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Intonation (Musik)

Intonation bezeichnet in der Musik verschiedene Vorgänge und Tätigkeiten. Inhaltsverzeichnis. 1 Intonation in der Ensemblemusik.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutungen
  2. 2. Tonhöhe im Ensemble
  3. 3. Zu tief oder zu hoch
  4. 4. Instrumente und Technik
  5. 5. Einrichten des Klangs
  6. 6. Musikstück und Wissenschaft

Grundbedeutungen

Intonation bezeichnet in der Musik mehrere unterschiedliche Vorgänge und Tätigkeiten. Im praktischen Musizieren meint sie vor allem die Feinabstimmung der Tonhöhe: Musizierende hören genau aufeinander und passen einzelne Töne so an, dass Zusammenklänge möglichst sauber klingen. In anderen Zusammenhängen bedeutet Intonation auch das Angleichen von Klangfarbe und Lautstärke eines Instruments, eine kurze Einleitung zu einem Musikstück oder einen musikwissenschaftlichen Begriff für musikalische Ausdrucks- und Bedeutungsbildung.

Wichtig ist der Begriff, weil kleine Abweichungen der Tonhöhe den Klang eines Ensembles stark beeinflussen können. Besonders bei Stimmen, Blasinstrumenten und bundlosen Saiteninstrumenten kann die Tonhöhe während des Spielens oder Singens flexibel verändert werden. Dadurch können Intervalle wie Quinten, Quarten und besonders Terzen anders als in der gleichstufigen Stimmung so angepasst werden, dass sie rein erklingen.

Tonhöhe im Ensemble

In der Ensemblemusik ist Intonation die Feinabstimmung der Tonhöhe beim gemeinsamen Musizieren. Sängerinnen und Sänger sowie Spielerinnen und Spieler mancher Instrumente können durch genaues Aufeinanderhören ihre Töne an den jeweiligen Akkord anpassen. Gelingt diese Anpassung gut, verbessert sich der Gesamtklang.

Ein Beispiel im Artikel zeigt einen Passus duriusculus nach W. A. Mozart, Misericordias Domini in d-Moll (KV 205 a). Dort werden diatonische und chromatische Halbtonschritte im Bass durch Anpassungen an den Akkord ermöglicht. In reiner Stimmung ergeben sich im Bass für die angegebenen Schritte unterschiedliche Cent-Werte: c → h 112 Cent, h → b 092 Cent, b → a 112 Cent, a → as 71 Cent und as → g 112 Cent. Cent ist dabei eine Maßeinheit für Tonhöhenabstände; sie macht sichtbar, dass Halbtonschritte je nach musikalischem Zusammenhang verschieden groß sein können.

Zu tief oder zu hoch

Wenn ein Musikstück nach dem Singen oder Spielen zu tief endet, spricht man von Detonieren. Endet es zu hoch, heißt dies Distonieren. Besonders im Chorgesang ist dieses Phänomen zu beobachten. Es betrifft aber auch Blasinstrumente und bundlose Saiteninstrumente, darunter viele Streichinstrumente sowie manche Zupfinstrumente, zum Beispiel E-Bässe ohne Bünde.

Im Chorgesang wird als Ursache des Detonierens oft einseitig auf Kommarückungen verwiesen. Der Artikel betont jedoch, dass die Ursachen vielschichtig sind. Neben Unterschieden zwischen Stimmungssystemen können gesangstechnische Probleme eine Rolle spielen. Auch mangelnde Achtsamkeit bei schwierigen Stellen wie Tonwiederholungen, Piano-Stellen oder Abwärtsbewegungen kann dazu beitragen. Zurückhaltendes oder ängstliches Singen wird ebenfalls als mögliche Ursache genannt.

Instrumente und Technik

Bei Saiteninstrumenten mit Bünden, zum Beispiel der Gitarre, bezeichnet Bundreinheit den Grad der Tonhöhengenauigkeit, der durch die Anordnung der Bünde erreicht wird. Verwandt ist der Begriff Oktavreinheit. Bei einigen Bundinstrumenten wie Gamben oder Lauten sind die Bünde traditionell nicht fest angebracht. Deshalb trägt die Musikerin oder der Musiker selbst Verantwortung für die Intonation. Sie kann durch moderates Verschieben der Bünde und teilweise durch eine leichte Veränderung der Fingerhaltung beeinflusst werden.

Bei digitalen Instrumenten lassen sich häufig verschiedene Stimmungen, Tonsysteme, Lautstärken und Klangfarben wählen. Tonhöhe und Klang werden normalerweise durch präzise quarzgesteuerte, integrierte Schaltkreise kontrolliert. Dadurch entstehen keine ungewollten Abweichungen der Intonation. Viele Klangparameter können außerdem über MIDI eingestellt und auf das Instrument übertragen werden. MIDI ist die digitale Schnittstelle für Musikinstrumente.

Einrichten des Klangs

Bei Tasteninstrumenten hat Intonation noch eine andere Bedeutung. Wenn für jeden Ton ein eigener Tonerzeuger vorhanden ist, zum Beispiel Saiten beim Klavier oder Pfeifen bei der Orgel, meint Intonation die Angleichung von Lautstärke und Klangfarbe dieser Tonerzeuger untereinander. Klangfarbe bezeichnet die besondere Klangqualität eines Tons, durch die man Instrumente oder Register unterscheiden kann.

Diese Angleichung geschieht durch Eingriffe am Tonerzeuger oder an der zugehörigen Mechanik. Beim Klavier kann dies den Hammer betreffen, bei der Orgelpfeife das Labium. In der Regel ist diese Arbeit Aufgabe des Instrumentenbauers. Sie wird einmalig beim Bau oder später bei einer Generalüberholung vorgenommen. Bei Orgeln ist das Intonieren besonders aufwendig, weil viele Register und Pfeifen einzeln bearbeitet werden müssen.

Musikstück und Wissenschaft

Intonation kann auch eine kurze Einleitung eines Musikstücks bedeuten. Beim gregorianischen Gesang ist damit zum Beispiel eine vom Vorsänger ausgeführte Einleitung gemeint. Auch ein kurzes Orgelvorspiel vor einem Gemeindelied kann als Intonation bezeichnet werden.

In der Musikwissenschaft wurde der Begriff aus dem Bereich der Sprache übernommen. In der sowjetischen Musikwissenschaft wird Intonation im Sinne von Boris Assafjews Konzeption von der intonationsmäßigen Natur der Musik verstanden. Sie gilt dort als Grundlage musikalischer Ausdruckshaftigkeit und sinnvoller musikalischer Aussage. Zugleich kann sie Eigenheiten verschiedener nationaler oder persönlicher Stile ausprägen. Die Grundlagen dieser Intonationslehre wurden vom russischen Musikwissenschaftler Boleslaw Jaworski (1877–1942) gelegt und von Assafjew weiterentwickelt.

In der russischen Musikpädagogik und Musikwissenschaft kann Intonation außerdem eine kleine, sinnvolle melodische Floskel bezeichnen. Beispiele sind Ausdrücke wie „Intonation der aufsteigenden Quarte“, „Intonation der elegischen Sexte“, „klagende Intonation“, „rufende Intonation“, „Seufzerintonation“ oder „Intonation der Auferstehung“ im Sinne eines Leitmotivs. Auch Stilelemente können so benannt werden, etwa „Intonationen der Massenlieder“ oder „Die Intonationen des bürgerlichen Salons der Epoche des Modernismus“.

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