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Lymphe
Das Lymphsystem mit den Lymphgefäßen als Leitungsbahnen ist neben dem Blutkreislauf das wichtigste Transportsystem im menschlichen Körper. Es ist auf den …
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Grundlagen und Zusammensetzung
Lymphe ist eine wässrige, hellgelbe Flüssigkeit in den Lymphgefäßen. Sie bildet das Zwischenglied zwischen Gewebsflüssigkeit (Interzellularflüssigkeit) und Blutplasma. Zusammen mit den Lymphgefäßen bildet sie das Lymphsystem, das neben dem Blutkreislauf ein wichtiges Transportsystem des Körpers ist. Es transportiert Nähr- und Abfallstoffe und führt Krankheitserreger sowie Fremdkörper zu den Lymphknoten.
Lymphe besteht aus Zellen und Lymphplasma. Ihr pH-Wert beträgt 7,41, ihre Dichte 1,14 g/cm³. Anfangs ähnelt sie der Gewebsflüssigkeit und enthält unter anderem Harnstoff, Kreatinin, Glucose sowie Natrium-, Kalium-, Phosphat- und Calciumionen. Außerdem kommen Enzyme wie Amylasen, Katalase, Dipeptidasen und Lipasen vor.
Lymphe enthält Fibrinogen und Fibrinvorläufer. Wenn sie länger steht, können diese Stoffe eine Gerinnung auslösen: Lymphozyten werden dabei eingeschlossen, und die überstehende Flüssigkeit heißt Lymphserum. Die Proteinkonzentration beträgt im Durchschnitt drei bis fünf Gramm pro Liter; in Lymphgefäßen des Verdauungstraktes kann sie bis vier, in denen der Leber bis sechs Gramm pro Liter betragen. Nach einer fettreichen Mahlzeit enthält Lymphe ein bis zwei Prozent Lipide. Sie erscheint dann milchig und heißt Chylus.
Entstehung und Transportweg
Aus den Blutkapillaren gelangt wegen der Differenz zwischen osmotischem Druck und Perfusionsdruck ein Teil des Blutplasmas in das umliegende Gewebe. Diese Gewebsflüssigkeit versorgt Zellen und nimmt Stoffwechselprodukte auf. Da Blutzellen die Gefäßwand nicht durchdringen, enthält sie nur Wasser und gelöste Stoffe.
Nach Studien von Levick und Michel werden sämtliche gelösten und zum Abtransport bestimmten Stoffwechselprodukte ausschließlich über das Lymphgefäßsystem aufgenommen. Erst nach der Filterung in den Lymphknoten erfolgt ein Rücktransport in das venöse System. Die verbleibende Flüssigkeit sammelt sich als Lymphe in den Lymphbahnen. Beim Menschen entstehen etwa 1,5 bis 2 ml/min beziehungsweise zwei bis drei Liter täglich.
Lymphagoga sind lymphtreibende Mittel. Dazu zählen Hühnereiweiß, Galle, Pepton, Salze, Harnstoff und Zucker.
Aufgaben der Lymphe
Das Lymphsystem transportiert Stoffe, die wegen ihrer großen molaren Masse oder ihrer Hydrophobie – also ihrer schlechten Löslichkeit in Wasser – nicht direkt durch Blutgefäßwände in den Blutkreislauf gelangen können. Dazu gehören Proteine und Lipide aus dem Verdauungstrakt. Lipide werden dabei als Chylomikrone transportiert. Ein großer Teil der nach der Verdauung im Darm aufgenommenen Lipide gelangt über die Lymphe und den Ductus thoracicus in die Blutbahn.
Eine zweite zentrale Aufgabe betrifft die Immunabwehr. Fremdkörper und Krankheitserreger werden mit der Lymphe zu den Lymphknoten transportiert. Dort beginnt die Immunantwort: Lymphozyten, die für bestimmte Fremdstoffe spezifisch sind, vermehren sich. Die Vermehrung spezifischer T- und B-Zellen im Lymphknoten heißt Keimzentrumsreaktion. Auch Lymphozyten selbst werden über die Lymphe in die Zirkulation aufgenommen. So können Fremdstoffe im gesamten Körper bekämpft werden.
Lymphgefäße und Lymphknoten
Lymphgefäße führen die im Gewebe aufgenommene Lymphe zurück in den Blutkreislauf. Sie beginnen blind als initiale Lymphgefäße, die Lymphkapillaren. Diese liegen mit Ankerfilamenten zwischen den Gewebezellen. In ihnen wird Gewebsflüssigkeit zu Lymphe. Sie haben einen Durchmesser von 50 μm und bestehen aus einer einfachen Endothelschicht mit Lücken, durch die Gewebsflüssigkeit einfließen kann. Ihr Lumen ist etwas größer als das von Blutkapillaren; dadurch können sie auch Proteine und geronnenes Blut bei Verletzungen abtransportieren.
Mehrere Lymphkapillaren vereinigen sich zu größeren Gefäßen. Deren Wände bestehen aus Tunica intima, Tunica media und Tunica adventitia. Die Gefäße münden in Lymphknoten, welche die Lymphe sammeln und filtern. Über Vasa efferentia verlässt die Lymphe die Knoten wieder. Schließlich fließt sie über Lymphsammelstämme, die Trunci, in den Venenwinkel zwischen Vena jugularis interna und Vena subclavia und damit in den Blutkreislauf. Der Brustmilchgang transportiert nach fetthaltiger Nahrung milchig wirkende Lymphe mit Chylomikronen.
Lymphknoten kommen überall im Körper außer im zentralen Nervensystem vor, besonders am Hals, in der Achsel und in der Leistengegend. Sie sind 5 bis 20 mm groß, oval bis bohnenförmig und besitzen eine Kapsel, eine äußere Rinde (Cortex) und ein inneres Mark (Medulla). In ihnen liegen viele Lymphozyten und Fresszellen. Zuführende Vasa afferentia leiten Lymphe über Randsinus, Intermediärsinus und Marksinus zu den ableitenden Vasa efferentia. Beim Durchfließen von Lymphknoten kann die anfangs zellarme Flüssigkeit bis zu 700.000 neu gebildete Lymphozyten je Mikroliter aufnehmen.
Erkrankungen und Beschwerden
Ist der Lymphabfluss durch verstopfte Lymphgefäße gestört, entstehen Lymphödeme: Flüssigkeit sammelt sich im Interstitium, dem Zwischenzellraum. Dies kann auch nach der Entfernung benachbarter Lymphstationen bei einer Tumorresektion geschehen. Wird das Ödem durch Tumorwachstum verursacht, das den Lymphstrom mechanisch beeinträchtigt, heißt es Malignes Lymphödem.
Bei Elephantiasis behindern durch Insekten übertragene parasitäre Würmer, die Filarien, den Lymphabfluss. Die Erkrankung tritt vorwiegend in tropischen Regionen auf und betrifft meist Beine sowie äußere Geschlechtsteile. Eine bakterielle Entzündung der Lymphbahnen heißt Lymphangitis, eine Entzündung der Lymphknoten Lymphadenitis. Krebszellen können sich vom Primärtumor über Lymphgefäße ausbreiten; dies wird lymphogene Metastasierung genannt. Metastasen in Lymphknoten heißen Lymphknotenmetastasen.