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Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft

Dieser Artikel behandelt die erste französische Kolonisation Vietnams bis etwa Mitte der 1930er Jahre. Für die Ereignisse von 1937 bis 1945 siehe Vietnam …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Eroberung Cochinchinas und erste Folgen
  3. 3. Steuern, Zwangsarbeit und Annexion
  4. 4. Verlust der Souveränität und Kolonialverwaltung
  5. 5. Zentralisierung, neuer Widerstand und Ende

Überblick

Die französische Kolonialherrschaft in Vietnam begann 1858 mit einem militärischen Eingreifen und endete endgültig 1954. Frankreich wollte seine Missionare schützen, vor allem aber einen Stützpunkt in Indochina und bessere Handelswege nach China gewinnen. Schrittweise verlor Vietnam seine Souveränität. Die Kolonialherrschaft beruhte auf militärischer Unterwerfung, politischer Kontrolle und wirtschaftlicher Ausbeutung; sie löste wiederholt Widerstand aus.

Eroberung Cochinchinas und erste Folgen

Am 31. August 1858 erschien ein französisches Flottengeschwader vor Tourane (Đà Nẵng). Nachdem der Mandaringouverneur die Übergabe verweigert hatte, besetzten Soldaten Napoleons III. die Forts der Bucht. Die Expedition sollte die Regierung in Huế einschüchtern. Weil Huế nicht verhandelte und die vietnamesische Armee Widerstand leistete, zogen sich die Franzosen im März 1860 aus Tourane zurück.

Inzwischen hatten sie Saigon erobert und dehnten von dort ihre Kontrolle aus. Im Juni 1862 trat die Regierung in Huế drei nördliche Provinzen Cochinchinas an Frankreich ab. Sie musste Reparationen zahlen sowie französische Missionierung, die Schifffahrt auf dem Mekong und Handel in einigen Hafenstädten zulassen.

Steuern, Zwangsarbeit und Annexion

Die Kolonie sollte sich selbst finanzieren. Deshalb erhöhte die Kolonialverwaltung die Steuern stark: Bis 1879 hatte sich die Steuerlast in Cochinchina verzehnfacht. Reis wurde exportiert, obwohl die frühere Mandarinregierung dies wegen möglicher Hungersnöte untersagt hatte. Steigende Preise verhinderten, dass Bauern Vorräte für Notfälle anlegen konnten.

Wegen Arbeitskräftemangels wurden Bauern zur schlecht bezahlten Zwangsarbeit verpflichtet, der „großen Fron“. Bauern, Mandarine und Gelehrte standen dem Regime daher feindlich gegenüber. Aufstände beantworteten die Franzosen mit Strafexpeditionen. Im Juni 1867 besetzte und annektierte die französische Marine auch die übrigen Provinzen Cochinchinas.

Verlust der Souveränität und Kolonialverwaltung

Frankreich erkannte, dass der Rote Fluss und nicht der Mekong den Landweg nach China eröffnete, und besetzte 1872 Teile Tongkings. Im Vertrag vom 15. März 1874 sagte Frankreich zwar die Räumung Tongkings zu, doch Vietnam musste die Annexion der 1867 besetzten Gebiete anerkennen. Weitere Häfen und der Rote Fluss wurden für den französischen Handel geöffnet; außerdem musste Vietnam seine Außenpolitik mit Frankreich abstimmen und französische Hilfe für innere Ordnung und Landesverteidigung zulassen.

Nach einem Aufstand in Tongking zwang Frankreich die Regierung in Huế am 25. August 1883 zum vorläufigen Harmand-Vertrag und am 6. Juni 1884 zum endgültigen Vertrag von Huế, dem Patenôtre-Vertrag. Vietnam verlor damit seine Souveränität. Im Chinesisch-Französischen Krieg 1884/85 zwang Frankreich China, auf Tongking zu verzichten, und besiegte die Schwarzen Flaggen. Die Ereignisse von 1883 bis 1885 wurden in Frankreich auch Tonkin-Kampagne genannt.

Ab 1885 entstand in Tongking und Annam eine direkte französische Verwaltung mit straffer politischer Kontrolle. Der Kaiser musste 1887 seine Herrscherrechte an einen Vizekönig abtreten, der praktisch der französischen Verwaltung unterstand. Als koloniale Hilfstruppe wurde die Garde indigène geschaffen. Widerstand von Guerillagruppen und Bauern scheiterte laut Artikel an Repressionen wie Exekutionen ohne Urteil sowie an innerer Zersplitterung.

Zentralisierung, neuer Widerstand und Ende

Paul Doumer, Generalgouverneur der Indochinesischen Union von 1897 bis 1902, zentralisierte den kolonialen Repressionsapparat. Das von ihm geschaffene System finanzieller Ausbeutung und politischer Herrschaft blieb bis 1945 nahezu unverändert. Schon 1888 waren ein einheitliches Wirtschafts- und Verwaltungssystem sowie der Piaster als einheitliche Währung Indochinas eingeführt worden.

Um 1905 war der vor allem von Adel und Bauern getragene bewaffnete Widerstand praktisch beendet. Danach entstanden politische Bewegungen des vietnamesischen Bürgertums. Nationalisten um Phan Bội Châu (1868–1940) und Cuong De waren ab 1905 in Japan und Südchina aktiv, forderten Reformen und verübten Terrorakte gegen Franzosen. Das 1904 verschärfte Eingeborenenregime erlaubte dem Generalgouverneur praktisch unbegrenzte Internierungen und Enteignungen.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden unter dem Eindruck der Oktoberrevolution von 1917 revolutionäre und kommunistische Organisationen. Die Việt Nam Quốc Dân Đảng (VNQDD) wurde nach der Yen-Bay-Meuterei von der Kolonialmacht zerschlagen. 1930 schlossen sich fortschrittliche Gruppen zur Indochinesischen Kommunistischen Partei unter Führung Ho Chi Minhs zusammen. Wirtschaftskrise, Armut und fehlende legale politische Betätigung führten zu weiteren Aufständen, die blutig unterdrückt wurden.

Der japanisch-französischen Verwaltung von 1940 bis zum 9./10. März 1945 folgte eine kurzlebige unabhängige Regierung unter Trần Trọng Kim. Auf Ho Chi Minhs zweite Unabhängigkeitserklärung vom 2. September 1945 folgte Repression, die zum Indochinakrieg führte. Dieser kostete 92.000 französische Militärs das Leben. Die Indochinakonferenz von 1954 beendete die französische Kolonialherrschaft in Vietnam endgültig.

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