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Tarifvertrag einfach erklärt | Tarifvertragsarten, Tarifautonomie, Friedenspflicht

Berufskolleg Hückeswagen6:22 124.825 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 40 Zeilen
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  1. In einer Welt ohne Tarifverträge würde im Prinzip jeder Arbeitsvertrag einzeln verhandelt werden müssen. Jeder Arbeitnehmer, aber auch jeder
  2. Arbeitgeber würde auf sich alleinestellt sein. Das ist zum einen extrem aufwendig und zum anderen würde es gegebenfalls zu Unruhen innerhalb der Unternehmen und
  3. der Beschäftigten kommen, weil z.B. der Lohn vom Verhandlungsgeschick des Einzelnen abhängen würde. Und damit nicht jeder für sich verhandelt, haben
  4. sich zahlreiche Arbeitgeber zu Arbeitgeberverbänden und zahlreiche Arbeitnehmer zu Gewerkschaften zusammengeschlossen. Die Arbeitgeber auf
  5. der einen Seite und die Gewerkschaften auf der anderen Seite heißen Tarifparteien und sie vereinbaren einen gemeinsamen Tarifvertrag.
  6. Das machen sie. Und jetzt kommt schon die erste wichtige Botschaft. Ganz ohne politische Einmischung. Er sitzen also weder der Wirtschaftsminister noch der
  7. Bundeskanzler mit am Verhandlungstisch. Der Fachbegriff in diesem Zusammenhang heißt Tarifautonomie. Die Tarifparteien verhandeln also komplett selbständig.
  8. Sie dürfen aber die gesetzlichen Regelung nicht unterschreiten. Gilt z.B. ein gesetzlicher Mindestlohn in ganz Deutschland, dann darf in einem
  9. Tarifvertrag kein Lohn unter diesem Mindestlohn vereinbart werden. In der Regel ist der Tariflohn aber deutlich höher als der gesetzliche Mindestlohn.
  10. Natürlich und da sind wir schon beim Thema, wird bei so einem Tarifvertrag auch über Geld gesprochen. Die Ergebnisse werden im sogenannten
  11. Endgeldtarifvertrag festgehalten. Dieser regelt die Vergütung der Arbeitnehmer, also Löhne und Gehälter. In den Medien heißt es dann z.B. Die Tarifparteien
  12. einigen sich auf eine Lohnerhöhung von 3%. Wichtig fürs Verständnis, wenn z.B. ein Lohn vereinbart wurde, dann bildet dieser eine Art Mindestgrenze. Man darf
  13. also höhere Löhne vereinbaren, aber man darf den Tariflohn nicht unterschreiten. Da unsere Welt immer schnellbiger wird, kann man Löhne und Gehälter nun nicht
  14. für, sagen wir mal, 30 Jahre festschreiben. Sie müssen sich auf die wirtschaftliche Lage im Land anpassen können. Wenn es der Wirtschaft richtig
  15. gut geht, können höhere Lohnsteigerung vereinbart werden, als wenn das Land in einer tiefen Krise steckt. Deshalb verhandelt man die Endgeldtarifverträge
  16. in der Regel alle ein bis zwei Jahre neu. Dagegen gibt es bestimmte Regelungen, die nicht jährlich angepasst werden müssen. Arbeitszeit, Anzahl der
  17. Urlaubstage, Arbeitsbedingungen, Regelung zu Probezeit, Kündigungsschutz und so weiter. Deshalb gibt es dazu einen gesonderten Rahmen bzw.
  18. Manteltarifvertrag. Stell dir einfach mal vor, dass alles, was das Arbeitsleben so ausmacht, müsste jedes Jahr neu verhandelt werden. Das
  19. würde viel zu aufwendig sein und die Verhandlung Jahr für Jahr sehr kompliziert machen, weil alles immer wieder neu diskutiert und geregelt
  20. werden muss. Deshalb werden Manteltarifverträge für deutlich länger in der Regel 3 bis 5 Jahre abgeschlossen, aber auch nicht auf ewig,
  21. da sich Gesellschaften und auch der Arbeitsalltag ständig verändern. Stichwort Digitalisierung, lebenslanges Lernen, verstärktes Arbeiten im
  22. Homeoffice. Die Tarifparteien müssen auf diese Veränderung auch im Rahmen der Tarifverträge reagieren können. Was immer wieder Schwierigkeiten bereitet,
  23. ist die Frage, für wen gilt eigentlich der Tarifvertrag? Zunächst einmal, und das ist ganz wichtig, nur für die Mitglieder der Tarifparteien, also auf
  24. der Arbeitgeberseite nur Mitglieder der verhandelnden Arbeitgeberverbände und auf der anderen
  25. Seite nur für Gewerkschaftsmitglieder. Stellt euch nun aber vor, dass tatsächlich nur höhere Löhne für Gewerkschaftsmitglieder gezahlt werden
  26. würden. Dann gebä es natürlich große Unruhen im Betrieb, weil dann für die gleiche Arbeit unterschiedlicher Lohn gezahlt werden würde und darüber hinaus
  27. würden alle Arbeitnehmer dann einer Gewerkschaft beitreten und bei der nächsten Tarifverhandlung würde es für die Arbeitgeber noch schwieriger sein,
  28. ihre Position durchzusetzen. Deshalb ist es in der Praxis meistens so, dass alle Beschäftigten eines Unternehmens den Tariflohn erhalten, unabhängig davon, ob
  29. sie in einer Gewerkschaft sind oder nicht. Das kann man ganz einfach machen, indem man die Regelung des Tarifvertrags mit einem entsprechenden Verweis in den
  30. Arbeitsvertrag aufnimmt. Wichtig dabei ist, dass die Nichtgewerkschaftsmitglieder einfach keinen rechtlichen Anspruch darauf
  31. haben. Auch Arbeitgeber, die nicht im Arbeitgeberverband organisiert sind, übernehmen häufig die Tarifergebnisse, um bei dem Kampf um qualifizierte
  32. Fachkräfte keinen Nachteil zu haben. Aber auch das muss nicht zwingend so sein. Bestimmte Tarifverträge werden so bedeutsam, weil sie das Zusammenleben
  33. zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern so sinnvoll regeln, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass dieser Tarifvertrag möglichst in allen
  34. Unternehmen einer Branche Anwendung findet. Dann kann das Arbeitsministerium und jetzt kommt ein weiterer Fachbegriff diesen Tarifvertrag für allgemein
  35. verbindlich erklären. Dann sind alle Arbeitgeber und alle Arbeitnehmer einer bestimmten Branche an diesen Tarifvertrag gebunden. Während einen
  36. Tarifvertrag läuft, gilt die sogenannte Friedenspflicht, bei der sich die Tarifparteien erklären, die andere Seite in Ruhe oder in Frieden zu lassen. Das
  37. heißt, die Arbeitgeber setzen die Tarifbindung um. Sie zahlen also ganz brav ihre Tariflöhne und die Gewerkschaften rufen nicht zum Streiken
  38. auf. Da wird sozusagen in Ruhe gearbeitet, was ja auch ein wichtiges Ziel von Tarifverträgen ist. Doch wenn die Friedenspflicht vorbei ist, also
  39. wenn ein Tarifvertrag ausläuft oder fristgerecht gekündigt wird, dann muss neu verhandelt werden. die Tarifverhandlung dann genau ablaufen und
  40. vor allem was alles passieren kann, wenn sich die Tarifparteien nicht einig werden, das schauen wir uns gemeinsam im zweiten Video Right.

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