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Deponens

Deponentien sind Reste einer Diathese zwischen Aktiv und Passiv, was sich auch darin zeigt, dass viele lateinische, griechische und skandinavische Deponentien …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und grammatische Merkmale
  2. 2. Lateinische Formen und Bedeutungen
  3. 3. Altgriechische Deponentien
  4. 4. Neugriechische und skandinavische Beispiele

Grundprinzip und grammatische Merkmale

Ein Deponens (Plural: Deponentia, Deponentien oder Deponenzien) ist ein Verb, das nur in Passivformen vorkommt, aber eine aktive Bedeutung hat. Bildlich gesprochen hat es seine passive Bedeutung „abgelegt“. Deponentien bilden damit Reste einer Diathese, also eines Verhältnisses zwischen Aktiv und Passiv. Viele lateinische, griechische und skandinavische Deponentien entsprechen im Deutschen Verben mit reflexiver Bedeutung, etwa Verben mit „sich …“. Eine Teilklasse der reflexiven Verben kann als Ausdruck einer eigenen Diathese, des Mediums, verstanden werden.

Deponentien spielen im Altgriechischen, Neugriechischen, Lateinischen, Altirischen und in den skandinavischen Sprachen eine Rolle. Im Altgriechischen unterscheidet man mediale und passivische Deponentien. Das Lateinische kennt kein Medium und besitzt daher wie das Neugriechische nur passivische Deponentien.

Mit Ausnahme des PPA (Partizip Präsens Aktiv) und des PFA (Partizip Futur Aktiv) gibt es bei Deponentien keine aktiven Formen, weil die passive Form die aktive Bedeutung ausdrückt. Die einzige Form mit passiver Bedeutung ist das Gerundivum. Neben vollständigen Deponentien gibt es im Lateinischen Semideponentien: Bei ihnen sind die Formen teilweise aktiv und teilweise passiv.

Lateinische Formen und Bedeutungen

Lateinische Deponentien werden im Wörterbuch typischerweise mit Infinitiv, Präsensform und Perfektpartizip angegeben. Ihre passivische Form trägt eine aktive oder reflexive Bedeutung. Beispiele sind:

  • arbitrāri, arbitror, arbitratus sum = glauben, meinen
  • complēcti, complector, complexus sum = umarmen, umfassen
  • conāri, conor, conātus sum = versuchen
  • cunctāri, cunctor, cunctatus sum = zögern
  • experīrī, experior, expertus sum = erfahren, erproben, versuchen
  • fruī, fruor, fructus sum (mit Abl.) = etwas genießen
  • fungī, fungor, functus sum (mit Abl.) = etwas verrichten, vollbringen, verwalten, ausüben
  • gradī, gradior, gressus sum = gehen, schreiten
  • hortāri, hortor, hortatus sum = ermahnen, auffordern
  • intuērī, intueor, intuitus sum = anschauen, betrachten
  • laetāri, laetor, laetatus sum = sich freuen, erfreut sein
  • lamentāri, lamentor, lamentatus sum = beklagen, jammern
  • loquī, loquor, locutus sum = sprechen, reden
  • nītī, nītor, nīsus (nīxus) sum = sich stützen auf, klettern, streben
  • oblīvīscī, oblīvīscor, oblītus sum = etwas vergessen
  • potīrī, potior, potītus sum (mit Abl.) = sich bemächtigen
  • pollicēri, polliceor, pollicitus sum = versprechen
  • proficīscī, proficīscor, profectus sum = aufbrechen, marschieren
  • (con-, per-)sequī, sequor, secutus sum (mit Akk.) = jemandem folgen, etwas befolgen, begleiten
  • trahi, trahor, tractus sum = etwas ziehen
  • utī, utor, usus sum (mit Abl.) = nutzen, gebrauchen, anwenden
  • vidērī, videor, vīsus sum = erscheinen
  • verērī, vereor, veritus sum = fürchten

Semideponentien verbinden aktive und passive Formen beziehungsweise Stämme. Dazu gehören fidere, fido, fīsus sum = trauen; fierī, fio, factus sum = werden, entstehen, gemacht werden, wobei es sich um den Passivstamm zu facere handelt; audēre, audēo, ausus sum = wagen; gaudēre, gaudēo, gavīsus sum = sich freuen; solēre, solēo, solitus sum = gewöhnlich tun, pflegen; confidere, confido, confīsus sum = vertrauen; diffidere, diffido, diffīsus sum = misstrauen, zweifeln; sowie revertī, revertor, revertī, reversus = zurückkehren. Für revertī ist auch die Form revertere, revertō, revertī, reversus belegt.

Altgriechische Deponentien

Im Altgriechischen werden Deponentien sehr häufig gebraucht. Mediale Deponentien (deponentia media, DM) und passivische Deponentien (deponentia passiva, DP) unterscheidet man am Aorist; im Präsens sind Medium und Passiv gleich.

Mediale Deponentien sind φαίνομαι, das Medium von φαίνω „zeigen“, mit der Bedeutung „sich zeigen, scheinen“; παύομαι, das Medium von παύω „beendigen“, = „aufhören“; und μάχομαι = „kämpfen“. Der Aorist von μάχομαι lautet ἐμαχεσάμην.

Die meisten medialen Deponentien können zusätzlich passive Formen mit passivischer Bedeutung bilden. Dazu gehören ein Passivaorist auf -θην und ein zugehöriges Futur. Außerdem können sie ihr Perfekt sowohl aktivisch als auch passivisch gebrauchen. Ein Beispiel ist αἰτιάομαι = „beschuldigen“: Der mediale Aorist ᾐτιασάμην bedeutet „Ich beschuldigte“, der passive Aorist ᾐτιάθην dagegen „Ich wurde beschuldigt“.

Passivische Deponentien sind ὀργίζομαι = „zornig werden“ mit dem Aorist ὠργίσθην, ἡττάομαι = „unterliegen“ mit dem Aorist ἡττήθην und ἥδομαι = „sich freuen“ mit dem Aorist ἥσθην.

Neugriechische und skandinavische Beispiele

Im Neugriechischen gibt es ebenfalls Deponentien. Beispiele sind έρχομαι = „kommen“, στέκομαι = „stehen“, κάθομαι = „(sich) setzen“, σκέφτομαι = „überlegen, denken“, αισθάνομαι = „empfinden, sich fühlen“ und κοιμάμαι = „schlafen“. Neugriechische Deponentien stammen überwiegend aus den Bedeutungsbereichen geistiger Tätigkeit, des Empfindens, des körperlichen Verhaltens und der Bewegung.

Auch die skandinavischen Sprachen haben Deponentien. Beispiele sind att hoppas im Schwedischen = „hoffen“, at synes im Dänischen = „scheinen“, å finnes beziehungsweise å finnast im norwegischen Bokmål beziehungsweise Nynorsk = „existieren“ und að eldast im Isländischen = „altern“.

Die skandinavischen Deponentien gehen auf das altnordische Mediopassiv zurück. Dieses entstand durch die Enklise des Reflexivpronomens sik „sich“. Damit erklärt sich der Zusammenhang zwischen ihrer passiven Form und ihrer häufig reflexiven oder aktiven Bedeutung.

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