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Agni Yoga
Agni Yoga (auch Lebendige Ethik genannt) ist eine esoterische Lehre, die sich als Fortsetzung der Theosophie in der Folge von Helena Blavatsky versteht.
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Einordnung und Grundlage
Agni Yoga, auch Lebendige Ethik genannt, ist eine esoterische Lehre. Sie versteht sich als Fortsetzung der Theosophie in der Folge von Helena Blavatsky. Begründet wurde sie von der Russin Helena Roerich und ihrem Ehemann, dem Maler Nicholas Roerich.
Ihre Grundlage ist die Schrift Agni Yoga; „Agni“ ist das Sanskrit-Wort für „Feuer“. Helena Roerich schrieb sie zwischen 1920 und 1940 nieder und veröffentlichte sie in einem Pariser und einem Rigaer Verlag. Sie bezeichnete die Bruderschaft der Mahatmas von Shambhala, auch Meister der Weisheit genannt, als Autoren und gab an, die Schrift von ihnen übermittelt bekommen zu haben.
Schriften und zentrale Themen
Die Schrift umfasst 14 Bücher: Blätter aus dem Garten Moryas I und II, Gemeinschaft, Agni Yoga, Unbegrenztheit I und II, Hierarchie, Herz, Feurige Welt I, II und III, Aum sowie Bruderschaft I und II. Sie wurde ursprünglich auf Russisch verfasst und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Behandelt werden unter anderem Evolution, Hierarchie, Karma, Wiedergeburt, Gottes- und Jenseitsvorstellungen, Unsterblichkeit, Bewusstsein, Sinn des Lebens und des Leidens, die Erziehung eines neuen Menschen sowie die Schaffung einer besseren Welt.
Weltbild und Weg zur Vervollkommnung
Nach Agni Yoga besteht das Universum aus Materie. Der Begriff Materie soll dabei auch feinstoffliche Entitäten, also nicht unmittelbar sinnlich wahrnehmbare Wesenheiten, einschließen. Als höchstes kosmisches Gesetz gilt das Gesetz der Einheit: Jedes Sein soll nur in Wechselwirkung mit allem Sein möglich sein.
Menschen sollen Unwissenheit überwinden, um wahres Glück und Harmonie mit dem Universum zu erreichen. Die Lehre unterscheidet wissenschaftliches, religiöses und künstlerisches Wissen. In der Gegenwart sei Wissenschaft die wichtigste Form des Wissens. Damit sind nicht nur Physik und Biologie gemeint, sondern auch psychologische und spirituelle Fragen. Agni Yoga tritt deshalb für eine Synthese von Religion und Wissenschaft ein. Zur Vervollkommnung soll der Mensch außerdem künstlerisch-kreativ arbeiten.
Die Lehre nimmt unterschiedliche religiöse und philosophische Schriften, Lehren und Lehrer in ihr Weltbild auf, etwa die Veden, die Bibel und buddhistische Schriften. Aus dem Koran seien keine Zitate erkennbar; Mohammed werde dennoch als geistiger Lehrer angesehen. Auch katholische und russisch-orthodoxe Heilige sowie Jesus werden erwähnt. Der wichtigste Unterschied zum Christentum liege nach dem Artikel darin, dass Karma und Wiedergeburt für Agni Yoga grundlegende Gesetze sind, während das Christentum nicht an sie glaubt.
Verbreitung und Organisation
Die ersten Agni-Yoga- oder Roerich-Gesellschaften entstanden ab 1927, ausgehend von New York und Riga. Nicholas Roerich hatte in den 1920er und 1930er Jahren bei Aufenthalten in den Vereinigten Staaten ein kleines Netzwerk theosophisch interessierter Künstler aufgebaut. In der Upper West Side wurden 1921 das Nicholas Roerich Museum und 1924 die erste Agni Yoga Society gegründet.
Nach Deutschland und Österreich gelangte die Bewegung durch die Einwanderung lettischer Anhänger nach dem Zweiten Weltkrieg. Leopold Brandstätter, auch Leobrand genannt, gründete dort ab 1953 Schulen und Gruppen, veranlasste die erste deutsche Übersetzung der Agni-Yoga-Bücher und veröffentlichte Einführungsschriften zur Lehre. Seit 1991 breiteten sich Gesellschaften besonders in Russland, den baltischen Staaten und weiteren Nachfolgestaaten der Sowjetunion aus; der Artikel nennt als begünstigenden Faktor ein durch das Ende des Kommunismus entstandenes Sinn-Vakuum.
Die meisten Gesellschaften sind formlose Zusammenschlüsse ohne formelle Mitgliedschaft. Es gibt weder in einzelnen Ländern noch weltweit eine übergeordnete Organisation; genaue Anhängerzahlen sind daher kaum feststellbar. Das Kultusministerium der Russischen Föderation nennt rund 5000 Agni-Yoga- beziehungsweise Roerich-Gesellschaften in Russland und den übrigen Nachfolgestaaten der UdSSR. Liane Wobbe schätzt für Deutschland etwa 300 regional verstreute Anhänger und ungefähr 40 unterschiedlich organisierte Gemeinschaften.
Kritische Einordnung
Die Aufgabe des Menschen besteht im Agni Yoga darin, sich zum „Gottmenschen“ höherzuentwickeln. Jörg Pegelow beschreibt diese Vorstellung als Vermengung von Fortschritts- und Wissenschaftsgläubigkeit des 19. und 20. Jahrhunderts, medial empfangenem okkultem Geheimwissen und religiöser Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Den Anspruch, durch die Unterwerfung der Menschheit unter eine hierarchische Ordnung eine ideale neue Welt zu errichten, bezeichnet er als utopisch im Wortsinn: als einen Ort, den es nicht gibt und aller menschlichen Erfahrung nach nicht geben wird.