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Wirtschaft Israels
Wirtschaftsdaten · $ 390,7 Milliarden (Total, 2019) (34.) · $ 291 Milliarden (KKP) (55.) · $ 43.199 (BIP/Einw. (nominal, 2019)) (26.) · $ 35.658 (BIP/Einw. (KKP)) ( …
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Grundprofil und aktuelle Kennzahlen
Israel ist ein hoch entwickelter, technologisch fortgeschrittener Industriestaat und seit Mai 2010 Mitglied der OECD. Die Wirtschaft verbindet eine kapitalistische Marktwirtschaft mit einem Staatsanteil von etwa 40 %. Besonders stark ist das Land in Hochtechnologie, Militärtechnik und Finanzen. 2023 lag Israel nach dem Bruttoinlandsprodukt weltweit auf Rang 27; beim Index der menschlichen Entwicklung belegte es ebenfalls Rang 27 von 193 Staaten und gehörte zur Kategorie „sehr hoch entwickelt“.
Die Währung ist der Neue Israelische Schekel (ILS), unterteilt in 100 Agorot. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 540,4 Mrd. US-Dollar, nach Kaufkraftparität 537,7 Mrd. US-Dollar. Das BIP je Einwohner lag bei 54.191 US-Dollar nominal beziehungsweise 53.928 US-Dollar nach Kaufkraftparität. Die Wirtschaft wuchs um 0,9 %, die Inflation betrug 3,1 % und die Arbeitslosenquote 3,2 %. Von 4,71 Mio. Erwerbstätigen arbeitete nach der angegebenen älteren Sektorverteilung der größte Teil im Dienstleistungsbereich.
Die öffentlichen Schulden erreichten 2024 67,8 % des BIP, der Haushaltssaldo lag bei −8,3 %. Für 2023 werden Staatseinnahmen von 162,5 Mrd. US-Dollar und Staatsausgaben von 188,9 Mrd. US-Dollar genannt. Ältere Zahlen im Artikel weichen wegen ihrer jeweiligen Bezugsjahre deutlich ab.
Entwicklung vom Staatsaufbau zur Marktwirtschaft
Vor der Staatsgründung entstanden landwirtschaftliche, industrielle und soziale Strukturen, besonders in Kibbuzim, Moschawim und Kooperativen. Der arabische Boykott von 1936 zwang den Jischuw, die jüdische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets, stärker eigenständige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen. Nach der Unabhängigkeit 1948 litt Israel unter Rohstoff-, Wasser- und Landmangel, schwacher Infrastruktur, regionaler Blockade, hohen Verteidigungskosten und der Aufgabe, sehr viele Einwanderer aufzunehmen.
Von 1948 bis 1952 sicherte ein Notstandsprogramm die Grundversorgung. Mehr als 700.000 Neueinwanderer kamen zwischen 1948 und 1951. Ab Februar 1952 wurden Rationierungen und Preiskontrollen gelockert, während der Staat Landwirtschaft, Wohnungsbau, Infrastruktur und Industrialisierung lenkte. Das Luxemburger Abkommen vom 10. September 1952 verpflichtete die Bundesrepublik Deutschland zu Leistungen von insgesamt drei Milliarden Deutschen Mark. Hinzu kamen Hilfen aus den USA, Kanada und private Spenden. Zwischen 1955 und 1965 wuchs das Bruttosozialprodukt durchschnittlich um 10 % jährlich; die Arbeitslosigkeit sank von 7,2 auf 3,6 %.
Nach 1967 erweiterten die besetzten Gebiete Ressourcen, Absatzmärkte und das Arbeitskräfteangebot. Gleichzeitig förderte Israel nach dem französischen Waffenembargo vom 2. Juni 1967 den Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie. Der Jom-Kippur-Krieg und die Ölkrise von 1973 belasteten die Wirtschaft. 1983 führte eine Aktienkrise zur Verstaatlichung der größten Banken; 1984 erreichte die Inflation 450 %.
Das Stabilisierungsprogramm von 1985 verband eine Währungsreform, Preisstopp, sinkende Reallöhne und eine restriktive Haushaltspolitik. Am 4. September 1985 ersetzte der Neue Israelische Schekel den alten Schekel im Verhältnis 1:1000. Bereits 1987 lag die Inflation nur noch bei 20 %. Liberalisierung, Privatisierung, Deregulierung und Wettbewerb verringerten die direkte Rolle des Staates.
Globalisierung und Aufstieg zur Start-up-Nation
Nach 1985 öffnete Israel seine Wirtschaft stärker dem Weltmarkt. Die Importzölle sanken von 40 % auf 8 bis 12 % im Jahr 1998. Zwischen 1989 und 2010 kamen etwa eine Million Menschen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Viele waren Akademiker oder technisch ausgebildet; sie stärkten Bauwirtschaft, Forschung und wissensintensive Unternehmen. Ausländische Direktinvestitionen stiegen von 129 Mio. US-Dollar 1990 auf 2,3 Mrd. US-Dollar 1999 und 13,4 Mrd. US-Dollar 2006.
Die Hochtechnologie wurde zum zentralen Wachstumsmotor. Seit 1997 gilt Israel laut Internationalem Währungsfonds nicht mehr als Entwicklungsland. Der Absturz der NASDAQ im März 2000 und die zweite Intifada von September 2000 bis Februar 2005 lösten jedoch eine schwere Krise aus, unter anderem mit Einbußen von mehreren Milliarden US-Dollar im Tourismus.
Seit 2006 wird Israel als „Start-up-Nation“ beschrieben. Die Wirtschaft wandelte sich von arbeitsintensiver zu wissensintensiver Produktion. Zu Beginn des neuen Jahrtausends stellte Hightech ein Viertel der Industrieproduktion und rund 80 % der Exporte. Projektarbeit und Zeitarbeit nahmen zu; gut ausgebildete Fachkräfte profitierten stärker als gering Qualifizierte. Die Arbeitslosenquote sank von 7,3 % im Jahr 2001 auf 4,3 % im Jahr 2017. 2006 exportierte Israel erstmals mehr als es importierte und erreichte 5,1 % Wachstum.
Wissenschaft und Technik gehören zu den am stärksten entwickelten Bereichen. Auf 10.000 Beschäftigte kommen 140 Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure; genannt werden zum Vergleich 85 in den USA, 83 in Japan und 60 in Deutschland. Forschungsschwerpunkte umfassen Informatik, Elektronik, Medizin, Genetik, Agrarwissenschaften, Optik und Solarenergie. Der Grand Challenges Award fördert israelische Lösungen für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern.
Landwirtschaft, Rohstoffe, Energie und Wasser
Trotz großer Wüstenflächen ist Israel ein bedeutender Agrarproduzent. Wichtige Grundlagen sind Tröpfchenbewässerung sowie ertragreiche Pflanzen- und Tierzüchtungen. 2008 trug die Landwirtschaft 2,8 % zum BIP bei; 2,6 % der Einwohner arbeiteten in der Produktion und 6,3 % in landwirtschaftlichen Dienstleistungen. Getreide wächst auf 80 % der Felder. Weitere Produkte sind Zitrusfrüchte, besonders Zitronen und Jaffa-Orangen, Gewächshausgemüse und Schnittblumen. Der Anteil der Landwirtschaft an den Gesamtexporten sank von bis zu 60 % in den 1950er- und 1960er-Jahren auf knapp 3 % seit der Jahrtausendwende.
Israel besitzt nur geringe Mengen an Erdöl, Phosphaten, Kalisalz und Kaolin und ist bei vielen Rohstoffen auf Importe angewiesen. 2017 stammten 71 % der Energie aus Erdgas, 27 % aus Kohle und 2 % aus erneuerbaren Energien. Kohle muss vollständig importiert werden. Beim Erdgas änderte sich die Lage durch Offshore-Funde: Mari-B ging Ende März 2004 in Betrieb, seit April 2013 deckt das Feld Tamar israelischen Bedarf. Das schwimmende LNG-Terminal Hadera ermöglicht Importe von bis zu 2,5 Mrd. m³ Flüssigerdgas jährlich. Bis 2030 soll die Industrie nach Plänen des Energieministeriums nur noch Erdgas und erneuerbare Energien nutzen.
Wasserknappheit wird mit Tröpfchenbewässerung, Abwasserwiederverwendung und Meerwasserentsalzung bekämpft. 2015 wurden 75 % des Abwassers wiederverwendet. Seit 2016 decken Entsalzungsanlagen 70 % des häuslichen Verbrauchs. Anlagen in Aschkelon, Palmachim, Chadera, Sorek und Aschdod arbeiten mit Umkehrosmose; eine sechste Anlage, Sorek II, war für 2023 geplant. Mit ihr sollte der Anteil entsalzten Meerwassers auf 85 % des Heimverbrauchs steigen.
Industrie, Dienstleistungen und Außenhandel
Die Industrie umfasst Metallverarbeitung, Elektronik, Medizintechnik, Nahrungsmittel, Chemie und Transportausrüstung. Israel ist führend bei Software, Telekommunikation und Halbleiterentwicklung. Die chemische Industrie produziert unter anderem Magnesiumchlorid, Salze und Kosmetikrohstoffe; Teva Pharmaceutical Industries ist der weltweit größte Generikahersteller. Israel ist außerdem ein bedeutender Rüstungsexporteur. 2012 betrugen die Verteidigungsexporte 7 Mrd. US-Dollar; von 2001 bis 2011 entfielen 41 % der weltweiten Drohnenexporte auf Israel. In der Diamantenwirtschaft werden importierte Rohdiamanten geschliffen und gehandelt. Die israelische Diamantenbörse ist der weltweit größte Handelsplatz für Diamanten.
Im Dienstleistungssektor arbeiten über 40 % der Beschäftigten. Handel und Finanzen sind stark konzentriert: Die zwei größten Banken kontrollieren mehr als 60 %, die fünf größten über 90 % des Bankgeschäfts. Der Kapitalmarkt wird von der Tel Aviv Stock Exchange mit dem Leitindex TA-35 getragen. Der Tourismus ist eine wichtige Einkommensquelle; 2019 wurde mit 4,55 Mio. ausländischen Gästen ein Höchststand erreicht. Solarenergie ist ebenfalls bedeutend: Ein in der Ölkrise von 1973 entwickelter Sonnenkollektor wird in über 90 % der Haushalte verwendet; in der Negev-Wüste entstanden große solarthermische Kraftwerke.
2024 exportierte Israel Waren und Dienstleistungen im Wert von 153 Mrd. US-Dollar und importierte für 140,4 Mrd. US-Dollar. Exportiert werden vor allem Hightech-Produkte, Pharmazeutika, Chemikalien, Kali, Phosphate, Diamanten, Erdgas und Erdöl. Importiert werden Rohstoffe, Militär- und Verteidigungsanlagen, Maschinen, Fahrzeuge, Rohdiamanten, Brennstoffe und Getreide. 2023 waren die USA mit 29 % wichtigstes Exportziel, gefolgt von China mit 10 %. Bei den Importen führte China mit 17 % vor den USA mit 12 % und Deutschland mit 7 %.
Wichtige Freihandelsabkommen bestehen mit den USA, der EU beziehungsweise früheren EWG, der EFTA und weiteren Staaten. Die regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit im Nahen Osten bleibt dagegen begrenzt; wichtige arabische Partner sind Jordanien, Ägypten, Marokko und die Palästinensergebiete.
Wohlstand, Ungleichheit und Zukunft
Der wirtschaftliche Erfolg ist ungleich verteilt. Sozialausgaben und Subventionen für Grundnahrungsmittel, Verkehr und Bildung wurden reduziert, während Wohn- und Lebenshaltungskosten stiegen. Die Zahl der Haushalte mit Sozialhilfe nahm von weniger als 10.000 im Jahr 1982 auf 158.000 im Jahr 2003 zu. 2008 galt ein Fünftel der Haushalte als bedürftig; in ihnen lebten 36 % aller Kinder. 2015 lagen knapp 20 % der Haushalte unter der Armutsgrenze. Besonders betroffen sind Teile der ultraorthodoxen und arabisch-israelischen Bevölkerung. Sanierungs- und Neubauprogramme wie TAMA 38 und „Pinui Binui“ werden wegen Gentrifizierung kritisiert.
Laut Credit Suisse betrug das nationale Gesamtvermögen 2017 1.054 Mrd. US-Dollar. Pro erwachsene Person waren es durchschnittlich 198.406 US-Dollar, im Median 78.244 US-Dollar. Der Vermögens-Gini von 74,1 weist auf hohe Ungleichheit hin: Die reichsten 10 % besaßen 64,5 %, das reichste 1 % 36 % des Vermögens; 22,3 % verfügten über weniger als 10.000 US-Dollar.
Israel setzt für seine weitere Entwicklung auf Hochtechnologie, Exporte, internationale Investitionen und Forschungskooperationen, etwa in der Biotechnologie. USA und EU bleiben zentrale Handelspartner, Asien gewinnt an Bedeutung und Indien ist besonders für die Rüstungszusammenarbeit wichtig. Die Wirtschaft ist global integriert, bleibt regional aber nur punktuell vernetzt und daher von weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Veränderungen abhängig.