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Bodenkunde
Als Boden oder Krume bezeichnen Pedologen die obersten, meist stark belebten und porösen Dezimeter der Erdoberfläche, in denen die Pflanzen wurzeln. Böden …
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Gegenstand und Begriff Boden
Bodenkunde, auch Bodenwissenschaft oder Pedologie, untersucht die Entstehung von Böden aus dem Gesteins-Untergrund, ihre Entwicklung, Bodenpartikel, Eigenschaften, Bodenbiologie und Klassifizierung. Als Boden oder Krume gelten die obersten, meist stark belebten und porösen Dezimeter der Erdoberfläche, in denen Pflanzen wurzeln. Böden entstehen aus dem darunterliegenden Gestein durch Verwitterung und durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen.
Nach Winfried Blum ist Boden eine von der Erdoberfläche bis zum Gestein reichende, in Horizonte gegliederte Lockerdecke. Sie ist mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzt und entsteht durch die Umwandlung anorganischer und organischer Ausgangsstoffe unter Energie- und Stoffzufuhr aus der Atmosphäre. Diese Umwandlungsprozesse laufen im Boden weiter ab. Boden besteht aus fester, gasförmiger und flüssiger Phase und ist daher ein dynamisches geo- und bioökologisches Dreiphasensystem.
Entwicklung und Erfassung von Böden
Als eigene wissenschaftliche Disziplin etablierte sich die Bodenkunde im ausgehenden 19. Jahrhundert. Wichtige Beiträge leisteten Wassili Wassiljewitsch Dokutschajew, Friedrich Albert Fallou und Charles Darwin. 1899 veröffentlichte Nikolai Michailowitsch Sibirzew das erste bodenkundliche Lehrbuch; im selben Jahr erschien mit Pochwowedenie die erste bodenkundliche Fachzeitschrift. Ebenfalls 1899 wurde in den Vereinigten Staaten erstmals eine systematische Bodenkartierung im Auftrag des Department of Agriculture veranlasst.
Die Kartierung gliedert Böden nach Bodenserien, später Bodentypen. Dabei werden Korngrößenverteilung, geologisches Substrat und das gesamte Bodenprofil berücksichtigt. Seit dem 20. Jahrhundert ist die nach Bodentypen gegliederte Bodenkartierung in Europa eine anerkannte staatliche Aufgabe. Seit etwa 1985 entwickelten die deutschsprachigen Länder amtliche Bodeninformationssysteme.
Interdisziplinäre Bedeutung
Die Bodenkunde verbindet Methoden und Erkenntnisse aus Physik, Chemie und Biochemie, aus Botanik, Zoologie und Mikrobiologie sowie aus Geologie, Mineralogie, Geographie und Hydrologie. Hinzu kommen Forst- und Agrarwissenschaften, etwa Ackerbau, Pflanzenbau, Pflanzenernährung, Düngung und Forstwirtschaft. Geoinformationssysteme und Fernerkundung gewinnen bei Auswertung und Analyse an Bedeutung.
Ihre Erkenntnisse sind grundlegend für Ökologie, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Diese Bereiche befassen sich mit Kulturboden, der seit den Anfängen des Ackerbaus in der Jungsteinzeit eine Grundlage menschlichen Überlebens bildet. In der Forstwissenschaft entwickelte sich aus der traditionellen Bodenklassifizierung die Betrachtung des Bodens als Geoökosystem. Langzeituntersuchungen bestätigten Prognosen über Folgen anthropogen bedingter Elementeinträge für den Bioelement-Haushalt von Böden.
Außerdem liefert die Bodenkunde für Geotechnik und Baustatik bodenmechanische, erdstatische und hydrometrische Grundlagen, die im Grundbau benötigt werden.
Bodenschutz und Studium
Bodenschutz bedeutet, die Funktionen des Bodens nachhaltig zu bewahren, zu sichern oder wiederherzustellen. Im deutschen Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) ist vorgesehen, schädliche Bodenveränderungen möglichst zu vermeiden und anhaltend negative Funktionalität gegebenenfalls zu sanieren. Zu solchen Veränderungen gehören mechanische Bodenverdichtung, chemische Verunreinigungen durch Altlasten und dadurch verursachte Gewässerverunreinigungen. Zu starke menschliche Beanspruchung zeigt sich unter anderem in Bodenerosion, Flächenversiegelung und nachlassender Bodenfruchtbarkeit. Bei Einwirkungen sollen natürliche Bodenfunktionen und die Rolle des Bodens als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte möglichst erhalten bleiben.
Im deutschsprachigen Raum wird Bodenkunde meist interdisziplinär gelehrt, beispielsweise in Forstwissenschaft, Geographie, Geoökologie, Land- und Forstwirtschaft, Arboristik, Geowissenschaften und Umweltwissenschaften. Die Universität Hannover bietet bodenkundliche Schwerpunkte im Bachelorstudiengang Geowissenschaften sowie in Masterstudiengängen der Geowissenschaften und Landschaftswissenschaften. Die Hochschule Osnabrück bietet den Masterstudiengang „Bodennutzung und Bodenschutz“ an. An der Universität Hohenheim sind Bodenwissenschaften als Vertiefung in den Bachelor- und Masterstudiengängen Agrarwissenschaften möglich.