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Akha

Die Akha (auch Aka) sind eine ethnische Gruppe, die in den Bergländern des nördlichen Südostasien ansässig ist. Sie siedeln in der südchinesischen Provinz …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verbreitung
  2. 2. Dörfer, Landwirtschaft und Alltag
  3. 3. Verwandtschaft, Handwerk und Dorfleben
  4. 4. Glaube und Bestattungsriten
  5. 5. Gefährdungen und Tourismus
  6. 6. Weitere Bezeichnungen

Überblick und Verbreitung

Die Akha, auch Aka, sind eine ethnische Gruppe in den Bergländern des nördlichen Südostasien. Ihre Sprache, Akha, gehört zu den Lolo-Sprachen innerhalb der tibetobirmanischen Sprachfamilie. Sie wird nur mündlich überliefert; schriftliche Zeugnisse gibt es nicht. Die Gesamtzahl wird auf mehr als 400.000 Menschen geschätzt.

Akha leben in der südchinesischen Provinz Yunnan, im Shan-Staat Myanmars sowie in hochgelegenen Gebieten Nordthailands, Laos und Nordwest-Vietnams. In Thailand gelten sie als eines der sieben größeren „Bergvölker“, in Laos als Lao Sung („Hochland-Lao“). In China und Vietnam werden sie als Teilgruppe der anerkannten Nationalität Hani beziehungsweise Hà Nhì betrachtet; für Vietnam nennt der Artikel 17.500 Personen.

Als Herkunftsgebiet gilt allgemein das tibetische Hochland. Von dort wanderten Akha nach Yunnan, teilweise weiter nach Nordbirma und Laos und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch nach Thailand. Migration nach Thailand findet laut Artikel weiterhin statt.

Dörfer, Landwirtschaft und Alltag

Das Hauptsiedlungsgebiet in Thailand liegt auf Bergrücken oberhalb von etwa 1.000 m, unter anderem in den Provinzen Chiang Rai, Chiang Mai, Lampang, Phrae, Tak und Kamphaeng Phet. Für das Jahr 2000 werden grob rund 50.000 Akha in etwas mehr als 300 Dörfern geschätzt. Die Dörfer liegen meist auf hohen Bergrücken und sind häufig von Siedlungen anderer Bergvölker wie Lahu oder Jino umgeben. Traditionell wohnen die Menschen in Bambushütten auf Holzpfählen. Jedes Dorf hat eine Art „Bürgermeister“, der seine Interessen gegenüber thailändischen Kommunen vertritt.

Die Akha sind Bauern. Sie bauen in einer Fruchtfolge Trockenreis, Weizen, Bohnen, Knoblauch und weiteres Gemüse an und halten Schweine sowie Wasserbüffel. Die thailändische Regierung versucht mit Hilfsprojekten, diese intensive Landwirtschaft in eine eher extensive Form umzusteuern. Außerdem handeln Akha mit umliegenden Dörfern und Städten: Sie verkaufen landwirtschaftliche Erzeugnisse auf Märkten und kaufen dort Konsumgüter oder Kleidung.

Reis ist die Grundlage jeder Mahlzeit. Dazu kommen Eintöpfe, Gemüse, Bambus und selbstgemachte Chili-Soßen; gelegentlich werden Huhn, Schwein, Fisch oder Käfer gegessen. Nach Möglichkeit werden alle Teile eines Tieres einschließlich Kopf und Knochen verzehrt. Gegessen wird auf dem Boden an einem kleinen Bambustisch, mit Händen oder Stäbchen; Suppen werden aus einer gemeinsamen Schüssel gelöffelt. Selbstgebrannter Whiskey, Dschibbá, wird zu Mahlzeiten sowie bei gesellschaftlichen Anlässen und Festen getrunken.

Verwandtschaft, Handwerk und Dorfleben

Die Gesellschaft ist patrilinear organisiert: Die Abstammung und die Zugehörigkeit zu einer Verwandtschaftsgruppe oder einem Clan folgen der väterlichen Linie. Dieses System legt auch fest, aus welchen Clans Ehefrauen angenommen oder an welche Clans sie gegeben werden. Frauen müssen in als „Ehefrauen annehmend“ eingestufte Clans einheiraten; Männer dürfen nur Frauen aus den für sie als „Ehefrauen gebend“ bestimmten Clans heiraten. Die Partnerwahl wird daher sowohl durch Exogamie, also das Heiraten außerhalb der eigenen Gruppe, als auch durch diese komplexen Regeln eingeschränkt.

Viele Gebrauchsgegenstände werden selbst hergestellt, etwa Körbe, Behälter und Trinkbecher aus Bambus. Der Dorfschneider fertigt Trachten, Hemden, Mützen, Taschen, Geldbeutel und Armbänder. Frauen tragen farbige traditionelle Kleidung und schwarze Mützen mit Silbermünzen; Männer schwarze Hosen und eine kurze, locker geknöpfte Jacke. Die Kleidung besteht aus selbstgesponnener Baumwolle. Auch Macheten, Messer und Fischernetze sind oft Eigenanfertigungen.

An vielen Dorfeingängen stehen ein prunkvolles Tor und eine große Schaukel. Diese wird im August beim „Schaukelfest“ verwendet. Die Tore zeigen geschnitzte Motive aus dem Alltag, auch neuere wie Autos oder Flugzeuge, und dürfen nicht berührt oder respektlos behandelt werden.

Glaube und Bestattungsriten

Die Akha folgen einer animistischen Lokalreligion. Animismus bezeichnet hier den Glauben an Geister; hinzu kommen Ahnenverehrung und Geisterverehrung. Die Akha verstehen sich als Bindeglied zwischen vorheriger und kommender Generation. Opfergaben zur Ehrung der Toten und eines allmächtigen Geistes sind deshalb zentral.

Jedes Dorf besitzt zwei Tore, die böse Geister fernhalten sollen und durch die alle Menschen das Dorf betreten müssen. Dort stehen hölzerne männliche und weibliche Figuren mit deutlich dargestellten Geschlechtsmerkmalen. Einmal jährlich werden die Tore rituell erneuert.

Nach einem Todesfall findet eine fünftägige Begräbniszeremonie mit Beteiligung des ganzen Dorfes und Arbeitsverbot statt. Der Verstorbene wird zu Hause aufgebahrt. Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören Tieropfer und Gesang: Ein Wasserbüffel wird getötet, geschlachtet und von den Dorfbewohnern gegessen; dabei wird viel Whiskey getrunken. Dorfälteste singen vier Tage lang rund um die Uhr das Leben der verstorbenen Person von der Geburt bis zum Tod. Am Tag vor der Beerdigung vertreibt ein bunt bemalter Schamane den Geist des Verstorbenen aus Häusern und dem Dorf. Die Bestattung erfolgt am fünften Tag außerhalb der Dorftore im Familienkreis. Die Gräber liegen im Wald und werden weder markiert noch geschmückt.

Missionare wirkten seit 1869 unter den Akha, doch die Konvertierung zum Christentum verlief zunächst langsam: Erst 40 Jahre später wurde der erste Akha überzeugt, und 1936 entstand die erste Baptistenkirche. Seit den 1980er und 1990er Jahren treten mehr Akha christlichen Kirchen bei, laut Artikel vor allem weil Familienmitglieder oder Ältere fehlten, die die traditionelle Religion erklären konnten. Teilweise seien bereits über 60 % der Bewohner konvertiert. In Thailand wird an staatlichen Grundschulen auf Thai unterrichtet; die Kinder müssen außerdem Tempel besuchen und buddhistische Riten praktizieren.

Gefährdungen und Tourismus

Ein wichtiges Problem ist der Kulturverlust. Viele junge Akha ziehen in Städte, während in den Dörfern oft ältere Menschen und Kinder zurückbleiben. Straßen, Motorroller, Autos, Stromversorgung, Satelliten- und Handyempfang sowie Geräte wie Kühlschränke, Fernseher, DVD-Player und Handys verbinden viele Dörfer stärker mit der Umgebung. Weil die Akha-Sprache keine schriftlichen Dokumente hat und Menschen abwandern, rechnet der Artikel damit, dass Sprache und Religion eines Tages ganz verschwinden könnten.

Viele Akha in Thailand und Birma haben keine Staatsangehörigkeit. Berichte über Übergriffe örtlicher Polizei und des Militärs, bei denen Akha-Frauen vergewaltigt und ermordet worden sein sollen, sind laut Artikel unbestätigt und unabhängig bislang nicht bestätigt.

Alkoholismus und Opiumabhängigkeit bedrohen die Gemeinschaft. In abgelegenen Dörfern wird Opium laut Artikel weiterhin angebaut und besonders von älteren Männern aus medizinischen und religiösen Gründen konsumiert; an anderer Stelle wird sein großflächiger Anbau durch Bauern beschrieben. Opium sei durch Kolonialmächte eingeführt worden. Hilfsprojekte versuchen, den Konsum und Anbau einzudämmen, stoßen aber auf Schwierigkeiten, weil sich der Gebrauch über Generationen verfestigt hat.

Auch der zunehmende Tourismus wird als störend beschrieben. Besonders in Laos besuchen Trekking-Touristen Akha-Dörfer; Entwicklungsorganisationen, beispielsweise die GTZ, führen Projekte für nachhaltigen Tourismus durch. Manche Akha verkaufen in nordthailändischen Städten in traditioneller Kleidung Handwerk und Schmuck an Touristen. Geplant sind Organisationsformen für nachhaltigen Tourismus, die den Menschen wieder mehr Zeit für ihr eigenes Leben lassen sollen.

Weitere Bezeichnungen

Neben Akha und Aka nennt der Artikel unter anderem die Bezeichnungen Ahka, Aini, Ak'a, Ikaw, Akka, Edaw, Ekaw, Hani, Houni, Ikho, Kaw, Kha Kho, Kha Ko, Kho, Ko und Woni.

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