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Vagina des Menschen
→ Hauptartikel: Empfängnisverhütung. In der Vagina können mechanische, chemische und hormonelle Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft eingesetzt werden.
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Grundlagen und Aufbau
Die Vagina des Menschen, auf Deutsch Scheide genannt, ist ein mit Schleimhaut ausgekleidetes Geschlechtsorgan. Sie verbindet die Gebärmutter (Uterus) über den Gebärmutterhals (Zervix) mit dem Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae) und ist Teil des Geburtskanals. Am Übergang zum Scheidenvorhof liegt der Hymen, eine Ansammlung von Schleimhautfalten, meist kranzförmig.
Die Vagina ist ein dehnbares, muskulös-bindegewebiges Organ im Bauchraum. Sie liegt ungefähr in der Beckenachse, durchquert den Beckenboden und mündet mit ihrer Öffnung, dem Ostium vaginae oder Introitus vaginae, in den Scheidenvorhof der Vulva. Der Gebärmutterhals ist um etwa 90 Grad nach vorn abgeknickt und folgt daher nicht einfach der Richtung der Vagina.
Die Länge ist individuell verschieden. Eine Studie von 2006 nennt für erwachsene Frauen im Ruhezustand einen Mittelwert von 6,27 cm mit einer Spannweite von 4,1 bis 9,2 cm. Im gedehnten Zustand liegt der Mittelwert bei 13 cm (± 3 cm). Die hintere Vaginawand ist wegen der Lage des Uterus etwas länger als die vordere. Im ungedehnten Zustand berühren sich vordere und hintere Wand; das Lumen bildet einen H-förmigen Spalt. Querfalten, die Rugae vaginales, verstärken beim Geschlechtsverkehr die Reizwirkung und dienen zugleich als Dehnungsreserve für die Geburt.
Uterusseitig ragt die Portio vaginalis uteri, also der in die Vagina hineinragende Teil des Gebärmutterhalses, in die Vagina. Sie wird von Scheidengewölben, den Fornices vaginae, umfasst. Das hintere Scheidengewölbe reicht bis an den Douglas-Raum, den tiefsten Teil des Bauchraums zwischen Mastdarm und Uterus.
Gewebe, Muskeln und Versorgung
Die Vaginalwand ist etwa drei Millimeter dünn und besteht von innen nach außen aus Schleimhaut, Muskelschicht und Bindegewebsschicht. Die Schleimhaut, Tunica mucosa vaginae, trägt ein mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel, das Vaginalepithel. Es ist glykogenreich, drüsenlos und wird als kutane Schleimhaut beschrieben. Das Epithel liegt auf einer Lamina propria, einer Bindegewebsschicht mit elastischen Fasern, Lymphozyten, Kapillaren, Lymphgefäßen und weitlumigen Venen. Es verändert sich im Sexualzyklus unter dem Einfluss von Estrogenen und Progesteron.
Die Schleimhaut trägt zum sauren Milieu bei. Abgestorbene Zellen des Vaginalepithels enthalten viel Glykogen und dienen Milchsäurebakterien, den Döderlein-Bakterien, als Nährstoff. Diese Bakterien bilden Milchsäure und unterstützen eine Vaginalflora, die der Ansiedlung von Krankheitserregern entgegenwirkt. Das Epithel wird in Basalzellschicht, Parabasalschicht, Intermediärschicht und Superfizialschicht unterteilt.
Die Muskelschicht, Tunica muscularis vaginae, enthält innen Ringmuskulatur und außen Längsmuskulatur. Es handelt sich um glatte Muskulatur in einem bindegewebigen Gerüst. Der Aufbau aus kollagenen und elastischen Fasern ermöglicht eine starke Dehnung und anschließende Zusammenziehung. Zusätzlich wird die Vagina von quergestreiften Muskeln des Beckenbodens umgeben. Der Musculus pubococcygeus, ein Teil des Musculus levator ani, umfasst die Vagina schlingenartig und ermöglicht eine willkürliche Verengung.
Die Bindegewebsschicht, Tunica adventitia vaginae oder Parakolpium, enthält viele elastische Fasern und verbindet die Vagina mit Beckenboden, Harnröhre und Harnblase. Die Blutversorgung erfolgt vor allem über die Arteria vaginalis aus der Arteria iliaca interna sowie über Äste der Arteria vesicalis inferior und der Arteria pudenda interna. Das Venengeflecht, der Plexus venosus vaginalis, wird über die Vena uterina abgeleitet. Die Nervenversorgung erfolgt durch den Plexus uterovaginalis; die Sensibilität der Vagina ist insgesamt gering.
Funktionen im Körper
Das Vaginalsekret besteht aus Zervixschleim, der in den Drüsen des Muttermundes gebildet wird, aus Transsudat aus der Vaginawand und aus abgestorbenen Zellen des Vaginalepithels. Milchsäurebakterien wandeln Glykogen in Milchsäure um, die in einer Konzentration von etwa 0,5 % vorhanden ist. Dadurch ist das Vaginalsekret sauer, mit einem pH-Wert von 4 bis 4,5. Dieses saure Milieu schützt den weiblichen Genitaltrakt vor aufsteigenden Infektionen. Bei jungen Mädchen vor der Pubertät ist die Besiedelung anders: Vor allem apathogene Staphylokokken und Streptokokken kommen vor und bieten nur geringen Schutz gegen Krankheitserreger.
Während des weiblichen Zyklus sondert die Vagina Sekrete unterschiedlicher Konsistenz ab. Außerdem transportiert sie Menstruationsblut und abgestorbene Zellen aus dem Uterus nach außen.
Bei sexueller Erregung verändert sich das Vaginalmilieu. Durch Lubrikation, also Befeuchtung und Gleitfähigkeit, und durch dünnflüssigen Schleim aus den Zervixdrüsen wird das Sekret pH-neutral. Die Bartholinschen Drüsen, die in den Scheidenvorhof münden, geben zusätzlich schleimhaltiges Sekret ab. Eine unzureichende Befeuchtung wird Lubrikationsmangel oder Scheidentrockenheit genannt.
Beim vaginalen Geschlechtsverkehr nimmt die Vagina den Penis und das Sperma mit Spermien auf. Vaginaler Geschlechtsverkehr kann wie andere sexuelle Betätigungen zum Orgasmus führen. Da die Vagina selbst relativ nervenarm ist, ist umstritten, ob der Begriff „vaginaler Orgasmus“ sinnvoll ist. Bei vaginaler Penetration wird je nach Sexualpraktik auch die Klitoris mit ihren Schwellkörpern stimuliert. Der Artikel nennt als empirische Annahme, dass die Mehrheit der Frauen durch bloße Penetration in die Vagina keinen Orgasmus erreicht, obwohl der Scheideneingang reich an Mechanorezeptoren ist. Zahlreiche Untersuchungen sprechen dafür, dass 70–80 % der Frauen hauptsächlich durch direkte Stimulation der Klitorisspitze einen Orgasmus erreichen können; auch indirekte Stimulation kann ausreichend sein.
Bei der Geburt ist die Vagina Teil des Geburtskanals. Wehen und die Öffnung des Muttermundes führen zur Lockerung der Vaginalmuskulatur, sodass sich die Vagina in der Austreibungsphase dehnen kann. Auch Vorhofschwellkörper, Schamlippen und Damm werden gedehnt. Dabei können Vagina, Schamlippen und Damm einreißen; ein solcher Dammriss kann ärztlich versorgt werden. Unter Umständen wird ein Dammschnitt vorgenommen.
Entwicklung, Varianten und Untersuchungen
Die Geschlechtsorgane entwickeln sich vor der Geburt aus einer zunächst geschlechtsunspezifischen Anlage. Die Entstehungszone der inneren und äußeren Geschlechtsorgane ist zunächst mit dem Urogenitalsystem verbunden. Wichtige embryonale Strukturen sind die Müller-Gänge und Wolff-Gänge, die anfangs paarig angelegt sind. Bei genetisch weiblichen Embryonen bildet sich der Wolff-Gang ab der zehnten Schwangerschaftswoche zurück. Unter Einfluss von Estrogenen entwickeln sich Uterus, äußere Genitalien und Vagina. Eileiter, Uterus sowie Binde- und Muskelgewebe der Vagina entstehen aus dem Müller-Gang; das Vaginalepithel entsteht aus dem Sinus urogenitalis. Wenn die Differenzierung und hormonelle Steuerung nicht eindeutig verläuft, kann sich kein eindeutiges biologisches Geschlecht entwickeln.
Seltene Varianten und Fehlbildungen können nur die Vagina betreffen, gemeinsam Vagina, Uterus und Harnwege betreffen oder am Vaginaausgang und Vaginavorhof liegen. Varianten müssen nicht mit Leidensdruck verbunden sein und haben nicht automatisch Krankheitswert. Einige gehören zum intergeschlechtlichen Spektrum. Beim Swyer-Syndrom gehen zum Beispiel XY-Chromosome mit der Ausbildung von Vagina, Eileitern und Uterus einher. Genannt werden außerdem Vaginalaplasie, Vaginalatresie, Hymenalatresie, Vaginalseptum, OHVIRA-Syndrom, Meacham-Syndrom und Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom.
Lageanomalien sind meist erworben, nicht angeboren. Dazu gehören Verminderungen der Höhe der Vagina über dem Beckenboden, etwa Vaginasenkung oder Vaginavorfall. Sehr selten ist eine vollständige Ausstülpung der Vagina, Inversio vaginae, die zusammen mit einer Ausstülpung der Gebärmutter als Geburtskomplikation vorkommen kann.
In der gynäkologischen Praxis kann die Vagina bei Beschwerden oder zur Kontrolle untersucht werden. Sie kann mit den Fingern abgetastet werden. Zur Betrachtung werden Spekulum, Vaginoskop oder Kolposkop verwendet. Durch einen Abstrich können Epithelzellen gewonnen und mikroskopisch untersucht werden; die Vaginalzytologie gibt Auskunft über die aktuelle Zyklusphase, wird heute aber durch Hormonuntersuchungen ergänzt. Außerdem können Gewebeproben durch eine Vaginabiopsie entnommen werden.
Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten
In der Vagina können Erkrankungen und Verletzungen auftreten, die auch Vulva, Muttermund oder Uterus betreffen können. Häufig sind akute oder chronische Entzündungen mit Juckreiz, Rötungen und verändertem Ausfluss. Eine Entzündung der Vagina heißt Kolpitis oder Vaginitis; wenn Vulva und Vagina gemeinsam betroffen sind, spricht man von Vulvovaginitis. Ursachen sind vor allem Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze. Häufige bakterielle Erreger sind unter anderem Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae, Prevotella-, Porphyromonas-, Peptostreptococcus- und Mobiluncus-Arten sowie Mykoplasmen. Eine wichtige Pilzinfektion ist die Kandidose durch Candida albicans. Auch Trichomonas vaginalis und Viren können Vaginitis auslösen.
Entzündungen können außerdem durch Verletzungen oder durch Störungen der Vaginalsekrete und -flora entstehen. Dazu zählen äußere Faktoren wie Intimsprays, Scheidenspülungen, Antibiotika oder Spermizide sowie organische Ursachen wie Estrogenmangel, Diabetes mellitus, Sekretionsstörungen, Hypermenorrhoe, Immunschwäche und Tumorerkrankungen. Wegen niedriger Estrogenproduktion tritt Vaginitis im Kindesalter und im höheren Alter häufiger auf als zwischen Pubertät und Postmenopause.
Verletzungen der Vaginalwand, meist Vaginalrisse, können durch Fremdkörper, heftige Penetration oder bei der Geburt entstehen. Kleinere Verletzungen bluten kurz und heilen meist schnell. Größere Verletzungen können ärztliche Versorgung oder Operation erfordern. Eine schwere Verletzung ist die Kolporrhexis, ein vollständiger oder teilweiser Abriss der Vagina vom Uterus. Intravaginale Fremdkörper können Beschwerden verursachen, wenn sie nicht problemlos entfernt werden können; sie können Verletzungen, Entzündungen oder veränderten Schleimfluss auslösen.
Fisteln sind unnatürliche Verbindungen zwischen Hohlorganen oder zur Außenwelt. Vaginale Fisteln führen meist zu Harnwegen oder Darm. Dadurch können Urin, Kot oder Darmgase über die Vagina abgehen. In Ländern mit begrenzten medizinischen Ressourcen entstehen sie häufig durch schwere Geburten oder schlecht versorgte Geburtsverletzungen; in Staaten mit besserer medizinischer Versorgung eher als Komplikation von Operationen, Krebserkrankungen, Bestrahlung oder Entzündungen wie Morbus Crohn. Vaginale Fisteln können operativ verschlossen werden.
Vaginaltumoren sind insgesamt selten. Sie können gutartig oder bösartig sein. Die meisten bösartigen Tumoren in der Vagina, 80 bis 90 %, sind Metastasen anderer Krebserkrankungen, etwa von Gebärmutterhals, Vulva, Dickdarm oder Eierstöcken. Primäre Vaginalkarzinome machen 10 bis 20 % aus und entstehen meist im oberen hinteren Vaginadrittel. Die Prognose hängt von Subtyp und Ausbreitung ab und ist schlechter als bei Gebärmutterhals- und Vulvakrebs. Bei Kindern kann sehr selten das aggressive Sarcoma botryoides auftreten.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr heißen Dyspareunie; wenn Geschlechtsverkehr dadurch nicht mehr möglich ist, Apareunie. Ursachen können Schleimhautveränderungen durch niedrigen Östrogen-Spiegel, Lubrikationsstörungen, Verengungen des Scheideneingangs, Vaginismus, Endometriose oder andere Erkrankungen im kleinen Becken sein. Das DSM-5 verwendet als Oberbegriff Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung. Auch psychosoziale Faktoren können Schmerzen verschlimmern.
Verhütung, Medikamente und kulturelle Einordnung
In der Vagina können mechanische, chemische und hormonelle Mittel zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt werden. Diaphragma oder Portiokappe werden als Barrieren in das Vaginagewölbe eingesetzt und können zur besseren Sicherheit mit einem Spermizid kombiniert werden. In manchen Ländern gibt es Verhütungsschwämme aus Polyurethan. Als Pendant zum Kondom für den Mann wird das Femidom genannt. Der Verhütungsring ist eine hormonelle Methode: Er wird in die Vagina eingeführt und gibt dort 21 Tage lang Estrogen und Gestagen ab. Sein Wirkmechanismus entspricht dem der Antibabypille.
Medikamente können ebenfalls vaginal angewendet werden, zum Beispiel als Vaginalzäpfchen. Sie dienen unter anderem der Behandlung von Pilzinfektionen oder der Linderung von Menstruationsbeschwerden. Nach den Wechseljahren kann Östrogenmangel zu einer dünneren Vaginalhaut, also Atrophie, führen; Zäpfchen mit Estriol können dem entgegenwirken.
Im Sprachgebrauch wird kritisiert, dass „Vagina“ alltagssprachlich oft für die Gesamtheit von Vagina und Vulva verwendet wird. Seit den 1970er Jahren bemühen sich feministische Aktivistinnen und Aktivisten in Deutschland um medizinisch korrekte, wert- und ideologiefreie Begriffe. Der Artikel betont außerdem, dass auch transidente, nicht-binäre und intersexuelle Personen eine Vagina haben können, ohne sich als weiblich oder Frau zu betrachten.
In Gesellschaft, Kunst und Literatur wurde die Vagina unterschiedlich gedeutet: als Symbol für Lust, Geburt, Fruchtbarkeit, spirituelle Energie oder auch in abwertenden Vorstellungen. Im Hinduismus steht die Yoni für weibliche Fruchtbarkeit, im Tantrismus für starke spirituelle Energie. In der Kunstgeschichte erhielt die Vagina besonders im 20. Jahrhundert und in der feministischen Kunst der 1960er und 1970er Jahre größere Aufmerksamkeit. In der Literatur kommen Motive wie die Vagina loquens, die sprechende Vagina, und die Vagina dentata, die bezahnte Vagina, vor.