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Wirtschaft Rumäniens

Die Wirtschaft Rumäniens erzielte 2024 nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ein nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 384 Mrd. US-Dollar, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wirtschaft im Überblick
  2. 2. Wirtschaftsstruktur und Industrie
  3. 3. Tourismus und Verkehr
  4. 4. Börse und Kapitalmärkte
  5. 5. Außenhandel und internationale Einbindung
  6. 6. Transformation, Reformen und Krisen

Wirtschaft im Überblick

Rumänien gehört seit der wirtschaftlichen Öffnung zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas. Die Weltbank klassifiziert das Land als Volkswirtschaft mit oberem Einkommensniveau. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Gesamtwert der im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, lag 2024 nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds bei 384 Milliarden US-Dollar nominal und bei 889 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität (PPP). Das entspricht 20.278 US-Dollar nominal pro Kopf und 46.906 US-Dollar nach PPP. Im Fließtext des Artikels werden die 46.906 pro Kopf dagegen als Euro angegeben.

2024 wuchs die Wirtschaft um 0,9 %, die Inflationsrate betrug 5,6 %. Es gab 8,263 Millionen Erwerbstätige; die reale Erwerbsquote lag bei 46,2 %. Die öffentliche Verschuldung entsprach 57,2 % des BIP, die Staatseinnahmen 31,1 % und die Staatsausgaben 39,8 %. Der Haushaltssaldo betrug −8,6 % des BIP.

Zwischen 1990 und 2021 stieg das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf um 364 %. Im Global Competitiveness Index 2019 belegte Rumänien Platz 51 von 141 Ländern, im Index für wirtschaftliche Freiheit 2018 Platz 37 von 180 Ländern. Die Währung ist der rumänische Leu (RON); im Artikel wird ein Umrechnungskurs von 1 RON = 0,2245 EUR genannt.

Wirtschaftsstruktur und Industrie

Rumäniens Wirtschaftsstruktur wandelt sich von traditionellen Industriezweigen zu technisch anspruchsvolleren Produkten. Maschinenbau, Metallurgie, Chemie, Ölindustrie und Petrochemie bleiben wichtig. Besonders zukunftsträchtig gelten Ausrüstungen und Anlagen, Schiffbau, Kraftfahrzeuge und die Kfz-Zulieferindustrie. Wegen hochqualifizierter Fachkräfte entwickelte sich auch die IT- und Softwarebranche stark. Weitere erwartete Wachstumsfelder sind Umweltsektor, Telekommunikation, Energie und allgemeine Technologie.

Nach den aktuellen Kennzahlen entfielen 2021 4,35 % des BIP auf die Landwirtschaft, 27,78 % auf die Industrie und 58,2 % auf Dienstleistungen. 2020 arbeiteten 21,2 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 30,1 % in der Industrie und 48,5 % im Dienstleistungssektor. Für 2014 nennt der Artikel dagegen einen Industrieanteil von etwa 33,2 % am BIP und 28,9 % der Arbeitnehmer sowie einen Dienstleistungsanteil von 64,4 % am BIP und 42,8 % der Arbeitnehmer. Die unterschiedlichen Angaben beziehen sich auf verschiedene Jahre.

Zu den wichtigen produzierenden Branchen zählen Lebensmittel- und Metallverarbeitung, Druck- und Verlagswesen, Maschinenbau, Elektronik, Eisenindustrie, Schiffbau, Brauwesen, Textil- und Bekleidungsindustrie, Zement, Chemie und Arzneimittel. Die Textil- und Bekleidungsindustrie beschäftigte etwa 350.000 Menschen und erzeugte ungefähr ein Viertel der Exporte; sie versucht, sich wegen der Konkurrenz aus China, Indien und Vietnam vom Billiglohnsegment zu lösen.

Rumänien exportiert unter anderem Textilien, Leder, Holz, landwirtschaftliche Produkte, Düngemittel, mechanische und elektrotechnische Geräte sowie Maschinen. Angebaut werden beispielsweise Sonnenblumen, Weizen, Flachs, Sojabohnen, Reis, Wein und Obst. Das Land verfügt über Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Eisenerze, Bauxit, Gold, Silber und Uran. Die Erdölverarbeitung ist einer der wichtigsten Industriezweige.

Tourismus und Verkehr

Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. 2015 erwirtschaftete er 8,3 Milliarden US-Dollar, 3,4 % mehr als 2014. Die Zahl der Gäste betrug 17,6 Millionen, darunter 9,3 Millionen aus dem Ausland; insgesamt entsprach dies einem Zuwachs von 15,5 %. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Zahl der Touristen kontinuierlich zu. Die meisten ausländischen Besucher kamen 2015 aus Moldawien, Ungarn, Bulgarien, der Ukraine und Deutschland.

Ein geplanter Dinosaurierpark im Kreis Hunedoara entstand nach einem Fossilienfund. Das Projekt eines Dracula-Parks bei Sighișoara wurde durch eine Bürgerinitiative verhindert und sollte anschließend in der Nähe von Bukarest umgesetzt werden. Es scheiterte, weil die Regierung keine Investoren fand.

Rumänien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mittel- und Osteuropa. Seit Januar 2005 gilt auf allen Straßen eine Vignettenpflicht für Pkw und Lkw. Die Rovinietă ist online, an Grenzübergängen und an vielen Tankstellen erhältlich. Einige Donaubrücken sind zusätzlich mautpflichtig. Die Donau ist die wichtigste Wasserstraße; wichtige Häfen sind Brăila, Galați und Giurgiu. Constanța ist der bedeutendste Seehafen.

Börse und Kapitalmärkte

Unternehmen nutzen Kapitalmärkte, um beispielsweise Fabrik- und Bürogebäude, Forschung und Entwicklung sowie andere Aktivitäten zu finanzieren. Kapital stammt unter anderem von Rentenversicherungen, Versicherungsgesellschaften, Banken, Stiftungen, Hochschulen und zunehmend auch von Einzelpersonen. Laut Artikel besaßen etwa 52 % der Haushalte Aktien, gegenüber 32 % im Jahr 1989.

Die größten und meistgehandelten Unternehmen werden an der Bukarester Börse (BVB) notiert. Viele Wertpapiere wurden am Rasdaq gehandelt, dem Romanian Association of Securities Dealers Automated Quotation System, einem elektronischen Kommunikationsnetz der Wertpapierhändler. Rasdaq wurde 2005 von der BVB übernommen. Auch die Derivatebörse SIBEX gehört nach einer Übernahme zum Dach der BVB.

Ein Aufschwung des Aktienmarkts und der leichtere Zugang zu Aktien führten in den 1990er Jahren zu einer stärkeren Beteiligung der Bevölkerung. Das jährliche Handelsvolumen an der Bukarester Börse stieg von 40 Millionen Aktien 1990 auf 900 Millionen Aktien 1998.

Außenhandel und internationale Einbindung

Die Wirtschaft ist stark vom Export und damit von der Weltkonjunktur abhängig. 2024 exportierte Rumänien Waren und Dienstleistungen im Wert von 136,3 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 159,6 Milliarden Euro. Daraus ergab sich eine Außenhandelsbilanz von −23,3 Milliarden Euro. Zu den Exportgütern gehören Maschinen, Kraftwagen und Textilwaren; wichtige Exportpartner waren 2023 Deutschland mit 19 %, Italien mit 10 % und Frankreich mit 6 %. Importiert wurden vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse und mineralische Produkte. Bei den Importpartnern entfielen 2024 auf Deutschland 19 %, auf Italien 8 % und auf Ungarn 8 %.

Rumänien ist Mitglied der Europäischen Union, der WTO, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Außerdem bestehen beziehungsweise bestanden Wirtschaftsbeziehungen zur EFTA, zur Zusammenarbeit der Schwarzmeer-Anrainerstaaten, zur Black Sea Bank for Trade and Development und zum internationalen Zollpräferenzsystem der 16. Rumänien hatte seit 28. Juni 2001 Beobachterstatus im Landwirtschaftsausschuss der OECD. Das EFTA-Handelsabkommen wurde durch das EU-Assoziierungsabkommen außer Kraft gesetzt; dieses gilt trotz des späteren EU-Beitritts fort.

Transformation, Reformen und Krisen

Zur Zeit der Rumänischen Revolution 1989 lag das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf bei etwas unter 5.000 US-Dollar. Die Privatisierung der Industrie begann 1992. Von mehr als 6.300 staatlichen Unternehmen wurden jeweils 30 % der Aktien auf fünf Investmentfonds übertragen, deren Gutscheine den Bürgern zugeteilt wurden; die übrigen 70 % kamen in den staatlichen Fonds FPS. Weitere Unternehmen und Besitztümer wurden direkt verkauft. Der Anteil der Beschäftigten im Industriesektor sank von etwa 40 % im Jahr 1990 auf etwa 25 % im Jahr 1999. 1995–1996 folgte eine weitere Privatisierungsrunde. Aus dem FPS wurde Ende 2000 unter Adrian Năstase die Behörde APAPS; seit 2004 war AVAS für weitere Privatisierungen zuständig. Seit 2005 besteht außerdem der börsengehandelte Entschädigungsfonds Fondul Proprietatea. Bedeutende Verkäufe waren 2001 Sidex Galați an Mittal Steel, im Juli 2004 die Mehrheitsbeteiligung von OMV an PETROM und 2005 61,88 % der BCR an die Erste Bank für 3,75 Milliarden Euro.

In den 1990er Jahren herrschte hohe Inflation; 1993 erreichte sie 256,1 % pro Jahr. Im September 2003 kostete ein Euro mehr als 40.000 Lei (ROL). Am 1. Juli 2005 wurden 10.000 Lei (ROL) in einen neuen Leu (RON) umgewandelt. Im Mai 2007 betrug der Kurs 3,28 Lei je Euro, vor der Umstellung 32.800 Lei je Euro. Seit dem 1. Januar 2007 galten nur noch die neuen Scheine und Münzen.

Am 1. Februar 1993 schloss Rumänien ein Abkommen mit der EU, am 22. Juni 1995 beantragte es die Mitgliedschaft. Die Beitrittsverhandlungen liefen 2000–2004 unter Vasile Pușcaș. Der Beitrittsvertrag wurde am 25. April 2005 unterzeichnet, der EU-Beitritt erfolgte am 1. Januar 2007. Zu den Auflagen gehörte die Bekämpfung der Korruption.

Am 29. Dezember 2004 führte die Regierung unter Călin Popescu-Tăriceanu einen einheitlichen Steuersatz von 16 % auf Einkommen und Unternehmensgewinne ein. Das BIP verdoppelte sich 2004–2007. Das Wachstum betrug 2004 8,3 %, 2005 8,1 % und seit 2001 durchschnittlich 6 %. Gleichzeitig stieg das Außenhandelsdefizit 2006 auf 9,07 Milliarden Euro; die Importe betrugen 53,09 Milliarden, die Exporte 45,6 Milliarden Euro. Die Arbeitslosenquote sank von 10,5 % im Jahr 2000 auf 5,9 % im Dezember 2005. Popescu-Tăriceanu nannte 2006 die Euro-Einführung bis 2012 als Ziel. Im Immobilienbereich wurden Enteignungen von 1945 bis 1989 nur teilweise wiedergutgemacht; dafür gilt unter anderem das Häuserrestitutionsgesetz Nr. 10 vom 8. Februar 2001.

Ab Mitte 2008 wirkte sich die internationale Finanz- und Bankenkrise auf die Realwirtschaft aus. 2009 erhielt Rumänien von EU, IWF sowie in kleinerem Umfang Weltbank und Europäischer Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Kredite von insgesamt 20 Milliarden Euro. Im Gegenzug wurden wirtschaftspolitische Maßnahmen verlangt, darunter die Erhöhung der Umsatzsteuer von 19 % auf 24 % und die Kürzung staatlicher Einkommen um 25 %. Die Überweisungen von etwa 2 Millionen Auslandsrumänen, vor allem in Spanien und Italien, sanken; 2008 hatten sie fast 6 Milliarden Euro beziehungsweise rund 3,5 % des BIP betragen. Das BIP schrumpfte 2009 um 6,6 % und auch 2010. 2013 wuchs die Wirtschaft um 3,5 %. Im ersten Halbjahr 2014 kam es zu einer technischen Rezession, im dritten Quartal 2014 jedoch saisonbereinigt zu 1,9 % Wachstum, dem höchsten Wert in der EU. 2017 wuchs die rumänische Wirtschaft um 6,9 %.

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