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Aggression
Sie ist ein biologisch in Tieren (und so auch Menschen) verankertes Verhaltensmuster zur Verteidigung oder Gewinnung von Ressourcen und zur Bewältigung …
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Begriff und Grundformen
Aggression ist eine feindselig angreifende Verhaltensweise eines Organismus. Sie ist biologisch verankert und dient bei Tieren und Menschen unter anderem der Verteidigung, der Gewinnung von Ressourcen und der Bewältigung gefährlicher Situationen. Beim Menschen wird sie durch innere oder äußere Faktoren ausgelöst, aktiviert oder gehemmt. Solche „proximate Ursachen“ sind beispielsweise Persönlichkeit, Umwelt und aktuelle Gefühle; die grundlegenden biologischen Funktionen gelten als „ultimative Ursachen“.
Menschliche Aggression bezeichnet Verhalten mit der Absicht, anderen zu schaden oder sie in ihrem Rang herabzusetzen. Emotionale Aggression ist eine Reaktion auf erlebtes Leid, etwa Frustration, Schmerz, Furcht oder Hunger. Instrumentelle Aggression wird dagegen bewusst als Methode eingesetzt, um ein Ziel zu erreichen. Aggression kann körperlich, psychisch, verbal, nonverbal, indirekt oder gegen die eigene Person gerichtet sein. Beispiele sind Schlagen, Beleidigen, Ausgrenzung, Mobbing, Sachbeschädigung und Selbstverletzung. Entscheidend ist vor allem die Absicht zur Schädigung, auch wenn diese nicht gelingt. Im weiteren Sinn kann „aggressiv“ auch aktives, selbstbewusstes oder wettbewerbsorientiertes Handeln ohne Schädigungsabsicht bedeuten. Typische Ziele sind das Durchsetzen eigener Interessen, Beachtung und Rang, Abwehr sowie Vergeltung.
Aggression im Tierreich
Bei Tieren tritt aggressives Verhalten häufig im Wettbewerb um Nahrung und andere Ressourcen, bei der Revierverteidigung, der Herstellung einer Rangordnung und der Konkurrenz um Sexualpartner auf. Die Ethologie bezeichnet es auch als agonistisches Verhalten sowie als Angriffs- und Drohverhalten. Bestimmte Schlüsselreize lösen es aus; eine angeborene Aggressionshemmung begrenzt seine Ausprägung. Auch das Ergreifen von Beutetieren steht mit Aggression in Verbindung.
Bei Hunden werden unter anderem ressourcenbedingte, statusbedingte, sozial, sexuell, territorial, umgelenkt, angstbedingt oder erlernt motivierte Aggressionen unterschieden. Sie können sich etwa gegen Futter, Spielzeug, den Schlafplatz, den Halter, andere Hunde oder soziale Partner richten. Sonderformen entstehen durch Schmerzen oder Krankheiten. Mischformen sind möglich.
Ursachen und Erklärungsmodelle
Aggression entsteht durch das Zusammenwirken vieler Faktoren: frontale Enthemmung, genetische Veranlagung, Hormone und Neurotransmitter, psychische Zustände, Schmerzen, hohe Temperaturen, Gruppendichte, Nahrungsknappheit, Rangordnungen, evolutionäre und kulturelle Entwicklung sowie persönliche Erfahrungen und Vorbilder. Verminderte Serotonin- und erhöhte Testosteron-Spiegel werden mit aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht. Alkohol schwächt soziale Normen; Wettkämpfe können die Aggressionsbereitschaft von Aktiven und Zuschauern erhöhen.
Der triebtheoretische Ansatz von Sigmund Freud erklärt Aggression als angeborenen Trieb, der nach Entladung strebt. Freud entwickelte daraus den Todes- oder Destruktionstrieb „Thanatos“, der Einheiten zerstören soll, während „Eros“ sie aufbaut. Sein Hydraulik-Modell und die Katharsis-Hypothese, nach denen sich Aggressionen anstauen und entladen, gelten inzwischen als widerlegt. Konrad Lorenz beschrieb 1963 einen angeborenen Aggressions-Instinkt mit Funktionen wie Revierverteidigung, Ressourcensicherung und Schutz der Nachkommen. Beide Ansätze empfehlen eine gesellschaftlich akzeptierte Umleitung, etwa durch Sport, Wissenschaft oder Kunst.
Lerntheorien erklären Aggression durch Beobachtung und Nachahmung, klassische Konditionierung sowie instrumentelle Konditionierung: Erfolgreiches aggressives Verhalten wird verstärkt und künftig wahrscheinlicher. Albert Banduras Bobo-Puppen-Studie von 1963 zeigte, dass Kinder aggressives Verhalten von Erwachsenen imitieren. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese nimmt an, dass Versagung Aggressionsimpulse erzeugt. Berkowitz ergänzte, dass Ärger, andere aversive Reize, Persönlichkeit, Lernerfahrungen und situative Hinweisreize diesen Prozess beeinflussen.
Das General Aggression Model von Craig A. Anderson und Brad J. Bushman verbindet mehrere Ansätze. Persönliche und situative Faktoren beeinflussen den inneren Zustand, dieser die Bewertung einer Situation und daraus die bewusste oder unbedachte, aggressive oder nicht aggressive Handlung. Wiederholte Erfahrungen verfestigen dabei Wissensstrukturen, Ablaufpläne und Schemata. Insgesamt wirken Gene, Neurobiologie, Lernen und Umwelt gemeinsam.
Auslöser, Bewertung und Kontrolle
Aggressionsverstärkend können neuropsychiatrische Erkrankungen, aversive Reize, körperliche Erregung, aggressive Hinweisreize, Gewalt in Fernsehen und Computerspielen, Selbstschutz sowie möglicherweise anabole Steroide wirken. Bei Demenz wird Aggression unter anderem mit frontaler Enthemmung verbunden: Die angegebenen Prävalenzen betragen bei Morbus Alzheimer 34 %, bei vaskulärer Demenz 72 %, bei Lewy-Body-Demenz 71 % und bei frontotemporaler Demenz 69 %.
Dodge beschreibt sechs Schritte der Informationsverarbeitung: Wahrnehmung einer möglichen Provokation, Interpretation, Definition eigener Ziele, Prüfung von Reaktionsmöglichkeiten, Auswahl und Ausführung einer Handlung. Der „hostile attribution bias“ bezeichnet die Tendenz besonders aggressiver Kinder, Frustrationen als absichtlich feindselig zu deuten. Prävention setzt unter anderem bei Empathie, sozialen Fähigkeiten, guten Vorbildern, Mediation und gewaltfreier Kommunikation an.
Ökologische, wirtschaftliche und rechtliche Perspektiven
In der Ökologie gilt Aggression als „Interferenz“ bei hoher Populationsdichte. Sie kann Artgenossen aus einem Revier vertreiben und dadurch Nahrung sichern. Bei ausreichendem Nahrungsangebot oder Schutz vor Fressfeinden steigt die soziale Toleranz. Innerartliche Aggression ist von zwischenartlicher Aggression, etwa bei der Jagd, zu unterscheiden.
Im Geschäftsleben wird „aggressives Vorgehen“ besonders seit den 1980er-Jahren teilweise positiv verstanden, etwa im Verkauf, in der Werbung und beim Erreichen von Zielen unter Ressourcenknappheit. Strafrechtlich wird Aggression relevant, wenn sie geschützte Rechtsgüter wie körperliche Unversehrtheit oder Eigentum verletzt. Notwehr und Notstand können sie rechtfertigen. Im Völkerrecht bezeichnet Aggression insbesondere unrechtmäßige Gewalt, Angriffskriege, Grenzverletzungen oder Gewaltandrohungen gegen Staaten; zulässige Gegenmaßnahmen sind Retorsionen und Repressalien.