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Bodentyp

Die Hauptbodenarten sind Sand, Schluff, Ton und Lehm. Da die Bodenart häufig innerhalb eines Bodenprofils wechselt, wird sie üblicherweise für jeden Horizont …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Bodenhorizonte und Entstehung
  3. 3. Deutsche Bodensystematik
  4. 4. Mineralische Böden
  5. 5. Organische und anthropogene Böden
  6. 6. Internationale Klassifikation

Begriff und Abgrenzung

Ein Bodentyp ist in der Bodenkunde eine Erscheinungsform von Böden, die durch Prozesse der Pedogenese, also der Bodenbildung, entstanden ist. Böden desselben Bodentyps zeigen übereinstimmende Merkmale in Form von Bodenhorizonten und haben dadurch einen ähnlichen Entwicklungsstand. In der Deutschen Bodensystematik ist der Bodentyp die zentrale hierarchische Einheit.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Bodenart. Der Bodentyp beschreibt die Form und Entwicklung eines Bodens infolge der Bodenbildung. Die Bodenart, auch Bodentextur oder Körnung genannt, beschreibt dagegen die Korngrößenzusammensetzung der mineralischen Bodensubstanz. Hauptbodenarten sind Sand, Schluff, Ton und Lehm. Weil die Bodenart innerhalb eines Bodenprofils häufig wechselt, wird sie meist für jeden Horizont einzeln angegeben.

Bodenhorizonte und Entstehung

Wenn man Böden aufgräbt, erkennt man oft unterschiedlich gefärbte oder unterschiedlich aufgebaute Bereiche. Diese heißen Bodenhorizonte. Der Ausdruck „Schichten“ wird in der Bodenkunde nur für Formen der Sedimentation verwendet, also für einen Prozess der Lithogenese.

Bodenhorizonte entstehen durch das Ausgangsmaterial der Bodenbildung und durch bodenphysikalische, bodenchemische und bodenbiologische Prozesse. Einfluss haben unter anderem Klima, Wasserhaushalt, Vegetation, Bodenfauna, Bearbeitung, Immissionen und die landschaftliche Umgebung. Zwischen diesen Faktoren gibt es viele gegenseitige und teilweise rückgekoppelte Wirkungen.

Charakteristische Kombinationen von Bodenhorizonten werden systematisch als Bodentypen eingeordnet. Das Bodenprofil besteht aus Horizonten, in denen ähnliche chemische und physikalische Veränderungen übereinstimmende Merkmale erzeugt haben. Damit kennzeichnet der Bodentyp den Entwicklungszustand eines Bodens. Häufig werden organische oder mineralische Stoffe gelöst, verlagert und in Einwaschungshorizonten wieder abgelagert.

Bodentypen treten selten in reiner Form auf. Oft wirken mehrere pedogenetische Prozesse gleichzeitig oder nacheinander. Dadurch entstehen Kombinationen und Übergänge, die je nach Ausprägung als Bodensubtyp, Übergangs- oder Abweichungssubtyp, oder als Varietät eingeordnet werden. In der Landschaft erscheinen Bodentypen und Subtypen häufig als kleinflächiges Mosaik, die sogenannte Bodengesellschaft, weil sich Standorte in ihren bodenbildenden Faktoren unterscheiden und oft Wasser und Stoffe seitlich verlagert werden.

Deutsche Bodensystematik

Viele europäische Länder und zahlreiche andere Staaten besitzen eigene Systeme zur Bodenklassifikation. Die Deutsche Bodensystematik gilt in Deutschland. Sie wird von der Arbeitsgruppe Bodensystematik der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft bearbeitet und regelmäßig weiterentwickelt. Der derzeit gültige Stand ist in der 6. Auflage der Bodenkundlichen Kartieranleitung von 2024 dargestellt.

Die Haupteinheiten der Deutschen Bodensystematik sind Abteilung, Unterabteilung, Klasse und Typ. Diese können weiter in Subtypen, Varietäten und Subvarietäten unterteilt werden. Die Systematik unterscheidet vor allem mineralische und organische Böden. Innerhalb dieser Abteilungen werden Böden nach prägenden Eigenschaften und Prozessen weiter gegliedert, zum Beispiel nach Wasserhaushalt, Sauerstoffverhältnissen, organischem Material oder menschlicher Überprägung.

Mineralische Böden

Mineralische Böden haben in den obersten 70 cm weniger als 30 cm Torf oder andere organische Bodenhorizonte. Diese Abteilung ist in 5 Unterabteilungen und 18 Klassen gegliedert.

Zu den aeroben mineralischen Böden gehören mehrere wichtige Klassen. Rohböden enthalten unter anderem den Syrosem. A/C-Böden umfassen Ranker, Pararendzina, Rendzina, Tschernosem oder Schwarzerde und Umbrisol. Weitere Klassen sind Pelosole mit dem Pelosol, Andosole mit dem Andosol, Braunerden mit der Braunerde, Terrae calcis mit Terra fusca und Terra rossa, fersiallitische und ferrallitische Paläoböden mit Fersiallit und Ferrallit, Lessivés mit Parabraunerde und Fahlerde sowie Podsole mit dem Podsol. Zu den aeroben Kultisolen gehören anthropogen geprägte Bodentypen wie Kolluvisol, Deposol, Plaggenesch, Hortisol und Rigosol.

Stau-, Haft- oder Hangwassergeprägte Böden umfassen Stauwasserböden und Rheosole. Zu den Stauwasserböden zählen Pseudogley, Haftpseudogley und Stagnogley. Rheosole sind Böden mit Stoffanreicherung durch Hangzugwasser, zum Beispiel Ockerrheosol mit Eisenanreicherung und Kalkrheosol mit Calciumcarbonatanreicherung.

Grund- und Überflutungswasserdominierte Böden umfassen Auenböden, Gleye und Strandböden. Auenböden sind unter anderem Rambla, Paternia, Carbonatpaternia, Tschernitza und Vega. Gleye umfassen Gley, Nassgley und Marschgley. Strandböden enthalten den Strand.

Permanent wassergesättigte und zeitweise überflutete mineralische Böden werden in semisubhydrische Böden und subhydrische mineralische Böden eingeteilt. Dazu gehören Nassstrand und Watt sowie Unterwasserböden wie Protopedon, Minerogyttja und Minerosapropel. Minerogyttja und Minerosapropel enthalten jeweils weniger als 15 Masse-% organischen Kohlenstoff. Reduktgasdominierte Böden bilden die Klasse der Reduktosole; der Reduktosol entsteht durch natürliche oder anthropogene reduzierende Bedingungen, die nicht auf Wassersättigung zurückgehen.

Organische und anthropogene Böden

Organische Böden besitzen ein Solum ausschließlich aus organischen Horizonten oder mindestens 30 cm organische Horizonte in den obersten 70 cm. Diese Horizonte enthalten mindestens 15 Masse-% organischen Kohlenstoff.

Zu den aeroben organischen Böden gehören Organosole, darunter Protoorganosol und Organosol. Der Organosol umfasst unter anderem die früheren Bodentypen Felshumusboden und Skeletthumusboden. Zur Unterabteilung Moore und subhydrische organische Böden gehören natürliche und naturnahe Moore mit Niedermoor, Hochmoor und Muddemoor. Erd- und Mulmmoore umfassen Erdhochmoor, Mulmhochmoor, Erdniedermoor, Mulmniedermoor, Erdmuddemoor und Mulmmuddemoor. Moorkultisole sind Rigomoorkultisol und Depomoorkultisol. Subhydrische organische Böden sind Organogyttja und Organosapropel; sie enthalten jeweils mindestens 15 Masse-% organischen Kohlenstoff.

Anthropogene Böden sind Böden, deren Entstehung nur durch menschliche Tätigkeiten verursacht sein kann. In der Deutschen Bodensystematik stehen sie vor allem in den Klassen Aerobe Kultisole und Moorkultisole. In der internationalen WRB wird zwischen Anthrosols und Technosols unterschieden. Anthrosols entstehen durch bestimmte Formen der Kultivierung. In der KA6 wird diese Gruppe mit sechs Bodentypen aufgegriffen, wobei nur Hortisole und Plaggenesche im Sinne der WRB zu den Anthrosolen gehören. Deposole, Rigosole, Moorrigosole und Moorkultisole werden in der WRB erst auf der zweiten Hierarchieebene unter anderem mit Qualifiern wie Transportic oder Organotransportic beschrieben.

Technosole bestehen aus künstlich hergestellten oder verlagerten Materialien und werden teilweise als Stadtböden bezeichnet. In Deutschland werden solche Böden nicht immer als eigene Bodentypen geführt; oft wird nach dem vorherrschenden Prozess der Pedogenese der natürliche Bodentyp gewählt, der dem Stadtboden am nächsten kommt. Menschliche Überformung und künstliche Materialien werden in der Deutschen Systematik im Substrat ausgedrückt. Boden- und Substratsystematische Einheit bilden zusammen die Bodenform. In der KA6 wurden die Möglichkeiten zur Kennzeichnung von Stadtböden deutlich erweitert.

Internationale Klassifikation

Weltweit werden besonders zwei Bodenklassifikationssysteme häufig verwendet: die USDA Soil Taxonomy und die World Reference Base for Soil Resources, abgekürzt WRB.

Die Soil Taxonomy teilt alle Böden der Welt in zwölf Ordnungen ein, die anschließend feiner in Unterordnungen und weitere Einheiten gegliedert werden. Die WRB ordnet die Böden der Welt in 32 Referenzbodengruppen ein. Diese Gruppen können durch Qualifier genauer beschrieben werden.

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