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Vincenzo Galilei

Vincenzo Galilei, auch Vincenzio Galilei, (* 3. April 1520 in Santa Maria a Monte; † 2. Juli 1591 in Florenz) war ein italienischer Lautenist, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Einordnung
  2. 2. Leben und musikalisches Umfeld
  3. 3. Musiktheorie und neue Musikformen
  4. 4. Experimente zu Klang und Saiten
  5. 5. Wichtige Schriften und Überlieferung

Bedeutung und Einordnung

Vincenzo Galilei, auch Vincenzio Galilei, wurde am 3. April 1520 in Santa Maria a Monte geboren und starb am 2. Juli 1591 in Florenz. Er war ein italienischer Lautenist, Musiktheoretiker und Komponist. Wichtig ist er vor allem, weil er in der Musiktheorie den Übergang von älteren Formen zur neuen Betonung des Sologesangs mit Begleitung mitprägte. Außerdem verband er musikalische Theorie mit Experimenten zur Physik des Klangs.

Er war der Vater des Naturwissenschaftlers Galileo Galilei und des Komponisten Michelangelo Galilei. Die im Artikel beschriebene Verbindung von Theorie und Experiment in Vincenzo Galileis Arbeit gilt als Einfluss auf die spätere Entwicklung Galileos als Physiker.

Leben und musikalisches Umfeld

Vincenzo Galilei stammte aus einer noblen Familie. Das bedeutete nach dem Artikel nicht Wohlstand, sondern vor allem das Recht, Ämter in Florenz zu bekleiden. Er lernte bei den Musiktheoretikern Gioseffo Zarlino in den 1560er Jahren in Venedig und Girolamo Mei.

Um 1560 zog er nach Pisa. 1562 heiratete er Giulia Ammannati, die aus einer angesehenen Tuchhändlerfamilie aus Pisa stammte. Aus der Ehe gingen sechs oder sieben Kinder hervor, darunter 1564 Galileo als ältester Sohn, Michelangelo Galilei (1575–1631) sowie die Töchter Virginia (* 1573), Livia (* 1578) und Elena (* 1580).

Galilei wirkte in Pisa und Florenz als Lautenlehrer, Lautenist, Komponist und Sänger. Zu seinen wichtigen Förderern gehörte Giovanni de’ Bardi in Florenz, der auch Galileis Aufenthalt in Venedig bei Zarlino finanzierte. Anfang der 1570er Jahre konnte Galilei endgültig nach Florenz übersiedeln und sich ganz der Musik widmen. Dort war er Mitglied der Florentiner Camerata, einer Gruppe um Giovanni de’ Bardi, die antike Vorbilder wiederbeleben wollte. Galilei galt dort auch als Theoretiker der Gruppe.

Musiktheorie und neue Musikformen

In seinem Werk „Dialogo della musica antica e della moderna“ von 1581, das Giovanni de’ Bardi gewidmet war, vertrat Galilei eine wichtige musiktheoretische Position: Er forderte, die Laute gleichstufig temperiert zu stimmen. Gleichstufige Temperatur bedeutet, dass die Oktave in gleich große Halbtonschritte geteilt wird. Als sehr gute Näherung für den gleichstufig temperierten Halbton gab er die Saiten-Proportion 18:17 an.

In derselben Schrift setzte er sich für eine Wiederbelebung der antiken Monodie ein. Monodie bedeutet Einstimmigkeit, also eine einzelne Hauptstimme statt mehrerer gleichzeitiger Stimmen. Galilei wandte sich damit gegen die herkömmliche Polyphonie, also mehrstimmige Musik mit mehreren gleichzeitig geführten Stimmen. Er übernahm die Idee der Monodie aber in veränderter Form: Er befürwortete Sologesang mit Instrumentalbegleitung.

Diese Gedanken wurden wegweisend für die Entwicklung des Rezitativs. Ein Rezitativ ist eine gesangsnahe Vortragsweise, die sich am Sprachrhythmus orientiert. Galilei selbst komponierte die ersten monodischen Werke mit Lautenbegleitung; diese sind jedoch nicht erhalten. Erhalten sind dagegen einige mehrstimmige Madrigale und Lautenstücke.

Experimente zu Klang und Saiten

In der Streitschrift „Discorso intorno all’opere di messer Gioseffo Zarlino“ von 1589 widersprach Galilei seinem früheren Lehrer Gioseffo Zarlino. Er kritisierte unter anderem die Annahme, dass Zarlinos Überlieferung der Legende von Pythagoras in der Schmiede physikalisch korrekt sei. Galilei zeigte, dass die Tonhöhe einer Saite offensichtlich nicht einfach proportional zur Zugspannung ist.

Er widerlegte auch die damals verbreitete Auffassung, dass bei zwei Saiten im Abstand einer Oktave das Verhältnis der Saitenspannung 2:1 sei, so wie bei der Saitenlänge. Durch das Anhängen von Gewichten zeigte er stattdessen, dass das Spannungsverhältnis 4:1 beträgt. Der Artikel verweist dazu auf die Saitenschwingung.

Viele seiner experimentellen Untersuchungen veröffentlichte Vincenzo Galilei nicht. Sie fanden sich später im Nachlass seines Sohnes Galileo Galilei. Im 17. Jahrhundert wurden die physikalischen Verhältnisse schwingender Saiten genauer von Galileo Galilei und Marin Mersenne untersucht. Stillman Drake vermutet, dass der junge Galileo seinem Vater bei den Experimenten half, als er Ende der 1580er Jahre noch bei seiner Familie wohnte. Drake vermutet außerdem, dass diese Experimente einen Ursprung der experimentellen Methode Galileos bildeten. Galileo erhielt von seinem Vater auch eine musikalische Ausbildung und spielte Laute.

Wichtige Schriften und Überlieferung

Zu Vincenzo Galileis Veröffentlichungen gehören Lautenmusik, Madrigale, kontrapunktische Werke und musiktheoretische Schriften. Früh erschien „Intavolatura de lauto di Vincenzo Galileo Fiorentino“ bei Valerio Dorico in Rom 1563. „Fronimo... Dialogo del intavolare nel musica del liuto“ erschien 1568 in Venedig bei Gerolamo Scotto; eine zweite Auflage erschien 1584.

Weitere Werke sind „Il primo libro de madrigali a quatro et cinque voci“ von 1574, „Contrapunti a due voci“ von 1584 und „Il secondo libro de madrigali a quatro, et a cinque voci“ von 1587. Seine wichtigen theoretischen Schriften sind „Dialogo della musica antica et moderna“, erschienen 1581 bei Giorgio Marescotti in Florenz, und „Discorso intorno all’opere di messer Gioseffo Zarlino da Chioggia“, erschienen 1589 in Venedig.

Spätere Textausgaben und Übersetzungen machten Galileis Schriften erneut zugänglich. Dazu gehören unter anderem Auszüge in englischer Übersetzung in William Oliver Strunks „Source Readings in Music History“, eine englische Übersetzung des „Dialogo“ mit Einleitung von Claude V. Palisca unter dem Titel „Dialogue on ancient and modern music“ von 2003 sowie Frieder Rempps Ausgabe „Die Kontrapunkttraktate Vincenzo Galileis“ von 1980. Unveröffentlichte Manuskripte befinden sich in der Nationalbibliothek Florenz in den „MSS Galileiani“.

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