Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Variation (Kombinatorik)

Eine Variation (von lateinisch variatio ‚Veränderung') ist in der Kombinatorik eine Auswahl von Objekten aus einer Menge in einer bestimmten Reihenfolge.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Abgrenzung
  2. 2. Ohne Wiederholung
  3. 3. Beispiele ohne Wiederholung
  4. 4. Mit Wiederholung
  5. 5. Beispiele mit Wiederholung
  6. 6. Funktionale Darstellung

Grundidee und Abgrenzung

Eine Variation ist in der Kombinatorik eine Auswahl von Objekten aus einer Menge, bei der die Reihenfolge der ausgewählten Objekte berücksichtigt wird. Man wählt k Objekte aus einer Menge von n Objekten aus. Die Anzahl möglicher Variationen zu bestimmen, ist eine Standardaufgabe der abzählenden Kombinatorik.

Der Unterschied zu einer Kombination besteht darin, dass bei einer Kombination die Reihenfolge nicht berücksichtigt wird. Werden alle verfügbaren Objekte ausgewählt, also k = n, spricht man statt von einer Variation von einer Permutation.

Es gibt zwei Hauptfälle: Bei einer Variation ohne Wiederholung darf jedes Objekt nur einmal auftreten. Bei einer Variation mit Wiederholung können Objekte mehrfach ausgewählt werden. Im Urnenmodell entspricht das einer Ziehung ohne Zurücklegen beziehungsweise mit Zurücklegen, jeweils mit Berücksichtigung der Reihenfolge.

Eine Variation ohne Wiederholung ist eine Stichprobe ohne Zurücklegen des Umfangs k aus einer Grundgesamtheit von n Elementen, wobei die Reihenfolge berücksichtigt wird, kurz eine geordnete Auswahl ohne Zurücklegen. Eine Variation mit Wiederholung ist entsprechend eine Stichprobe mit Zurücklegen des Umfangs k aus einer Grundgesamtheit von n Elementen, ebenfalls mit Berücksichtigung der Reihenfolge, kurz eine geordnete Auswahl mit Zurücklegen.

Nicht verwechselt werden darf die geordnete Auswahl mit einer geordneten Stichprobe. Eine geordnete Stichprobe entsteht, wenn die Werte einer Stichprobe nach ihrer Größe angeordnet werden. In der Literatur werden Begriffe teilweise anders zusammengefasst: Manchmal werden Variationen als Kombinationen mit Berücksichtigung der Reihenfolge bezeichnet; im englischen Sprachgebrauch werden Variationen auch mit Permutationen zusammengefasst und partial permutations oder k-permutations genannt.

Ohne Wiederholung

Bei einer Variation ohne Wiederholung werden k von n Objekten mit k ≤ n auf k Plätze verteilt, wobei jedes Objekt höchstens einmal vorkommen darf. Für den ersten Platz gibt es n Möglichkeiten, für den zweiten n − 1 Möglichkeiten und so weiter bis zum k-ten Platz, für den noch n − k + 1 Möglichkeiten bleiben.

Die Anzahl der Variationen ohne Wiederholung ist daher

n · (n − 1) · … · (n − k + 1) = n! / (n − k)!

Diese Zahl wird auch mit n^{\underline{k}} oder (n)_k bezeichnet und heißt fallende Faktorielle. Mit n! wird die Fakultät von n bezeichnet.

Als Menge lassen sich alle Variationen ohne Wiederholung von n Objekten zur Klasse k durch Tupel darstellen:

{(x₁, x₂, …, x_k) | x_i ∈ {1, 2, …, n}, x_i ≠ x_j für i ≠ j}

Die Bedingung x_i ≠ x_j bedeutet, dass kein Objekt zweimal vorkommt.

Beispiele ohne Wiederholung

Bei einer Urne mit 5 nummerierten Kugeln, aus der 3-mal ohne Zurücklegen gezogen wird, gibt es für die erste Kugel 5 Möglichkeiten, für die zweite 4 und für die dritte 3. Wenn die Reihenfolge der gezogenen Kugeln berücksichtigt wird, gibt es insgesamt 5 · 4 · 3 = 60 Auswahlmöglichkeiten. Werden alle 5 Kugeln gezogen, erhält man 5 · 4 · 3 · 2 · 1 = 5! = 120 Möglichkeiten, also die Anzahl der Permutationen aller 5 Kugeln.

Bei 9 Personen und 4 Sitzplätzen in einem Zugabteil kann der erste Sitzplatz von 9 Personen, der zweite von 8, der dritte von 7 und der vierte von 6 Personen besetzt werden. Daraus ergeben sich 9 · 8 · 7 · 6 = 3024 mögliche Sitzordnungen, wenn nur die belegten Plätze betrachtet werden. Umgekehrt ergeben sich bei 4 Personen und 9 Sitzplätzen im Flugzeugabteil ebenfalls 9 · 8 · 7 · 6 = 3024 Sitzordnungen, wenn jede Person genau einen Platz bekommt und jeder Platz höchstens einmal besetzt wird.

Bei einem Team mit 7 verschiedenen Positionen und 10 möglichen Personen gibt es für die erste Position 10 Möglichkeiten und für die siebte noch 4. Insgesamt entstehen 10 · 9 · 8 · 7 · 6 · 5 · 4 = 604800 Zuordnungsmöglichkeiten. Solche Aufstellungen können als Variationen ohne Wiederholung angesehen werden, wenn jede Person für jede Position zur Verfügung steht. In der Praxis ist die reine Anzahl aber oft wenig relevant, weil nicht jede Person jede Position übernehmen kann und Rückennummern nicht immer verschiedenen Positionen entsprechen.

Mit Wiederholung

Bei einer Variation mit Wiederholung werden aus n Objekten k Objekte ausgewählt, wobei die Reihenfolge zählt und Objekte mehrfach vorkommen dürfen. Auf jedem der k Plätze kann jedes der n Objekte stehen. Deshalb gibt es

n · … · n = n^k

mögliche Anordnungen, wobei der Faktor n insgesamt k-mal vorkommt.

Als Menge werden alle Variationen mit Wiederholung von n Objekten zur Klasse k so dargestellt:

{1, 2, …, n}^k = {(x₁, x₂, …, x_k) | x_i ∈ {1, 2, …, n}}

Das ist das k-fache kartesische Produkt der Menge {1, 2, …, n} mit sich selbst. Anders als bei der Variation ohne Wiederholung gibt es keine Bedingung, dass die Einträge verschieden sein müssen.

Beispiele mit Wiederholung

Beim viermaligen Werfen eines Spielwürfels mit den Augenzahlen 1 bis 6 gibt es bei jedem Wurf 6 mögliche Ergebnisse. Für 4 Würfe entstehen daher 6 · 6 · 6 · 6 = 6^4 = 1296 mögliche Ergebnisfolgen.

Bei einer Urne mit 5 nummerierten Kugeln, aus der 3-mal mit Zurücklegen gezogen wird, gibt es bei jeder Ziehung wieder 5 Möglichkeiten. Wenn die Reihenfolge betrachtet wird, ergeben sich 5 · 5 · 5 = 5^3 = 125 verschiedene Auswahlmöglichkeiten.

Eine 4-stellige PIN oder ein Zahlenschloss mit 4 Ringen und je 10 Ziffern hat 10^4 = 10000 verschiedene Variationen. Dazu gehören die Zahlen 0000 bis 9999, also auch Zahlen, die mit 0 beginnen. In der Digitaltechnik bestehen Binärzahlen nur aus den Ziffern 0 und 1. Mit k Bits entstehen 2^k verschiedene Variationen; eine 4-stellige Binärzahl kodiert 2^4 = 16 Zustände.

Allgemein ist die Anzahl der natürlichen Zahlen mit n Ziffern im Stellenwertsystem der Basis b gleich b^n, wenn Zahlen mit führender 0 mitgezählt werden. Bei einer digitalen Rastergrafik mit 1280 × 720 Pixeln gibt es 1280 · 720 = 921600 Pixel. Im RGB-Farbraum hat jedes Pixel 3 Farbkanäle mit je 8 Bit, also pro Farbkanal 2^8 = 256 Zustände und pro Pixel 256^3 = 16777216 mögliche Werte. Daraus ergeben sich 16777216^921600 mögliche digitale Rastergrafiken, wenn die Farbwerte verlustfrei komprimiert und gespeichert werden.

Funktionale Darstellung

Variationen lassen sich auch mit Funktionen beschreiben. Eine Funktion ordnet jedem Element einer Definitionsmenge genau ein Element einer Zielmenge zu. Die Definitionsmenge X = {x₁, x₂, …, x_k} hat k Elemente, die Zielmenge Y = {y₁, y₂, …, y_n} hat n Elemente.

Eine Variation mit Wiederholung entspricht einer beliebigen Funktion f: X → Y. Für jedes f(x_i) stehen immer alle n Funktionswerte y₁, y₂, …, y_n zur Verfügung. Daher gibt es insgesamt n^k solche Funktionen.

Eine Variation ohne Wiederholung entspricht einer injektiven Funktion f: X → Y. Injektiv bedeutet: Verschiedene Elemente der Definitionsmenge bekommen verschiedene Funktionswerte. Für f(x₁) gibt es n Möglichkeiten, für f(x₂) noch n − 1, für f(x₃) noch n − 2 und so weiter. Für f(x_k) bleiben n − k + 1 Möglichkeiten. Insgesamt gibt es deshalb n · (n − 1) · … · (n − k + 1) = n! / (n − k)! injektive Funktionen, also genau die Anzahl der Variationen ohne Wiederholung.

Lernvideos zu Variation (Kombinatorik)

Weiterlesen

Kombinatorik Die Kombinatorik ist eine Teildisziplin der Mathematik, die sich mit endlichen oder abzählbar unendlichen diskreten Strukturen beschäftigt und deshalb auch … Kombination (Kombinatorik) Können Objekte dabei mehrfach ausgewählt werden, so spricht man von einer Kombination mit Wiederholung. Darf dagegen jedes Objekt nur einmal auftreten, spricht … Abzählende Kombinatorik Die abzählende Kombinatorik ist ein Teilbereich der Kombinatorik. Sie beschäftigt sich mit der Bestimmung der Anzahl möglicher Anordnungen oder Auswahlen. Permutation Unter einer Permutation (von lateinisch permutare ‚vertauschen') versteht man in der Kombinatorik eine Anordnung von Objekten in einer bestimmten Reihenfolge. Urnenmodell Mit Urnenmodellen wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Farbkombinationen untersucht, wenn aus einer Urne mit verschiedenfarbigen Kugeln … Fakultät (Mathematik) Die Fakultät (manchmal, besonders in Österreich, auch Faktorielle genannt) ist in der Mathematik diejenige Funktion, die jeder natürlichen Zahl das Produkt … Menge (Mathematik) Der Begriff der Menge (englisch set, französisch ensemble, spanisch conjunto) ist ein grundlegender Begriff der Mathematik. Damit eng verwandt ist der … Definitionsmenge In der Mathematik versteht man unter Definitionsmenge oder Definitionsbereich die Menge mit genau den Elementen, für die – je nach Zusammenhang – eine … Zielmenge Die Definitionsmenge ( A {\displaystyle A} · Die Zielmenge ( B {\displaystyle B} · Die Bildmenge besteht aus den Elementen b, c, d. · Definitionsbereich ist ein … Kartesisches Produkt Das kartesische Produkt oder Mengenprodukt ist in der Mengenlehre eine grundlegende Konstruktion, aus gegebenen Mengen eine neue Menge zu erzeugen. Spielwürfel Er wird hauptsächlich verwendet, um in vielen Spielen ein Symbol (oft eine Zahl) zufällig auszuwählen. Dafür sind seine Ruhelagen mit jeweils einem der Symbole … Natürliche Zahl Die natürlichen Zahlen (ℕ) sind Teil der ganzen Zahlen (ℤ), die Teil der rationalen Zahlen (ℚ), die wiederum Teil der reellen Zahlen (ℝ) sind. Die dabei global …