Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
3. Sinfonie (Brahms)
Die Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 komponierte Johannes Brahms im Jahr 1883. Johannes Brahms (1889). Inhaltsverzeichnis. 1 Entstehung; 2 Wirkung; 3 Zur Musik.
Inhalt5 Abschnitte
Werk, Entstehung und Einordnung
Johannes Brahms komponierte seine Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 im Jahr 1883. Sie gehört zur absoluten Musik: Brahms und ihre Vertreter wollten Musik nicht nach einem außermusikalischen Programm beurteilen, sondern nach ihren inneren künstlerischen Ansprüchen, in der Tradition der Wiener Klassik.
Über die Entstehung ist fast nichts bekannt; es gibt weder Briefstellen noch Skizzen oder frühere Fassungen. Brahms vollendete das Werk in Wiesbaden, wo er den Sommer 1883 verbrachte. Die Uraufführung leitete Hans Richter am 2. Dezember 1883 in Wien.
Die Sinfonie entstand während des „Musikstreits“ mit der Neudeutschen Schule, deren Vertreter sinfonische Dichtung und Programmmusik als Zukunft der Musik ansahen. Die Aufnahme war bei zeitgenössischen Aufführungen überwiegend, aber nicht ausschließlich positiv. Bei der Wiener Premiere kam es nach jedem Satz zu Zischen von Bruckner- und Wagner-Anhängern; nach Max Kalbeck wurde diese Opposition jedoch vom Beifall des Publikums übertönt. Eine negative Kritik Eduard Bernsdorfs beanstandete dagegen vor allem Zusammenhangslosigkeit, Zerfahrenheit und starken „Blechlärm“.
Besetzung und musikalische Anlage
Die Aufführungszeit beträgt etwa 30–35 Minuten. Vorgesehen sind 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, Kontrafagott, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken sowie I. und II. Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass.
Charakteristisch sind das geringere Gewicht der Sätze 2 und 3 gegenüber den Rahmensätzen 1 und 4 sowie ein Schwanken zwischen Dur und Moll. Die vier Sätze sind motivisch, also durch wiederkehrende kleine musikalische Bausteine, verbunden: Der Kopf des Hauptthemas aus Satz 1 erscheint am Ende des vierten Satzes. Das Thema des zweiten Satzes ab Takt 40 ist mit dem Thema des Finales ab Takt 18 verwandt. Außerdem ähnelt das Hauptthema des dritten Satzes dem Seitenthema des vierten Satzes.
Die Formdeutungen der einzelnen Sätze sind ausdrücklich nur Vorschläge; andere Bezeichnungen, Abgrenzungen und Deutungen sind je nach Standpunkt möglich.
Erster Satz: dramatischer Beginn und ruhiger Ausklang
Der erste Satz steht in F-Dur, im 6/4-Takt und umfasst 224 Takte. Er beginnt mit einem aufsteigenden dreitönigen „Vorhangmotiv“ f – as’’ – f’’’ in den Bläsern. Das ganze Orchester stellt anschließend forte das Hauptthema vor. Dieses besteht aus drei Teilen und verbindet ein fallendes, dreiklangsähnliches „Dreiklangsmotiv“ mit einem auftaktigen Sekundschritt; das Vorhangmotiv liegt dabei im Bass oder erscheint in anderen Stimmen. Im weiteren Verlauf leitet das Vorhangmotiv das Hauptthema stets ein.
Schon zu Beginn wechseln die Tonarten stark: Das Vorhangmotiv lässt die Tonart offen, das Hauptthema führt taktweise von F-Dur über f-Moll zu Des-Dur. Erst am Themenende wird F-Dur erreicht. Nach der Überleitung folgt ab Takt 36 in A-Dur das Seitenthema: ein tänzerisch ausschwingendes Klarinettenthema im 9/4-Takt mit kleinen Intervallschritten und Pizzicato-Streichern. Die Schlussgruppe von Takt 49 bis 72 steigert die Bewegung mit Achtelfiguren, Läufen und Sforzati; die Exposition wird wiederholt.
In der Durchführung, Takt 72 bis 120, wird zunächst das Seitenthema dramatisch verarbeitet. Später treten Vorhangmotiv und Dreiklangsmotiv in ruhigerem Piano und chromatischer Gestaltung auf. Die Reprise ab Takt 120 bringt Hauptthema, verkürzte Überleitung, Seitenthema nun in D-Dur und Schlussgruppe wieder. Eine große Coda ab Takt 181 verarbeitet das zuvor in der Durchführung ausgelassene Hauptthema. In der „Reminiszenz“ ab Takt 216 endet der Satz ruhig mit Vorhangmotiv und geglättetem ersten Teil des Hauptthemas, erstmals in F-Dur.
Zweiter und dritter Satz: Andante und Poco allegretto
Das Andante steht in C-Dur, im 4/4-Takt und hat 134 Takte. Sein A-Teil, Takt 1 bis 62, beginnt mit einem Hauptthema der führenden Holzbläser. Es besteht aus vier ähnlich gebauten Phrasen, auf die die Streicher echoartig antworten. Kennzeichnend ist das „Sekundwechselmotiv“, das zunächst in Takt 2 erscheint. Es wird bis Takt 40 mit Sechzehntelfiguren fortgesponnen und zum Forte gesteigert. Ein Kontrastabschnitt ab Takt 41 enthält ein ruhiges Thema in den Holzbläsern, das mit dem choralartigen Thema des Finales verwandt ist, sowie eine schnellere kurze Wendung.
Im B-Teil, Takt 63 bis 84, verdichten durchlaufende, chromatisch gefärbte Triolen die Bewegung. Das Sekundwechselmotiv, Sechzehntelfiguren und der gedehnte Kopf des Hauptthemas werden verbunden; darunter liegt ab Takt 81 ein Orgelpunkt auf C, also ein lang ausgehaltener oder wiederholter Basston. Der variierte A´-Teil führt das Hauptthema mit Sechzehntelbegleitung von Violinen und Viola wieder. In der Coda übernimmt die Klarinette dessen Kopf, begleitet von düsterer Fagottchromatik und dem Sekundwechselmotiv im tiefen Blech. Max Kalbeck vermutete einen Zusammenhang der Sätze 2 und 3 mit Brahms’ Plänen zu einer Faust-Musik; Christian Martin Schmidt sah Anhaltspunkte dafür besonders im Andante.
Das Poco allegretto steht in c-Moll, im 3/8-Takt und umfasst 163 Takte. Es kann formal als Tanzsatz mit Hauptteil, Trio, Wiederkehr des Hauptteils und Coda gelten, erinnert im Charakter aber eher an einen langsamen Satz als an das sonst übliche Scherzo. Im Hauptteil, Takt 1 bis 53, stellen die Celli das sangliche Hauptthema vor; ab Takt 12 übernimmt die erste Violine. Das Trio, Takt 54 bis 98, steht in As-Dur und verbindet ein Synkopenthema der Holzbläser mit einem kontrastierenden chromatischen Streicherabschnitt. In der Reprise sind gegenüber dem Hauptteil die Rollen von Bläsern und Streichern vertauscht. Die Coda greift das Kopfmotiv des Hauptthemas und die Synkopen des Trios auf. Bei einer Berliner Aufführung am 28. Januar 1884 musste der Satz wiederholt werden.
Vierter Satz: Allegro und zyklischer Schluss
Das Finale steht in f-Moll, im 2/2-Takt (alla breve) und hat 309 Takte. Sein Hauptthema erscheint piano als düstere Melodie im Unisono von Fagott und Streichern; sie umkreist die Quinte C der Haupttonart f-Moll. Der Vordersatz wechselt Viertel- und Achtelbewegung, der Nachsatz ist punktiert. Ab Takt 18 folgt pianissimo ein choralartiges Thema in Klarinette, Fagott und Streichern. Erst Takt 30 setzt das ganze Orchester forte ein; die Überleitung kontrastiert durch schroff gezackte Figuren, große staccatierte Intervallsprünge und den Kopf des Hauptthemas.
Das Seitenthema, Takt 52 bis 62, steht in C-Dur und besteht aus gleichmäßigen Viertel-Triolen. Es wird zunächst von Horn und Cello, danach von Flöte, Oboe, Fagott und erster Violine gespielt. Seine Struktur ist mit dem Hauptthema des dritten Satzes verwandt. Die Schlussgruppe ab Takt 70 ist dramatisch und energisch.
Die Durchführung ab Takt 104 verarbeitet zunächst das Hauptthema und steigert sich nach einer fallenden, zwischen den Instrumenten versetzten Linie zum Forte. Nach einer Generalpause erklingt das Choralthema in den Bläsern über Achtelläufen der Streicher. Die Reprise beginnt in Takt 172 verschleiert: Haupt- und Choralthema werden ausgelassen, und Brahms setzt direkt mit der Überleitung ein. Es folgen Seitensatz, Schlussgruppe und erneut ein Teil des Hauptthemas.
Die umfangreiche, überwiegend ruhig-zurückhaltende Coda ab Takt 250 hat drei Abschnitte. Zuerst verarbeitet sie das ausgelassene Hauptthema, wechselt in Takt 267 nach F-Dur und lässt in Takt 273 in der Oboe sowie in Takt 277 im Horn das Vorhangmotiv des ersten Satzes anklingen. Danach wird das Choralthema verarbeitet. Der letzte Abschnitt, Takt 297 bis 309, verbindet das Vorhangmotiv aus Satz 1 mit dem Kopfmotiv des Finalhauptthemas und bereitet die Wiederaufnahme des Anfangs des Hauptthemas aus Satz 1 vor. Das Allegro endet damit pianissimo.