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Wasserkrise im Iran

Im Iran herrscht seit Jahrzehnten eine akute Wasserkrise; drei Viertel der Landesfläche des Iran gelten als komplett trockene Regionen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Ausmaß und Entwicklung der Wasserkrise
  2. 2. Schäden an Seen, Flüssen und Böden
  3. 3. Natürliche Bedingungen und menschliche Ursachen
  4. 4. Politische und technische Lösungsansätze
  5. 5. Reformen in Landwirtschaft und Wasserverwaltung

Ausmaß und Entwicklung der Wasserkrise

Im Iran herrscht seit Jahrzehnten eine akute Wasserkrise. Drei Viertel der Landesfläche gelten als vollständig trocken; dort fallen jährlich nur 50 bis 100 Millimeter Regen. Die vergangenen 30 Jahre der Wasserknappheit gelten als die historisch extremsten. Zugleich leben drei Viertel der Bevölkerung in städtischen Ballungsräumen, die vielfach in besonders trockenen Gebieten liegen.

In der Provinz Sistan und Belutschistan waren die Wasserquellen in 343 Dörfern vollständig ausgetrocknet; in weiteren 1.232 Dörfern bestanden Versorgungsprobleme. Landesweit gelten 97 Prozent des Oberflächenwassers als versiegt. Energieminister Reza Ardakanian erklärte 2018, dass 334 Städte mit etwa 35 Millionen Einwohnern von der Krise betroffen seien.

2025 war außergewöhnlich trocken: Selbst 50 Tage nach Beginn der Regenzeit war noch kein Regen gefallen. Im Großraum Teheran sank der Niederschlag von durchschnittlich 350 Millimetern im Zeitraum 1991 bis 2000 auf nur 1 Millimeter im Jahr 2025. Insgesamt 32 Staudämme waren zu weniger als 5 Prozent gefüllt. Im November 2025 musste die Wasserversorgung Teherans tagsüber unterbrochen werden. Präsident Massud Peseschkian schlug deshalb vor, die Hauptstadt zu verlegen; die Regierung lehnte dies ab. Mit Wassermangel und Desertifikation, also der Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse, geht außerdem eine starke Luftverschmutzung einher.

Schäden an Seen, Flüssen und Böden

Besonders deutlich zeigt sich die Krise am Urmiasee, einem Salzsee im Nordwesten des Landes. Er war ungefähr zehnmal so groß wie der Bodensee, der größte Binnensee des Mittleren Ostens und nach dem Toten Meer der zweitgrößte Salzsee der Erde. Vor fünfzehn Jahren umfasste er etwa 4.250 km². Zwischen 1998 und 2011 schrumpfte seine Oberfläche je nach Quelle um 60 oder 85 Prozent; der Wasserspiegel sank um sieben Meter. Die Salzkonzentration stieg auf 300 Gramm pro Liter. Im Sommer 2025 war der See auf NASA-Bildern vollständig verschwunden.

Hauptursachen sind die starke menschliche Wassernutzung, aufgestaute Zuflüsse zur Stromerzeugung, die Landwirtschaft sowie etwa 18.000 legale und illegale Brunnen in der Umgebung. Niedrige Niederschläge verschärfen die Entwicklung. Salz vom trockenen Seeboden wird auf benachbarte Ackerflächen geweht und schädigt sie. Bei geringem Zufluss und hohem Salzgehalt können Bakterien und Algen den sonst aus dem All grünlich erscheinenden See rot färben. Staatliche Projekte sollten sparsamere Bewässerung, bessere Infrastruktur, Wasserspeicherung und Renaturierung fördern. Wegen unzureichender Investitionen bezweifeln Fachleute jedoch, dass der See noch gerettet werden kann.

Auch andere Gewässer sind betroffen. Der Karun, der längste und einzige schiffbare Fluss des Iran, wird durch Talsperren belastet, die Wasser für die Industrie in andere Landesteile ableiten. Im Sommer 2021 trocknete er weitgehend aus, woraufhin die Regierung Staudämme öffnen ließ. Industrieabfälle verschmutzen Teile des Flusses und schädigen das Ökosystem. Der Hamun-See im Südosten trocknete im September 2021 aus; zuvor war er das größte Süßwasserreservoir des Landes und eine wichtige Fischquelle.

Die verstärkte Entnahme von Grundwasser verursacht Landabsenkungen. In Teheran sank der Boden um 24 Zentimeter, in anderen Städten um bis zu 30 Zentimeter. Fachleute und Behörden erwarten in Teheran weitere Absenkungen von jährlich bis zu 22 Zentimetern; normal wären drei Zentimeter. Straßen und Häuser bekommen Risse, Gebäude werden einsturzgefährdet und Flächen für Landwirtschaft oder Bebauung unbrauchbar. Da Iran häufig von Erdbeben betroffen ist, kann die Bodenerosion deren Folgen verschlimmern. Trockengelegte Sümpfe und Moore fördern außerdem Sandstürme und schlechte Luft. Besonders betroffen ist Khuzestan, das 90 Prozent der iranischen Ölreserven besitzt, zugleich aber als verarmt und sozial angespannt gilt.

Natürliche Bedingungen und menschliche Ursachen

Etwa zwei Drittel des Iran sind klimatisch trocken oder sehr trocken. Die Gebirgsketten Zagros und Alborz fangen viele aus Westen kommende Regenwolken ab, sodass das Landeszentrum und der Südosten wenig Niederschlag erhalten. Mit durchschnittlich 228 Millimetern erreicht der Iran weniger als ein Fünftel der weltweiten durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Dadurch wurde das Land stark vom Grundwasser abhängig; wegen der übermäßigen Förderung wird dieses zunehmend salzhaltig. Das starke Bevölkerungswachstum nach der Islamischen Revolution erhöhte den Wasserbedarf zusätzlich.

Auch der Klimawandel und lang anhaltende Dürren belasten den gesamten Nahen Osten. Nach Angaben der NASA war die damals seit 14 Jahren andauernde regionale Dürre die schwerste der vergangenen 900 Jahre; 1998 bis 2012 war der trockenste Zeitraum. Die iranische Regierung führt die Krise vor allem auf Klimawandel, internationale Sanktionen und zeitweilige Dürren zurück. Fachleute betonen dagegen auch politisches Missmanagement und systematische Wasserverschwendung.

Seit den 1990er Jahren ließ die Regierung zur Förderung von Landwirtschaft und Energieversorgung zahlreiche Dämme bauen. Iran steht weltweit an dritter Stelle bei der Zahl der Dammbauten. Dämme und veraltete Bewässerungsverfahren gelten inzwischen als Hauptursachen der Trockenheit. 2016 stoppte die Regierung weitere Dammprojekte. Verbindungen zwischen Politik und Bauwirtschaft, Korruption und strenge Hierarchien machen das Wassermanagement intransparent und ineffizient. Bei Industrialisierung und wirtschaftlicher Entwicklung wurde der Umweltschutz vernachlässigt.

Die Landwirtschaft verbraucht 93 Prozent der Wasservorkommen. Nur drei bis vier Prozent dienen als Trinkwasser und ungefähr zwei bis drei Prozent der Industrie. Schätzungsweise verdunsten 70 Prozent des landwirtschaftlich eingesetzten Wassers, bevor es die Pflanzen erreicht. Seit der Islamischen Revolution von 1979 fördert Iran eine weitgehende wirtschaftliche und besonders landwirtschaftliche Unabhängigkeit, um Sanktionen standhalten zu können. Dies unterstützt jedoch den wasserintensiven Anbau. Dazu gehören Zuckerrohr, für das von 1962 bis in die 1970er Jahre mehr als 80.000 Hektar angelegt wurden, sowie Reis in trockenen Regionen. Zuckerrohr benötigt überdurchschnittlich viel Wasser; eingesetzte Pestizide verschmutzen Gewässer. Übermäßige Grundwasserentnahme führt außerdem zur Versalzung von Böden.

Auch im Alltag wird viel Wasser verschwendet, etwa durch Wüstengärten mit Brunnen und englischem Rasen sowie durch unachtsame Bewässerung privater und öffentlicher Anlagen. Der durchschnittliche Wasserverbrauch Teherans ist doppelt so hoch wie in westeuropäischen Staaten.

Politische und technische Lösungsansätze

Bereits 2016 wurde davor gewarnt, dass bei unveränderter Politik und Wassernutzung etwa 70 Prozent der Bevölkerung, rund 50 Millionen Menschen, zur Auswanderung gezwungen werden könnten. Die Krise hat im Osten des Landes bereits Arbeits- und Obdachlosigkeit sowie Landflucht in Städte anderer Regionen ausgelöst. Fachleute halten die Entwicklung teilweise für irreversibel; angesichts von 97 Prozent versiegtem Oberflächenwasser gilt eine vollständige Lösung als fraglich. Effizientere Wassernutzung und politische Reformen sollen deshalb wenigstens das Ausmaß begrenzen.

Die Regierung plant neue Wasserspeicher, die Verlegung von Depots und Entsalzungsanlagen am Persischen Golf und am Golf von Oman. Wissenschaftler und selbst Regierungsfachleute bewerten die Entsalzung wegen langer Transportwege und fehlender Nachhaltigkeit als wenig praktikabel. Auch Tunnel zum Wassertransport aus dem Zagrosgebirge wurden diskutiert. Solche Vorhaben lösten Konflikte aus: Bei Isfahan und in Chorramschahr protestierten Menschen gegen Wasserverteilung beziehungsweise verschmutztes Leitungswasser. Landwirte in Varzaneh zerstörten bei Zusammenstößen 2012 und 2016 aus Protest eine wichtige Leitung von Isfahan nach Yazd. Entschädigungszahlungen galten nicht als dauerhafte Lösung.

Vorgeschlagen werden Schulungen für Landwirte zu sparsamer Wassernutzung und besseren Düngemethoden. Ein Hindernis ist eine Alphabetisierungsrate von nur etwa 20 Prozent unter iranischen Landwirten. Zudem könnten ungefähr 120.000 bis 150.000 Absolventen agrarwissenschaftlicher Studiengänge stärker an der Krisenbewältigung beteiligt werden. Notwendig seien außerdem eine bessere Koordinierung und ein wirksamerer Informationsaustausch zwischen iranischen und internationalen Institutionen sowie größere innenpolitische Einigkeit.

Internationale Zusammenarbeit findet bereits statt. Deutsche Wissenschaftler gründeten 2012 die „Initiative Group Urmia Lake“ und empfahlen unter anderem, den durch Dämme regulierten Zufluss zum Urmiasee um ein Viertel zu erhöhen und die Zahl der Brunnen zu verringern. 2016 schloss die Regierung außerdem ein Abkommen mit „Inter 3“, einer deutschen Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Unternehmern. Sie soll das Wassermanagement des Zayande Rud verbessern, der 4,5 Millionen Menschen versorgt und in den vergangenen Jahren ausgetrocknet war. Spätestens im November 2025 begann Iran zudem mit Wolkenimpfung, die Kondensation und damit Regen fördern soll.

Reformen in Landwirtschaft und Wasserverwaltung

Da die Landwirtschaft den größten Teil des Wassers verbraucht, könnte der Anbau auf Pflanzen umgestellt werden, die an Trockenheit und natürliche Bedingungen besser angepasst sind, ohne die Ernährungssicherheit zu gefährden. Höhere Wasser- und Energiepreise könnten den tatsächlichen Wert dieser Ressourcen sichtbar machen. Wegen der erwartbaren politischen sowie sozialen und wirtschaftlichen Kosten gilt diese Möglichkeit jedoch als eher unwahrscheinlich.

Weitere Vorschläge sind die Förderung regionaler und örtlicher Kooperativen, welche die Landwirtschaft koordinieren und Preise stabilisieren, sowie ein effizienter, staatlich überwachter Wassermarkt. Moderne, sparsame Bewässerungssysteme könnten die hohen Verdunstungsverluste verringern.

Daneben wird eine Rückkehr zu traditionellen Formen der Wasserverwaltung diskutiert. In den vergangenen 3.000 Jahren nutzten die Menschen in den trockenen Gebieten Irans sogenannte Qanats: traditionelle unterirdische Systeme zur Wasserleitung und Bewässerung. Viele bestehen noch, liegen aber überwiegend brach. Im Zoroastrismus und im Islam waren gerechter Wasserzugang, Schutz vor Verschmutzung und eine geordnete Verteilung religiös und kulturell verankert. Diese Verfahren und Denkweisen wurden zugunsten westlicher Entwicklungsmodelle und einer schnellen Industrialisierung weitgehend aufgegeben. Manche Autoren schlagen vor, das traditionelle Wissen wiederzuverwenden und damit einen nachhaltigen, verantwortungsvollen Umgang mit Wasser gesellschaftlich zu stärken.

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