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Wirtschaft Kanadas
Bei weitem wichtigster Handelspartner sind die USA mit 76,4 % der Exporte und 65,0 % der Importe im Jahr 2007. Kanada belegt nach der EU, den USA, Japan und …
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Wirtschaftliche Grundlagen
Kanada gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt und ist Mitglied der WTO, OECD, des IWF, der Weltbank und der G7. Es gilt als soziale Marktwirtschaft, weist aber einen großen wirtschaftlichen Handlungsspielraum auf. Im Index für wirtschaftliche Freiheit der Heritage Foundation lag Kanada 2017 auf Platz 7. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegte es 2017–18 Platz 14 von 137 Ländern. Im Index der menschlichen Entwicklung, der auch nichtökonomische Faktoren berücksichtigt, lag Kanada 2016 auf Platz 10 von 188 Ländern.
Die Volkswirtschaft wird wie in anderen entwickelten Ländern vom Dienstleistungssektor dominiert. Der Anteil des Primärsektors ist wegen des Reichtums an natürlichen Ressourcen und ihrer Ausbeutung jedoch überdurchschnittlich hoch. Der Außenhandel ist besonders wichtig: Die Exporte entsprachen 36,7 % und die Importe 32,8 % des BIP. Der Handel ist weitgehend frei; nur in wenigen Schlüsselbereichen sind ausländische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschränkt.
Nach den Angaben für 2024 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,241 Billionen USD nominal und 2,623 Billionen USD nach Kaufkraftparität (PPP). Das BIP pro Kopf lag bei 54.473 USD nominal beziehungsweise 63.760 USD nach PPP. Kanada rangierte 2020 nominal auf Platz 9 der Weltwirtschaft. Für 2016 nennt der Artikel dagegen ein nominales BIP von 1.529,760 Mrd. US-Dollar (Platz 10), ein BIP nach Kaufkraftparität von 1.682,503 Mrd. internationalen Dollar (Platz 16) und ein BIP pro Kopf von 42.225 US-Dollar (Platz 18). Die unterschiedlichen Werte ergeben sich aus den verschiedenen Bezugsjahren und Messgrößen.
Rohstoffe, Landwirtschaft und Fischerei
Der Bergbau spielt wegen des Rohstoffreichtums eine bedeutende Rolle. Kanada ist weltweit größter Produzent von Zink, Uran, Kaliumcarbonat, Kadmium, Schwefel und Nickel. Beim Abbau von Aluminium, Titan, Kobalt, Molybdän, Gold und Blei liegt es jeweils an dritter Stelle. Rund 80 % der geförderten Rohstoffe werden hauptsächlich in die USA exportiert.
Die Vorkommen sind regional ungleich verteilt. Eisenerz wird vollständig in Neufundland und Labrador sowie im Nordwesten von Québec abgebaut. Gold und Kupfer stammen vor allem aus dem Norden Ontarios, Kohle aus Alberta, British Columbia und Nova Scotia. Diamanten werden in den Nordwest-Territorien und Uran in Saskatchewan abgebaut. Québec liefert ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Asbest; in Labrador liegt das weltweit größte Nickel-Vorkommen.
Auch die Forstwirtschaft ist wegen der großen Waldflächen wichtig. Ihre Schwerpunkte liegen in British Columbia, Ontario und Québec. Kanada ist weltweit größter Produzent von Holzschliff, Zellstoff, Papier und Pappe. In den östlichen Provinzen wird außerdem Ahornsirup hergestellt. Die Abhängigkeit von Rohstoffen prägt besonders dünn besiedelte nördliche Siedlungen, deren Existenz oft direkt von Mineralien- oder Holzvorkommen abhängt. Die ungleiche Verteilung der Bodenschätze führt zu unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen und starkem Regionalismus, bindet Kanada durch den Export aber zugleich eng an die Weltwirtschaft.
Nur 8 % der Staatsfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Trotzdem gehört Kanada zu den weltweit wichtigsten Exporteuren landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die fünf Hauptgruppen sind Getreide und Ölsaaten (34 % der Agrarerträge), Fleischprodukte und lebendes Vieh (27 %), Milchwirtschaft (12 %), Obst und Gemüse aus dem Gartenbau (9 %) sowie Geflügel und Eier (8 %). Getreide, Ölsaaten, Fleisch und Vieh sind hauptsächlich für den Export bestimmt; die übrigen Gruppen dienen überwiegend dem Heimmarkt. Die Landwirtschaft ist stark technisiert und mechanisiert. Farmen in den Prärien umfassen durchschnittlich über 300 ha, Betriebe in Ostkanada durchschnittlich weniger als 100 ha.
Die meisten Landwirte müssen sich ohne staatliche Subventionen auf dem internationalen Markt behaupten. Heimmarktprodukte werden durch Importzölle geschützt. Exportorientierte Landwirtschaft konzentriert sich auf die Prärieprovinzen, während im Osten überwiegend für den Heimmarkt produziert wird. Eine Ausnahme ist der Weinbau in Ontario; Kanada ist weltweit größter Exporteur von Eisweinen.
Die Fischereiwirtschaft nutzt die reichen Fischgründe des Pazifiks und Atlantiks. Exportiert werden unter anderem Lachs, Kabeljau, Amerikanischer Hummer und Hering. Nova Scotia erzielt 30 % der Erträge, British Columbia und Neufundland jeweils 20 %. Die Neufundlandbank gehört zu den ertragreichsten Fischgründen der Welt. Binnenfischerei ist weniger bedeutend und überwiegend Sportfischerei. Pelztierfang und Pelztierzucht sind weiterhin bedeutsam, aber stark rückläufig.
Industrie und Energie
Auf Grundlage seiner Rohstoffe besitzt Kanada eine breit gefächerte Industrie. Schwerpunkte sind Automobil- und Flugzeugbau, Metallindustrie, Nahrungsmittelverarbeitung sowie Holz- und Papierverarbeitung. Bedeutend sind außerdem die chemische und elektrotechnische Industrie; der Hightech-Bereich gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Industrie war historisch gegenüber anderen Sektoren nachrangig, weshalb Kanada in den 1970er- und 1980er-Jahren weniger stark von der Deindustrialisierung betroffen war als andere Industrienationen.
Rund drei Viertel aller Industriebetriebe liegen in Ontario und Québec. Dort konzentriert sich vor allem die Endfertigung, während in den übrigen Provinzen die Zwischenverarbeitung von Rohstoffen dominiert. Eine wichtige Rolle spielen Zweigbetriebe der amerikanischen und japanischen Automobilindustrie sowie Zulieferer. Gründe für die Ansiedlung sind der hohe Bildungsstand und ein etwas niedrigeres Lohnniveau als in den USA. Eigenständige kanadische Industriekonzerne sind in der Minderheit.
Kanada ist eines der wenigen entwickelten Länder, die Nettoexporteure von Energie sind. Die wichtigsten Erdöl- und Erdgasvorkommen liegen in Alberta sowie teilweise in British Columbia und Saskatchewan. Die Athabasca-Ölsande im Norden Albertas enthalten nach Venezuela und Saudi-Arabien die weltweit drittgrößten Erdölreserven. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelte sich außerdem die Atlantikregion, besonders Neufundland und Labrador, durch Offshore-Bohrungen zu einem Zentrum der Erdöl- und Erdgasförderung.
Erdöl wird über Pipelines transportiert; wichtige Raffineriestandorte sind Edmonton, Montreal und Sarnia. Wasserkraft ist besonders in Québec, British Columbia und Ontario, aber auch in Alberta und Manitoba, in großer Menge verfügbar. In Ontario befinden sich 16 der 18 aktiven Kernreaktoren Kanadas.
Ein innenpolitisches Spannungsfeld entsteht durch die regionale Verteilung: Das größte Energieangebot liegt im dünn besiedelten Westen, die größte Nachfrage im Süden Ontarios und Québecs. Der Transport von Erdöl aus Alberta in die USA ist günstiger als in den Osten Kanadas. Deshalb müssen Ontario und Québec große Mengen Erdöl importieren. Das National Energy Program sollte Alberta zu günstigen Lieferungen nach Ostkanada zwingen, scheiterte aber nach dem Einbruch der Erdölpreise Mitte der 1980er Jahre.
Dienstleistungen, Finanzmarkt und Tourismus
Der Dienstleistungssektor beschäftigt rund drei Viertel aller Erwerbstätigen und erwirtschaftet etwa zwei Drittel des BIP. Den größten Anteil haben Groß- und Einzelhandel, gefolgt vom Finanzwesen mit Banken, Versicherungen und Immobilien. Diese Bereiche konzentrieren sich in großen Städten wie Toronto, Calgary und Montreal. Sieben der zehn größten kanadischen Unternehmen gehören zum Banken- und Versicherungsbereich.
Das Bildungs- und Gesundheitswesen steht fast vollständig unter staatlicher Kontrolle. Informationstechnik und Unterhaltungsbranche gewinnen an Bedeutung. Der Tourismus ist der fünftgrößte Wirtschaftszweig; die überwiegende Mehrheit der Touristen kommt aus den USA.
Kanada verfügt über mehrere Wertpapierbörsen und Handelsplätze. Zu den bekanntesten zählen die Toronto Stock Exchange und die Canadian Securities Exchange. Die Leitindizes sind der S&P/TSX 60 und der S&P/TSX Composite Index.
Kanada ist ein bedeutendes Reiseziel für Natur- und Abenteuerreisen. 2024 kamen rund 19,9 Millionen Touristen. Zu den wichtigsten Anziehungspunkten gehören die Rocky Mountains, der Moraine Lake und die Niagarafälle. Toronto, Vancouver und Montreal werben außerdem mit Architektur und Historie. Der Tourismus trug 2024 rund 50,8 Milliarden Dollar zum kanadischen BIP bei und sicherte direkt über zwei Millionen Arbeitsplätze.
Regionale Unterschiede
Zwischen den Provinzen und Territorien bestehen große Unterschiede. Ontario, die bevölkerungsreichste Provinz, würde im Vergleich mit anderen Ländern Platz 25 der größten Volkswirtschaften der Welt einnehmen. Die BIP-Werte der Territorien sind dagegen mit denen kleinerer Inselstaaten vergleichbar und liegen teilweise unter den Werten kanadischer Städte.
Auch das BIP pro Kopf ist sehr ungleich verteilt. In Alberta ist es hauptsächlich wegen der Erdölindustrie mehr als doppelt so hoch wie in Prince Edward Island. Die Bundesregierung erhebt deshalb Ausgleichszahlungen von reicheren Provinzen, insbesondere Ontario und Alberta, und verteilt sie an ärmere Provinzen. Québec ist in absoluten Zahlen seit jeher der größte Empfänger. British Columbia und Saskatchewan liegen häufig zwischen Zahlen und Empfangen. Neufundland und Labrador verzeichnete seit Beginn des 21. Jahrhunderts wegen mehrerer Offshore-Erdölprojekte ein überdurchschnittliches BIP-Wachstum und sollte ab dem Fiskaljahr 2008 keine Ausgleichszahlungen mehr erhalten. Die Territorien sind wegen der hohen Lebenshaltungskosten im arktischen Klima besonders stark auf Ausgleichszahlungen angewiesen.
Für 2007 werden unter anderem folgende Werte genannt: Ontario erzielte ein BIP von 582.019 Mio. kanadischen Dollar und einen Anteil von 38,00 %; Québec kam auf 298.157 Mio. und 19,47 %, Alberta auf 259.941 Mio. und 16,97 %. Beim BIP pro Kopf lagen die Nordwest-Territorien mit 107.511 kanadischen Dollar an der Spitze, gefolgt von Alberta mit 74.825; Prince Edward Island lag mit 32.741 am niedrigsten.
Kennzahlen, Währung und Freihandel
Der kanadische Dollar (CAD) ist die nationale Währung und wird von der Bank of Canada ausgegeben. Ein Dollar ist in 100 Cents unterteilt. Die Wechselkurstabelle für 2000 bis 2007 zeigt eine markante Wertsteigerung gegenüber dem US-Dollar: 2000 entsprach 1 CAD durchschnittlich 1,485 US-Dollar, 2007 waren es 1,074 US-Dollar. Für 1 USD wurden 2000 C$ 0,674 und 2007 C$ 0,936 angegeben.
Die aktuellen makroökonomischen Kennzahlen lauten: Inflationsrate 2,4 %, Gini-Index 31,5, 20,72 Mio. Erwerbstätige und eine Arbeitslosenquote von 6,4 % (jeweils 2024). Die öffentlichen Schulden betrugen 110,8 % des BIP, die Staatseinnahmen 42,6 % und die Staatsausgaben 44,7 % des BIP (2024). Die Erwerbstätigen verteilten sich 2000 auf Dienstleistungen (74 %), Industrie (23 %) und Landwirtschaft (3 %). Für 2016 nennt der Artikel beim BIP Anteile von 1,6 % Landwirtschaft, 27,7 % Industrie und 70,7 % Dienstleistungen; das Wachstum betrug 2017 3,0 %.
Die Kennzahlenreihe für 1980 bis 2021 verwendet US-Dollar nach Kaufkraftparität. Das BIP stieg von 288,7 Mrd. US-Dollar 1980 auf 2.025,0 Mrd. 2021. Das reale Wachstum war 1982 −3,2 %, 2009 −2,9 % und 2020 −5,2 %; 2021 folgte ein Wachstum von 4,5 %. Die Arbeitslosenquote erreichte 1993 11,4 % und 2020 9,6 %. Die Staatsverschuldung lag 1996 bei 100,2 %, sank 2007 auf 66,9 % und stieg 2020 auf 117,8 %, bevor sie 2021 112,9 % betrug.
In Kraft befindliche Freihandelsabkommen bestehen mit den USA und Mexiko im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (seit 1994), mit Israel und Chile (je seit 1997), Costa Rica (seit 2002), der EFTA mit Island, Norwegen, der Schweiz und Liechtenstein (seit 2008), der Andengemeinschaft mit Peru (seit 2009) und Kolumbien (seit 2011), Jordanien (seit 2012), Panama (seit 2013) sowie der EU im Rahmen von CETA (seit 2017). Laufende Verhandlungen betreffen Südkorea, die Dominikanische Republik, Singapur, die Karibische Gemeinschaft, Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua, die Amerikanische Freihandelszone, die Ukraine, Japan und China.