Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften
Komparative Theologie bedeutet, interreligiösen Dialog aus der Binnenperspektive der Religionen heraus zu führen. sonst oft vernachlässigten religionsbezogenen …
Inhalt5 Abschnitte
Aufgabe und Ansatz
Das Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK) ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung der Universität Paderborn. Es wurde im November 2009 gegründet. Sein Grundgedanke ist, unterschiedliche Theologien und Kulturwissenschaften in einem Forschungsverbund zusammenarbeiten zu lassen. Die Beteiligten sollen sich als gleichberechtigte Partner begegnen und sich durch verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Methoden bereichern.
Im Mittelpunkt steht die komparative Theologie. Sie führt interreligiösen Dialog aus der Binnenperspektive der Religionen, also aus deren eigener Sicht. Theologinnen und Theologen arbeiten dabei wissenschaftlich an konkreten Themen zusammen. Ziel ist, voneinander zu lernen sowie Unterschiede anzuerkennen und zu respektieren. Dies unterscheidet sich von der Vergleichenden Religionswissenschaft, die Religionen aus einer Außensicht vergleicht.
Das ZeKK erweitert diesen Ansatz durch kulturwissenschaftliche Perspektiven. Dadurch rücken auch gesellschaftliche und kulturelle Themen in den Blick; Wechselwirkungen zwischen Religionen, Kultur und Gesellschaft können untersucht werden. Die beteiligten Theologien entwickeln sich dabei im Spannungsverhältnis von Innen- und Außenperspektive. Kulturwissenschaften greifen zudem religionsbezogene Fragen auf, die sonst oft vernachlässigt werden, etwa Islam in der Literatur.
Verankerung und Leitung
Das ZeKK ist in der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn verankert. Beteiligt sind besonders die Institute für Evangelische und Katholische Theologie, das Pnina Navè Levinson-Seminar für Jüdische Studien, das Paderborner Institut für Islamische Theologie (PIIT) und fast alle vertretenen Kulturwissenschaften.
Ein Schwerpunkt ist der Dialog zwischen Christentum, Islam und Judentum. Auch Buddhismus-Studien und weitere Weltreligionen werden als dialogische Gesprächspartner einbezogen. Eine Kooperation besteht mit dem EKŌ-Haus der Japanischen Kultur in Düsseldorf. Unterstützt wird das ZeKK unter anderem durch den Verein „Paderborn überzeugt“ und durch regionale Vernetzung mit Religionsgemeinschaften, beispielsweise über das Paderborner Forum der Religionen und die „Schura Paderborn“.
Ein Vorstand leitet das Zentrum, eine Geschäftsführung betreut es. Von 2009 bis 2021 war der katholische Theologe Klaus von Stosch Vorsitzender. Seit 2021 hat der islamische Theologe Zishan Ghaffar den Vorsitz.
Ziele und Arbeit in der Gesellschaft
Das ZeKK will die Dialogfähigkeit der Religionen fördern und einen wertschätzenden Umgang miteinander entwickeln. Der Dialog von Religionen und Theologien soll der Vernunft verpflichtet sein. Er soll emanzipatorische Potenziale für demokratische Systeme freisetzen, den sozialen Zusammenhalt im Einsatz für Benachteiligte stärken und friedliches Zusammenleben fördern.
Die Forschung soll die Beiträge einzelner Religionen und die Wechselwirkungen verschiedener Disziplinen für die Gesellschaft sichtbar machen. Dazu organisiert das ZeKK Forschungskooperationen, dialogische Co-Teaching-Seminare, Sommerschulen, Studienreisen, Ringvorlesungen, Podiumsdiskussionen und internationale Konferenzen.
Wissenstransfer in die Gesellschaft ist ebenfalls wichtig. Das Zentrum wirkt in die Paderborner Zivilgesellschaft hinein, etwa durch interreligiöse Veranstaltungen, Lesungen in der Innenstadt und öffentliche Ringvorlesungen. Es betreibt einen gemeinsamen Blog sowie das Interviewformat „ZeKK live – 45 Minuten mit …“ mit Gästen aus Religion, Politik und Gesellschaft.
Studienangebote und Schule
Seit dem Wintersemester 2009/2010 kann an der Universität Paderborn im Zwei-Fach-Bachelor das Fach „Komparative Theologie der Religionen“ studiert werden. Seit dem Wintersemester 2014/2015 gibt es darauf aufbauend den Masterstudiengang „Theologien im Dialog“ als Anteilsfach des Zwei-Fach-Master-Studiengangs „Kultur und Gesellschaft“.
Studierende können die Studienanteilsfächer mit verschiedenen Schwerpunkten belegen oder Zertifikate in theologischer Dialogkompetenz erwerben. Auch Lehramtsstudierende der Theologie profitieren, wenn sie Veranstaltungen anderer theologischer Disziplinen besuchen. Sie sollen den Gedanken komparativ-theologischer Dialogfähigkeit später als Multiplikatoren an Schulen weitertragen.
Digitale Kooperationsplattform
Das Forum für Komparative Theologie ist eine gemeinsame digitale Kooperationsplattform des ZeKK und des International Center for Comparative Theology and Social Issues (CTSI) der Universität Bonn. Beide gelten im Artikel als zentrale Standorte komparativer Theologie in Deutschland.
Mit Partnern aus der Welt der Religionen, darunter dem House of One in Berlin, stellt das Forum interreligiöse Begegnungsformate sowie Lehr- und Lernmaterialien bereit. Es ist Teil eines Verbundprojekts der Universitäten Paderborn und Bonn zum Transfer komparativer Theologie in die Gesellschaft und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) gefördert.