Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

1. Sinfonie (Mahler)

Zur Musik · 1. Satz: Langsam. Schleppend. Wie ein Naturlaut – Im Anfang sehr gemächlich · 2. Satz: Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell · 3. Satz: Feierlich und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Besetzung und erster Satz
  3. 3. Ländler und Trauermarsch
  4. 4. Finale und musikalischer Stellenwert
  5. 5. Aufführungen und Wirkung

Werk und Entstehung

Gustav Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur ist ein viersätziges Orchesterwerk. Den zeitweiligen Beinamen „Titan“ zog Mahler später zurück. Sie entstand von Januar bis März 1888 in Leipzig; Vorarbeiten reichen bis 1884 zurück. Anregungen erhielt Mahler aus seinem Liederzyklus Lieder eines fahrenden Gesellen von 1885.

Mahler schwankte zunächst zwischen einer sinfonischen Dichtung und einer Sinfonie. Eine ursprünglich geplante Zweiteilung und der zusätzliche, zunächst zweite Satz Blumine entfielen. 1889 erklang das Werk in Budapest noch als Sinfonische Dichtung in zwei Teilen. Erst die Drucklegung von 1899 legte die heute bekannte viersätzige Form fest. Programmatische Titel und ein ausführliches Programm gab Mahler später auf, weil sie das Publikum nach seiner Erfahrung auf falsche Wege führten.

Besetzung und erster Satz

Das Orchester umfasst unter anderem 4 Flöten, 4 Oboen, 4 Klarinetten, 3 Fagotte, 7 Hörner, 5 Trompeten, 4 Posaunen, Basstuba, Pauken mit zwei Spielern, Perkussion, Harfe und Streicher.

Der erste Satz ist ein stark variierter Sonatenhauptsatz, also eine Form mit Vorstellung, Verarbeitung und Wiederkehr musikalischer Gedanken. Seine über 60 Takte lange Einleitung beruht auf einem Orgelpunkt, einem liegen bleibenden Ton, auf A in sieben Oktaven. Fragmenthafte „Naturlaute“ erscheinen; die abfallende Quarte wird zum Urmotiv des ganzen Werkes. Die Exposition entwickelt nur ein Thema: Mahler übernimmt es aus Ging heut morgen übers Feld. Die Durchführung verarbeitet vor allem Einleitungsmotive. Nach einer verkürzten Reprise endet der Satz in einer jubelnden Coda; zugleich wird das Hauptthema des Finales vorbereitet.

Ländler und Trauermarsch

Der zweite Satz ist ein kräftiger, klar gebauter Ländler, ein österreichischer Volkstanz. Er beginnt mit der fallenden Quarte in den tiefen Streichern. Sein Thema greift Elemente des Hauptthemas des ersten Satzes auf. Das lyrische Trio kontrastiert mit dem derben Ländler: Auf ein Hornmotiv folgen eine Streichermelodie und ein kantabler, also gesanglicher, Walzer der Celli. Zum Schluss kehrt der Ländler kürzer und stärker instrumentiert wieder.

Der dritte Satz in d-Moll verwandelt den Volkslied-Kanon „Frère Jacques“ in einen Trauermarsch; verwendet wird die in Teilen Österreichs gesungene Mollvariante. Die Musik wirkt zunächst wie ein langsam heranziehender Zug, zugleich aber grotesk und ironisch. Klezmerartige Motive aus der jüdischen Musikwelt bilden einen plötzlichen Kontrast im ersten Trio. Das zweite Trio zitiert die „Lindenbaum“-Passage aus Die zwei blauen Augen von meinem Schatz. Danach kehrt der Trauermarsch abrupt in es-Moll zurück und verklingt im unheimlichen Pizzicato, also gezupften Spiel, der Bässe im pianissimo.

Finale und musikalischer Stellenwert

Auch das Finale folgt stark verändert der Sonatenhauptsatzform. Es beginnt äußerst hektisch und dynamisch mit einem wilden Orchestermotiv. Daraus entsteht das im ersten Satz vorbereitete Haupt- oder Heldenthema in f-Moll. Ein inniges zweites Thema in Des-Dur beruhigt den Satz. In der Durchführung wird das Hauptthema fragmenthaft verarbeitet und zunächst leise nach Dur gewendet. Nach mehreren Steigerungen erklingt es jubelnd in C-Dur; seine choralartige Erweiterung erscheint vollständig. Schließlich führt ein lange errungener Durchbruch nach D-Dur zur Apotheose, dem feierlichen Höhepunkt: Blechbläser spielen einen Choral, und ein hymnenartiges Tutti beendet die Sinfonie. Hornisten spielen das Schlussthema in vielen Aufführungen stehend.

Die Sinfonie zeigt bereits typische Merkmale von Mahlers Musik: volkstümliche Melodien, ironische Verfremdung, collageartige Motivschichten, schroffe Themenverarbeitung und starke Gegensätze. Das auf eine erlösende Schlussapotheose ausgerichtete Finale wurde für spätere Sinfonien wichtig. Paul Bekker formulierte 1921: „Alle Sinfonien Mahlers sind Finalsinfonien“. Zugleich steht das Werk durch seine klassische Viersätzigkeit und die für Mahler vergleichsweise moderate Besetzung noch nahe bei Beethoven sowie Brahms/Bruckner. Eine spätere, weitergehende Erweiterung von Chromatik und Tonalität ist hier kaum vorhanden.

Aufführungen und Wirkung

Die erste Aufführung leitete Mahler am 20. November 1889 in Budapest, wo er Direktor der Königlich-Ungarischen Oper war. Die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zu Entrüstung und Häme. Karl Kraus berichtete von einer „heftige[n] Schlacht“ zwischen „Mahlerfreunde[n] und Mahlerhasser[n]“. Das Neue Pester Journal sprach Mahler die Fähigkeit zum Sinfoniker ab; Pesti Hírlap lobte die ersten drei Sätze und kritisierte das Finale.

Die Uraufführung in der endgültigen Form als reine Sinfonie fand am 16. März 1896 in Berlin statt. Eduard Hanslick kritisierte besonders das „Schreckensfinale“, bezeugte jedoch auch enthusiastischen Beifall vor allem junger Zuhörer. Heute wird die 1. Sinfonie häufig gespielt. Innerhalb von Mahlers Sinfonien gilt sie als eines der klassisch-romantischsten Werke und als Vorläufer seiner bedeutenderen späteren Sinfonien.

Lernvideos zu 1. Sinfonie (Mahler)

Weiterlesen

Sinfonie Die Sinfonie oder Symphonie (von griechisch σύμφωνος sýmphōnos ‚zusammenklingend', ‚harmonisch') ist eine zentrale Gattung der Instrumentalmusik. Sinfonische Dichtung Sie ist eine Form der Programmmusik und spielt vor allem in der romantischen Musik des 19. Jahrhunderts eine große Rolle. Besonders für das Entstehen der … Jean Paul März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen den … E. T. A. Hoffmann ... goldne Topf wiederbegegnet. Von 1810 an war Hoffmann beim Bamberger Theater als Direktionsgehilfe, Dramaturg und Dekorationsmaler beschäftigt. Nebenbei gab … Programmmusik Programmmusik (von griechisch prógramma, öffentliche schriftliche Bekanntmachung) ist in der Regel Instrumentalmusik, die einem außermusikalischen Programm … Englischhorn Das Englischhorn (auch Englisch Horn) ist ein Holzblasinstrument, ebenso wie das Alt-Instrument (Altoboe) aus der Familie der Oboeninstrumente, das einen … Klarinette Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument mit teils zylindrischer und teils konischer Bohrung. Ihr Mundstück ist wie beim Saxophon mit einem einfachen … Posaune Die Bassposaune wird in der Regel nichttransponierend im Bassschlüssel notiert. Der Tenorschlüssel bildet die Ausnahme, der Altschlüssel kommt, wenngleich … Perkussion (Musik) Instrumente (Auswahl) · Axatse · Bodhrán · Bongos · Cabasa · Cajón · Conga · Chimes · Davul … Harfe Die Harfe ist ein Saiteninstrument und gemäß der Tonproduktion ein Zupfinstrument. Unter den drei Grundtypen der Saiteninstrumente, die in der … Violine Die Violine oder Geige ist ein zu den Kastenhalslauten gehörendes Streichinstrument. Ihre vier Saiten (g – d 1 – a 1 – e 2) werden hauptsächlich mit den … Violoncello Das Violoncello [ˌviolɔn'tʃɛlo], kurz Cello, ist ein aus verschiedenen Holzarten gefertigtes Streichinstrument aus der Viola-da-braccio-Familie.