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Österreichische Musikzeitschrift

Die Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) war eine in Wien erscheinende Monatszeitschrift. Gegründet wurde sie 1946 von dem österreichischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung nach 1946
  3. 3. Wissenschaft und Wissenstransfer
  4. 4. Interpretation, Festivals und Kritik
  5. 5. Herausgabe und Ende

Überblick und Bedeutung

Die Österreichische Musikzeitschrift, abgekürzt ÖMZ, war eine in Wien erscheinende Musikzeitschrift. Sie wurde am 7. Jänner 1946 von dem österreichischen Kulturpolitiker und Musikkritiker Peter Lafite gegründet und erschien bis zu ihrer Einstellung im Februar 2018. Als Fachzeitschrift beschäftigte sie sich mit Musikleben, Musikwissenschaft, Komposition, Interpretation, Kritik, Festivals und Musikpolitik, besonders mit Bezug zu Österreich und Mitteleuropa.

Die Zeitschrift erschien zunächst im Verlag Musikzeit. Bis Ende 2010, dem 65. Jahrgang, wurde sie von Marion Diederichs-Lafite herausgegeben; insgesamt erschienen bis dahin 745 Hefte. Von 2011 bis 2014 erschien die ÖMZ im Böhlau Verlag, seit 2015 im Verlag Hollitzer in Wien. Die Erscheinungsweise wird als zweimonatlich angegeben, die verkaufte Auflage lag bei etwa 1.000 Exemplaren plus Sonderkontingenten. Die Print-ISSN lautete 0029-9316.

Wichtig war die ÖMZ, weil sie über viele Jahrzehnte ein Forum für die österreichische und internationale Musikszene bot. Sie verband Berichte über aktuelle Musik mit wissenschaftlichen Beiträgen, Rezensionen, Gesprächen mit Komponistinnen und Komponisten sowie Themen aus Musiktheater, Konzertleben, Festivals, Interpretation und Musikpädagogik.

Entwicklung nach 1946

Die ÖMZ entstand in der Zeit des Nachkriegsaufbaus. Peter Lafite setzte sich früh mit Musik des 20. Jahrhunderts auseinander, darunter mit Dmitri Schostakowitsch, Benjamin Britten, Claude Debussy, Maurice Ravel, Arthur Honegger und Erich Wolfgang Korngold. Besonders wichtig waren für die Zeitschrift die „Wiener Schule“, Igor Strawinsky, Werner Egk, Carl Orff und Paul Hindemith. Die „Wiener Schule“ bezeichnet hier den Kreis um Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern sowie deren musikalische Nachwirkungen.

Ab 1951 wurde die Zeitschrift mit Dolf Lindner als Redakteur fortgeführt. Beiträge berichteten unter anderem über die Musikszene in Wien, Darmstadt und Donaueschingen. Die ÖMZ unterstützte auch aktiv neue Musik: 1955 sponserte sie einen Kompositionsauftrag an Anton Heiller, 1956 einen Wettbewerb für Jungkomponisten. Die Publikation „Die Wiener Schule“ von 1961 öffnete die Zeitschrift für eine breitere Auseinandersetzung mit dieser Musikrichtung und ihren Nachfolgern.

Ab den 1980er Jahren wurde die Zusammenarbeit mit Komponistenverbänden wie der IGNM und dem ÖKB intensiviert. Themen wie John Cage, Walter Zimmermann, minimal music, experimentelle Oper, Jazz, Improvisation, Elektronik, Tanz, Performance, Film und Libretti wurden einbezogen. Die Zeitschrift begleitete auch neuere österreichische Musik, etwa im Umfeld von „Hörgänge“ und „wien modern“.

Von 1994 bis 2011 wurde die ÖMZ journalistisch und optisch reformiert. Dazu gehörten eigene Herstellung, Web-Zugang über Artikel-Datenbanken und neue Rubriken wie „Echo“ für Uraufführungskritik, „Studio“ für Partitur-Analyse und „Portrait“ zur öffentlichen Diskussion. Nach der Übernahme durch Daniel Brandenburg und Frieder Reininghaus änderte sich das Erscheinungsbild erneut; die Rubriken wurden überarbeitet, darunter „Lehren und Lernen“, „Berichte“, „Festival, Musiktheater, Konzert“, „Rezensionen“, „Jodler und Gstanzln“, „Das andere Lexikon“ und „Zu guter Letzt“.

Wissenschaft und Wissenstransfer

Die ÖMZ war auch eine wissenschaftliche Fachzeitschrift. Verantwortliche der Nationalbibliothek, der Universitäten und der Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Beiträge über Komponisten, Werke, Biographien, Rezeption, Gesamtausgaben, Forschungsförderung und Projekte von Musikergesellschaften. Die Zeitschrift wurde durch RILM, das Répertoire International de Littérature Musicale, international erschlossen. RILM ist ein bibliographisches System, das musikwissenschaftliche Literatur verschlagwortet und auffindbar macht.

Die wissenschaftlichen Beiträge behandelten viele Phasen der Musikgeschichte. Für Barock, Klassik und Romantik erschienen Artikel über Themen und Komponisten wie Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Bruckner, Hugo Wolf und Gustav Mahler. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der „Wiener Schule“ und den geistigen Aufbrüchen um 1900, etwa bei Zemlinsky, Schönberg, Berg, Webern, Hauer, Schreker, Schmidt, Eisler, Krenek und Wellesz. Für die Zeit nach 1945 und die Gegenwart wurden Themen wie Ästhetik, Cage, Minimal Music, Postmoderne und Elektronik behandelt.

In der Erforschung aktueller Musik wurden sowohl wissenschaftlich Lehrende als auch Komponisten kontaktiert, darunter Karlheinz Essl, Beat Furrer, Georg Friedrich Haas, Johannes Maria Staud und Herbert Willi. Regelmäßig berichtet wurde über Gegenwartsmusik bei den Donaueschinger Musiktagen, den Darmstädter Ferienkursen sowie Biennalen in München, Witten oder Venedig.

Ein wichtiges Ziel war Wissenstransfer, also die Weitergabe von Fachwissen an ein größeres Publikum. Dafür standen Beiträge aus Instituten für Musikwissenschaft der Universitäten Wien, Salzburg und Graz sowie besonders der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Themen waren unter anderem Musiksoziologie, Musik in der NS-Zeit, Sprache und Semantik, Analyse, Ästhetik und Hirnforschung. Außerdem erschienen Tonträger-Artikel ab 1966, Buchrezensionen seit 1980 sowie Beiträge zu Operette, Musical und Volksmusik.

Interpretation, Festivals und Kritik

Ein weiterer Schwerpunkt der ÖMZ war die Interpretation, also die Ausführung und Deutung von Musik durch Musikerinnen und Musiker. Die Zeitschrift behandelte den Klang der Philharmoniker, den Wiener Klangstil, Instrumentenbau, besonders das Horn, und die Originalklang-Bewegung. Originalklang meint eine Aufführungspraxis, die sich an historischen Instrumenten und Spielweisen orientiert. Kontakte bestanden zu Dirigenten wie Karl Böhm, Otto Klemperer, Josef Krips, Wilhelm Furtwängler, Clemens Krauss, Bruno Walter, Hans Swarowsky, Michael Gielen, Nikolaus Harnoncourt und Herbert von Karajan.

Auch Gesang, Klavier, Orgel, Streichinstrumente, Kammermusik, Blasmusik und Orchesterfragen wurden behandelt. Die ÖMZ bezog Lehrende der österreichischen Musikuniversitäten sowie Seminare und Kurse ein. Genannt werden unter anderem Interpretationsseminare zur Wiener Schule, Musikseminare der „Internationalen Sommerakademie PragWienBudapest“, Lied-Kurse in Japan und Workshops zur Zwölftonmusik auf der Expo Brüssel 1958. Zwölftonmusik ist eine Kompositionstechnik, bei der alle zwölf Töne der chromatischen Skala geordnet verwendet werden.

Bei den Festivals waren besonders die Salzburger Festspiele wichtig. Die ÖMZ sah sie nach 1945 als Bühne für internationale Sichtbarkeit Österreichs. Bernhard Paumgartner und die Zeitschrift kooperierten bei Förderung und Ausbauprojekten. 1950 formte das Bundesministerium für Unterricht mit Peter Lafite die Gesetzesvorlage zum „Salzburger Festspielfonds“. Außerdem erschienen Sondereditionen und Sonderhefte, etwa zu Tourismus, dem Theater an der Wien, 100 Jahren Wiener Staatsoper und zu Ländern in Mitteleuropa. Englischsprachige Specials zu zwölf europäischen Ländern, Russland und den USA wurden international verbreitet; mit der „Plattform Kultur-Mitteleuropa“ erschien auch eine chinesischsprachige Edition.

Musikkritik war ein Kern der Zeitschrift. Die Familie Lafite hatte bereits zuvor als Musikkritiker in anderen Medien geschrieben. In der ÖMZ wurde Kritik im musikalischen Medienumfeld bewusst als zentrale Aufgabe positioniert.

Herausgabe und Ende

Von der Gründung 1946 bis 1951 wurde die ÖMZ von Peter Lafite herausgegeben. Nach seinem Tod übernahm seine Frau Elisabeth Lafite die Leitung. 1980 übernahm deren Tochter Marion Diederichs-Lafite die Herausgeberschaft und führte die Zeitschrift bis zum Ende des 65. Jahrgangs 2010.

Ab 2011 bestand das Herausgeber- und Redaktionsteam aus Frieder Reininghaus und Daniel Brandenburg als Herausgebern sowie Daniel Ender und Doris Weberberger in der Redaktion. Zuletzt ersetzten Johannes Prominczel und Judith Kemp Ender und Weberberger. Im Februar 2018 wurde die Zeitschrift von den Herausgebern eingestellt.

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