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Wortbetonung in der spanischen Sprache
Wenn das Wort auf einen Vokal oder den Konsonanten „n“ bzw. „s“ endet und kein Akzentzeichen trägt, dann wird die vorletzte Silbe betont. Wenn das Wort dagegen …
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Grundprinzipien der Wortbetonung
Die Wortbetonung bezeichnet die hervorgehobene Silbe eines gesprochenen Wortes. Spanisch hat einen freien beziehungsweise beweglichen Wortakzent: Die Betonung ist nicht fest an eine bestimmte Silbe gebunden und kann Bedeutungen unterscheiden. So bedeuten término ['tér-mi-no] „Frist“, termino [ter-'mi-no] „ich beende“ und terminó [ter-mi-'nó] „er/sie beendete“ beziehungsweise „Sie beendeten“.
Jedes mehrsilbige Wort besitzt einen prosodischen Akzent, also eine hörbare Betonung. Der orthografische Akzent gibt diese Betonung bei Bedarf schriftlich durch einen Akut über dem betonten Vokal wieder: á, é, í, ó, ú. Aus der Schreibung eines spanischen Wortes lässt sich dadurch seine Aussprache eindeutig herleiten.
Für Wörter ohne geschriebenen Akzent gelten zwei Grundregeln:
- Endet ein Wort auf einen Vokal oder auf „n“ beziehungsweise „s“, wird die vorletzte Silbe betont, zum Beispiel amiga [a-'mi-ga], joven ['jo-ven] und nosotros [no-'so-tros].
- Endet es auf einen anderen Konsonanten, wird die letzte Silbe betont, zum Beispiel amistad [a-mis-'tad], hotel [ho-'tel] und bailar [bai-'lar].
Weicht die tatsächliche Betonung von diesen Regeln ab, zeigt normalerweise ein Akzentzeichen die betonte Silbe an, etwa in camión [ca-'mión], café [ca-'fé], fútbol ['fút-bol] und víctima ['víc-ti-ma]. Die besonderen Regeln für Diphthonge und Hiatus haben dabei Vorrang.
Nach der Lage des Wortakzents unterscheidet man Oxytona mit Betonung auf der letzten Silbe, Paroxytona auf der vorletzten, Proparoxytona auf der drittletzten und Superproparoxytona auf der viertletzten Silbe. Möglich ist sogar die Betonung auf der fünftletzten Silbe, etwa bei castíguesemelo. Am häufigsten ist im Spanischen die vorletzte, am zweithäufigsten die letzte Silbe betont.
Regeln für die Akzentschreibung
Die spanische Rechtschreibung unterscheidet vier Wortarten nach der Position der betonten Silbe:
- Aguda: Betonung auf der letzten Silbe.
- Llana oder grave: Betonung auf der vorletzten Silbe.
- Esdrújula: Betonung auf der drittletzten Silbe.
- Sobreesdrújula: Betonung auf der viertletzten Silbe.
Aguda-Wörter erhalten kein Akzentzeichen, wenn sie auf einen anderen Konsonanten als „n“ oder „s“ enden, etwa papel [pa-'pel], recordar [re-cor-'dar] und niñez [ni-'ñez]. Enden sie dagegen auf einen Vokal, „n“ oder „s“, muss die Betonung der letzten Silbe markiert werden: bebé [be-'bé], sofá [so-'fá] und revolución [re-vo-lu-'ción]. Ohne Akzent würde nach der Grundregel die vorletzte Silbe betont.
Llana-Wörter stehen normalerweise ohne Akzent, wenn sie auf einen Vokal, „n“ oder „s“ enden, etwa farmacia [far-'ma-cia], trabajan [tra-'ba-jan] und zapato [za-'pa-to]. Enden sie auf einen anderen Konsonanten, brauchen sie ein Akzentzeichen, wenn trotzdem die vorletzte Silbe betont wird: árbol ['ár-bol], carácter [ca-'rác-ter], lápiz ['lá-piz] und trébol ['tré-bol].
Esdrújula- und Sobreesdrújula-Wörter werden immer mit einem Akzentzeichen geschrieben. Beispiele sind médico ['mé-di-co], teléfono [te-'lé-fo-no], informática [in-for-'má-ti-ca], dígaselo ['dí-ga-se-lo] und cuéntamelo ['cuén-ta-me-lo]. Sobreesdrújulas kommen nur in Zusammensetzungen vor. Für die Rechtschreibung genügt deshalb die gemeinsame Regel: Eine Betonung auf der drittletzten Silbe oder noch weiter vorne wird immer markiert.
Betonung und Akzentschreibung werden für Spanien verbindlich von der Real Academia Española geregelt. Die Sprachakademien der spanischsprachigen Länder Lateinamerikas haben diese Regeln übernommen.
Silben und Vokalverbindungen
Für die Silbentrennung gilt: Jede Silbe muss mindestens einen Vokal enthalten. Ein einzelner Konsonant zwischen zwei Vokalen gehört zur zweiten Silbe. Bei zwei aufeinanderfolgenden Konsonanten gehört der erste zur vorderen und der zweite zur hinteren Silbe. Die Verbindungen ll, rr, ch, bl, cl, fl, gl, kl, pl, br, cr, dr, fr, gr, kr, pr und tr werden nicht getrennt. Bei drei Konsonanten gehören die ersten beiden zur vorderen und der dritte zur hinteren Silbe; bei vier Konsonanten werden jeweils zwei der vorderen und zwei der hinteren Silbe zugerechnet.
Ein Diphthong ist eine Verbindung zweier Vokale, die gemeinsam eine Silbe bilden. „i“ und „u“ sind schwache beziehungsweise geschlossene Vokale, „a“, „e“ und „o“ starke beziehungsweise offene Vokale. Die Verbindung eines schwachen mit einem starken Vokal bildet normalerweise einen Diphthong; der starke Vokal trägt den Silbenton, etwa in deuda ['deu-da], hueco ['hue-co], miedo ['mie-do] und italiano [i-ta-'lia-no].
Soll stattdessen der schwache Vokal betont werden, erhält er ein Akzentzeichen. Dadurch wird der Diphthong aufgelöst und es entsteht ein Hiatus: eine Folge zweier Vokale, die zu verschiedenen Silben gehören. Beispiele sind día ['dí-a], guía ['guí-a], aún [a-'ún], grúa ['grú-a] und librería [li-bre-'rí-a]. Diese Hiatus-Regel hat Vorrang vor den allgemeinen Regeln. Deshalb trägt das Llana-Wort oído [o-'í-do] trotz seiner Endung auf einen Vokal einen Akzent. Ebenso erhalten Aguda-Wörter wie ataúd, baúl, freír, maíz, país und raíz wegen des Hiatus einen Akzent.
Zwei starke Vokale bilden ebenfalls einen Hiatus und werden getrennt gesprochen, zum Beispiel caoba [ca-'o-ba], teatro [te-'a-tro] und real [re-'al]. Die beiden schwachen Vokale „i“ und „u“ können dagegen einen Diphthong bilden. Liegt der Wortton auf dieser Verbindung, wird der zweite Vokal betont, etwa in diurno, huir, triunfo und viuda. Soll der erste Vokal den Ton tragen, wird die Verbindung durch einen geschriebenen Akzent aufgelöst.
Ein Triphthong verbindet drei Vokale zu einer Silbe: zwei schwache Vokale um ein betontes „a“ oder „e“. Liegt die Betonung nicht auf diesem starken Vokal, wird ein Akzent geschrieben und der Triphthong löst sich. Beispiele sind acusaríais [a-cu-sa-'rí-ais], averiguáis [a-ve-ri-gu-'áis] und miau ['miau].
Bedeutungsunterscheidender Akzent
Der diakritische Akzent, spanisch acento diacrítico oder tilde diacrítica, unterscheidet in der Schriftsprache gleichlautende Wörter mit verschiedener Bedeutung. Bei einsilbigen Wörtern markiert der Akzent daher nicht die normale Wortbetonung. Einsilbige Wörter ohne gleichlautendes Wort anderer Bedeutung werden ohne Akzent geschrieben.
Wichtige Gegenüberstellungen sind:
- dé, eine Form von dar, gegenüber de „von“;
- él „er“ gegenüber el „der, die, das“;
- más „mehr“ oder „plus“ gegenüber mas „aber, jedoch“;
- mí „mir, mich“ gegenüber mi „mein, meine“;
- sé, eine Form von ser oder saber, gegenüber se „sich“;
- sí „ja“ gegenüber si „wenn, ob“;
- té „Tee“ gegenüber te „dir, dich“;
- tú „du“ gegenüber tu „dein, deine“;
- sólo „nur“ gegenüber solo „allein“;
- aún im Sinne von todavía, „noch“, gegenüber aun „sogar“;
- porqué „Grund“ gegenüber porque „weil, Begründung“, wobei sich hier auch die Betonung unterscheidet.
Akzent bei Fragen und Ausrufen
Der emphatische Akzent kennzeichnet Frage- und Ausrufewörter auf ihrer betonten Silbe. Dazu gehören adónde „wohin?“, cómo „wie?“, cuál „welcher?“, cuándo „wann?“, cuánto „wie viel?“, dónde „wo?“, por qué „warum?“, qué „was?“ und quién „wer?“.
Der Akzent steht sowohl in direkten als auch in indirekten Fragen und Ausrufen. Beispiele für indirekte Fragen sind Quiso saber cuánto era. („Er/sie wollte wissen, wie viel es kostet.“) und Me preguntó cómo me llamaba. („Er/sie hat mich gefragt, wie ich heiße.“).
Entscheidend ist die grammatische Funktion: ¿Cuándo tienes tiempo? enthält das Fragewort cuándo, während cuando in Iremos cuando quieras. („Wir gehen, wann du möchtest.“) keinen Akzent trägt. Ebenso stehen ¿Cómo está usted? und ¿Dónde está Miguel? den nicht fragenden Verwendungen como in Miguel es como tú. und donde in Quédate en el lugar donde estás. gegenüber. Bei por qué bezeichnet die getrennte, akzentuierte Form eine Frage, etwa ¿Por qué no tienes tiempo?; porque leitet dagegen eine Begründung ein, etwa No lo hace porque no tiene tiempo.