Tarifvertrag einfach erklärt | Tarifvertragsarten, Tarifautonomie, Friedenspflicht Berufskolleg Hückeswagen https://www.youtube.com/watch?v=Ss3qJc1G21o Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In einer Welt ohne Tarifverträge würde im Prinzip jeder Arbeitsvertrag einzeln verhandelt werden müssen. Jeder Arbeitnehmer, aber auch jeder 0:09 Arbeitgeber würde auf sich alleinestellt sein. Das ist zum einen extrem aufwendig und zum anderen würde es gegebenfalls zu Unruhen innerhalb der Unternehmen und 0:20 der Beschäftigten kommen, weil z.B. der Lohn vom Verhandlungsgeschick des Einzelnen abhängen würde. Und damit nicht jeder für sich verhandelt, haben 0:27 sich zahlreiche Arbeitgeber zu Arbeitgeberverbänden und zahlreiche Arbeitnehmer zu Gewerkschaften zusammengeschlossen. Die Arbeitgeber auf 0:35 der einen Seite und die Gewerkschaften auf der anderen Seite heißen Tarifparteien und sie vereinbaren einen gemeinsamen Tarifvertrag. 0:52 Das machen sie. Und jetzt kommt schon die erste wichtige Botschaft. Ganz ohne politische Einmischung. Er sitzen also weder der Wirtschaftsminister noch der 1:00 Bundeskanzler mit am Verhandlungstisch. Der Fachbegriff in diesem Zusammenhang heißt Tarifautonomie. Die Tarifparteien verhandeln also komplett selbständig. 1:09 Sie dürfen aber die gesetzlichen Regelung nicht unterschreiten. Gilt z.B. ein gesetzlicher Mindestlohn in ganz Deutschland, dann darf in einem 1:18 Tarifvertrag kein Lohn unter diesem Mindestlohn vereinbart werden. In der Regel ist der Tariflohn aber deutlich höher als der gesetzliche Mindestlohn. 1:29 Natürlich und da sind wir schon beim Thema, wird bei so einem Tarifvertrag auch über Geld gesprochen. Die Ergebnisse werden im sogenannten 1:38 Endgeldtarifvertrag festgehalten. Dieser regelt die Vergütung der Arbeitnehmer, also Löhne und Gehälter. In den Medien heißt es dann z.B. Die Tarifparteien 1:49 einigen sich auf eine Lohnerhöhung von 3%. Wichtig fürs Verständnis, wenn z.B. ein Lohn vereinbart wurde, dann bildet dieser eine Art Mindestgrenze. Man darf 2:00 also höhere Löhne vereinbaren, aber man darf den Tariflohn nicht unterschreiten. Da unsere Welt immer schnellbiger wird, kann man Löhne und Gehälter nun nicht 2:11 für, sagen wir mal, 30 Jahre festschreiben. Sie müssen sich auf die wirtschaftliche Lage im Land anpassen können. Wenn es der Wirtschaft richtig 2:19 gut geht, können höhere Lohnsteigerung vereinbart werden, als wenn das Land in einer tiefen Krise steckt. Deshalb verhandelt man die Endgeldtarifverträge 2:28 in der Regel alle ein bis zwei Jahre neu. Dagegen gibt es bestimmte Regelungen, die nicht jährlich angepasst werden müssen. Arbeitszeit, Anzahl der 2:38 Urlaubstage, Arbeitsbedingungen, Regelung zu Probezeit, Kündigungsschutz und so weiter. Deshalb gibt es dazu einen gesonderten Rahmen bzw. 2:49 Manteltarifvertrag. Stell dir einfach mal vor, dass alles, was das Arbeitsleben so ausmacht, müsste jedes Jahr neu verhandelt werden. Das 2:57 würde viel zu aufwendig sein und die Verhandlung Jahr für Jahr sehr kompliziert machen, weil alles immer wieder neu diskutiert und geregelt 3:06 werden muss. Deshalb werden Manteltarifverträge für deutlich länger in der Regel 3 bis 5 Jahre abgeschlossen, aber auch nicht auf ewig, 3:15 da sich Gesellschaften und auch der Arbeitsalltag ständig verändern. Stichwort Digitalisierung, lebenslanges Lernen, verstärktes Arbeiten im 3:24 Homeoffice. Die Tarifparteien müssen auf diese Veränderung auch im Rahmen der Tarifverträge reagieren können. Was immer wieder Schwierigkeiten bereitet, 3:35 ist die Frage, für wen gilt eigentlich der Tarifvertrag? Zunächst einmal, und das ist ganz wichtig, nur für die Mitglieder der Tarifparteien, also auf 3:45 der Arbeitgeberseite nur Mitglieder der verhandelnden Arbeitgeberverbände und auf der anderen 3:52 Seite nur für Gewerkschaftsmitglieder. Stellt euch nun aber vor, dass tatsächlich nur höhere Löhne für Gewerkschaftsmitglieder gezahlt werden 4:01 würden. Dann gebä es natürlich große Unruhen im Betrieb, weil dann für die gleiche Arbeit unterschiedlicher Lohn gezahlt werden würde und darüber hinaus 4:10 würden alle Arbeitnehmer dann einer Gewerkschaft beitreten und bei der nächsten Tarifverhandlung würde es für die Arbeitgeber noch schwieriger sein, 4:19 ihre Position durchzusetzen. Deshalb ist es in der Praxis meistens so, dass alle Beschäftigten eines Unternehmens den Tariflohn erhalten, unabhängig davon, ob 4:31 sie in einer Gewerkschaft sind oder nicht. Das kann man ganz einfach machen, indem man die Regelung des Tarifvertrags mit einem entsprechenden Verweis in den 4:40 Arbeitsvertrag aufnimmt. Wichtig dabei ist, dass die Nichtgewerkschaftsmitglieder einfach keinen rechtlichen Anspruch darauf 4:47 haben. Auch Arbeitgeber, die nicht im Arbeitgeberverband organisiert sind, übernehmen häufig die Tarifergebnisse, um bei dem Kampf um qualifizierte 4:56 Fachkräfte keinen Nachteil zu haben. Aber auch das muss nicht zwingend so sein. Bestimmte Tarifverträge werden so bedeutsam, weil sie das Zusammenleben 5:07 zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern so sinnvoll regeln, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass dieser Tarifvertrag möglichst in allen 5:17 Unternehmen einer Branche Anwendung findet. Dann kann das Arbeitsministerium und jetzt kommt ein weiterer Fachbegriff diesen Tarifvertrag für allgemein 5:27 verbindlich erklären. Dann sind alle Arbeitgeber und alle Arbeitnehmer einer bestimmten Branche an diesen Tarifvertrag gebunden. Während einen 5:37 Tarifvertrag läuft, gilt die sogenannte Friedenspflicht, bei der sich die Tarifparteien erklären, die andere Seite in Ruhe oder in Frieden zu lassen. Das 5:47 heißt, die Arbeitgeber setzen die Tarifbindung um. Sie zahlen also ganz brav ihre Tariflöhne und die Gewerkschaften rufen nicht zum Streiken 5:56 auf. Da wird sozusagen in Ruhe gearbeitet, was ja auch ein wichtiges Ziel von Tarifverträgen ist. Doch wenn die Friedenspflicht vorbei ist, also 6:04 wenn ein Tarifvertrag ausläuft oder fristgerecht gekündigt wird, dann muss neu verhandelt werden. die Tarifverhandlung dann genau ablaufen und 6:14 vor allem was alles passieren kann, wenn sich die Tarifparteien nicht einig werden, das schauen wir uns gemeinsam im zweiten Video Right.