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Buddenbrookhaus

Das Buddenbrookhaus (Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum) in Lübeck ist seit 1993 eine Gedenkstätte in Trägerschaft der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und heutige Funktion
  2. 2. Bau- und Besitzgeschichte
  3. 3. Die Familie Mann und die spätere Zerstörung
  4. 4. Museum und Ausstellungen
  5. 5. Preis und wechselnde Themen

Bedeutung und heutige Funktion

Das Buddenbrookhaus in der Mengstraße 4 in Lübeck ist seit 1993 eine Gedenk-, Forschungs- und Ausstellungsstätte. Es trägt den Namen Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum und gehört zur Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Seine besondere Bedeutung beruht darauf, dass das frühere Wohnhaus der Familie Mann als wichtiger Schauplatz in Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ in die Weltliteratur einging. Die Geschichte der Romanfamilie Buddenbrook ähnelt in vielen, aber nicht allen Einzelheiten der Geschichte der Familie Mann.

Das Zentrum beschäftigt sich mit Heinrich und Thomas Mann sowie mit der gesamten Schriftstellerfamilie Mann. Es beherbergt den Förderverein Buddenbrookhaus, die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft, die Heinrich Mann-Gesellschaft, die Golo Mann-Gesellschaft und die Erich-Mühsam-Gesellschaft. Direktorin ist seit Februar 2024 Caren Heuer.

Zum regulären Angebot gehören Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Kolloquien, Tagungen, Workshops, Lehrerfortbildungen und Führungen. Ende Dezember 2019 wurde das Gebäude wegen einer Erweiterung und eines Umbaus geschlossen; die Wiedereröffnung ist für 2029 vorgesehen. Teile der Ausstellung sind währenddessen im Museum Behnhaus-Drägerhaus zu sehen.

Bau- und Besitzgeschichte

Das Grundstück ist erstmals 1289 in den Lübecker Oberstadtbüchern belegt. Dort wird Arnoldus Calvus als Besitzer eines Hauses genannt. Bis 1537 folgten mehr als ein Dutzend Eigentümer, meist Fernhändler sowie Ratsherren, Bürgermeister oder deren Verwandte. Danach erwarb Hermann von Dorne das Anwesen; seine Familie behielt es rund 220 Jahre bis 1750.

1758 kaufte der Nowgorodfahrer Johann Michael Croll (1706–1777) das Grundstück und ließ ein neues Haus errichten. Über dem Portal erinnern das Datum „1758“ und die Inschrift „Dominus providebit“ („Der Herr wird vorsorgen“) daran. Das etwa 12 Meter breite Grundstück reichte ungefähr 50 Meter tief in den Baublock. Es umfasste ein rund 29 Meter tiefes Hauptgebäude, einen Seitenflügel, einen Garten, ein Gartenhaus und einen Speicher. Ein Durchgang führte bis zur Beckergrube. Die weiße Fassade zeigt unterhalb des Giebels zwei Figuren, die „Zeit“ und „Wohlstand“ darstellen.

Das Vorderhaus verband Handel und Wohnen. Im Erdgeschoss lagen unter anderem Geschäftsräume, Warenlager, Küche und der Zugang zum Gewölbekeller. Das Dienstpersonal wohnte in kleinen Hangekammern über der Küche oder unter der Treppe. Im ersten Stock befand sich die repräsentative Belétage, also das vornehme Hauptwohngeschoss. Der schmalere Seitenflügel bildete den eigentlichen Wohntrakt. Johann Wilhelm Croll übernahm das Geschäft 1777. Sein Sohn Johannes ließ das Haus von 1822 bis 1824 durch den dänischen Architekten Joseph Christian Lillie im klassizistischen Stil renovieren.

Die Familie Mann und die spätere Zerstörung

1842 verkaufte Johannes Croll das Haus an Johann Siegmund Mann jr. (1797–1863). Dessen Sohn Thomas Johann Heinrich Mann (1840–1891) übernahm am 1. Januar 1863 das Familienunternehmen Johann Siegmund Mann in dritter Generation. Der Firmensitz blieb zunächst in der Mengstraße, wurde aber 1882 in die Beckergrube 52 verlegt. Das Haus in der Mengstraße blieb Wohnsitz der Großeltern von Heinrich und Thomas Mann und verkörperte für die Familie die Lübecker bürgerliche Tradition. Die Großmutter Elisabeth Mann, geborene Marty, lebte dort bis zum 6. Dezember 1890.

Nach dem Verkauf durch die Manns im Jahr 1891 wechselten die Eigentümer; 1894 gelangte das Haus an den Staat. Die Hintergebäude wurden 1895 für eine städtische Markthalle abgerissen. Später dienten Teile des Gebäudes unter anderem als Volkslesehalle, Ziehungssaal der Lübeckischen Staatslotterie und Sitz militärischer sowie öffentlicher Einrichtungen. Von 1922 bis 1929 befand sich dort die Buddenbrook-Buchhandlung, zu deren Eröffnung am 5. März 1922 Thomas Mann anreiste. Für sie wurde der Innenraum jedoch stark verändert.

Nach 1933 erhielt das Gebäude den Namen Bruno-von-Warendorp-Haus, um die Erinnerung an Thomas Mann zurückzudrängen. Die oft behauptete nationalsozialistische Umbenennung in „Wullenweberhaus“, gegen die Thomas Mann 1942 in einer BBC-Ansprache protestierte, beruhte auf seinem Missverständnis.

Beim Luftangriff auf Lübeck in der Nacht zum Palmsonntag 1942 brannte das Haus aus. Nur die spätbarocke Fassade mit leeren Fensteröffnungen und der barocke Gewölbekeller blieben erhalten. Eine Genossenschaftsbank ließ es 1957/1958 wiederaufbauen; Ludwig Schirrmeister stellte die Fassade originalgetreu wieder her. Der Neubau wurde gut fünf Meter kürzer als sein Vorgänger. Der Seitenflügel entstand nicht erneut, das erste Obergeschoss wurde um 45 Zentimeter abgesenkt und die historische Raumaufteilung im Inneren nicht rekonstruiert.

Museum und Ausstellungen

1991 beschloss die Hansestadt Lübeck, das Haus mit Unterstützung unter anderem von Bund, Land und Lübecker Bürgerschaft zu kaufen und zu einer Forschungs- und Gedenkstätte auszubauen. Bereits 1975 hatte es dort ein „Thomas-Mann-Zimmer“ gegeben. Am 6. Mai 1993, während des 850. Lübecker Stadtjubiläums und 90 Jahre nach dem Erscheinen von „Buddenbrooks“, wurde das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in Anwesenheit von Bundespräsident Richard von Weizsäcker eröffnet.

Im Jahr 2000 wurde das Haus als weltweit einziges Literaturprojekt der EXPO vollständig umgestaltet. Seit Juni 2000 bildeten zwei Dauerausstellungen sein Herzstück: „Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“ und „Die ‚Buddenbrooks‘ – ein Jahrhundertroman“. Für deren Gestaltung erhielt das Museum 2002 den Museumspreis des Europarates.

„Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“ stellte in sechs Bereichen mit Bildern, Filmausschnitten und Hörstationen die wichtigsten Lebens- und Werkstationen der Familie von ihren Lübecker Anfängen bis zu ihren Spuren in der Gegenwart dar. „Die ‚Buddenbrooks‘ – ein Jahrhundertroman“ bezog sich unmittelbar auf den Ort der Romanhandlung. Inszenierungen des Landschaftszimmers und des Speisesaals machten Teile des Romans begehbar. Ergänzend erklärte eine Dokumentation mit Hörstationen und Lesepulten die Entstehung und Wirkung des Romans.

Zum Zentrum gehörten außerdem Sammlungen, ein Archiv, eine Spezialbibliothek, die Samuel-Fischer-Bibliothek als wissenschaftliche Forschungsstelle und ein Museumsshop. Führungen, literarische Spaziergänge auf den Spuren der Brüder Mann und literarische Fahrradtouren ergänzten das Programm. Im Gewölbekeller erinnerte eine kleine Dokumentation an Erich Mühsam; vor dem Haus liegt ein ihm gewidmeter Stolperstein.

Preis und wechselnde Themen

Seit 2003 vergibt das Buddenbrookhaus alle zwei Jahre den Debütpreis des Buddenbrookhauses. Eine eigene Etage war für wechselnde Sonderausstellungen vorgesehen. Diese behandelten die Familie Mann, einzelne literarische Werke sowie größere kultur- und literaturgeschichtliche Themen.

Zu den Ausstellungen gehörten beispielsweise „Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst“ (13. September 2014 bis 6. Januar 2015), „Kafka. Der ganze Prozess“ (13. Februar bis 31. Mai 2015), „Fremde Heimat. Die Manns, das Exil und die deutsche Kultur“ (11. Juni 2016 bis 8. Januar 2017), „‚Im Westen nichts Neues‘. Remarques Roman in Text und Bild“ (25. Januar bis 15. April 2018) und „Herzensheimat. Das Lübeck von Heinrich und Thomas Mann“ (7. Mai bis 18. November 2018). Während der Schließung liefen unter anderem „Buddenbrooks im Behnhaus“ (2020–2024), „Der Untertan. Über Autorität und Gehorsam“ (10. September 2022 bis 27. August 2023) und „Thomas Manns ‚Der Zauberberg‘. Fiebertraum und Höhenrausch“ (14. September 2024 bis 2. März 2025).

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