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ABB (Unternehmen)
ABB Ltd (Abkürzung für Asea Brown Boveri) ist ein Technologieunternehmen in den Bereichen Elektrifizierung und Automatisierung mit Hauptsitz in Zürich, …
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Überblick und Kennzahlen
ABB Ltd (Asea Brown Boveri) ist ein weltweit tätiges Technologieunternehmen für Elektrifizierung und Automatisierung mit Hauptsitz in Zürich. Es entstand am 8. Februar 1988 durch die Fusion der schwedischen ASEA und der schweizerischen BBC. ABB ist eine Aktiengesellschaft mit der ISIN CH0012221716; ihre Aktien sind an SIX Swiss Exchange, in Stockholm und an der New York Stock Exchange kotiert sowie im Swiss Market Index und OMX Stockholm 30 gelistet.
Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 111'900 Menschen in 100 Ländern und erzielte 2025 einen Umsatz von 33,22 Milliarden US-Dollar sowie einen Konzernreingewinn von 4,73 Milliarden US-Dollar. Morten Wierod ist seit 1. August 2024 Vorsitzender der Konzernleitung, Peter Voser seit April 2015 Verwaltungsratspräsident. Die grösste Einzelbeteiligung hält Investor AB, das von der Familie Wallenberg kontrolliert wird, mit 12,9 %; auch Cevian Capital hält einen grossen Anteil.
Entstehung und Ausbau des Konzerns
ASEA wurde 1883 in Västerås von Ludwig Fredholm gegründet und stellte elektrisches Licht und Generatoren her. Brown, Boveri & Cie. (BBC) entstand 1891 in Baden im Kanton Aargau durch Charles Eugene Lancelot Brown und Walter Boveri. BBC produzierte Wechselstrom- und Gleichstrommotoren, Generatoren, Dampfturbinen und Transformatoren.
Bei der Fusion 1988 brachten ASEA und BBC ihr Geschäft je zur Hälfte in die ABB Asea Brown Boveri Ltd. mit Sitz in Zürich ein. Der neue Konzern hatte 210'000 Beschäftigte, darunter 35'000 in Deutschland, 34'000 in Schweden und 16'000 in der Schweiz. Bereits in den ersten Jahren wuchs ABB durch zahlreiche Übernahmen, etwa von Fläkt AB, Sadelmi/Cogepi, Scandia-Randers und Anlagen von Westinghouse Electric. 1996 wurden ASEA AB in ABB AB und BBC Brown Boveri AG in ABB AG umbenannt. Beide waren zunächst als getrennt kotierte Gesellschaften organisiert; 1999 wurden sie zur ABB Ltd. vereinigt.
Wichtige damalige Produkte waren Kraftwerke, insbesondere Gasturbinen-, Dampfturbinen- und GuD-Kraftwerke, Lokomotiven, Turbolader und elektrische Schaltanlagen. 1995 wurde die Bahntechnik mit Daimler-Benz zu Adtranz zusammengeführt; ABB verkaufte seine Anteile 1999 an DaimlerChrysler und konzentrierte sich im Transportbereich danach auf Traktionsmotoren und elektrische Komponenten.
Krise, Verkäufe und Neuausrichtung bis 2009
Die Übernahme von Combustion Engineering (CE) belastete ABB stark: Wegen Asbestklagen in den USA sah sich ABB als rechtliche Nachfolgerin ab 2002 hohen Forderungen ausgesetzt. Gleichzeitig entstanden Kosten durch die nicht vollständig entwickelten oder getesteten Gasturbinen GT24 und GT26. Der Vergleich im CE-Fall wurde am 1. April 2006 von einem US-Gericht genehmigt. ABB veräusserte deshalb und zur strategischen Konzentration zahlreiche Bereiche. Dazu gehörten die Kraftwerkssparte: 1999 wurde sie mit Alstom zusammengelegt, 2000 gab ABB mit dem Verkauf seines 50-Prozent-Anteils an Alstom die Sparte vollständig auf. Ebenfalls 2000 wurde Nuclear Systems an British Nuclear Fuels verkauft.
Unter Jörgen Centerman ab 2001 setzte ABB auf Informationstechnologien und Dienstleistungen, doch die Strategie scheiterte; die Aktien verloren zeitweise bis zu 70 % ihres Werts. Der Konzern wurde im Management umgebaut. Unter Jürgen Dormann und später Fred Kindle folgten weitere Desinvestitionen, etwa ABB Gebäudetechnik Schweiz 2004, ABB Vetco Gray 2004 und Lummus Global 2007. ABB nahm seine Aktien 2005 von der Londoner und Frankfurter Börse.
Im Jahr 2000 lieferte ABB im Rahmen einer KEDO-Vereinbarung Ausrüstungen und Dienstleistungen für zwei Reaktoren des nordkoreanischen Kernkraftwerks Kŭmho. KEDO war 1995 von den Regierungen der USA, Japans, Südkoreas und der Europäischen Union gebildet worden.
Entwicklungen seit 2010
Seit 2010 baute ABB besonders Automatisierung, Elektromobilität und Elektrifizierung aus. Übernahmen betrafen unter anderem K-TEK (2010), Baldor Electric für 4,2 Milliarden US-Dollar (2011), Thomas & Betts für 3,9 Milliarden US-Dollar (2012), Tropos (2012), den Solarwechselrichterhersteller Power-One (2013), B&R (2017) und GE Industrial Solutions für 2,6 Milliarden Dollar in den Jahren 2017/2018. ABB investierte auch in Ladeinfrastruktur, etwa in ECOtality und Epyon, und lieferte für Fastned mehr als 200 Terra-Schnellladestationen in den Niederlanden. 2018 wurde ABB Titelsponsor der ABB FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft.
In den 2020er Jahren übernahm ABB unter anderem Cylon Controls, Eve Systems, Real Tech, Meshmind und Sevensense. Die Übernahme von Eve Systems brachte Know-how zu Matter und Thread für Heimautomatisierung und Energiemanagement. 2022 eröffnete ABB nach einer Investition von 150 Millionen US-Dollar eine 67'000 Quadratmeter grosse Robotikfabrik in Shanghai. 2024 vereinbarte ABB zudem die Übernahme des Siemens-Geschäfts für Verdrahtungszubehör in China; dadurch erhielt der Konzern Zugang zu einem Vertriebsnetz in 230 Städten. Im Dezember 2025 schloss ABB die Übernahme des Power-Electronics-Geschäfts von Gamesa Electric ab. Im Juli 2026 kündigte ABB die Übernahme von Rotork für 5,5 Milliarden US-Dollar an.
Heutige Geschäftsbereiche und Anwendungen
ABB gliedert seine Aktivitäten in Elektrifizierung, Prozessautomation und Antriebstechnik. Elektrifizierung umfasst die gesamte Wertschöpfungskette vom Umspannwerk bis zur Verbrauchsstelle. Dazu gehören Lösungen für Nieder- und Mittelspannung, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Solar-Wechselrichter, modulare Umspannwerke, Verteilautomatisierung, Schaltanlagen, Sensoren, Steuerungen und KNX-Systeme für vernetzte Gebäude.
Die Prozessautomation bietet Instrumentierung, Automatisierung und Optimierung industrieller Prozesse sowie Abgasturboaufladung. Sie richtet sich unter anderem an Chemie, Öl und Gas, Energie, Papier und Zellstoff, Wasser und Abwasser, Metalle, Marine, Zement und Tagebau.
Die Antriebstechnik liefert Elektromotoren, Generatoren, Antriebe, Dienstleistungen und digitale Antriebsstrangsysteme. Ein Beispiel ist Azipod, ein 1990 eingeführtes elektrisches Antriebssystem unter dem Rumpf grosser Schiffe, das zugleich Schub und Steuerung übernimmt. Das 2018 vorgestellte Hochleistungsladegerät Terra kann in acht Minuten genügend Strom für 200 Kilometer Fahrstrecke laden.
Die frühere Sparte Robotik und Fertigungsautomation umfasste industrielle Roboter sowie Antriebe und Komponenten. 2015 stellte ABB den kollaborativen Doppelarmroboter YuMi für die Zusammenarbeit mit Menschen vor. Im Oktober 2025 wurde der Verkauf des Industrie-Robotikgeschäfts an SoftBank für 5,4 Milliarden US-Dollar vereinbart; laut Artikel soll der Prozess in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Stromnetze, Standorte und Konzernaufbau
Die ehemalige Stromnetz-Sparte Power Grids bot Produkte, Systeme und Service für Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung. Schwerpunkte waren die Einbindung erneuerbarer Energien, Netzautomatisierung, Mikronetze und Anlagenmanagement. ABB verkaufte 2018 zunächst 80,1 % an Hitachi; die Zusammenarbeit lief zuerst als Hitachi ABB Power Grids. Am 30. Juni 2021 wurde das Joint Venture als Hitachi Energy Ltd. registriert, und 2022 verkaufte ABB die restlichen Anteile.
Der ABB-Konzern umfasst weltweit mehr als 330 konsolidierte Tochtergesellschaften. In der Schweiz beschäftigt ABB rund 3850 Personen und ist an acht Produktions- und Engineeringstandorten tätig: Baden, Baden-Dättwil, Turgi/Untersiggenthal, Schaffhausen, Frauenfeld, Zuzwil, Uster und Quartino. In Deutschland erzielte ABB 2025 3,18 Milliarden Euro Umsatz und hatte etwa 8.800 Beschäftigte; die ABB AG hat ihren Sitz in Mannheim.