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Walter J. Levy
Walter James Levy (geboren am 21. März 1911 in Altona, gestorben am 10. Dezember 1997 in New York City) war ein deutsch-amerikanischer Jurist und Experte …
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Überblick
Walter James Levy (21. März 1911 in Altona – 10. Dezember 1997 in New York City) war ein deutsch-amerikanischer Jurist und Experte für Ölfragen. Er beriet Ölunternehmen, Regierungen und internationale Organisationen zu Konflikten, nationaler Öl-Politik und zur Zukunft des internationalen Ölmarkts. Levy galt als einer der wichtigsten Sachkundigen der Öl-Wirtschaft und gründete 1949 in New York die W. J. Levy Consultants Corp.
Herkunft und Ausbildung
Levy war der Sohn der jüdischen Eheleute Moses Levi (1873–1938), eines Anwalts, und Betty Lindenberger (1882–1942). Er hatte drei Schwestern; sie überlebten den Holocaust. Seine Mutter wurde im Juli 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Er studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaft in Freiburg, München, Heidelberg (1929–1930), Berlin (1930–1931) und Kiel (1931–1932). In Kiel wurde er 1933 zum Doktor der Rechte promoviert. Seine strafrechtliche Arbeit behandelte den Begriff der unechten Unterlassung, also das strafbare Nicht-Handeln trotz einer Pflicht zum Handeln, sowie deren Kausalität und Rechtswidrigkeit.
Seit April 1942 war Levy mit Augusta, geborene Sondheimer (1918–1981), verheiratet. Sie hatten zwei Kinder: Robert Allen und Susan Clementine.
Exil und Arbeit im Krieg
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den folgenden antisemitischen Gesetzen und Maßnahmen ging Levy 1933 nach Großbritannien ins Exil. Er arbeitete beim Petroleum Press Bureau, das seit 1934 den mehrsprachigen Petroleum Press Service herausgab. Daneben nahm er ein Statistikstudium auf und schrieb ein Buch über Öl im Krieg. Dadurch wurden britische Wirtschaftsvertreter auf ihn aufmerksam; er versorgte sie anschließend mit Fachinformationen.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitete Levy zunächst für das britische Ministerium für wirtschaftliche Kriegsführung. Danach wurde er als „Feindlicher Ausländer“ interniert.
Ölexperte in den Vereinigten Staaten
1941 wanderte Levy in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in New York City nieder. Zunächst arbeitete er als Erdöljournalist für die Zeitschrift Fortune. Ab 1942 war er auf Wunsch von William J. Donovan (1883–1959) Mitarbeiter des Office of Strategic Services in Washington, D.C.
Als Abteilungsleiter im Enemy Oil Committee untersuchte er deutsche Erdölvorkommen, Versorgungswege, Raffinerien und Anlagen zur synthetischen Treibstoffherstellung durch Kohleverflüssigung. Ziel war es, geeignete Ziele für Luftangriffe zu ermitteln. Dabei wertete er auch öffentlich zugängliche deutsche Eisenbahn-Journale aus: Veränderte Frachttarife halfen ihm, Standorte entsprechender Anlagen einzugrenzen.
Später war Levy im amerikanischen Außenministerium für Erdölforschung zuständig. Danach wechselte er zur Economic Cooperation Administration, welche die Gelder des Marshallplans verwaltete. Mit seiner Beratungsfirma betreute er ab 1949 Ölunternehmen sowie Regierungen, Regierungsvertreter und Behörden unter anderem in den Vereinigten Staaten, Venezuela, Kanada, Indien, Brunei und Saudi-Arabien. Auch Großbritannien, die Bundesrepublik Deutschland, die Vereinten Nationen und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft nutzten seine Fachkenntnisse. Mitte der 1980er Jahre ging er in den Ruhestand.
Veröffentlichungen, Anerkennung und Nachlass
Levys umfangreichste Monografie erschien 1982 und behandelte Öl-Strategien und Öl-Politik. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze, besonders in Foreign Affairs. Er trat unter anderem bei Meet the Press (1973, 1979 und 1980), This Week with David Brinkley (1982) und der BBC (1980) auf.
Time bezeichnete ihn 1977 als bedeutenden internationalen Erdölberater. Die New York Times nannte ihn 1969 den „Doyen der Öl-Berater“ und 1997 den „Doyen der US-amerikanischen Öl-Ökonomen“. Zu seinen Auszeichnungen gehörten 1947 die President’s Certificate of Merit, 1968 die Special Plaque des amerikanischen Außenministeriums, 1969 Dato Seri Laila Jasa von Brunei und der Taj-Orden des Iran, 1973 der Order of St Michael and St George (C.M.G.) sowie 1979 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Material aus seiner Beratertätigkeit wird als Walter J. Levy Papers, 1911–1998 im American Heritage Center der University of Wyoming aufbewahrt.