Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Weihnachtsgeschichte (Lutherbibel)

Die Weihnachtsgeschichte ist ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium (Kapitel 2, Verse 1 bis 14 oder bis 20 LUT), der sowohl im Gottesdienst am Heiligen Abend …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Inhalt
  2. 2. Merkmale von Luthers Übersetzung
  3. 3. Revision der Lutherbibel von 2017
  4. 4. Vorlesen als Familienritual

Bedeutung und Inhalt

Die Weihnachtsgeschichte ist ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium, meist Lukas 2,1–14 oder 2,1–20. Sie erzählt von der Geburt Christi und hat in der evangelischen Tradition eine besondere Bedeutung: Sie wird im Gottesdienst am Heiligen Abend gelesen und gehört in vielen Familien zur Gestaltung des Weihnachtsabends. Viele Menschen kennen sie auswendig und verbinden sie deshalb mit einem bestimmten, vertrauten Wortlaut.

Martin Luther maß der Geburt Christi in seiner Theologie große Bedeutung bei. Er dichtete auch Weihnachtslieder; sein bekanntestes ist „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert, die Luther mit seiner Familie bei einer häuslichen Weihnachtsfeier mit Tannenbaum und Hausmusik zeigen, sind jedoch anachronistisch, übertragen also spätere Bräuche in seine Zeit. Allerdings reichen die ältesten Bestandteile des heutigen Weihnachtsbrauchtums tatsächlich bis ins 16. Jahrhundert und damit in Luthers Lebenszeit zurück.

Merkmale von Luthers Übersetzung

Weil Luther die Geburt Christi besonders wichtig war, übersetzte er die Weihnachtsgeschichte mit großer Sorgfalt. Germanisten untersuchen an diesem Text häufig typische Merkmale seiner deutschen Bibelprosa.

Dazu gehört eine Sakralsprache, also eine feierliche, vom alltäglichen Sprachgebrauch abgehobene Ausdrucksweise. Kennzeichnend sind die Erzähleinleitung „Es begab sich aber…“, mehrere aufeinanderfolgende Sätze, die mit „und“ beginnen, sowie ein nachgestelltes „aber“, etwa in „Da sie es aber gesehen hatten…“ und „Maria aber behielt alle diese Worte…“.

Luther gestaltet den Text außerdem bewusst durch Klang und Rhythmus. Bei der Alliteration beginnen mehrere nahe beieinanderstehende Wörter mit demselben Laut. Beispiele sind „Hirten“, „Hürden“, „hüteten“ und „Herde“ in Vers 8 sowie „gehen“, „Geschichte“, „sehen“ und „geschehen“ in Vers 15. Auch in der Verkündigung der Engel entsteht durch ähnliche Anfangslaute und den Satzrhythmus eine einprägsame Form: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Hinzu kommt ein Spiel mit Vokalklängen. Es zeigt sich beispielsweise in „Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth…“ und in „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Diese sprachlichen Mittel machen die Erzählung feierlich, rhythmisch und leicht erinnerbar.

Revision der Lutherbibel von 2017

Bei der Revision der Lutherbibel zeigte sich, dass sich der Wortlaut der Ausgabe von 1984 in vielen Gemeinden nicht vollständig durchgesetzt hatte. Im Gedächtnis vieler Menschen war weiterhin die Fassung von 1912 präsent. Die Revision von 2017 versuchte deshalb, einige ältere, für Luther typische Formulierungen zurückzugewinnen. Die Weihnachtsgeschichte diente als Prüfstein dafür, dass im neuen Text „mehr Luther“ enthalten war.

Normalerweise galt bei der Revision: Je bekannter ein Bibeltext war, desto weniger sollte verändert werden. Deshalb blieb Psalm 23 vollständig unverändert. Bei Lukas 2,1–20 gab es dagegen in 20 Versen insgesamt 15 Änderungsvorschläge. Davon wurden 12 angenommen; 11 Änderungen führten zurück zur Fassung der Lutherbibel von 1912.

Ein wichtiges Ziel war es, Luthers Partikeln und Pronomina möglichst zu bewahren. Partikeln sind kurze Wörter, die unter anderem Beziehungen, Betonungen oder Übergänge ausdrücken. Gewöhnlich blieb dennoch das modernere „weil“ anstelle von Luthers „darum dass“ und „jeder“ anstelle von „ein jeglicher“. Eine Ausnahme bildete jeweils die Weihnachtsgeschichte, weil hier die rhythmische Prosa von Luthers Originalfassung wiederhergestellt werden sollte. So heißt es wieder: „Da machte sich auf auch Josef …, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war“. Ebenso wurden „auf dass“ statt „damit“ und häufig „da“ statt „als“ verwendet.

Diese Rückkehr zu älteren Formen entspricht der Entwicklung einer besonderen Sakralsprache, wie sie in Religionen allgemein beobachtet werden kann. Ein erwünschter Nebeneffekt war, dass der revidierte Bibeltext wieder besser mit Johann Sebastian Bachs Vertonung im Weihnachtsoratorium übereinstimmt.

Vorlesen als Familienritual

Das evangelische Christentum kennt vergleichsweise wenige Rituale, die im privaten Bereich ausgeübt werden. Viele dieser häuslichen Bräuche sind mit Weihnachten verbunden. Besonders prägend war das Bürgertum des 19. Jahrhunderts, dessen Formen des Weihnachtsfeierns auch von anderen gesellschaftlichen Gruppen übernommen wurden.

Ein bekanntes literarisches Beispiel bietet Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“. Die dort beschriebene Feier entsprach im Wesentlichen der Weihnachtstradition der Lübecker Familie Mann. Vor dem Betreten des noch verschlossenen Weihnachtszimmers liest die Konsulin aus einer großen Bibel das Weihnachtskapitel vor. Erst nach den Worten „Und den Menschen ein Wohlgefallen!“ erklingt „Stille Nacht, heilige Nacht“, in das die Familie einstimmt. Die Lesung steht damit unmittelbar vor der Bescherung und bildet einen feierlichen Übergang zum Weihnachtszimmer.

Nach einer Erhebung von Baumann und Hauri wird die Weihnachtsgeschichte in der Schweiz gegenwärtig in 29 % der Familien vorgelesen. In den Familien, die diesen Brauch pflegen, bewerten die Eltern ihn neben Tannenbaum und Krippe als sehr wichtig.

Weiterlesen

Weihnachtsgeschichte Als Weihnachtsgeschichte bezeichnet man die Erzählungen im Neuen Testament (NT) zur Geburt Jesu von Nazaret. Im engeren Sinn ist damit der Textabschnitt Lk … Heiliger Abend Der Heilige Abend am 24. Dezember, auch Heiligabend oder Weihnachtsabend genannt, ist der Vorabend des Weihnachtsfestes (Fest der Geburt Jesu Christi); … Weihnachtsbaum Als Baumschmuck dienen meist Lichterketten, Kerzen, Christbaumkugeln, Lametta, Engels- oder andere Figuren. Auch die Christbaumständer und drumherum sind … Martin Luther Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546 ebenda) war ein deutscher Augustinereremit und Theologieprofessor, … Sakralsprache Liturgiesprachen im Christentum · Verhältnis von Latein und Landessprache in der römisch-katholischen Kirche · Weitere christliche Liturgiesprachen. Buddenbrookhaus Das Buddenbrookhaus (Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum) in Lübeck ist seit 1993 eine Gedenkstätte in Trägerschaft der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Ritual Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (zum Beispiel Gottesdienst, Begrüßung, … Thomas Mann Dem 1901 erschienenen ersten Roman Buddenbrooks folgten Novellen und Erzählungen wie Tonio Kröger, Tristan und Der Tod in Venedig. ... Diese Merkmale prägen auch … Buddenbrooks Buddenbrooks: Verfall einer Familie (1901) ist das früheste unter den großen Werken Thomas Manns und gilt heute als der erste Gesellschaftsroman in … Stille Nacht, heilige Nacht Stille Nacht, heilige Nacht ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder der Welt und gilt als Inbegriff des Weihnachtsbrauchtums im deutschen Sprachraum.