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A/V-Verhältnis
Bei gegebenem Volumen weist von allen Körpern die Kugel die kleinste Oberfläche auf. Bei wachsendem Volumen nimmt das A/V-Verhältnis bei allen Körpern ab, da …
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Grundidee und Bedeutung
Das Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis, kurz A/V-Verhältnis, ist der Quotient aus der Oberfläche A und dem Volumen V eines geometrischen Körpers: A/V. Seine Dimension ist 1/Länge.
Bei gegebenem Volumen besitzt die Kugel von allen Körpern die kleinste Oberfläche. Mit wachsendem Volumen nimmt das A/V-Verhältnis bei allen Körpern ab, weil die Oberfläche quadratisch, das Volumen dagegen kubisch, also in der dritten Potenz, wächst. Dadurch haben größere Körper im Verhältnis zu ihrem Volumen weniger Oberfläche.
Das ist unter anderem für die Abkühlung wichtig. Die Abkühlung erfolgt proportional zur Größe der Oberfläche. Da die Oberfläche beim Größerwerden langsamer wächst als das Volumen, kühlen größere Massen langsamer ab als kleine. Dies erklärt auch die im Artikel genannte ökogeographische Beobachtung: Kaiserpinguine in der Antarktis sind größer und behalten dadurch mehr Wärme, während Galápagos-Pinguine nahe dem Äquator Wärme eher abgeben wollen. Dieser Zusammenhang wird mit der Bergmannschen Regel und der Allometrie in Verbindung gebracht.
Skalierung geometrischer Körper
Werden die drei Kantenlängen a, b und c eines Quaders jeweils verdoppelt, vervierfacht sich seine Oberfläche A, während sich sein Volumen V verachtfacht. Für den Quader gilt zunächst:
V₁ = a · b · c
Nach der Verdopplung gilt: V₂ = 2a · 2b · 2c = 8 · a · b · c = 8 · V₁
Die Oberfläche beträgt zunächst: A₁ = 2 · a · b + 2 · b · c + 2 · a · c
Nach der Verdopplung gilt: A₂ = 2 · 2a · 2b + 2 · 2b · 2c + 2 · 2a · 2c = 4 · A₁.
Beim Würfel mit Kantenlänge a lauten die entsprechenden Formeln V₁,W = a · a · a = a³ und A₁,W = 6 · a · a = 6a². Verdoppelt man die Kantenlänge eines Würfels, vervierfacht sich seine Oberfläche und verachtfacht sich sein Volumen.
Dasselbe Skalierungsprinzip gilt für den Zylinder, wenn Durchmesser und Höhe verdoppelt werden. Auch bei einer Kugel verachtfacht sich das Volumen, wenn ihr Durchmesser verdoppelt wird. Große Körper besitzen deshalb eine für die Wärmespeicherung günstigere Relation von Volumen zu Oberfläche.
Physiologische Bedeutung
Der Stoffaustausch einer Zelle erfolgt über ihre Oberfläche. Die Aufnahme und Abgabe von für den Stoffwechsel wichtigen Molekülen findet über die Zellmembran statt, die dabei als Phasengrenzfläche wirkt. Deshalb ist das Verhältnis von Zelloberfläche zu Zellvolumen für die Funktion einer Zelle wichtig.
Je kleiner eine Zelle oder ein Körper ist, desto weniger Volumen besitzt er im Verhältnis zu seiner Oberfläche. Eine stoffwechselaktive Zelle ist daher meist klein, weil bei einem kleinen Zellkörper das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen günstiger ist als bei einer großvolumigen Zelle.
Soll eine Zelle aufgrund evolutionären Drucks gleichzeitig großvolumig und stoffwechselaktiv sein, muss ihre Oberfläche zusätzlich vergrößert werden. Das kann durch Falten oder Ausstülpungen geschehen. Als Beispiel nennt der Artikel den Osteoklasten.
Bei Organismen verschiedener Größe führt das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen zu ökogeographischen Beobachtungen, beispielsweise zur Bergmannschen Regel.
Bedeutung in der Bauphysik
In der Bauphysik und beim Wärmeschutznachweis ist das A/V-Verhältnis eine wichtige Kenngröße für die Kompaktheit eines Gebäudes. Es wird als Quotient aus der wärmeübertragenden Hüllfläche und dem beheizten Gebäudevolumen berechnet. Zur wärmeübertragenden Hüllfläche gehören Flächen, über die ein Gebäude Wärme an die Umwelt abgibt, zum Beispiel Wände, Fenster und Dach.
Ein geringeres A/V-Verhältnis bedeutet bei gleichem Gebäudevolumen eine kleinere wärmeübertragende Außenfläche. Pro Kubikmeter Volumen ist dann weniger Energie erforderlich, um die Wärmeverluste über die Gebäudehülle auszugleichen. Große Gebäude haben naturgemäß kleinere A/V-Verhältnisse als beispielsweise Einfamilienhäuser.
Für Einfamilienhäuser nennt der Artikel typische Werte zwischen 0,8 und 1,0 1/m. Bei großen, kompakten Gebäuden sind Werte bis unter 0,2 1/m möglich.
Beispiele und verwandtes Verhältnis
Für verschiedene Körper werden Oberfläche, Volumen und A/V-Verhältnis angegeben. Bei einer charakteristischen Länge a beziehungsweise beim Radius r gelten:
- Tetraeder: Oberfläche √3 · a², Volumen (√2 · a³)/12, A/V = (6√6)/a ≈ 14,697/a; A/V-Verhältnis pro Raumeinheit: 7,21.
- Würfel: Oberfläche 6a², Volumen a³, A/V = 6/a; pro Raumeinheit: 6.
- Oktaeder: Oberfläche 2√3 · a², Volumen (√2/3) · a³, A/V = (3√6)/a ≈ 7,348/a; pro Raumeinheit: 5,72.
- Dodekaeder: Oberfläche 3√(25 + 10√5) · a², Volumen (1/4)(15 + 7√5) · a³, A/V ≈ 2,694/a; pro Raumeinheit: 5,31.
- Ikosaeder: Oberfläche 5√3 · a², Volumen (5/12)(3 + √5) · a³, A/V ≈ 3,970/a; pro Raumeinheit: 5,148.
- Kugel: Oberfläche 4πr², Volumen 4πr³/3, A/V = 3/r; pro Raumeinheit: 4,836.
Ein analoger Zusammenhang gilt für das Verhältnis von Umfang zu Flächeninhalt bei einer Fläche. Wird der Radius eines Kreises verdoppelt, verdoppeln sich Durchmesser und Umfang, während sich der Flächeninhalt vervierfacht:
U₂ = 2πr₂ = 2U₁ A₂ = πr₂² = 4A₁ U₂/A₂ = (1/2) · (U₁/A₁)
Mit zunehmender Größe nimmt das Verhältnis von Umfang zu Flächeninhalt daher ab, weil der Umfang linear, der Flächeninhalt aber quadratisch wächst.