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Kap Verde

Allgemein ; BIP pro Kopf in USD (Kaufkraftparität), 6.517, 7.393 ; BIP-Wachstum (real), 1,8 %, 0,9 % ; Inflation (in Prozent), 2,1 %, 0,1 % ; Staatsverschuldung (in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen, Bildung und Gesundheit
  3. 3. Geschichte bis zur Demokratie
  4. 4. Politik, Außenbeziehungen und Verwaltung
  5. 5. Wirtschaft und Verkehr
  6. 6. Kultur, Medien und Sport

Überblick und Naturraum

Kap Verde, amtlich portugiesisch Cabo Verde, ist ein afrikanischer Inselstaat im Zentralatlantik. Er besteht aus den zehn Kapverdischen Inseln, liegt etwa 570 Kilometer vor der Westküste Afrikas und hat eine Landfläche von 4033 km². Die Hauptstadt ist Praia auf der Insel Santiago. 2025 hatte das Land knapp 600.000 Einwohner beziehungsweise laut Infobox 593.000 Einwohner. Die ehemalige portugiesische Kolonie gilt heute als eines der politisch stabilsten und wohlhabenderen Länder Afrikas.

Die Inselgruppe umfasst neun bewohnte Inseln und weitere kleine Eilande. Man unterscheidet die nördlichen Inseln über dem Wind, Ilhas de Barlavento, und die südlichen Inseln unter dem Wind, Ilhas de Sotavento. Zu den nördlichen Inseln gehören Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal, Boa Vista sowie die unbewohnten Inseln Santa Luzia, Branco und Raso. Zu den südlichen Inseln gehören Maio, Santiago, Fogo und Brava sowie unbewohnte Inselgruppen.

Der Archipel ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung ist der Pico do Fogo mit 2829 Metern. Er brach 1995 nach 44 Jahren Ruhe wieder aus; ein weiterer Ausbruch begann am 23. November 2014 und endete am 8. Februar 2015. Dabei zerstörte Lava zwei Ortschaften und kleinere Ansiedlungen in der Caldera. Dauerhaft wasserführende Flüsse gibt es fast nicht; Ausnahmen sind Ribeira da Torre und Ribeira da Paúl auf Santo Antão. In der Regenzeit können sonst trockene Täler plötzlich zu reißenden Strömen werden.

Das Klima ist mild, ozeanisch, warm und trocken. Es wird vom Nordostpassat bestimmt. Die Tagestemperaturen liegen ganzjährig zwischen 23 und 30 °C, die Nächte im Winter etwa bei 18 °C und im Sommer etwa bei 24 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt in Praia etwa 250 mm jährlich, sonst meist nur 100 bis 200 mm. Der meiste Regen fällt von August bis November. Die Vegetation ist wegen der Trockenheit halbwüstenähnlich; es gibt trockene Grasfluren, Dünen, Salzsümpfe und trockenheitsangepasste Palmen. Die Tierwelt ist vergleichsweise artenarm; vor der Besiedlung gab es bis auf eine Fledermausart keine Säugetiere. Meeresschildkröten legen an Stränden gelegentlich Eier ab.

Bevölkerung, Sprachen, Bildung und Gesundheit

Die Kapverdischen Inseln waren vor der portugiesischen Entdeckung und Besiedlung unbewohnt. Aus europäischen Siedlern und afrikanischen Sklaven entstand eine kreolische Kultur. Eine genetische Studie von 2010 schätzte den europäischen Anteil an den Genen der Bevölkerung auf 43 Prozent und den afrikanischen Anteil auf 57 Prozent.

Kap Verde hatte 2022 593.000 Einwohner; das jährliche Bevölkerungswachstum betrug +0,9 %. Die Geburtenziffer lag bei 16,7 pro 1000 Einwohner, die Sterbeziffer bei 5,7 pro 1000 Einwohner. 2022 lag die statistische Kinderzahl bei 1,9 Geburten pro Frau. Der Median des Alters betrug 2021 26,5 Jahre. 2023 waren 25,7 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 5,7 Prozent über 64 Jahre.

Die Gesellschaft ist stark durch Auswanderung geprägt. Um 2010 lebten neben etwa 516.000 Bewohnern im Land geschätzte 700.000 Kapverdianer in der Diaspora. Gut die Hälfte der Bevölkerung konzentriert sich auf Santiago. Viele Familienbeziehungen reichen deshalb über mehrere Länder oder Kontinente; etwa zwei Drittel der Familien erhalten Rücküberweisungen von Angehörigen im Ausland.

Amtssprache ist Portugiesisch. Nationalsprache ist das Kapverdische Kreol, Krioulo, mit verschiedenen Varianten. Zwischen dem Kreol von Santiago und dem von Santo Antão bestehen besonders große Unterschiede, teilweise bis zur gegenseitigen Unverständlichkeit. Die Regierung strebt an, Krioulo zur Amtssprache zu machen; wegen der Dialektvielfalt ist dies schwierig. In der Primarschule wird Krioulo gesprochen, in der Sekundarstufe 1 Portugiesisch erlernt. Französisch und Englisch lernen Teile der jüngeren Bevölkerung in der Sekundarstufe 2.

Die Mehrheit der Kapverdier ist römisch-katholisch, etwa 85 %. Daneben gibt es protestantische Kirchen, christliche Sondergemeinschaften sowie kleine muslimische und Bahai-Minderheiten. Religionsfreiheit ist verfassungsrechtlich garantiert.

Die Grundschulbildung ist für Kinder von 6 bis 14 Jahren verpflichtend und für 6- bis 12-Jährige kostenlos. 2006 wurde die Universidade de Cabo Verde gegründet; daneben gibt es private und weitere Hochschulen. Die Alphabetisierungsrate lag 2019 bei 86,8 %. Die Lebenserwartung betrug 2022 74,7 Jahre, bei Frauen 79 und bei Männern 70,3 Jahre. Am 12. Januar 2024 zertifizierte die WHO Kap Verde als malariafrei.

Geschichte bis zur Demokratie

Die unbewohnten Inseln wurden 1445 von António Fernandes umrundet und 1456 von Alvise Cadamosto entdeckt und erstmals betreten. Antonio da Noli und Diogo Gomes setzten die Erkundung fort; in der portugiesischen Geschichtsschreibung gilt wegen ihrer Rivalität Diogo Gomes als wahrer Entdecker der Hauptinsel Santiago. Ab 1461 begann die Besiedlung durch Portugal, zuerst mit einer kleinen Militärstation auf Santiago und auf Fogo. 1532 wurde ein eigenständiges Bistum errichtet, später erhielt die Inselgruppe den Status einer portugiesischen Kolonie.

Vom 16. bis frühen 17. Jahrhundert spielte besonders Santiago eine wichtige Rolle im transatlantischen Sklavenhandel. Ribeira Grande, heute Cidade Velha, wurde zu einem bedeutenden westafrikanischen Hafen, aber auch Ziel von Piratenüberfällen. Dürrekatastrophen, Piraterie und wirtschaftlicher Niedergang prägten die weitere Entwicklung. 1780 wurde auf Santo Antão die Sklaverei verboten, 98 Jahre vor der vollständigen Abschaffung der Sklaverei in Portugal. Im 19. Jahrhundert gewann der Hafen Mindelo auf São Vicente durch Salzhandel, Kohleversorgung für Dampfschiffe und später Unterseekabel an Bedeutung.

Unter dem portugiesischen Estado Novo wurde Kap Verde auch durch das Konzentrationslager Tarrafal auf Santiago bekannt. In den 1940er Jahren verhungerten viele Einwohner, als die Inseln durch den Krieg teilweise von Versorgung abgeschnitten waren; die Hungerkrise dauerte bis 1948.

Nach der Nelkenrevolution in Portugal am 25. April 1974 wurde die Unabhängigkeit vorbereitet. Der Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde, PAIGC, dominierte die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung. Am 5. Juli 1975 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen. Zunächst entstand eine linksgerichtete Einparteiendiktatur; die PAIGC strebte die Vereinigung mit Guinea-Bissau an. Nach einem Putsch in Guinea-Bissau 1981 wurde dieses Ziel aufgegeben, und die kapverdische Partei nannte sich Partido Africano da Independência de Cabo Verde, PAICV.

1990 führte eine Verfassungsänderung das Mehrparteiensystem ein. In den ersten freien Wahlen 1991 gewann die Bewegung für Demokratie, Movimento para a Democracia, MpD, mit 78 %. António M. Monteiro wurde Präsident der „zweiten Republik“. Spätere Verfassungsänderungen stärkten den Ministerpräsidenten und beschränkten den Präsidenten stärker auf repräsentative Funktionen. Seitdem wechselten PAICV und MpD mehrfach in Regierung und Opposition.

Politik, Außenbeziehungen und Verwaltung

Kap Verde ist eine pluralistische parlamentarische Republik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, wird direkt für fünf Jahre gewählt und kann einmal wiedergewählt werden. Regierungschef ist der Premierminister. Er wird vom Präsidenten ernannt, muss aber vorher vom Parlament nominiert werden und ist diesem verantwortlich. Das Parlament ist die Nationalversammlung mit 72 Abgeordneten, die alle fünf Jahre gewählt werden.

Nach dem Regierungswechsel 2026 ist Francisco Carvalho vom PAICV Premierminister. Die Wahl vom 17. Mai 2026 hatte eine niedrige Wahlbeteiligung von 46,5 %. Die Sitze sind nach rechtlichen und gesellschaftlichen Bemühungen zur stärkeren Repräsentation von Frauen nahezu paritätisch verteilt: 38 Männer und 34 Frauen.

Das allgemeine aktive und passive Wahlrecht auf nationaler Ebene wurde mit der Unabhängigkeit am 5. Juli 1975 eingeführt. Auf lokaler Ebene wurde es im Juli 1989 ausgeweitet. Die erste Frau im nationalen Parlament war Carmen Pereira im Juli 1975.

Politische Indizes bewerten Kap Verde vergleichsweise positiv. Der Fragile States Index 2024 nennt das Land stabil, der Demokratieindex 2024 stuft es mit 7,58 von 10 als „unvollständige Demokratie“ ein, und Freedom in the World 2024 bewertet es mit 92 von 100 als frei. Die Pressefreiheit lag 2026 bei 72 von 100 und Rang 40 von 180; der Korruptionswahrnehmungsindex 2025 lag bei 62 von 100 und Rang 35 von 181.

Die Außenpolitik ist offen, kooperativ und pragmatisch. Wichtig sind Beziehungen zu westafrikanischen Staaten, zur Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder und seit dem Cotonou-Abkommen 2000 zunehmend zur EU. Bedeutendster politischer Verbündeter sind die USA; die engsten Beziehungen bestehen in vielen Bereichen zu Portugal. Die Lage im Atlantik ist strategisch bedeutsam, besonders wegen Seewegen, Drogenhandel und organisierter Kriminalität. Das Militär hatte 2024 etwa 1.200 Soldaten; die Ausgaben betrugen knapp 2,05 Prozent der Wirtschaftsleistung oder 16,5 Millionen US-Dollar. Verwaltungsmäßig war Kap Verde 2018 in 22 Gemeinden oder Kreise gegliedert.

Wirtschaft und Verkehr

Kap Verde hat kaum mineralische Ressourcen und leidet unter großer Trockenheit. Nur auf vier Inseln gibt es bei ausreichendem Regen etwas Wasser für Bewässerungslandwirtschaft. Die landwirtschaftliche Produktion reicht nicht zur Eigenversorgung, daher müssen über 90 % der Nahrungsmittel importiert werden. Angebaut werden unter anderem Zuckerrohr, Spargel, Kaffee auf Fogo, Wein und Bananen. 2020 wurden auf 250 ha Bananen angebaut und 5.553 Tonnen geerntet. Grogo oder Grogue ist ein handwerklich hergestellter Zuckerrohr-Aguardente. Der informelle Abbau von schwarzem Sand lässt Strände verschwinden und gefährdet die dort arbeitenden Frauen; seit 2010 ist diese Tätigkeit eigentlich illegal.

Auch der Fischreichtum ist begrenzt. Mit handwerklicher Technik können einheimische Fischer ihn nicht vollständig nutzen, weshalb ausländische Flotten einen großen Teil des Fangs übernehmen. Exportiert werden Fisch, Langusten, Bananen, Textilien und einige Halbfertigwaren wie Schuhe und Lederwaren.

Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftszweig. Um 2000 trug er etwa zehn Prozent, 2026 gut 30 % zum Bruttosozialprodukt bei. Besonders Sal und Boa Vista ziehen Strandtouristen an. 2019 kamen 820.000 Besucher, der Fremdenverkehr machte 29 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Nach dem Rückgang durch die COVID-19-Pandemie stieg die Zahl wieder: 2022 auf 785.000 internationale Besucher und 2024 auf 1,2 Millionen, mit Einnahmen von über 500 Millionen Euro. Berg- und Kulturtourismus entwickeln sich langsamer, besonders auf Santo Antão, Fogo, São Nicolau und Santiago.

Der Kapverdische Escudo wurde 1998 an den portugiesischen Escudo und 1999 an den Euro gekoppelt. 2008 wurde Kap Verde als zweites afrikanisches Land nach Botswana von einem wenig entwickelten Land zu einem Land mit mittleren Einkommen heraufgestuft. Rücküberweisungen aus der Diaspora machen gut ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus. Zur Verringerung der Öl-Abhängigkeit wurden Windparks auf Santiago, São Vicente, Sal und Boa Vista sowie Solarparks gebaut. Stauseen dienen seit 2006 der Wasserversorgung und Landwirtschaft, nicht der Energiegewinnung.

Alle Inseln haben Straßensysteme; 2013 umfasste das Straßennetz etwa 1350 km, davon 932 km asphaltiert. In Praia und Mindelo gibt es Stadtbusnetze. Auf dem Land übernehmen Aluguers, also Sammeltaxis mit bis zu 20 Plätzen, den Personentransport. Eisenbahnen gibt es nicht. Im Flugverkehr verbinden nationale und internationale Flughäfen die Inseln mit Zielen in Afrika, Europa, Amerika und den Atlantikinseln. Fähren fahren oft unregelmäßig; tägliche regelmäßige Verbindungen bestehen vor allem zwischen São Vicente und Santo Antão sowie zwischen Fogo und Brava.

Kultur, Medien und Sport

Die Kultur Kap Verdes ist afrikanisch und europäisch geprägt. Besonders wichtig ist Musik. Die bekannteste Musikrichtung ist Morna, die auf den Gedichten Eugénio Tavares’ beruht. Tavares gilt als Vater einer eigenständigen Literatur der Kapverden. Cesária Évora war die wohl berühmteste Sängerin des Landes; auch Mayra Andrade wurde international bekannt. Mindelo gilt vielen als Kulturhauptstadt Kap Verdes.

Die Literatur Kap Verdes wird als eine der reichsten Afrikas beschrieben. 2009 erhielt Arménio Vieira den Prémio Camões, die wichtigste literarische Auszeichnung der portugiesischsprachigen Welt. In der Malerei nennt der Artikel unter anderem Manuel Figueira, Luísa Queirós, Tchalé Figueira, Bela Duarte und Kiki Lima. Eine ausgeprägte Filmkultur konnte sich wegen des kleinen Binnenmarkts und der begrenzten wirtschaftlichen Lage kaum entwickeln, doch wurden Dokumentationen und Spielfilme gedreht, darunter Fintar o Destino von 1998 und Nha Fala – Meine Stimme von 2002.

Der Nationalsport ist Fußball. Die kapverdische Fußballnationalmannschaft qualifizierte sich 2012 erstmals für den Afrikacup und erreichte 2013 das Viertelfinale. Im Februar 2014 lag sie auf Rang 27 der FIFA-Weltrangliste. Im Oktober 2025 qualifizierte sich Kap Verde laut Artikel erstmals für die WM 2026. Außerdem nahm das Land seit Atlanta 1996 an Olympischen Sommerspielen teil. 2024 gewann der Boxer David de Pina in Paris mit Bronze im Fliegengewicht die erste Olympiamedaille des Landes. Die Handballnationalmannschaft der Männer nahm 2021, 2023 und 2025 an Weltmeisterschaften teil und gewann bei der Afrikameisterschaft 2022 Silber.

Zu den Medien gehören Fernsehsender wie RTC und RTP África, Radiostationen wie Radiotelevisão Caboverdiana, Praia FM und Radio France Internationale sowie mehrere Zeitschriften. 2021 nutzten 69,8 Prozent der Einwohner Kap Verdes das Internet.

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