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6. Sinfonie (Beethoven)

... Musik komponieren wollte, sondern Musik, die Empfindungen über das Landleben ausdrückt. ... Faktisch handelt es sich dabei um eine Terzverwandtschaft …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Pastoraler Stil und Gesamtanlage
  3. 3. Ankunft und Bach
  4. 4. Landleute, Sturm und Dank
  5. 5. Orchesterbesetzung

Werk und Entstehung

Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, die „Pastorale“, entstand 1807/1808 gleichzeitig mit der 5. Sinfonie. Sie ist Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und Andreas von Rasumowski gewidmet, dauert etwa 43 Minuten und ist Beethovens einzige Sinfonie mit fünf Sätzen. Anders als rein absolute Musik besitzt sie einen ausdrücklich programmatischen Bezug: Sie vermittelt Eindrücke eines Menschen in Natur und ländlicher Umgebung.

Vorarbeiten sind ab 1803 nachweisbar; detaillierte Skizzen entstanden 1808, ungefähr zwischen Februar und Juli oder August. Das häufig überlieferte, Anton Schindler zugeschriebene Zitat über die Komposition am Schreiberbach gilt als zweifelhaft; die Sinfonie wurde vermutlich in Wien begonnen. Die 5. und 6. Sinfonie werden wegen ihres gleichzeitigen Entstehens und ihrer gegensätzlichen, einander ergänzenden Anlage oft als „Schwesterwerke“ bezeichnet.

Beethoven nannte das Werk bei der Drucklegung „Pastoral-Sinfonie oder Erinnerungen an das Landleben“ und ergänzte bewusst: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“. Die Musik soll also keine Natur wissenschaftlich oder bloß bildhaft abzeichnen, sondern Gefühle beim Erleben des Landlebens ausdrücken. Dennoch setzt Beethoven Lautmalerei ein, etwa für Bachplätschern, Vogelrufe und Gewitter.

Pastoraler Stil und Gesamtanlage

Pastorale bezeichnet in Kunst und Musik eine idealisierte Natur- und Hirtenwelt. Typisch sind Holzbläser als Anklang an Hirteninstrumente, Bordune (lang ausgehaltene Basstöne oder Quinten wie bei einem Dudelsack), Orgelpunkte, Naturlaut-Imitationen, wiederholte Motive, Terz- und Sextparallelen, einfache Harmonik mit Tonika, Subdominante und Dominante sowie gleichmäßige, wiegende Rhythmen. F-Dur gilt seit dem 17. Jahrhundert als charakteristische Pastorale-Tonart. Viele dieser Merkmale prägen Beethovens Werk.

Die fünf Sätze bilden eine Folge von Situationen: Ankunft auf dem Land, Szene am Bach, ländliches Zusammensein, Gewitter und dankbarer Hirtengesang danach. Die letzten drei Sätze gehen ohne Unterbrechung ineinander über und bilden einen zusammenhängenden Komplex. Das friedliche, kontemplative Finale ist das Ziel der Gesamtanlage; anders als in der 5. Sinfonie steht nicht ein sieghafter Kampf, sondern ein stiller, dankbarer Einklang mit der Natur im Mittelpunkt.

Die Uraufführung fand am 22. Dezember 1808 unter Beethovens Leitung im Theater an der Wien statt. In demselben Konzert erklangen auch die 5. Sinfonie, das 4. Klavierkonzert, Teile der Messe in C-Dur, eine Arie und die Chorfantasie. Das Orchester war unzureichend vorbereitet; das vierstündige Konzert fand zudem in einem bitterkalten Theater statt. Breitkopf & Härtel veröffentlichte 1809 das Stimmenmaterial und 1826 die Partitur.

Ankunft und Bach

Der 1. Satz trägt die Überschrift „Angenehme, heitere Empfindungen, welche bei der Ankunft auf dem Lande im Menschen erwachen“. Er steht in F-Dur, im 2/4-Takt und umfasst 512 Takte; die Tempobezeichnung lautet Allegro ma non troppo, die Metronomangabe von 1817 Halbe = 66. Der Satz folgt grundsätzlich der Sonatensatzform: Exposition 138 Takte, Durchführung 140 Takte, Reprise 139 Takte und Coda 95 Takte. Sein Anfangsmotto erklingt leise über dem Bordun f–c der Bratschen und Violoncelli. Wiederholte Motive, Holzbläserpassagen, Terz- und Sextparallelen sowie vogelähnliche Flötenfiguren schaffen eine heitere, entspannte Stimmung. Besonders wichtig ist die Subdominante; der Satz bleibt fast durchgehend in Dur und endet ungewöhnlich zart im Piano.

Der 2. Satz, „Szene am Bach“, steht in B-Dur, im 12/8-Takt und hat 139 Takte. Andante molto moto ist mit Punktierte Viertel = 50 angegeben. Sechzehntelbewegungen der Violinen, Bratschen und Violoncelli deuten das Fließen des Baches an. Die Kontrabässe spielen meist pizzicato, die übrigen Streicher durchgehend con sordino, also mit Dämpfer. Seufzermotive, parallele Intervalle und Verzierungen verstärken den ruhigen, fließenden Charakter. In der Coda imitiert Beethoven ausdrücklich drei Vogelrufe: Nachtigall in der Flöte, Wachtel in der Oboe und Kuckuck in den Klarinetten. Dabei geht es um ein Stimmungsbild, nicht um naturgetreue Nachahmung.

Landleute, Sturm und Dank

Der 3. Satz heißt „Lustiges Zusammensein der Landleute“. Das Scherzo steht in F-Dur und im 3/4-Takt, das Trio im 2/4-Takt; insgesamt umfasst der Satz 468 Takte. Für das Scherzo gilt Allegro mit Punktierte Halbe = 108, für das Trio In tempo d'Allegro mit Viertel = 132. Beethoven verändert die übliche Menuett-mit-Trio-Form. Ein rustikaler Tanz und die Nachahmung einer Laien-Dorfkapelle prägen den Satz: Die Oboenmelodie wirkt absichtlich taktisch verschoben, während das Fagott fast nur die Töne f–c–F spielt. Nach dem ausgelassenen Presto-Schluss unterbrechen gedämpfte Tremoli der tiefen Streicher plötzlich die fröhliche Musik.

Ohne Pause folgt der 4. Satz „Donner, Sturm“: Allegro, f-Moll, 4/4-Takt, 155 Takte und Halbe = 80. Er ist der kürzeste Satz, besitzt keine traditionelle Form und schildert tatsächlich lautmalerisch Regen, Donner, Blitze und Wind. Motivpartikeln, chromatische Bewegungen, Dissonanzen, Tremoli, Paukenwirbel und wechselnde Dynamik erzeugen Instabilität. Auf dem Höhepunkt treten erstmals Piccoloflöte (Takt 82) und Posaunen (Takt 106) auf. Nach dem Abklingen des Sturms wird das Regenmotiv zur Oboenkantilene; ein choralartiger Schluss in C-Dur führt direkt ins Finale.

Der 5. Satz heißt „Hirtengesang. Wohltätige, mit Dank an die Gottheit verbundene Gefühle nach dem Sturm“. Er steht in F-Dur, im 6/8-Takt, umfasst 264 Takte und ist als Sonatenrondo gestaltet; Allegretto ist mit Punktierte Viertel = 60 angegeben. Eine fünftaktige Klarinettenphrase in C-Dur ähnelt einem ranz des vaches, einem Alphornruf, und entwickelt sich zum liedhaften Hauptthema. Das Motiv kehrt mehrfach wieder und erscheint am Ende solistisch im gedämpften Horn. Nach zwei lauten Schlussakkorden notiert Beethoven eine Fermate über der folgenden Pause, sodass die Sinfonie gedanklich nachklingen kann.

Orchesterbesetzung

Die Besetzung umfasst 1 Piccoloflöte, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in B, 2 Fagotte, 2 Hörner in F und B, 2 Trompeten in C und Es, 2 Posaunen, Pauken sowie I. und II. Violine, Bratsche, geteiltes Violoncello und Kontrabass.

Charakteristisch ist die häufige Verbindung des Streicherapparats mit Holzbläsern und Hörnern. Trompeten erscheinen nur in den Sätzen 3 bis 5, Posaunen nur im 4. und 5. Satz. Piccoloflöte und Pauken werden ausschließlich im Gewittersatz eingesetzt.

Lernvideos zu 6. Sinfonie (Beethoven)

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