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Yoga Vidya

Yoga Vidya ist Vertreter des in Deutschland populären Sivananda Yoga, der vier verschiedene Heilswege des Yoga kennt: Karma, Bhakti, Raja und Jnana, wozu auch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Aufbau
  2. 2. Entwicklung
  3. 3. Lehre und Gemeinschaftsleben
  4. 4. Mitarbeit und Berufsverbände
  5. 5. Kritik und rechtliche Konflikte

Einordnung und Aufbau

Yoga Vidya e. V. ist ein eingetragener Verein, ein großer Anbieter von Yogakursen und Yogaausbildungen und zugleich eine neureligiöse Gemeinschaft. Zum Angebot gehören außerdem Kurse zu Ayurveda, Spiritualität und alternativen Gesundheitsthemen. Der Hauptsitz liegt in Bad Meinberg, einem Stadtteil von Horn-Bad Meinberg in Ostwestfalen-Lippe.

Der Verein betreibt in Deutschland vier Seminar- und Retreathäuser, die er als Ashrams bezeichnet. Hinzu kommen insgesamt mehr als 70 Yogaschulen in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Österreich. Einige Stadtzentren führt der Verein selbst; die meisten sind Kooperationszentren mit Franchise-Vertrag. Bis 2025 absolvierten 25.000 Menschen eine von Yoga Vidya zertifizierte Yogalehrerausbildung.

Yoga Vidya vertritt den in Deutschland verbreiteten Sivananda Yoga. Dieser unterscheidet vier Yogawege: Karma Yoga, den Weg des selbstlosen Handelns; Bhakti Yoga, den Weg der Hingabe; Raja Yoga, den Weg der Geisteskontrolle und Meditation; sowie Jnana Yoga, den Weg der Erkenntnis. Dazu gehören auch Hatha Yoga, das vor allem mit Körperübungen arbeitet, und Pranayama, die yogische Atemlehre.

Die Angaben des Artikels zu Geschichte, Lehre und Berufsverbänden sind laut Wikipedia-Hinweis nicht ausreichend belegt oder vorhandenen Belegen nicht eindeutig zugeordnet.

Entwicklung

Volker Bretz, innerhalb der Gemeinschaft unter dem spirituellen Namen Sukadev bekannt, eröffnete 1992 gemeinsam mit Eva-Maria Kürzinger das erste Yoga-Vidya-Zentrum als „Yoga-Center am Zoo“ beim Zoo Frankfurt. 1995 gründete Bretz den heutigen Träger, den Yoga Vidya e. V.

Bretz hatte zuvor etwa zwölf Jahre den Internationalen Sivananda-Yoga-Vedanta-Zentren angehört und war dort einige Jahre Swami, also hinduistischer Mönch. Diese von Vishnudevananda (1927–1993) gegründete Organisation prägte das anfängliche Konzept von Yoga Vidya: Yogazentren in Städten, Seminarhäuser auf dem Land und eine Gemeinschaft freiwilliger Mitarbeiter. Diese sogenannten Karmayogis oder Sevakas sollten gegen Kost und Logis arbeiten. Der Yogaunterricht in den Städten bildete die wichtigste Einnahmequelle und vermittelte Interessierte an längere Aus- und Weiterbildungen sowie Retreats. Später bezeichnete Bretz Yoga Vidya zugleich als Gegenentwurf zu den Sivananda-Zentren, unter anderem wegen der angestrebten demokratischen Ausrichtung und der Klärung der Sozialversicherung der Mitarbeiter.

Bis Dezember 2019 wurde Vishnudevananda in den Zentren als Guru verehrt. Nachdem gegen ihn öffentlich mehrfach Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegenüber Schülerinnen und Mitarbeiterinnen erhoben worden waren, distanzierten sich Yoga Vidya und Bretz von ihm.

1996 eröffnete der Verein auf einem gekauften Landgut in Oberlahr im Westerwald ein Seminarhaus. 2003 erwarb er drei infolge der Gesundheitsreform von 1996 insolvent gewordene ehemalige Kurkliniken in Horn-Bad Meinberg und eröffnete dort das Seminarhaus Bad Meinberg. Nach weiteren Zukäufen 2009 und 2019 kann es täglich bis zu 1000 Übernachtungsgäste aufnehmen. Mit mehr als 120.000 Übernachtungen pro Jahr zählt es laut Artikel zu den größten Bildungsinstituten Deutschlands. Aus einem 2008 erworbenen Bauernhof entstand das Seminarhaus Nordsee; ein 2013 gekauftes ehemaliges Naturfreundehaus in Maria-Rain wurde zum Seminarhaus Allgäu.

Lehre und Gemeinschaftsleben

Die von Bretz begründete Lehre wird als „(neo)hinduistisch“ beschrieben. Anfangs standen Yoga, Meditation und Atemübungen im Mittelpunkt. Nach 2011 öffnete sich das Angebot stärker für moderne Esoterik, darunter „natur-feministische“ und neoschamanische Vorstellungen sowie zeitgenössische Ernährungstrends.

Die Grundprinzipien nennen religiöse und spirituelle Ziele im Sinne der New-Age-Bewegung. Dazu gehören die möglichst weite Verbreitung des Yoga für Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und spirituelles Wachstum, ein schnelles spirituelles Wachstum ernsthafter Aspiranten, das Setzen von „Lichtpunkten im Lichtnetz der Erde“ sowie Freude am Üben und Leichtigkeit im Leben. Weitere Ziele sind Weltfrieden und „Gottverwirklichung“.

Yoga Vidya versteht sich als Teil einer Guru Parampara, also einer geistlichen Lehrer-Schüler-Tradition. Diese wird auf Sivananda (1887–1963) zurückgeführt, einen hinduistischen Mönch, dessen neo-hinduistische und neo-vedantische Lehren das moderne Yoga stark beeinflussten. In seinem Ashram in Rishikesh wurden Mönche wie Vishnudevananda ausgebildet. Dessen internationale Sivananda-Zentren beeinflussten wiederum Yoga Vidya maßgeblich.

Die Seminarhäuser gelten als Ashrams, also klosterähnliche Zentren für Yoga und Meditation. Langjährige Mitglieder können sich zum Swami, das heißt zum hinduistischen Mönch beziehungsweise zur Nonne, weihen lassen. Mitglieder und Gäste sollen strenge spirituelle Regeln einhalten: vegetarische oder vegane Ernährung, Verzicht auf Alkohol und andere Rauschmittel auch außerhalb des Ashrams sowie regelmäßige Teilnahme an Yogastunden und Satsangs. Ein Satsang ist hier eine religiöse Zeremonie mit Mantra-Singen und Vortrag. Die Yoga-Vidya-Grundreihe, eine festgelegte Abfolge von Asanas beziehungsweise Yogahaltungen, entspricht weitgehend den zwölf Grundhaltungen des Sivananda Yoga beziehungsweise der Rishikesh-Reihe.

Mitarbeit und Berufsverbände

Die Mitglieder, die für Yoga Vidya arbeiten, heißen Sevakas, also „Dienende“, und verstehen ihre Tätigkeit als selbstlosen Dienst. Sie erhalten keine oder nur eine geringe Bezahlung in Form eines Taschengeldes; der Verein übernimmt ihre Lebenshaltungskosten. Yoga Vidya vertritt die Auffassung, dass es sich bei der religiösen, klosterähnlichen Gemeinschaft um Mitglieder und nicht um gewöhnliche Arbeitnehmer handele. Diese Einordnung wurde jedoch arbeitsgerichtlich zurückgewiesen.

Yoga Vidya bietet verschiedene Yogalehrerausbildungen an. Absolventinnen und Absolventen können dem Berufsverband der Yoga Vidya Lehrerinnen beitreten. Dieser bezeichnete sich mit nach eigener Angabe 5.000 Mitgliedern im Dezember 2022 als größten deutschen Berufsverband für Yogalehrende. Daneben bestehen der Berufsverband der Yoga Vidya Gesundheitsberaterinnen, Kursleiterinnen und Therapeutinnen (BYVG) und der Berufsverband der Yoga und Ayurveda Therapeut*innen (BYAT).

Kritik und rechtliche Konflikte

Kritiker werfen Yoga Vidya wegen seiner Größe, seiner Ausbildungsangebote und seines Franchisesystems eine Monopolstellung auf dem deutschen beziehungsweise europäischen Yogamarkt vor. Ein SPIEGEL-Artikel nannte 2012 jährlich 800 bis 1000 Ausbildungsabsolventen. Das Handelsblatt stellte 2016 angesichts von Millionenumsätzen die Gemeinnützigkeit des Vereins infrage.

Besonders umstritten sind die Arbeitsbedingungen der Sevakas. Das Bundesarbeitsgericht entschied 2023, Yoga Vidya sei keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft, die den Mindestlohn und andere gesetzliche Schutzbestimmungen umgehen dürfe. Eine Verfassungsbeschwerde mit dem Ziel, keinen Mindestlohn zahlen zu müssen, wurde Mitte 2024 abgelehnt. Zwei Frauen hatten zwischen 2012 und 2020 für monatlich 390 Euro Taschengeld jeweils 42 Stunden pro Woche gearbeitet. Weil ihnen Mindestlohn zustand, erhielten sie jeweils 42.000 Euro Nachzahlung. Die Gesamtansprüche wären höher gewesen, doch Mindestlohnansprüche verjähren nach drei Jahren. 2024 beantragte der Verein beim Land Nordrhein-Westfalen die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts, um Kirchenstatus zu erhalten und laut Artikel eine Insolvenz zu verhindern.

Kritisiert wird außerdem das vom Verein betriebene „Yogawiki“. Es ähnelt Wikipedia und vermittelt den Eindruck einer neutralen Enzyklopädie, enthält aber zahlreiche Werbelinks, bevorzugt die Sicht von Yoga Vidya und dient teilweise der Selbstdarstellung. Eine öffentliche Bearbeitung ist nicht möglich.

Während der Corona-Pandemie berichteten Medien über Überschneidungen zwischen der Yoga- und der Querdenker-Szene. Genannt wurden ein nicht namentlich bezeichneter, bei Yoga Vidya etablierter Lehrer sowie die im Umfeld des Vereins verorteten Musiker André Maris und Janin Devi. Der Vorstand bekannte sich 2020 in zwei Stellungnahmen zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Er erklärte zugleich, politische Beteiligung des Vereins entspreche nicht seiner Satzung, während Mitglieder sich innerhalb dieser Grundordnung persönlich politisch äußern dürften.

Ein weiterer Vorwurf betrifft die religiöse Selbstdarstellung: Yoga Vidya lege seine hinduistische Prägung und mögliche missionarische Ziele nicht offen, sondern spreche vor allem von Spiritualität und der Einheit aller Religionen. Dem stehe der verpflichtende Tagesablauf mit hinduistischen Ritualen wie Mantra-Singen, Gebeten, Pujas, Homas und Satsang gegenüber.

Nach Medienberichten arbeiteten Freiwillige von 2017 bis 2019 am Umbau einer ehemaligen Klinik in Bad Meinberg, obwohl das Gebäude mit Asbest, Schimmel und Mineralwolle belastet gewesen sein soll. Sie seien nicht ausreichend informiert und geschützt worden. Berichten zufolge war bei der Sanierung durch freiwillige „Karma-Yogis“ und Sevakas eine Einsparung von 370.000 Euro vorgesehen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete im März 2024 über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Yoga Vidya weist die Vorwürfe zurück und verweist auf veröffentlichte baubiologische Gutachten.

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