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Waorani

Weltweite Aufmerksamkeit erregten die Waorani durch ihre extrem kriegerische Kultur, insbesondere durch die Ermordung der ersten fünf SIL-Missionare im Jahr …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Volk, Lebensraum und heutige Lage
  2. 2. Kontakte, Mission und Erdölförderung
  3. 3. Isolierte Gruppen und Schutzgebiet
  4. 4. Traditionelle Gesellschaft und Lebensunterhalt
  5. 5. Religion, Kulturwandel und Politik
  6. 6. Sprache und gegenwärtige Veränderungen

Volk, Lebensraum und heutige Lage

Die Waorani oder Huaorani sind eine indigene Ethnie im Regenwald des westlichen Amazonasbeckens zwischen Río Napo und Río Curaray im Osten Ecuadors. Ihr Eigenname Wao-Rani bedeutet „Volk“ oder „Mensch“. Die Bezeichnung Auca, abgeleitet von kichwa Awka, wurde früher abwertend für sie verwendet und wird von Waorani als Beleidigung gewertet.

Sie gelten vermutlich als ursprüngliche Bewohner des Yasuní-Regenwaldes und sprechen Wao Terero beziehungsweise Wao Tiriro, eine weitgehend isolierte und bedrohte Sprache. Mindestens zwei Gruppen leben freiwillig ohne Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft: Tagaeri und Taromenane. Die meisten Waorani lebten traditionell halbnomadisch von Jagd, Sammeln, Fischfang und ergänzendem Gartenbau. Von über 3.000 Waorani (2012) lebten 2010 Menschen in 18 lokalen Dörfern; der größte Teil ist heute sesshaft. 80 % siedeln freiwillig im früheren Missionsprotektorat, das weniger als 10 % ihres verfügbaren Lebensraums ausmachte.

Heute verwenden viele westliche Kleidung, Holzhäuser, Außenbordmotoren und Taschenlampen. Gewehre haben häufig traditionelle Jagdwaffen ersetzt, Dynamit wird teils beim Fischfang eingesetzt. Trotzdem bleiben eigene Sprache, Jäger-und-Sammler-Wirtschaft, häufige Wohnortwechsel sowie wesentliche Teile der Sozialstruktur und Weltsicht erhalten.

Kontakte, Mission und Erdölförderung

Die Waorani mieden lange Außenkontakte und wurden weder von Inkas noch von spanischen Konquistadoren oder Ecuadorianern unterworfen. Seit dem Kautschukboom von 1880 bis 1915 kam es zu blutigen Konflikten, Angriffen und organisierten Verfolgungen. Nach dem Boom wurden Waorani entführt, versklavt oder als Zwangsarbeiter auf Haziendas festgehalten. Erdölkonzessionen gab es erstmals 1937; Shell del Ecuador Ltda. erhielt 100.000 km², stellte die Prospektion im Waorani-Gebiet wegen ihres Widerstands aber 1950 ein.

1955 begann die evangelikale Mission des Summer Institute of Linguistics (SIL). Fünf Missionare, darunter Nate Saint und Jim Elliot, wurden am 8. Januar 1956 nach einem Kontaktversuch am Río Curaray mit Lanzen getötet. Der erste erfolgreiche Kontakt folgte 1958, vermittelt durch die Waoranifrau Dayuma. 1969 erlaubte der Staat ein 1.600 km² großes Missionsprotektorat Tehueno. Umsiedlungen in dieses kleine Gebiet führten 1971–1978 zu hoher Bevölkerungsdichte, Nahrungsmangel und Hungersnot. 1982 wurde das SIL des Landes verwiesen; 1983 wurde ein Teil des Protektorats als erstes Waorani-Reservat anerkannt.

Seit 1963 prägte die Erdölförderung das Gebiet stark. Seismische Untersuchungen, Straßen und Zuzug von rund 5.000 Kolonisten verursachten Konflikte, Abholzung, Erosion, Krankheiten und soziale Probleme. Zwischen 1964 und 1992 gelangten bei einer Ölkatastrophe im nördlichen Amazonastiefland Ecuadors über 60.000 t Ölrückstände und über 55.000 t Rohöl in die Umwelt. Die ONHAE wurde 1990 als politische Vertretung anerkannt und 2007 in NAWE umbenannt. Das Waorani-Territorium wurde auf fast 8.100 km² erweitert.

Die Yasuní-ITT-Initiative von Präsident Rafael Correa sollte gegen 3,6 Mrd. Dollar internationaler Ausgleichszahlungen auf die Ausbeutung des ITT-Ölfeldes verzichten. Die Initiative scheiterte 2013, weil nicht genug Geld zusammenkam; noch im selben Jahr wurde die Förderung freigegeben. Im September 2016 eröffnete die erste Ölplattform, mit 23.000 Barrel Rohöl täglich; bis 2022 waren 300.000 Barrel vorgesehen. 2021 gewannen Waorani vor Gericht gegen die geplante Versteigerung von 180.000 Hektar Land an Ölgesellschaften. Laut Artikel wurden dadurch 500.000 Hektar Regenwald und Waorani-Gebiet dauerhaft geschützt.

Isolierte Gruppen und Schutzgebiet

Tagaeri und Taromenane werden oft gemeinsam als „Tagaeri-Taromenane“ bezeichnet, sind aber zwei bekannte Familiengruppen. Weitere isolierte Gruppen im Grenzgebiet zu Peru, etwa Huiñatare und Oñamenane, sind nicht ausgeschlossen. Für 1990 werden 50 Tagaeri und rund 300 Taromenane angenommen. Ob Tagaeri noch als eigenständige Gruppe bestehen, ist unklar; möglicherweise schlossen sich Überlebende nach gewalttätigen Konflikten den Taromenane an.

Die Taromenane leben vermutlich in mindestens drei Lokalgruppen mit jeweils etwa 50 bis maximal 100 Personen, insgesamt geschätzt 150–300. Wegen ihrer Selbstisolation gibt es nur wenige gesicherte Informationen. Sie gelten als kulturell und ethnisch mit Waorani verwandt, aber als eigenständiges Volk. Ihre Herkunft ist umstritten: Eine Hypothese nimmt eine Abspaltung Ende des 19. Jahrhunderts an, eine andere eine jüngere Migration einer entfernt verwandten Gruppe aus Peru.

1999 wurde die „Zona intangible Tagaeri Taromenane“ (ZITT) eingerichtet, eine Verbotszone im südlichen Yasuní-Nationalpark und angrenzenden Gebieten. Seit 2007 ist sie auf 7.580 km² offiziell abgegrenzt. Artikel 57 der ecuadorianischen Verfassung von 2008 schützt die selbstbestimmte Isolation; Rechtsverletzungen gelten als Straftat und Ethnozid. Dennoch kam es 2003 zu einem Massaker an 15–30 Taromenane und 2013 zu Konflikten, bei denen 18–30 Taromenane getötet und zwei Mädchen entführt wurden. Als größte aktuelle Gefahr nennt der Artikel illegale Holzfäller, die in den Yasuní und die ZITT vordringen, Wildtiere vertreiben und Konflikte auslösen.

Traditionelle Gesellschaft und Lebensunterhalt

Traditionelle Waorani-Gesellschaften waren egalitär: Ressourcen und Dinge standen der Familiengruppe grundsätzlich offen, Nahrung wurde geteilt, und niemand hatte dauerhaft Macht über andere. Ältere Ehepaare konnten als „Primus inter pares“ anerkannt sein, übten aber keine Herrschaft aus. Persönliches Ansehen entstand etwa durch wirtschaftlichen Erfolg oder besondere Fähigkeiten. Landbesitz war unbekannt.

Ein Langhaus, Onko, beherbergte eine erweiterte Familie von höchstens 20 Personen. Zwei bis drei Kernfamilien bildeten eine Gruppe; mehrere Siedlungsplätze bildeten einen Nanicabo von ungefähr 100 bis 200 Personen. Fremde Nanicaboiri galten trotz gemeinsamer Sprache und Kultur grundsätzlich als Feinde. Die Langhäuser lagen auf Anhöhen abseits großer Flüsse. Das traditionelle Langhaus hatte 50–80 m², ein Palmwedeldach, zwei Eingänge und Hängematten zum Sitzen und Schlafen.

Die Subsistenzwirtschaft beruhte vor allem auf Jagd und Sammeln, daneben Fischfang und zwei bis drei Jahre lang genutztem Gartenbau ohne Brandrodung. Der durchschnittliche Fleischkonsum betrug 200 g täglich. Gejagt wurde mit dem Blasrohr Umena und Curare-Pfeilen, etwa auf Affen und Vögel, sowie mit der Speerlanze Tapa auf Weißbartpekaris und andere größere Säugetiere. Gesammelt wurden Früchte von 155 Palmen, Bäumen und Epiphyten, außerdem Pflanzen, Fasern, Honig und Käferlarven. Angebaut wurden vor allem Maniok (Yuca) und Bananen, außerdem unter anderem Chonta, Mais, Kakao und Erdnüsse. Chicha aus Yuca oder Chontafrüchten war unvergoren und alkoholfrei.

Beim Tausch mit Fremden wurde eine gewünschte Ware gefordert statt angeboten. Preise und feste Fristen gab es nicht; eine Gegenleistung wurde später nach Ermessen des Empfängers erwartet. Moderne, schwer ersetzbare Güter wie Gewehre, Munition, Macheten oder Reis erschweren dieses reziproke, also auf Gegenseitigkeit beruhende System. Feste Dörfer, getrennte Familienhäuser und ungleich verteilte Prestigeobjekte fördern nach dem Artikel Besitzkonflikte, Neid und soziale Spannungen.

Religion, Kulturwandel und Politik

Die traditionelle Religion der Waorani ist variabel und pragmatisch. Waengongi ist der Schöpfergott; nach der Mission wurde er teilweise mit dem Gott der Bibel gleichgesetzt. Zu den Geistern gehören böse Wene, die nach der Vorstellung durch Geisterbeschwörer, Ido, ausgesandt werden können, sowie tiergestaltige Geister Verstorbener. Unter Ayahuasca nehmen spirituelle Spezialisten nach eigener Vorstellung Kontakt zur Geisterwelt auf. Besonders bedeutend sind Jaguarvater Menye Waempo und Jaguarmutter Menye Baada. Der Jaguar bewahrt die spirituelle Welt; der Hund gilt als sein Gegner.

Tod wurde traditionell meist als Folge von Gewalt durch Ido oder Cowore, also Fremde beziehungsweise „Kannibalen“, erklärt. Die kriegerische Kultur war von Blutrache geprägt. Nach Schätzungen gingen etwa die Hälfte der Todesfälle von Waorani-Männern und ein Drittel der Todesfälle von Frauen auf intratribale, also innerhalb des Stammes erfolgte, Tötungen zurück. Zugleich nennt der Artikel Großzügigkeit, Kooperation innerhalb der eigenen Gruppe und Reziprozität als wichtige Werte. Der Ursprungserzählung zufolge wurden die Waorani aus dem Jaguar-Stamm, nachdem ein Biber mit Hilfe einer Spinne den heiligen Kapokbaum gefällt und der dämonische Adler sich in Flüsse, Wald und Tiere verwandelt hatte.

80–90 % der nicht isolierten Waorani sind offiziell Protestanten, 10–20 % Katholiken. Der Artikel betont jedoch, dass traditionelle Vorstellungen fortbestehen und mit christlichen Ideen vermischt werden. Die Mission senkte in ihren ersten 15 Jahren die Gewalt-Todesfälle nach Artikelangabe um 60 % und erhöhte den jährlichen Bevölkerungszuwachs um mehr als 100 %, unter anderem durch das Ende vieler Fehden, Gesundheitsversorgung, Schule und Mobilität. Eine vollständige Christianisierung wird nicht festgestellt.

NAWE ist das offiziell anerkannte zentrale politische Organ; daneben arbeitet die Frauenorganisation AMWAE. Waorani haben zwar kommunale Landrechte und besondere Nutzungsrechte im 9.823 km² großen Yasuní-Nationalpark, doch der ecuadorianische Staat besitzt Rechte an Luftraum und unterirdischen Ressourcen wie Erdöl. Deshalb fordern sie mehr Autonomie und Entscheidungsmacht. Unterschiedliche Interessen lokaler Gruppen führen dazu, dass Waorani teils mit Ölunternehmen verhandeln und teils Widerstand leisten.

Sprache und gegenwärtige Veränderungen

Wao Terero oder Wao Tiriro wird meist als Sprachisolat betrachtet; Catherine M. Peeke ordnete es der Sabela-Sprachfamilie zu. Die Sprache ist bedroht. Kichwa verbreitete sich im 20. Jahrhundert besonders in gemischten Familien. Spanisch gewinnt durch Schule, Migration und Integration an Bedeutung. Es gibt keine Bücher auf Wao Terero; die einzige genannte Ausnahme ist eine Übersetzung des Neuen Testaments, die 1992 erstmals erschien.

Die moderne Wirtschaft verbindet weiterhin Jagd, Sammeln und Gartenbau mit Geldverdienst. Besonders Gemeinden an Ölstraßen kaufen Nahrung oder erhalten Lieferungen von Ölunternehmen. Einnahmen entstehen unter anderem durch Arbeiten für Ölgesellschaften, Führungen, Besuchsgebühren sowie den Verkauf von Handwerk, Sammelprodukten und Wildfleisch. Der Artikel nennt illegalen Holzhandel als wichtigste Einnahmequelle, vor allem an der Vía Tiguino. NAWE verbietet kommerziellen Anbau und Viehzucht, auch wenn beides vereinzelt vorkommt.

Der Kontakt zur Außenwelt bringt Krankheiten wie Grippe, Windpocken, Masern, Poliomyelitis sowie Hepatitis B und D, außerdem Alkoholismus, Prostitution und Unfälle mit Waffen oder Dynamit. Die Waorani verfügen laut Artikel im Vergleich zu anderen indigenen Gruppen Ecuadors über eine bessere Gesundheitsversorgung, unter anderem durch Ölunternehmen und das Vozandes-Krankenhaus in Shell.

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