zu opfern versuchte. Ἀνὴρ θύσει βοῦν heißt „Ein Mann wird einen Stier opfern“, Ἀνὴρ ἔθυσε βοῦν „Ein Mann opferte einen Stier“, begann zu opfern oder vollendete die Opferung. τέθυκε und ἐτεθύκει bezeichnen jeweils ein erfolgreiches Opfer als Resultat beziehungsweise als in der Vergangenheit fortwirkendes Resultat.

Beim Verb φεύγω bedeutet φεύγω „ich bin auf der Flucht“, ἔφευγον „ich war auf der Flucht“, φεύξομαι „ich werde entfliehen“ oder „ich werde auf der Flucht sein“, ἔφυγον „ich entfloh“, πέφευγα „ich bin entflohen (und in Sicherheit)“ und ἐπεφεύγειν „ich war entflohen (und in Sicherheit)“.

εἰμί „sein“ ist ein unregelmäßiges Hilfsverb. Im Präsensindikativ lautet es εἰμί, εἶ, ἐστί(ν), ἐσμέν, ἐστέ, εἰσί(ν); der Infinitiv ist εἶναι. Das Präsenspartizip lautet ὤν, οῦσα, ὄν. Der Imperfektindikativ lautet ἦν, ἦσθα, ἦν, ἦμεν, ἦτε, ἦσαν. Das Futur lautet ἔσομαι, ἔσῃ/ἔσει, ἔσται, ἐσόμεθα, ἔσεσθε, ἔσονται; Infinitiv ἔσεσθαι und Partizip ἐσόμενος, ἐσομένη, ἐσόμενον.

Artikel sowie erste und zweite Deklination

Der altgriechische Artikel ist immer bestimmt; einen unbestimmten Artikel gibt es nicht. Er steht auch vor Eigennamen, zum Beispiel ὁ Περικλῆς „Perikles“ und ἡ Ἀθήνη „Athene“. Das im attischen Vokativ vorangestellte ὦ, etwa ὦ Περίκλεις, ist kein Artikel, sondern eine Interjektion.

Die erste oder α-/Alpha-Deklination enthält maskuline und feminine Wörter. Beispiele sind νεανίας „junger Mann, Jüngling“, στρατιώτης „Soldat“, στρατιά „Heer, Armee“ und γλῶσσα „Sprache“. Bei νεανίας lautet der Singular etwa Nominativ νεανίας, Genitiv νεανίου, Dativ νεανίᾳ, Akkusativ νεανίαν und Vokativ νεανία; der Plural lautet νεανίαι, νεανιῶν, νεανίαις, νεανίας, νεανίαι.

Die zweite oder ο-/Omikron-Deklination enthält maskuline, neutrale und feminine Wörter. Als maskulines Beispiel dient ἄνθρωπος „Mensch“: Singular ἄνθρωπος, ἀνθρώπου, ἀνθρώπῳ, ἄνθρωπον, ἄνθρωπε; Plural ἄνθρωποι, ἀνθρώπων, ἀνθρώποις, ἀνθρώπους, ἄνθρωποι. Bei Neutra sind Nominativ und Akkusativ immer gleich. Das zeigt δῶρον „Geschenk“: Singular Nominativ und Akkusativ δῶρον, Plural δῶρα.

Dritte Deklination

Die dritte Deklination enthält Wörter aller drei Geschlechter. Sie verbindet konsonantische und vokalische Stämme; ihre Grundformen haben daher sehr unterschiedliche Endungen, etwa ἀνήρ mit dem Stamm ἀνδρ-, γυνή mit dem Stamm γυναικ-, σῶμα mit dem Stamm σωματ- und ὕδωρ mit dem Stamm ὑδατ-. Die folgenden Endungen sind im Wesentlichen regelmäßig.

Für Maskulinum und Femininum gilt: Nominativ Singular -ς oder keine Endung, Dual -ε, Plural -ες; Genitiv Singular -ος oder -ως, Dual -οιν, Plural -ων; Dativ Singular -ι, Dual -οιν, Plural -σι(ν); Akkusativ Singular -ᾰ oder -ν, Dual -ε, Plural -ᾰς oder -ς (-νς); Vokativ wie der Nominativ mit Singular -ς oder keiner Endung, Dual -ε und Plural -ες.

Bei Neutra lautet der Nominativ Singular ohne Endung, Dual -ε und Plural -ᾰ. Genitiv und Dativ haben dieselben Endungen wie bei Maskulinum und Femininum. Akkusativ und Vokativ entsprechen beim Neutrum jeweils dem Nominativ: Singular ohne Endung, Dual -ε, Plural -ᾰ.

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