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99. Sinfonie (Haydn)
Die Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur (Hob. I:99) komponierte Joseph Haydn im Jahr 1793. Das Werk gehört zu den berühmten Londoner Sinfonien und wurde am 10.
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Bedeutung
Joseph Haydns Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur, Hob. I:99, entstand 1793 in Wien oder Eisenstadt. Sie gehört zu den Londoner Sinfonien und wurde am 10. Februar 1794 in den Hanover Square Rooms in London bei den „Salomon’s Concerts“ uraufgeführt, nur fünf Tage nach Haydns Ankunft in London. Die Aufführung war sehr erfolgreich; bei der zweiten Vorstellung musste der erste Satz wiederholt werden.
Die Sinfonie ist Haydns erste von insgesamt fünf Sinfonien mit Klarinetten. Dadurch erweitert sich besonders die Klangfarbe der Holzbläser. Das Werk wurde bald auch in Bearbeitungen für den Hausgebrauch verbreitet, etwa für Klaviertrio, Streichquartett oder Klavier.
Besetzung und Aufbau
Die Sinfonie dauert etwa 25–30 Minuten und ist für zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken sowie Streicher besetzt: zwei Violinen, Viola, Cello und Kontrabass. Bei Londoner Konzerten leitete Haydn seine Sinfonien vermutlich vom Cembalo, ab 1792 auch vom Fortepiano; dies gilt als Hinweis auf ein Continuo, also eine begleitende Grundstimme mit Tasteninstrument.
Sie hat vier Sätze: einen einleitenden schnellen Satz, ein Adagio, ein Menuett mit Trio und ein schnelles Finale. Die Beschreibung mit Begriffen wie Exposition, Durchführung und Reprise ist nur ein Deutungsvorschlag: Das Modell der Sonatensatzform wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt, sodass auch andere Gliederungen möglich sind.
Erster Satz
Der Satz beginnt mit einem Adagio in Es-Dur im 2/2-Takt (Takt 1–18). Kräftige Akkordschläge des gesamten Orchesters wechseln mit einem kurzen Streicher-Motiv. Die Einleitung führt überraschend durch verschiedene Tonarten, unter anderem c-Moll, G-Dur und e-Moll. Ein Unisono-G wird schließlich ohne weitere Überleitung mit dem Dominantseptakkord B-Dur verbunden und öffnet zum folgenden Vivace assai.
Das Vivace assai steht in Es-Dur im 4/4-Takt und umfasst Takt 19–202. Sein erstes, zunächst leise von Streichern gespieltes Thema verbindet ein gebundenes Motiv mit einem staccato gespielten Doppelschlagsmotiv. Nach einer kräftigen Überleitung erscheint in B-Dur ein zweites Thema mit absteigendem Dreiklang und betontem Vorhalt. Die Exposition wird wiederholt.
In der Durchführung werden Motive des ersten und zweiten Themas verarbeitet, in verschiedene Tonarten geführt und zwischen Instrumentengruppen verteilt. Ein Orgelpunkt auf B – ein festgehaltener oder wiederholter Basston – leitet zur verkürzten Reprise über. In der Coda wird besonders das Dreiklangsmotiv des zweiten Themas weitergeführt; kurz vor Schluss kehrt der Kopf des ersten Themas in Flöten und Oboen wieder.
Langsamer Satz und Menuett
Das Adagio steht ungewöhnlich in G-Dur, im 3/4-Takt, und hat 98 Takte. Es wirkt ernst und feierlich und ist von langen, sanglichen Melodiebögen geprägt. Der Satz wurde teilweise als Abschiedsmusik für Haydns Vertraute Marianne von Genzinger gedeutet, die am 26. Januar 1793 in Wien gestorben war.
Das erste Thema beginnt leise in der 1. Violine; Flöte und Oboe antworten echoartig auf seine fragende Schlusswendung. Später übernehmen die Bläser solistisch variiertes Themenmaterial. Das zweite Thema ab Takt 27 hat mit halber Note und anschließender Sechzehntelbewegung einen stärker abschließenden Charakter. Der Mittelteil beginnt in d-Moll und steigert sich bis zum Fortissimo. In der Reprise wird das erste Thema verändert verarbeitet; gegen Ende führen militärartig wirkende Signale von Hörnern und Trompeten zu einer Coda, in der das zweite Thema nochmals erscheint.
Das Menuett steht in Es-Dur im 3/4-Takt und umfasst mit Trio 108 Takte. Klarinetten stellen zu Beginn eine Frage, auf die das Tutti, also das volle Orchester, antwortet. Fallende Akkordbrechungen, Kontraste zwischen piano und forte sowie staccato gespielte Viertel prägen den Satz. Im zweiten Teil werden aufsteigende Dreiklänge und ein Motiv aus Tonwiederholung und kreisender Achtelfigur verarbeitet.
Das Trio steht in C-Dur. Oboe und Violinen tragen eine melancholisch-lyrische, leicht chromatische Melodie vor; im zweiten Teil beteiligt sich das Fagott an der Stimmführung. Die Rückkehr von C-Dur nach Es-Dur ist ohne Unterbrechung ausgearbeitet.
Finale
Das Finale ist ein Vivace in Es-Dur im 2/4-Takt mit 260 Takten. Die Streicher eröffnen leise mit einem achttaktigen, schwungvoll-tänzerischen Thema. Kennzeichnend sind drei „klopfende“ Achtel. Der Anfang ähnelt einem Rondo mit der Folge A–B–A´, doch der weitere Verlauf folgt nicht durchgehend dem klassischen Rondo-Muster.
Nach einem kräftigen Tutti-Block mit virtuosen Läufen, Akzenten und Themenzitaten erscheint ab Takt 56 ein zweites, mit dem Eingangsthema verwandtes Thema. Es wird zunächst von Bläsern, danach von Streichern gespielt und durch fünf Tonwiederholungen sowie eine fallende Figur charakterisiert. Das Eingangsthema kehrt ab Takt 101 wieder.
Der anschließende Tutti-Abschnitt geht in eine Fugato-Passage über: Dabei werden thematische Elemente mehrstimmig und in verschiedenen Tonarten eingesetzt. Der Themenkopf erscheint auch in Umkehrung. Nach Läufen, Blechbläserfanfaren, Akkordschlägen, einer Generalpause und einem kurz zögernden Adagio-Ansatz folgt ab Takt 211 nochmals das zweite Thema. Eine Coda aus schnellen Läufen und Akkordschlägen beendet die Sinfonie. Besonders typisch ist das lebhafte Wechselspiel zwischen Klarinetten, Flöte, Fagotten, Oboen, Hörnern und Streichern.