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Agribusiness

Agribusiness oder auch Agrobusiness bezeichnet als Anglizismus (aus dem englischen agriculture und business) neben der Landwirtschaft auch die ihr vor- und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Abgrenzung
  2. 2. Wertschöpfungskette der Lebensmittelwirtschaft
  3. 3. Nachwachsende Rohstoffe und Non-Food-Bereich
  4. 4. Bedeutung in Deutschland
  5. 5. Kritik und Schutzinteressen

Bedeutung und Abgrenzung

Agribusiness bezeichnet die Landwirtschaft zusammen mit allen wirtschaftlichen Tätigkeiten, die ihr vor- und nachgelagert sind. Diese Bereiche bilden gemeinsam eine Wertschöpfungskette: Sie reicht von Mitteln für die Produktion über die Erzeugung und Verarbeitung bis zum Verkauf von Lebensmitteln.

Die Produktionsform wird häufig auch als „industrialisierte Landwirtschaft“ bezeichnet. Dazu zählen zum Beispiel Zulieferer von Düngemitteln und Landmaschinen, der Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse über Genossenschaften sowie Betriebe, die Lebensmittel be- oder verarbeiten.

Der Begriff kann enger verwendet werden und dann nur Landwirtschaft, unmittelbar vorgelagerte Input-Industrien sowie Erfassungs- und Großhandel meinen. Üblicherweise ist er weiter gefasst: Er umfasst die gesamte Kette bis zum Vertrieb an Endverbraucher. Damit geht Agribusiness über die Formel „from farm to fork“ hinaus, weil auch der gesamten Landwirtschaft vorgelagerte Bereich dazugehört. Wichtig ist dieses System besonders für Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit, also dafür, Lebensmittel bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen zu können. Seltener wird „Agribusiness“ negativ für industrielle Landwirtschaft gebraucht.

Wertschöpfungskette der Lebensmittelwirtschaft

Zum vorgelagerten Bereich gehören die Unternehmen und Dienstleistungen, die landwirtschaftliche Betriebe mit Produktionsmitteln versorgen. Beispiele sind Saatzucht, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Landtechnik, Tierzucht, Futtermittel und Mischfutter, Tiergesundheit, Stalltechnik und Hofinnenwirtschaft.

Die landwirtschaftliche Produktion selbst umfasst Ackerbau, Garten- und Zierpflanzenbau, Weinbau, Viehhaltung, Fischerei und Aquakultur. Danach folgen Erfassung und Großhandel, etwa Getreide-, Vieh-, Obst- und Gemüsegroßhandel, Importeure und Exporteure sowie private und genossenschaftliche Landhandelsorganisationen. Diese handeln sowohl mit Produktionsmitteln für die Landwirtschaft als auch mit deren Erzeugnissen.

In der ersten Verarbeitungsstufe werden landwirtschaftliche Rohprodukte verarbeitet. Dazu gehören unter anderem Getreide- und Mahlmühlen, Ölmühlen, Schlachthöfe und Zerlegebetriebe, Molkereien, Fisch-, Obst- und Gemüseverarbeitung, Mälzereien, Kellereien und Zuckerfabriken. Die zweite Verarbeitungsstufe stellt daraus beispielsweise Brot und Backwaren, Teigwaren, Fleischwaren, Süßwaren, Getränke, Essig und Fertiggerichte her.

Anschließend gelangen Lebensmittel über Einzelhandel, stationären Großhandel wie Cash & Carry, Zustellgroßhandel sowie Importeure und Exporteure zu den Kunden. Zur Lebensmittelzubereitung für Großverbraucher zählen klassische Gastronomie, Systemgastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung in Betrieben, Krankenhäusern und Schulen sowie Catering. Beratungs-, Finanzierungs-, Transport-, Labor- und Versicherungsleistungen, Gutachten, Verbandsarbeit und staatliche Aktivitäten gehören ebenfalls zum System. Die erste und zweite Verarbeitungsstufe heißen in der amtlichen Statistik „produzierendes Ernährungsgewerbe“; dazu gehören Lebensmittelindustrie und Ernährungshandwerk.

Nachwachsende Rohstoffe und Non-Food-Bereich

Neben Lebensmitteln gewinnt die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe für Energie und andere Produkte an Bedeutung. Der Non-Food-Bereich umfasst etwa Phytopharmaka und bio-basierte Kunststoffe. Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Erzeugnisse können energetisch genutzt werden, zum Beispiel durch Holz- oder Getreideverbrennung, Biogas, Biodiesel und Bioethanol.

Forstwirtschaft wird als Holzlieferant üblicherweise nicht dem Agribusiness zugerechnet, weil sie klassischerweise nicht der Nahrungsmittelproduktion dient. Wenn Landwirtschaft sich teilweise von der Nahrungsmittel- zur Energieversorgung wandelt und Forstwirtschaft für erneuerbare Energie wichtig wird, kann diese Abgrenzung jedoch überdacht werden.

Bedeutung in Deutschland

In der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft sind rund 5,4 Millionen Menschen beschäftigt. Das entspricht 13 Prozent aller Beschäftigten. Die Bruttowertschöpfung dieses Sektors beträgt rund 157 Milliarden Euro, entsprechend sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2012).

Die aufgeführten Teilbereiche zeigen die breite Beschäftigungswirkung: In der Landwirtschaft arbeiten rund 668.000 Menschen, in der Lebensmittelindustrie 555.000 und im Ernährungshandwerk 564.000. Der Lebensmitteleinzelhandel beschäftigt etwa 1.300.000 Menschen, der Lebensmittelgroßhandel 269.800 und der Außer-Haus-Markt mit Gastronomie, Kantinen und Catering rund 2.100.000.

Bei den Inputsektoren werden unter anderem 26.000 Beschäftigte in der Landtechnik-Industrie, 45.000 im Landmaschinenhandel und -handwerk, 10.000 in der Pflanzenzucht, 8.000 in der Tierzucht, jeweils 15.000 bei Futtermitteln, landwirtschaftlicher Beratung und staatlicher Agrarverwaltung sowie 64.050 im Großhandel mit landwirtschaftlichen Grundstoffen genannt. Für Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Tiergesundheit sowie für Teile des Groß- und Erfassungshandels enthält die Tabelle keine Angabe.

Kritik und Schutzinteressen

Kritik am Agribusiness verbindet allgemeine Industrie- oder Kapitalismuskritik mit Fragen der Lebensmittelproduktion. Nichtregierungsorganisationen fordern den Schutz bestimmter Güter politisch ein; viele dieser Schutzbereiche sind in unterschiedlichem Maß staatlich geregelt.

Wichtige Themen sind Tierschutz, besonders die Haltungsbedingungen bei Legehennen, Mastgeflügel und Mastschweinen, sowie Umwelt- und Naturschutz. Letzterer betrifft etwa die Schonung begrenzter Ressourcen, die Vermeidung langer Transportwege und Einwegverpackungen sowie die Kritik an Gentechnik in der Landwirtschaft, wenn andere Arten bedroht werden könnten.

Der gesundheitliche Verbraucherschutz richtet sich gegen Gesundheitsgefahren durch übermäßigen Konsum von Zucker, Fett oder Salz und gegen Lebensmittelskandale. Dazu zählen Hygiene sowie erlaubte oder verbotene Zutaten und Vorprodukte wie Futter, Tiermedikamente und Pflanzenschutzmittel. Wirtschaftlicher Verbraucherschutz soll Täuschungen über Inhaltsstoffe, Gewicht, Normen oder Güteklassen verhindern und hat auch eine wettbewerbsrechtliche Seite.

Weitere Kritik richtet sich gegen unfaire Globalisierungsfolgen, etwa die Benachteiligung von Erzeugern in Entwicklungsländern, und gegen unzureichende Sozialstandards oder Kinderarbeit. Gütesiegel können positive Beispiele kenntlich machen. Genannt werden außerdem Arbeitsschutz für Beschäftigte in der industriellen Landwirtschaft und die Selbstorganisation von Bauern in Entwicklungsländern zur Verteidigung kleinbäuerlicher Lebensweisen und nachhaltiger Landwirtschaft. Als Sonderfall gilt der Schutz des „Geschmacks“: Organisationen wie Slowfood fördern den Genuss nicht-industriell erzeugter Lebensmittel, ohne dass darüber typischerweise politische Auseinandersetzungen stattfinden.

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